Hallo zusammen!
Dann oute ich mich hier mal als jemand dessen Sammlung nach einigen hier geäußerten Meinungen zu einem großen Teil aus nicht sammelwürdigem Material besteht. Ich versuche hier einmal zu erklären wie ich sammle und warum ich das so mache.
Ich beschäftige mich wie einige andere hier auch mit den bayerischen Quadratausgaben und unterteile meine Sammlung in drei Bereiche: Marken, Belege und Stempel. Von diesen Teilen ist der Markenteil bis jetzt am weitesten gediehen weshalb ich mich hier auf diesen beschränke. Ich gebe dort jeder Hauptnummer eine selbst gestaltete Albumseite (manchmal mehr) auf der ich möglichst alle Varianten (Platten/Typen/Farben) wie sie im Sem stehen, als lose Marken einordne und darunter dann einen Brief der eine für diese Marke typische Verwendung zeigt.
An sich ist das wahrscheinlich keine unübliche Sammlung die sich mit etwas finanziellem Einsatz auch mit Marken und Briefen in einwandfreier Erhaltung weitgehend komplettieren lässt. Jetzt bin ich aber ein 21jähriger Student ohne regelmäßiges Einkommen und meine finanziellen Mittel dementsprechend gering. Trotzdem habe ich viel Freude am ergänzen meiner Sammlung auch wenn ich dabei auf Marken zweiter Wahl zurückgreifen muss. Ich sehe bei meinem Sammelgebiet und meinem Budget zwei Möglichkeiten: Eine Sammlung aus einwandfreien Stücken der billigsten Ausgaben und vielleicht zwei oder dreimal im Jahr gönne ich mir eine etwas bessere Marke, ebenfalls in Toperhaltung. Das bedeutet dass ich mindestens einige Jahre deutlich mehr Lücken als Marken in meinem Album hätte, was mir denke ich den Spaß am Sammeln stark schmälern, wenn nicht ganz verderben würde. Die zweite Möglichkeit ist die zu der ich mich entschlossen habe: eine weitgehend komplettierte Sammlung wovon einige Marken mehr oder weniger große Fehler haben. Ich bin der Meinung dass einfach eine gewisse Anzahl an Marken vorhanden sein muss um diese schön darstellen zu können und Vergleiche zwischen Typen, Platten und Farben anstellen zu können, also kurz um einen etwas tieferen Einblick in das Sammelgebiet zu bekommen. Ein paar Beispiele: Es stört mich nicht sonderlich wenn meine 10IIb an einer Seite berührt ist wenn sie neben der vollrandigen 10IIa das auffällige trockene Druckbild und die andere Farbe besitzt. Genauso stört es mich wenig dass eine 4IZA an der Seite berührt ist und ein Federzug entfernt wurde wenn ich die doppelte Trennungslinie damit schön zeigen kann und dafür nur einen Bruchteil des Preises einer einwandfreien Marke bezahlt habe. Und ich denke auch dass ich an einem Brief mit einer an zwei Seiten angeschnittenen 5b den ich für 15€ auf dem Flohmarkt gefunden habe (2% Sem) auch in Zukunft viel Freude haben werde, vielleicht sogar mehr als an einem vergleichbaren einwandfreien Brief der mich dann mehrere hundert Euro kosten würde.
Ich bin mir bewusst dass ich bei solch einer Sammlung keine Katalogwerte auszurechnen brauche und diesen auch lange nicht bei einem Verkauf erzielen könnte. Ich habe auch nicht vor meine Sammlung irgendwann zu verkaufen. Ich sammle weil ich Spaß daran habe und ich habe in meiner momentanen Situation mit dieser Art zu sammeln den meisten Spaß. Selbstverständlich freue ich mich wenn ich einige schöne einwandfreie Stücke in der Sammlung habe und versuche deren Anteil mit der Zeit zu steigern aber ich habe kein Problem damit diese auch neben schlechteren Stücken im Album zu haben.
Ich habe volles Verständnis dafür dass andere Sammler für sich sehr viel höhere Qualitätsmaßstäbe anlegen, es sei jedem gegönnt der sich das leisten kann. Aber ich habe nicht viel Verständnis von manchen gut betuchten Sammlern zu hören dass eine Sammlung mit nicht einwandfreien Marken sinnlos sei und man sich doch ein anderes Hobby oder wenigstens ein anderes Sammelgebiet suchen soll wenn man sich so eins in akzeptabler Qualität nicht leisten kann. (Hinweis: Nein, das habe ich nicht in diesem Forum gehört aber diese Meinungen gibt es). Aber wenn ich so was höre ist es für mich kein Wunder wenn über Nachwuchsmangel geklagt wird.
viele Grüße,
Nacktnasenwombat