Russland Postzensur 1914 - 1917
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Postkarte vom 1.4.1915 aus Petrograd in die Schweiz. Zensurstempel ist der sehr häufige Typ 3 aus Petrograd. Zu dem sind rechts unten die Initialen des Zensors zu sehen. Diese konnte ich aber keiner Nummer des Typ 7 zuordnen. Eine weitere von mir bebotene Karte mit anderen handschriftlichen Initialen bekam ich leider nicht.
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Moin 241264hsv-fan,
ich habe auch noch mal meine Bestände durchgesehen, es gibt zwar eine gewisse Ähnlichkeit bei den Nummern 24 und 35 aber eben nur ähnlich, nicht gleich.
Werde demnächst auch mal wieder was einstellen.
Viele Grüße
DKKW
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Hallo zusammen,
es ist zwar aktuell wieder ein interesantes Objekt auf dem Postweg zu mir aber ich habe auch mal wieder meine Sammlung rausgeholt, die mich vor vielen Jahren "angefixt" hat. Die Karte, die ich morgen zeigen wollte lag oben offen auf, ich war mir also nicht sicher ob ich sie nicht schon gezeigt habe.
Ich habe mich also die beiden letzten Tage durch über 90 Seiten durchgearbeitet, mal nur diagonal, meist intensiver. Es ist schon unglaublich was hier in den letzten Jahren zusammengetragen und präsentiert wurde.
Neben etlichen Briefen aus bzw.nach Persien fiel mir besonders ein Beleg auf, den 241264hsv-fan im Beitrag #892 am 4.2.2019 auf Seite 45 gezeigt hat. Der Brief lief über Odessa und Sibirien nach Britisch-Indien.
Aufgrund der (wenigen) Transitstempel läßt sich die Postroute einigermassen rekonstruieren.
Aufgrund der Transitstempel von Shangahi ist offensichtlich, dass der Beleg über Sibirien und nicht über Skandinavien und England lief. Dann finden wir den Transitstempel von Dhanushkodi. Das ist schon sehr ungewöhnlich, Dhanushkodi ist der Fährhafen einer Südindien vorgelagerten Insel der Fährverbindung Ceylon (Sri Lanka) und Indien. Es ist anzunehmen, dass der Beleg von Shanghai via Singapur nach Ceylon (Trincomalee oder Colombo) transportiert wurde und dann per Bahn und Fähre via Dhanushkodi nach Indien gelangte. Vermutlich ging es dann per Bahn ins heutige Pakistan nach Quetta und von dort weiter in das östlich von Quetta gelegene Ziarat. Schon eine abenteuerliche Route.
Der Beleg ist eindeutig in der falschen Sammlung

Viele Grüße
DKKW
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Besten Dank für deine Erklärung. Das ist wahrlich ein abenteuerlicher Weg. Dabei geht es mir viel mehr um den Zensurstempel. Bisher habe ich von Grosny keinen weiteren Stempel gesehen.
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Hallo zusammen,
um die Wartezeit bis zum Eintreffen einer Sendung mit einer interessanten Destination zu verkürzen hier eine Postkarte bei der ich wieder mal nichts entziffern kann.
Die Karte wurde bei der Bahnpost Petrograd-Warschau am 9.10.15 (jul. Kalender) eingeliefert und lief zunächst nach Petrograd, dort am 26.10.15 angekommen und der Zensur übergeben (Allein 17 Tage Laufzeit!). Bei der 1. Ekspeditatia zensiert, der Ra3-Stempel Speeckaert Type 15 mit der Zensorennummer 64 ist der wohl häufigste Zensurstempel Petrograds bzw. Russlands. Postausgangsstempel Petrograd vom 31.X.15.
Die Karte war unterfrankiert, siehe "T"-Stempel. Über der kyrillisch geschriebenen und für mich unleserlichen Adresse steht ganz dünn mit Bleistift "Kopenhagne / Croix Rouge"
Nun meine Fragen:
Wer war Absender (vermutlich links senkrecht)?
Wer war Emfänger?
Was bedeutet der Negativstempel? Hat das was mit dem Nachporto zu tun oder ist das ein mir unbekannter (evtl. Militär-)Zensurstempel. Ich kann nur Paket im Mittelteil entziffern. Oder heisst das u. U. dass hier Post an das dänische Rote Kreuz im Paket verschickt wurde? Habe ich so aber auch noch nie gesehen.
Viele Grüße
DKKW
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Ich habe es auch versucht zu entziffern, aber bringe nichts Brauchbares zusammen. Allerdings lese ich Zensornummer 64.
Gruß
lickle
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датский красный крест = Dänisches Rotes Kreuz
город Сувалкие = Stadt Suwalki (eine Stadt in Polen, gehörte bis 1919 zum Zarenreich)
казеннолыи родину Розенберг = so ähnlich wie "Regierungsbezirk" (auf jeden Fall eine Verwaltungseinheit) Rosenberg
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Auf dem lila Paket-Stempel vermeine ich zu lesen, wenn auch mit etwas Mut zur Phantasie:
5ю Сувалк бригад = 5. Suwalki-Brigade
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Im WWW fand ich einen Bericht über das Dänische Rote Kreuz im 1. Weltkrieg:
" ...The DRC also established POW offices in Austria, Germany and Russia to help organize the distribution of letters and packages as well as medical supplies for POWs in Russia. ..."
Das ist zwar auch ein wenig spekulativ, aber vielleicht hat der Absender eine Hilfslieferung für Kriegsgefangene an das Büro des Dänischen Roten Kreuzes in Suwalki geschickt, die vor Ort die militärische Zensur passieren mußte (darum der lila Stempel mit dem Namen der Einheit).
Was für ein spannendes Sammelgebiet!
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Der Absender war Soldat der russischen Armee. Der violette Negativ-Stempel ist ein russischer Truppenstempel und diente der Portofreiheit - wie schon oben bemerkt gehörte er der 5. Suwalki-Brigade an.
Da Suwalki im August 1915 von dt. Truppen besetzt wurde (der Schreiber wusste das) wurde das Dänische Rote Kreuz als Vermittler zur Weiterleitung zugefügt. Der direkte Weg war ja nicht mehr möglich. Postaustausch nur noch über neutrale Länder.
Demnach war der Leitweg:
Aufgabe im fahrenden Postamt 3 der Linie Petrograd-Warschau nach Petrograd, dort zensuriert, fehlendes Porto wurde mokiert (Tax-Stempel) jedoch nicht nachtaxiert da Truppenstempel und an dän.RK, mit Rötel unterstrichen und handschriftlich lesbar zugefügt.
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Hallo zusammen,
vielen Dank für Eure Erklärungen. Beide Kriegsparteien habe für den Austausch der Kriegsgefangenenpost in der Regel das Dänische Rote Kreuz bzw. entsprechende dänische Hilfsorganisationen in Anspruch genommen (seltener die schwedischen Pendants)
lickle stimmt, wird korrigiert
Viele Grüße
DKKW
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Hallo zusammen,
heute zeige ich Euch einen Brief bei dem ich Eure Hilfe brauche. Es handelt sich um einen Wertbrief aus Zarskoje nach Kopenhagen mit 5 Rubel (umgerechnet in 13frc. 33c), Frankiert mit insgesamt 36 kop. (10 kop. für den eingeschriebenen Auslandsbrief und 26 kop. Versicherungsgebühr).
Ich sehe keinerlei Zensurvermerk, die rückseitig angebrachten Siegel sind m.E. privat. Die rückseitig über dem kyr. R-Zettel von Zarskoje befindliche Unterschrift könnte unter Umständen ein handschriftlicher Zensurvermerk sein. Zarskoje hatte offenbar keine eigene Zensurstelle.
Interessant auch der rückseitige Transitstempel von S. Petersburg vom 23.6.15, eine recht späte Verwendung eines Sankt Petersburg-Stempels.
Ach ja, anhei64 hatte im Beitrag #1.108 vom 29.9.2019 ebenfalls einen Wertbrief gezeigt, der weist aber einen Zensurstempel auf.
Viele Grüße
DKKW
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Zarskoje Selo hatte, soweit ich weiß, eine Zensurstelle, aber einen Zensurvermerk kann ich hier nicht entdecken. Die Siegel sind ganz sicher privater Natur, weisen aber auch auf ein fürstliches Haus hin. Möglicherweise wurde deshalb auf eine Zensur verzichtet.
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Moin 241264hsv-fan,
ich habe den Speeckaert jetzt mehrfach durchgesehen, alle möglichen Schreibweisen von Zarskoje Selo getestet. Null!
Im alten Speeckaert bin ich im 2. Nachtrag unter "Tsarskoe Selo" fündig geworden. Der dort abgebildete Stempel wurde aber demnach erst im November 1915 eingeführt. Im Skipton/Michalove habe ich auch nichts gefunden.
Viele Grüße
DKKW
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Hallo zusammen,
noch so ein etwas eigenartiger Zensurbeleg. Es handelt sich um eine Postkarte aus Moskau an das Dänische Rote Kreuz in Kopenhagen. Die karte wurde eingeschrieben verschickt, siehe handschriftlicher Vermerk "3aka3hoe" oben links. allerdings wurde kein R-Aufkleber verwendet. Eventuell ist dieser mit roter Tinte neben dem Wertstempel angebrachte handschriftliche Vermerk mit der Nr. 641 die Einschreibnummer. Leider ist genau darüber der Kopenhagener Ankunftstempel abgeschlagen, ich kann zwar Moskva lesen, das darunter befindliche Wort nicht.
Der Zensorenstempel No. 93 ist Speeckaert Type 8 (sehr häufig) in violett, die No. 93 kommt laut Speeckaert auch in schwarz vor.
Viele Grüße
DKKW
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Hallo zusammen,
Brasilien hatte ich bislang überhaupt noch nicht und dann auch noch incoming mail. Eine Postkarte aus Rio de janeiro aus dem Jahr 1916 nach Russland.
Zensurstempel Type 15 (sehr häufig) mit der Zensorennummer 714 und Type 27 (ebenfalls sehr häufig) mit der Nummer 5.
Viele Grüße
DKKW
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Zu deinem Wertbrief DKKW:
Wertbriefe mussten offen bei der Post eingeliefert werden um sicherzustellen, dass dort lediglich Geld, jedoch keine schriftliche Mitteilung innen lag. Erst dann wurde mit der Petschaft des Eigentümers der Wertbrief verschlossen. Üblicherweise an vier Punkten, der mittlere war dem Postamt vorbehalten.
Der Wertbrief lief über Petrograd und wurde dort (oft) nicht mehr geöffnet um nachzuschauen ob "Schriftkram" innen lag. Da verließ man sich auf die zuvor versiegelnde Stelle, in deinem Fall das Postamt Zarskoje Selo.
Der Brief war an den russ. Hofrat Leonidas von Pjankoff einem Bevollmächtigten der Moskauer Stadtverwaltung in Kopenhagen gerichtet, der Auskünfte, Post, Geld und Liebesgaben an russische Kriegsgefangene bei den Mittelmächten vermittelte.
Die Petrograder Postverwaltung arbeitete mitunter noch recht lange mit Stempeln der ehemaligen Postabteilungen.
Nur bei den Zensurstempeln ist dies anders, die wurden ja erst bei oder nach der Umbenennung der Stadt hergestellt. Aber selbst hier gibt es Stempel die die Abkürzung "СПГ" = St. Petersburg tragen.
Zu der Postkarte nach Kopenhagen:
Das handschriftliche Provisorium als Registriervermerk beinhaltet "Москва 6 Эксп 641" = Moskau 6. Expedition Nr. 641. Ob "Nr." tatsächlich dort steht vermag ich von hier nicht zu ermessen.
Der Postbeamte behalf sich, da anscheinend die R-Zettel aus waren - trotzdem ungewöhnlich.
Interessant ist hier der Auslandsposttarif von 28 Kopeken (Postkarte + Einschreiben).
Sie war gerichtet an die polnische Unterabteilung der Abteilung Russland beim Dän. RK.
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