Betrifft uns alle!
Briefmarkensammeln aus psychologischer Sicht. Den nachfolgenden Artikel fand ich auf der Homepage eines Briefmarkenvereins:
Der angeborene Trieb in der Philatelie
Nun, in der theoretischen Wissenschaft gibt es keine Untersuchungen, die das Thema der triebbedingten Veranlagung zur philatelistischen Betätigung beleuchten. Dabei sind erblich bedingte Strukturen klar erkennbar, die nur einen Schluss zulassen: Der Mensch sammelt nicht freiwillig Briefmarken, sondern es handelt sich um einen genetisch bedingten Trieb:
Ein Trieb ist eine biologisch bestimmte, dem Instinkt verwandte und vielleicht aus ihm herzuleitende, im Streben und in den Affekthandlungen sich äußernde, primäre Verhaltensgrundlage, über deren Definition keine Eindeutigkeit besteht. Soviel zur Theorie.
Zunächst denkt jeder natürlich an den Sexualtrieb und vergisst, dass Nahrungs- und Selbsterhaltungstrieb auf Dauer gesehen sicher wichtiger sind. Aber es gibt andere Arten von Trieben, die weniger beachtet werden und vielleicht gerade bei Philatelisten besonders ausgeprägt sind.
Die Befriedigung des urzeitlichen Triebes des Jagens, Sammelns und Hortens kann heute einfachst durch die Philatelie erreicht werden. Das Herzeigen und Ausstellen von Sammlungen ist aus wissenschaftlicher Sicht nichts anderes als die Fortsetzung der menschlichen Entwicklung, beginnend beim Imponiergehabe des Gorillas über das Skalpieren bis hin zum Opel-Manta. Der Kampf um die besten Futterplätze fand seine Fortsetzung im Ringen um fruchtbare Äcker bis hin zur besten Bezugsquelle für Belege. Jede Herde folgt dem Leithammel, daraus entstanden Völkerwanderungen und Sammler von Maximumkarten als logische Folge. Das Alpha-Männchen bei Pavianen sitzt auf der Spitze des Felsens, der Fürst saß auf dem Thron und heute sitzt der Landesvorsitzende auf seinem Posten. Unsere Vorfahren bemalten Höhlenwände, Babylonier beschrifteten Steine, Ägypter Papyrus und heute beschriften Philatelisten Albenblätter, die Kontinuität der Entwicklung lässt sich nicht von der Hand weisen. Jede Herde Affen hat ein festes Revier, in dem es auf Nahrungssuche geht, gleiches Verhalten findet sich bei Philatelisten, die in ihrer Gegend zu Tauschtagen gehen. Die Römer forderten Tribut, die Lehnsherren den Zehnt und der BDPh einen Mitgliedsbeitrag, und nie konnte man sich gegen die Abgabe wehren. Die alten Griechen leisten sich teure Mosaike, die Herrscher wertvolle Gemälde und die elitären Philatelisten die Erstausgaben von Hawaii oder Mauritius. Wenn der Löwe satt ist, dann lässt er die restlichen Mitglieder seines Rudels fressen, im Mittelalter gab es die Armenspeisung und heute für Briefmarkensammler Massenware. Pharaonen errichteten sich Pyramiden zum Angedenken, BDPh-Präsidenten richten IBRAs aus. In hellenistischer Zeit gab es olympische Spiele, im alten Rom Gladiatorenkämpfe und heute Landesverbandstage, auch hier eine kontinuierliche Entwicklung über Jahrtausende. Juroren können sich auf eine lange Tradition berufen, beginnend bei den Rechtsgelehrten in Assyrien über König Salomon bis hin zur Inquisition im Mittelalter, wobei König Salomon wegen seiner Weisheit und Gerechtigkeit zugegebenermaßen etwas aus der Reihe schlägt.
Welche Triebe sind bei Philatelisten besonders ausgeprägt? In Frage kommen:
das Besitzstreben, die Neugier, das Geselligkeitsstreben und das Hilfesuchen, die möglicherweise den Philatelisten ausmachen und als Horde in Vereinen zusammenhält.
Vielleicht spielt auch der Trieb zur Nahrungssuche eine gewisse Rolle, hier vielleicht eine besonders ausgeprägten Form des Jagens nach besonderen Spezialitäten, auch wenn sie mittlerweile nicht mehr essbar sind - oder ist hierin auch der Grund zu finden, warum die althergebrachten Marken zum Ablecken beliebter sind als selbstklebenden?
Im Verein spielt natürlich auch die Unterordnungsbereitschaft ihre Rolle, während ein gesundes Selbstbehauptungsstreben Vorsitzende hervorbringt, die dann ihren Ärger und Zorn ausleben können, aber das Migrationsbedürfnis der Mitglieder beachten müssen, damit diese nicht davonlaufen.
Bleibt nur noch für den Ehepartner eines leidenschaftlichen Sammlers ein wichtiger Hinweis: Die Befriedigung eines Triebes ist im allgemeinen mit Lust, die Behinderung mit Unlust verbunden. Komplikationen im Triebverhalten können zu Neurosen führen.
Gehen Sie also mit den Trieben Ihres Philatelisten sorgsam um. Triebe sind, da mit den Instinkten nah verwandt, eventuell angeboren und daher kaum beeinflussbar. Möglicherweise treibt ständiges Nörgeln Ihren Sammler durch Triebverlagerung ins Bett der Nachbarin oder durch eine entstehende Neurose in die Praxis eines Psychiaters. Sehen Sie es einfach so, wie es ist: Er kann nichts dafür!
Gruß kartenhai