Reproduktionen – Pro und Contra
Hallo liebe Forumsfreunde,
ich bin in den letzten Tagen aus persönlichen Gründen sehr selten im Forum vertreten gewesen und habe mir seit gestern Abend mal die Mühe gemacht, mich durch den Wust von Postings zu arbeiten. Generell muss ich schon sagen, dass die Quantität der Beiträge ja stark zugenommen hat, über die Qualität und den Inhalt verschiedener Beiträge möchte ich lieber den “ Mantel des Schweigens “ decken. Aber das ist ein anderes Thema.
Was mir in einigen Beiträgen aufgefallen ist, hauptsächlich zum Thema dubiose Ebay-Verkäufe, zeigt mir, dass immer noch eine grosse Diskrepanz zwischen den Begriffen Fälschung, Reproduktion, Faksimile, Faux usw. herrscht. Wie Ihr wisst, ist mein Hauptthema die Postgeschichte bzw. Posthistorie allgemein. Daher einmal ganz klar
meine Stellungnahme, auch wenn wahrscheinlich wieder ein Proteststurm über mich hereinbrechen wird:
Eine Fälschung ist alles, was in irgendeiner Form zum Schaden der Sammler bzw. der Postdirektionen fabriziert und hergestellt wird, seien es Ganzfälschungen von Marken, Stempelfälschungen, Nachbearbeitungen zwecks Manipulation etc.
Solche Machenschaften sind grundsätzlich zu verurteilen und erfüllen auch den Tatbestand einer kriminellen Machenschaft.
Aber bitte, was ist mit Reproduktionen, Faksimiles, Nachdrucken ???
Laut deutscher Gesetzgebung und der aller anderen Länder ist die Herstellung und der Verkauf von Reproduktionen ( ich benutze jetzt nur noch diesen Ausdruck ) ausdrücklich gestattet, falls ein Hinweis in jedweder Form auf eine Reproduktion erfolgt.
Sind die großen Briefmarkenversandhäuser, die ja zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit Reproduktionen irgendwelcher teuren oder seltenen Stücke anbieten, alle als Fälscherwerkstätten zu klassifizieren? Mitnichten !!!
Sind z. Bsp. Anbieter auf Auktionsplattformen, die ihre Angebote eindeutig beschrieben als Reproduktionen anbieten “ Totengräber der Philatelie “? Mitnichten!!!
Regt sich irgendeiner darüber auf, dass im Bereich der darstellenden Künste, der Literatur, bei Uhren, Porzellan, Büchern, ja sogar bei Überraschungseiern jährlich Tausende von Reproduktionen angefertigt und für teures Geld verkauft werden ? Nein !!!
Soll so etwas denn tatsächlich nur im Bereich der Philatelie ein Sakrileg sein? Nochmals ein nein!!!
Es wird doch einfach nur eine Marktlücke abgedeckt, denn es gibt Tausende von Sammlern, deren Möglichkeiten es nicht zulassen, sich eine “ Zeppelin-Chicago-Fahrt-Marke" in ihre Sammlung einzuverleiben und die nicht damit zufrieden sind, sich im Michel-Katalog diese Marken zu betrachten. Was also spricht dagegen, dass man diese Marken – im vollsten Bewusstsein, dass es sich um eine Reproduktion handelt – in seiner Sammlung unterbringt, um beim Betrachten Freude zu haben. Trotz des erhobenen Zeigefingers und der m.A. nach nicht berechtigten Kritik sprechen Tausende von gescholtenen Käufern da doch wohl eine eindeutige Sprache; wo Nachfrage vorhanden ist, sind auch die entsprechenden Anbieter, die diese Nachfrage befriedigen. Ein ganz einfaches Gesetz der Markwirtschaft. Sind diese Anbieter deshalb auf eine krimininelle Schiene zu schieben? Nein, nein und nochmals nein. Man kann über den “ Schund „“ – wie es manche bezeichnen – denken, wie man will, über allem steht der Spruch von unserem Forumsfreund @doctorstamp: Sammeln, wie es einem gefällt.
Es hat seit Anfangszeiten des Briefmarkensammelns qualifizierte Fachleute gegeben – Sperati, Foure, Fournier usw. – die hervorragende Reproduktionen unter entsprechender Kennzeichnung hergestellt und einen großen Markt abgedeckt haben, wobei leider einige später den falschen Weg gewäjhlt haben und die Karriere eines Fälschers einschlugen ( klar, mit Fälschunen ist nun mal mehr Kohle zu machen als mit gekennzeichneten Reproduktionen ).
Ich oute mich: Ich bin ein großer Anhänger des tschechischen Künstlers Alfons Mucha – der unter anderem auch für den Entwurf der Hradschin Marken verantwortlich war. Aber, ich kann und werde mir niemals einen echten Mucha leisten können. Also: In meinem Wohnzimmer hängt eine Reproduktion aus einer limitierten Auflage: Bin ich deshalb der Totengräber des Jugendstils ???
@Bayernklassisch hat mal erwähnt, dass er eine Sperati Ausgabe der Schwarzen Eins besitzt. Ist er deshalb kein ernsthafter Sammler oder gar der Totengräber der Bayernfraktion?
Ein befreundeter Sammler hat mir mal ganz deutlich klar gemacht, dass er in seiner Sammlung niemals eine Reproduktion unterbringen würde, das sei unter seinem Niveau. Er läuft aber in unserem Tennisclub mit einer Reproduktion bzw. Fälschung einer Rolex-Uhr herum, dazu ein T-Shirt vom Hardrock-Cafe in San Francisco, obwohl er niemals dort war. Ist er deshalb ein schlechterer Mensch???
Was ich mit allem sagen will: Etwas mehr Toleranz, auch mal über den Tellerrand schauen, auch etwas akzeptieren, was einem persönlich gegen den Strich geht, das wünscht sich
Kramix
So Jungs, jetzt holt den Knüppel raus, aber ich bin Kummer gewöhnt.
Einen schönen Tag an alle!!!