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Russland Postzensur 1914 - 1917

  • DKKW
  • 1. November 2011 um 13:34
  • DKKW
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    • 1. November 2011 um 13:34
    • #1

    Hallo zusammen,

    nachdem einige von uns in letzter Zeit viel Spass mit den Nummernstempeln der St. Petersburger Stadtpost hatten möchte ich ein weiteres Sammelgebiet von mir vorstellen: Zensurpost aus nach und durch Russland während des 1. Weltkrieges.
    Diese Sammlung hat ihren Ursprung in meiner Transsibiriensammlung. Ich bekam von einem Händler in Skandinavien eine Zensurpostsammlung angeboten, die einige der von mir gesuchten Transsibirienbelege enthielt. Der Händler wollte die Sammlung aber nur en bloc verkaufen. Also Fachliteratur in der Philatelistischen Bibliothek in München gesucht um die (vielen) übrigen Belege für einen Weiterverkauf einordnen zu können. Bei der Beschäftigung mit der Materie merkte ich, wie schwer es für die russische Post war, Auslandssendungen am Kriegsgegner vorbei zum Empfänger zu bringen. Welche Postwege standen den Russen denn noch zur Verfügung? Fast alles ging über Finnland (damals unter russischer Herrschaft) und Schweden in den Westen.
    Ansonsten blieb nur der Weg über Sibirien, über Persien lief anscheinend nichts (außer den Sendungen von und nach Persien). Auf jeden Fall ein spannendes Gebiet. Auslandspost aus Russland ist leichter zu finden als Post nach Russland.
    Eine weitere Sammlung war am Entstehen, verkauft habe ich nichts.

    Als Auftakt zeige ich einen Brief aus St. Petersburg nach Triest, der vom Kriegsausbruch überrascht bei der Danziger Postzensur hängenblieb und erst am 19. September 1914 geprüft und freigegeben wurde. (Eventuell habe ich diesen Brief schon einmal in einem anderen thread gezeigt)

    Viele Grüße
    DKKW

    Bilder

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    Einmal editiert, zuletzt von DKKW (1. November 2011 um 13:36)

  • northstar
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    • 1. November 2011 um 15:32
    • #2

    Hallo DKKW,

    genial, Du bist meinem Vorschlag zuvorgekommen :)

    Werde versuchen, beizeiten auch etwas beizutragen.

    Es fehlt ja auich noch mein Abschlussbeitrag im Nummernstempel-Thread


    brgds
    ein z.Zt. mit Arbeit überhäufter und deswegen meist nur lesender northstar

    Libertatem quam peperere maiores digne studeat servare posteritas.

  • DKKW
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    • 4. November 2011 um 20:06
    • #3

    Hallo zusammen,

    mein frühester russischer Postzensurbeleg ist ein eingeschriebener Geschäftsbrief aus Moskau nach Kopenhagen, der am 24.7.1914 (jul. Kalender = 7.8.1914 greg. Kalender) der Post übergeben worden ist.
    Der 1. Weltkrieg begann im Osten bekanntlich mit der deutschen Kriegserklärung gegen Russland am 1.8.1914 (greg. Kalender = 19. 7.1914 jul. Kalender).
    Die frühen russischen Postzensuren zeigen provisorische Zensurbanderolen und Briefverschluss durch Wachssiegel. Ein enorm zeitaufwändiges Verfahren.
    Rückseitig ist der ovale Zensurstempel "Geöffnet Militärzensur" St. Petersburg Speeckaert nr. 2 in rot (recht häufig) abgeschlagen. Der Brief kam am 17.9.14 in Kopenhagen an.
    Nachdem der Schiffsverkehr auf der Ostsee unmittelbar nach Kriegsbeginn eingestellt wurde, lief der Postverkehr zunächst über finnische Häfen nach Schweden und dann (nachdem einige Postschiffe aufgrund von Minentreffern untergingen) über die Landverbindung Tornea/Haparanda in Lappland.

    Viele Grüße
    DKKW

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  • northstar
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    • 5. November 2011 um 20:07
    • #4

    Hallo miteinander,

    Leider habe ich das Werk von Speeckaert (noch) nicht. Insofern werde ich gelegentlich u.a. auf M. Kosoj (Voennaya cenzura poctovoj korrespondencij v period pervoj mirovoj vojiny; in Sovetskij Kollecioner 24, 1987, S. 56-74) bezugnehmen.

    Nach Kosoj waren in Petrograd 5 verschiedene Typen von Wachssiegeln in Verwendung. Das von DKKW gezeigte Siegel ist wohl Typ 54. Nach Kosoj wurden Wachssiegel zum Wiederverschließen von Wertsendungen sowie Einschreibbriefen mit bei der Prüfung vorgefundenen Wertpapieren (Wechsel, Scheck u. dergl.) verwendet.

    Ich zeige heute einen Beleg mit Typ 55. Der Einschreibbrief am 07.02.1915 von einem Photogeschäft in Kurgan (ca. 1.700 km südöstlich von Moskau) an einen Kunstverlag in Stockholm versendet. Der Brief wurde in St. Petersburg von der Zensur geöffnet und durch Wachssiegel wieder verschlossen. Er trägt einen Transitstempel Petrograd 1. Eksp[edition]. vom 13.02.1915 (julian.) und einen Ankunftstempel Stockholm ANK.A. vom 07.03.1915 (gregor.). Außer dem Wachssiegel weist der Brief noch einen rechteckigen violetten Stempel mit Namenszeichen und Nummer des Zensors auf.

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    Libertatem quam peperere maiores digne studeat servare posteritas.

    Einmal editiert, zuletzt von northstar (5. November 2011 um 21:49)

  • DKKW
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    • 12. November 2011 um 13:32
    • #5

    Hallo zusammen,

    heute zeige einen eingeschriebenen Geschäftsbrief aus Reval über Petrograd nach Stockholm. In Reval am 18.5.15 (jul. Kalender) abgestempelt. In Petrograd von der russ. Zensur geöffnet und mit Lacksiegel (Type 46 nach Speeckaert, Type 54 nach Kosoj?) verschlossen. Außerdem mit dem Zensorenstempel 65 (Speeckaert Type 10) versehen. Ankunftstempel Stockholm leider undeutlich, wohl 7.6.15 (greg. Kalender).
    Route: Reval-Petrograd-Torneo-Happaranda-Stockholm

    Frankiert mit zwei 10 Kop. Marken der Kriegshilfe-Ausgabe 1914.

    Viele Grüße
    DKKW

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  • DKKW
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    • 13. November 2011 um 21:48
    • #6

    Hallo zusammen,

    ein besonderes Kapitel in der russischen Zensurpost des 1. Weltkrieges stellen die Tarnstempel dar. Es gibt hierzu ein recht gutes Werk von Arnold Levin, dass zu meinem Glück von David Skipton ins englische übertragen wurde: The Mute Cancels of Russia 1914 - 1917.
    Diese stummen Tarnstempel sind selten, sehr gesucht und deshalb teuer. Ich kann aus diesem Grund auch nur wenige Beispiele zeigen.
    Mein erstes Beispiel ist eine englisch geschriebene Karte nach Odense vom 12.11.1914 (es scheint sich dabei um den greg. Kalender zu handeln). Das Paar der 2 Kopeken-Marke ist mit einem Tarnstempel (Sechsring mit Punkt) entwertet.
    Ein stummer Sechskreisstempel mit Punkt wurde unter anderem in Warschau verwendet, dafür spricht auch die Bildseite mit polnischer Flagge und anscheinend sehr patriotischem Aufruf an das polnische Volk.
    Die Karte lief eigenartigerweise über Odessa und trägt den Zensurstempel (Type 2 nach Speeckaert) der Postzensur Odessa. Außerdem ist der Datumstempel Odessa vom 5.11.14 (jul. Kalender) abgeschlagen.
    Über die Route kann man nur spekulieren, theoretisch wäre ein Transit über Rumänien, Bulgarien und Griechenland möglich gewesen, ich vermute aber das die Karte trotz des Umweges über Odessa über Petrograd - Torneo - Haparanda nach Dänemark lief.

    Viele Grüße
    DKKW

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  • northstar
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    • 20. November 2011 um 00:17
    • #7

    Moin, moin,

    Heute zeige ich noch einmal einen Brief mit Lacksiegel (Kosoy Abb. Nr. 55 *), der Abdruck des Petschaftes ist nicht so ausgeprägt, das Relief des Doppeladlers insofern etwas flach.

    Der Brief wurde in Petrograd 70 (TSt v. 28.11.1915 julianisch) aufgegeben, erhielt einen Stempel der 1. Expedition des Petrograder Postamtes am 29.11.1915 von dem der Brief der Zensur gestellt wurde; Ankunft des Briefes in Stockholm am 1.1.1916 (gregorianisch), in Göteborg 1 am 02.01.1916. Laufzeit mithin 22 Tage.

    Außer dem Rechteckstempel mit dreizeiligem Text „Geöffnet durch die Militärzensur / S[tadt]. Petrograd / Militär-Zensor Nr. 31“ (Nr. nach Kosoy Z.1.05.31 *), weist der Umschlag noch den zweifachen handschriftlichen Zahlenvermerk „146“ in Bleistift bzw. Blaustift auf der Vorderseite (Bedeutung Anzahl der Briefe oder Nr. des Briefes im zu prüfenden Stapel) sowie die Buchstaben „Zl“ (vermutlich Abkürzung bzgl. des Inhaltes der Sendung) und ein Namenszeichen in violettem Stift auf der Rückseite (vgl. Kosoy, S. 74). Der ab August 1915 verwendete Rechteckstempel mit Nummer des Zensors erübrigte die Anbringung eines Namenszeichen-Stempels (bei Kosoy „Siegel“). Der Rechteckstempel mit Nummer des Zensors ist somit auch ein „Siegel“, da er die Freigabe der Sendung zur Weiterbeförderung bestätigt. Kosoy erwähnt einen Nummernbereich von 69-2032, die 31 auf meinem Beleg liegt also außerhalb. Gibt es evtl. Erkenntnisse bei Speeckaert hierzu?


    Absender des Briefes war die Firma der Erben des Petersburger „Lumpenkönigs“ (für die Papierherstellung) Markus Ziv, Kaufmann der 1. Gilde, der in der Straße seiner Kontoranschrift eine herrschaftliche Stadtvilla hinterlassen hat.


    Zu DKKW´s im vorvorigem Beitrag gezeigten Beleg:

    Ich würde sagen, das Siegel ist Nr. 54 nach Kosoy. Die Darstellungen in Kosoys Aufsatz sind leider nur schematisch, aber die Typen lassen sich schon auseinanderhalten.


    * Zur Nummerierung bei Kosoy: die von mir bisher erwähnten Nummern sind die der Abbildungen. Eigentlich hat Kosoy eine Klassifizierung und Kodierung auf der Grundlage eines von Dobin entwickelten Systems für die Petersburger Stempel erstellt. Die gezeigten Lacksiegel wären richtigerweise: Z 2.01.01 bzw. Z.2.01.02. Ich werde mich fürderhin dieser Nummern bedienen und die vorübergehende Bequemlichkeit ablegen.

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    Libertatem quam peperere maiores digne studeat servare posteritas.

  • DKKW
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    • 20. November 2011 um 21:20
    • #8

    Hallo zusammen,

    Tarnstempel sind dann besonders absurd, wenn Absendervermerke verraten, woher der Brief stammt, Tarnstempel hin oder her.
    Hier ein Beispiel eines "sinnlosen" Tarnstempels." Der Brief aus Warschau mit dem stummen 6-Ringstempel mit Punkt trägt deutlich vorder- und rückseitig den Absenderstempel "Pawel Haptman Agence Varsovie ..."
    Außerdem rückseitig den Zensurstempel (Type 2 nach Speeckaert) der Zensurstempel Petrograd.
    Route offensichtlich Warschau-Petrograd-Torneo-Happaranda-Großbritannien.

    Viele Grüße
    DKKW

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  • 241264hsv-fan
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    • 23. November 2011 um 14:52
    • #9

    Ich zeige hier einen Brief mit den Nr. 99C, 100A, 101C und 102A. Der Brief ging von Riga - 16.3.15 nach Basel - 16.IV.15.
    Da mir die entsprechende Literatur fehlt, kann ich nichts dazu sagen.
    Porto 21 Kop. portogerecht ?

    Suche Kaiserreich Russland - insbesondere Punkt-Nummernstempel und Postzensuren 1. Weltkrieg.

    Einmal editiert, zuletzt von 241264hsv-fan (25. April 2018 um 09:49)

  • DKKW
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    • 23. November 2011 um 18:10
    • #10

    Hallo 241264hsv-fan,

    da will ein Philatelist aus Riga einem Sammlerfreund (oder Händlerkollegen?) in Basel eine Freude machen, bereitet einen Satzbrief der Kriegshilfe-Ausgabe vor, lässt ihn am Postamt Riga (gegen Bakschisch?) perfekt stempeln und dann kommt so ein lausiger russischer Zensor in Petrograd daher und macht alles kaputt.
    Als Gipfel seiner Dreistigkeit hinterlässt er sogar Hinweise auf seine Täterschaft: Zensorenstempel Nr. 31 mit Namenskürzel (Speeckaert Type 10). Das Siegel dürfte Speeckaert Type 46 sein.

    Ein philatelistischer Satzbrief, mit perfekt gestempelten Marken und genau die bieden Höchstwerte zerstört. Ein Jammer für jeden Markensammler. Der Empfänger hat den Brief immerhin ganz gelassen und so kann er diese Geschichte erzählen.

    Viele Grüße
    DKKW

  • -steppenwolf
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    • 24. November 2011 um 18:18
    • #11

    So einen Satzbrief kann ich auch zeigen,
    der geht aber nach Zürich.

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  • northstar
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    • 2. Dezember 2011 um 19:57
    • #12

    Moin, moin,

    Neben der Post ins Ausland wurden während des I. WK auch Sendungen zwischen den zum Russischen Imperium gehörenden Gebieten und dem Kernland sowie innerhalb Russlands selbst geprüft, insbesondere im Bereich von Kampfhandlungen und daran angrenzenden Gebieten.

    Heute zeige ich eine Postkarte mit Bahnpoststempel Hapsal [estn. Haapsalu, Gouvernement Estland] – Gdov [Gouvernement Pskov] vom 19.03.1915 nach Petrograd.
    Auf der Bahnstrecke befand sich ein Zensurpunkt in Taps [estn. Tapa]; dort wurde ein blauer, einzeiliger Stempel „Tapskij voennyj cenzor“ aufgebracht.

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    • Hapsal 90 Gdov_Pgd_Tapskij voen zensor_1915.jpg
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    Libertatem quam peperere maiores digne studeat servare posteritas.

  • DKKW
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    • 4. Dezember 2011 um 13:03
    • #13

    @ -steppenwolf
    auch hier ein Sammler- oder Händlerbrief, mit dem Siegel tue ich mich etwas hart, eventuell Speeckaert Type 46. Der Ra3-Zensurstempel ist Type 27. Der Zensurstempel gehört zu den häufig vorkommenden Stempeltypen (Nummern 6 bis 2060).

    @ northstar
    Da hast Du ja was ganz leckeres ausgegraben. Nach Speeckaert ist das Type 1 und "Zeer zelden" :P

    Viele Grüße
    DKKW

    Einmal editiert, zuletzt von DKKW (4. Dezember 2011 um 13:04)

  • DKKW
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    • 4. Dezember 2011 um 13:10
    • #14

    Hallo zusammen,

    ich zeige noch einmal einen Tarnstempel. Die Postkarte stammt aus Bessarabien (woher genau, dazu reichen meine armseligen Russisch- und Kyrillischkenntnisse nicht) und ist nach Rumänien gerichtet.
    Der Werteindruck ist mit dem Tarnstempel (Doppeltes Andreaskreuz) 565.07 von Kishinev (nach Levin) abgestempelt. Die Postzensur erfolgte in Odessa (Speeckaert Type 12, nicht so häufig).

    Viele Grüße
    DKKW

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  • northstar
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    • 4. Dezember 2011 um 20:45
    • #15

    Moin, moin @all

    Zitat

    Original von DKKW
    @ northstar
    Da hast Du ja was ganz leckeres ausgegraben. Nach Speeckaert ist das Type 1 und "Zeer zelden" :P

    Staun! Das ist wahrscheinlich die ausgleichende Gerechtigkeit dafür, daß ich so gut wie nie an irgendwelchen Glücksspielen teilnehme, und wenn doch, nie etwas gewinne. Diese Karte habe ich bei einem „Antikvariat“ (so heißen in SPb die Antik-Läden) für ganze 200 Rbl. aus dem Postkartenalbum gezogen. Mit war zwar klar, daß dieser Stempel wohl nicht so häufig ist. Aber dass er „zeer zelden“ ist, war mir da nicht bewusst.

    Der heute von mir vorgestellte Stempel sollte jedoch häufiger vorkommen. Es ist der Stempel einer Krag-Maschine der Vyborger Zensur (s.a. http://www.jkaptein.nl/krag01.htm), bei der anstelle des Tagesstempels die Buchstaben „D.C.“ (= dosmotreno censuroj) eingesetzt wurden. Die Karte wurde am 21.04.1915 (julianisch) in Petrograd 61 aufgeben. Bestimmungsort war das damals zu Finnland gehörende, an der Bahnlinie Petrograd –Vyborg gelegene Kellomäki auf der Karelischen Landenge, etwa 45 km vom Zentrum Petrograds entfernt (in Folge des Winterkrieges seit 1940 Teil der UdSSR, 1948 in Komarovo umbenannt; Ort der Sommerfrische für Leningrader Wissenschaftlern und Künstlern). Die Karte erhielt in Vyborg den roten Zensur-Maschinenstempel, einen Transitstempel am 06.05.1915 um 8 Uhr (gregorianisch; der Transitstempel ist ebenfalls ein Krag-Maschinenstempel), und traf am selben Tag nur eine Stunde später in Kellomäki ein. Die Karte legte wg. der Zensur eine zusätzliche Strecke von ca. 160 km - Kellomäki-Vyborg-Kellomäki – zurück.

    Nachtrag zur Karte von DKKW: eine Tante schreibt an ihren Neffen. Eine Ortsbezeichnung habe ich imText nicht entdecken können.

    Poka.

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    Libertatem quam peperere maiores digne studeat servare posteritas.

    Einmal editiert, zuletzt von northstar (4. Dezember 2011 um 20:53)

  • DKKW
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    • 10. Dezember 2011 um 13:10
    • #16

    Hallo zusammen,

    @ northstar: So sieht Sammlerglück aus :jaok:

    ich zeige heute einen mit 10 Kopeken (rückseitig) frankierten Auslandsbrief aus Petropavlovsk nach Kopenhagen aus dem Jahr 1915.
    Absender war die Compagnie d'Exporation danoise - Sibirienne (also die dänische Gesellschaft zur Erforschung Sibiriens) in Petropavlovsk. Es waren übrigens einige dänische Unternehmen in Sibirien tätig. Der Brief wurde am 19.3.1915 (jul. Kalender = 1.4.15 greg. Kal.) bei der Post aufgegeben un der Postzensurstelle Omsk zugeleitet. In Omsk wurde rückseitig der L1-Stempel Speeckaert Nr. 14 (Geöffnet durch Militärzensur) und vorderseitig der L3-Stempel Speeckaert Type 6 (Militärzensur Omsk + Name des Zensors) abgeschlagen. Die Stempeltype Nr. 6 ist eher selten. Der Brief kam am 23.4.15 (greg. Kalender) in Kopenhagen an.

    Viele Grüße
    DKKW

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  • DKKW
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    • 17. Dezember 2011 um 12:54
    • #17

    Hallo zusammen,

    eine weitere große dänische Firma in Sibirien war "Det Sibiriske Kompagni" mit Niederlassungen in vielen Sibirischen Orten.
    Hier zeige ich einen mit einem Paar der 10 Kop. Kriegshilfe-Ausgabe frankierten eingeschriebenen Brief aus der kasachischen Stadt Ust-Kamenogorsk (heute Öskenem) nach Kopenhagen. Der Brief wurde am 13.11.15 (jul. Kalender = 26.11.15 greg. Kal.) vom Postamt in Ust-Kamenogorsk abgestempelt und der Postzensurstelle Omsk zugeleitet. Dort wurde der Zensurstempel der Militärzensur Omsk Nr. 5 (Speeckaert nr. 18, recht häufig) abgeschlagen. Rückseitig kam zudem noch der Zweizeiler "Geöffnet durch Militärzensur / Hofrat Hingst" (Speeckaert nr. 17, nicht so häufig) hinzu. Anschließend lief der Brief ziemlich sicher auf der Route Petrograd - Torneo - Haparande nach Kopenhagen.
    Dort ging der Brief am 17.12.1915 in die 3. Verteilung des Postamts Kopenhagen K. Laufzeit 21 Tage.

    Viele Grüße
    DKKW

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  • -steppenwolf
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    • 21. Dezember 2011 um 12:46
    • #18

    Hallo DKKW,
    danke für die Info über den Satzbrief. :)
    Zeige eine GS mit Zusatzfrankatur, Bahnpoststempel und einen Zweizeiler.
    Ist das auch ein Zensurstempel ?

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    Männlich
    • 21. Dezember 2011 um 14:32
    • #19

    Hallo steppenwolf,

    dieses ist kein Zensurstempel. Der Brief war postlagernd adressiert. Der zweizeilige Stempel besagt, dass der Brief vom Adressaten nicht abgefordert wurde und die Lagerfrist abgelaufen war.

    Libertatem quam peperere maiores digne studeat servare posteritas.

  • 241264hsv-fan
    Stamm Mitglied
    Beiträge
    3.729
    • 26. Dezember 2011 um 18:20
    • #20

    Am ersten Weihnachtstag auf ebay verkauft:
    Einschreibe-Brief des Roten Kreuzes von Solvytchegodsk nach Kopenhagen frankiert mit je 3 Freimarken 1-Kop. orange und 2-Kop. grün (Mi-Nr. 63A/64A) und 3x 7-Kop. Romanow (Mi-Nr. 86). Aufgegeben wurde er am 23.10.1914 [julianischer Kalender] und erreichte Kopenhagen am 17.11.1914 [gregorianischer Kalender]. Der Brief wurde in St. Petersburg geöffnet und mit Zensursiegel wieder verschlossen und ohne weitere Zensurstempel weitergeleitet.

    Suche Kaiserreich Russland - insbesondere Punkt-Nummernstempel und Postzensuren 1. Weltkrieg.

    2 Mal editiert, zuletzt von 241264hsv-fan (25. April 2018 um 09:50)

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