Hallo heckinio,
die Praline Halloren hast Du korrekt gefunden und auch die Bundmarke lasse ich selbstverständlich gelten! Gesucht hatte ich eigentlich DDR Mi.Nr. 2883, die aber fast gleich aussieht!
Das berühmte Festkleid der Halloren ist an die Mode aus dem 18. Jahrhundert angelehnt. Es entstand in Zeiten, in denen es zwar den Salzwirkern gut ging, jedoch die Wirtschaftslage sehr unsicher war (Inflationen). So legte das Hallvolk, nicht wie heute in Aktien, sondern in gutes Tuch und Schmuck an.
Diese Kleidung erregte, als sie eingeführt wurde, beim halleschen Adel öffentliches Ärgernis. Man beschwerte sich beim Landesherren mit den Worten "In Halle laufe der gemeine Mann wie ein Adliger, ob er dies den dürfe?“ Darauf antwortete der Landesherr, welcher den Halloren sehr zugetan war, sinngemäß, ob der Adel zu viel freie Zeit hätte, um sich mit so etwas zu befassen.
Um Streitigkeiten nicht weiter aufkommen zu lassen, wurde den Salzwirkern vorgeschrieben, wie sie ihre Tracht zu tragen hätten. Es gibt kleine Unterschiede zu dem Festkleid der höheren Gesellschaft aus jener Zeit. So zum Beispiel haben die Halloren ihre Weste in der Hose und tragen unter ihrem Mantel, selbst im Winter, kurzärmlige Hemden. Auch kann der Mantel der Salzwirker nicht zugeknöpft werden.
Zum Festkleid gehört
der Dreispitz - bezogen mit schwarzem Samt
der Pelz - roter oder blauer Dreiviertelmantel mit Pelzbesatz an den Stulpen und 18 Zierknöpfen
der Latz - eine Weste aus Goldbrokat oder Seide mit Blumenmuster
18 silberne Kugelknöpfe, genannt die Reihe
die Kniebundhose aus schwarzem Samt
blaue oder weiße Strickstrümpfe mit Zopfmuster
der schwarze Umhang, Kragen genannt, der bei Regen oder kaltem Wetter getragen wird
schwarze Halbschuhe mit Silberschnallen
Die berühmten 18 Knöpfe des Festkleides haben jeder eine Bedeutung, weil sie einen Einblick in die funktionelle Struktur der Salzwirkerbrüderschaft geben.
Bevor ein Hallore seinen Pelz bekommt, so muss er sich für eine Farbe entscheiden, entweder für blau oder rot. Die beiden Farben haben jedoch mit dem Rang des Einzelnen nichts zu tun. Die Farbe Blau steht für die Treue und die Farbe Rot für die Liebe zur Brüderschaft. Eine Ausnahme bilden hier die Salzwirker, welche das Grabgeleit ausüben. Diese tragen, in Ausübung ihrer Tätigkeit, die Trauerfarbe schwarz.
Am Äußeren des Festkleides lassen sich der Rang, bzw. die Aufgaben, welchen der Salzwirker in der Brüderschaft nachgeht, erkennen. So trägt der Hauptmann einen Dreispitz mit weißen Federn, seinen Hauptmannsstab, einen Degen und eine blaue Bauch- und Schulterschärpe. Den Fähnrich erkennt man an seinem Dreispitz mit weißen Federn, an dem Degen und den blauen Schärpen um Bauch und Schulter. Der Hallorenleutnant wird bestückt mit einem normalen Dreispitz, einem Degen und einer blauen Bauchschärpe. Weitere Ausnahmen bilden die Vorsteher der Brüderschaft. Diese tragen alle schwarze Pelze auf buntem Latz.
Der erste regierende Vorsteher trägt einen Dreispitz mit weißen Federn, einen schwarzen Pelz, einen Degen und die blaue Bauch- und Schulterschärpe. Auf der linken Brustseite seines Pelzes befindet sich ein Orden. Dieser stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Er wurde den Halloren für treue Dienste vom König von Preußen überreicht. Am Hosenbund des ersten Vorstehers hängt eine silberne Kette, die Vorsteherkette.
Die markanten barocken Kugelknöpfe am Festkleid der Halloren dienen den Salzwirkern gleichzeitig als traditionelle Organisationsübersicht ihrer Brüderschaft. Für die Kinder der Halloren wurde einst eigens ein Reim zum Knöpferaten entwickelt.
Der Erste is?
Der Salzgräfe! – an unser’s Keenigs Statt steht där!
Der Zweete is?
Der Hauptmann! – där – so stolz vor’m Zug jeht här!
Der Dritte is?
Der Fähndrich! – da knackt’s, wenn där de Fahne schwingt!
Der Vierte is?
Der Schwerterich! – sei Karlsschwert in der Sunne blinkt!
Der Fünfte is?
Der Rechierende! – där – de Briederschaft in Ordnung hält!
Der Sechste is?
Der Beitelhärre! – där – de Nickel in den Beitel zellt!
Der Siemte is?
Der Scheidemeester! – där – Zank un Streit der Brüder schlicht!
Der Achte is?
Der Fischerstecher! – där – jut schwimmt un mit der Lanze sticht!
Der Neunte is?
Der Lärchensteller! – där – vor’m Tore streicht das Lerchelein!
Der Zähnte is?
Der Platzknecht! – där –schenkt unserm Schwager’s Fingstbier ein!
Der Elfte is?
Der Leichenträger! – där – geht mit bei deiner letzten Reise!
Der Zwölfte is?
Der Siedemeester! – däm bring ich’s Essen in de Salzkothfeise!
Der Dreizehnte is?
Der Salzknecht! – där – tut’s Salz nuff uff de Kothbucht schippen!
Der Värzehnte is?
Der Blutrat! – där – tut’s Rindsblut in de Soole kippen!
Der Fuffzehnte is?
Delegierter bei Hofe! – där muß’m Keenig de Schlackworscht servier’n!
Der Sächzehnte is?
Delegierter bei Hofe! – där – muß an der Tafel de Pyramide präsentier’n!
Der Siebzehnte is?
Der Sprecher bei Hofe! – där – saat scheen Dank un de Karmenworte!
Der Achtzehnte is?
Der letzte Knopp! – un där kraucht unter de Hosenborte!
Quelle: Hallorum Hallensis, Robert Moritz, 1927