Das Rohrpostnetz in München wurde nach Verzögerungen durch den Ersten Weltkrieg am 1. Juli
(nach anderen Quellen: 1. August) 1922 für den allgemeinen Betrieb eröffnet. In München waren
Briefe bis zu einem Höchstgewicht von 100 g und einem Maximalmaß von 20 × 14 cm zugelassen.
Die Briefe mussten auf einen Durchmesser von 4 cm rollbar sein.
Einzelne Rohrpostlinien bestanden jedoch schon erheblich früher. Bereits am 1. April 1877 war eine
Anlage in Betrieb gegangen, die die Telegrafen-Zentralstation im Telegrafengebäude am
Bahnhofsplatz, die Börse und das Hauptpostamt in der Maximilianstraße miteinander verband. Bis
zum Ende des Ersten Weltkriegs umfasste das Rohrpostnetz ungefähr 34 km.
Wie in den meisten anderen Städten mit Rohrpostverbindungen entstand auch das Münchener
Rohrpostnetz zunächst, um die anschwellende Flut von Telegrammen zu bewältigen, die nicht mehr
alle über innerstädtische Telegraphenleitungen weitergeleitet werden konnten. Früheste
Bearbeitungsvermerke von Telegrammen in München, die auf eine Rohrpostbeförderung hinweisen,
finden sich seit ca. 1875 in Form von Numeratorstempeln, die auf der Anschriftseite der
Telegramme abgeschlagen wurden. Solche Numeratorstempel wurden von der Münchener Rohrpost
bis zu ihrer Schließung in den 1960er Jahren verwendet.
Die Amtsblätter berichten von der Wiederaufnahme in München am 1. April 1953 Der
Rohrpostzuschlag war mit 15 Pf. Angegeben. Zum 01.07.1954 erhöhte sich die Gebühr auf 20 Pf. In
der Postordnung vom 1. März 1963 war die Sendungsart „Rohrpostsendungen“ nicht mehr
enthalten.
Abgebildet ist ein Rohrpostbrief aus München nach Letmanthe, innerhalb Münchens zum Bahnhof
per Rohrpost transportiert. Das Porto von 20 Pf. + Zuschlag von 20 Pf. Wurde mit einem
Rollenmarkenende 1+4 des Wertes 15 Pf. sowie von 5 Stk der 5 Pfg.-Marke dargestellt. Da die
Rollenenden in dieser Form nicht vom unbedarften Publikum verklebt wurde ist ein philatelistischer
Einfluss wohl nicht zu bestreiten. Der Umschlag trägt den seit 1936 eingesetzter Aufkleber zur
Kennzeichnung von Rohrpostsendungen.
Gruss Rainer