Ich beschäftige mich gerade mit den Originaldokumenten der USA-Postmaster. Die Infos sind bei „gestandenen USA-Sammlern“ sicher auch bekannt – aber in Europa? Zumindest die Kataloge sagen nichts über die vielen (auch sonstigen) Probleme bei der Fertigung. Allgemein sollten die Ausgaben bekannt sein – sie sind ja in allen Katalogen und Publikationen gelistet und auch abgebildet.
Hier nun ein Beispiel bei der Columbusserie.
Es heißt allgemein: Eine Ausgabe aus Anlaß zur Weltausstellung mit Motiven zum 400. Jahrestag der Entdeckung Amerikas.
Der Hintergrund war aber auch (ich kürze/Zitate in Kursiv): „Die neuen BM werden in großen Mengen ausschließlich für Sammlerzwecke produziert und niemals zur Frankatur verwendet werden. Die auf diese weise verkauften Briefmarken werden natürlich einen klaren Gewinn für das Ministerium darstellen.“ AusgabeZiel: 5.000 000 000 Stck. über die gesamte Stückelung! Sie sollten bestehende Ausgaben nicht ersetzen, sondern zusätzlich verkauft werden.
Und nun das Ergebnis:
Der Vertrag sah übrigens einen Erlös von 2.500.000 $ für das Ministerium vor!
Erste Erkenntnisse führten bei der Herstellung bereits zu einer Ausgabereduzierung auf 3 000 000 000 Stck. (18 ct. , später auf 17 ct Herstellungspreis reduziert und Streckung der Laufzeit um weitere 6 Monate)!
Es wurde nötig, eine weitere 8 ct.-Marke (wie auch bei den normalen Ausgaben) hinzuzufügen. Grund war die Senkung der Einschreibegebühr vom 1.1.1893 von 10 auf 8 ct.
Als ca. 2 Milliarden Briefmarken ausgeliefert waren, wurde die weitere Lieferung durch das Postministerium eingestellt (31. 12. 1893). Der produzierte Überschuß war aber so groß, daß am 31.3.1894 erneut ausgeliefert wurde.
Jetzt kam es zu einer juristischen Auseinandersetzung, ob der Vertrag als freie Ausschreibung überhaupt gültig war! Letztendlich verzichtete die Druckerei lobenswerterweise auf einen Teil des Erlöses (auch auf die 95.300 $, die durch die vertragliche verlangte Herstellungskostenreduzierung von 18 auf 17 ct. angefallen sind)
Die eigentlich größeren Verkäufe waren nur von Spekulanten und Händlern (1x 125.000, 1x 30.000 und 1x20.000 $). Dazu kommen (knapp geschätzte) 100.000 $ an sonstige Sammler.
Im Juni 1899 und März 1890 wurden alle Bestände eingezogen und vernichtet. Ein weiterer Verlust von ca. 50.000 $.
Also ein riesiges Verlustgeschäft für das Postministerium gegenüber den geplanten Erlösen.![]()