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Oberschlesien, Mi.Nr. 12

  • hawkstamp
  • 14. Juli 2020 um 20:50
  • hawkstamp
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    11. Februar 1945 (80)
    • 14. Juli 2020 um 20:50
    • #1

    Oberschlesien ist ein Gebiet von dem ich keine Erfahrung habe. Daher möchte ich Euch um Hilfe bitten. Meine Briefmarke kat einen Bruch im senkrechten Strich der Nummer 5 . Nun hätte ich gerne gewußt ob dies ein Plattenfehler oder etwas anderes ist. Für jede Hilfe bin ich sehr dankbar.

    Peter im heißen Texas :)

    philaforum.com/attachment/348826/

    KSBP

  • abrixas
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    • 15. Juli 2020 um 11:05
    • #2
    Zitat von hawkstamp

    ...... Meine Briefmarke kat einen Bruch im senkrechten Strich der Nummer 5 . Nun hätte ich gerne gewußt ob dies ein Plattenfehler oder etwas anderes ist. Für jede Hilfe bin ich sehr dankbar.

    Vielen Dank für Deine Frage.

    Das Problem bei der Unterscheidung von Plattenfehlern und Feldmerkmalen

    Die Erwähnung von Feldmerkmalen bzw. Plattenfehlern basiert auf folgenden Annahmen:

    a) Eine markante Abweichung zum vermeintlichen Ur-Ideal-Bild habe ich als Feldmerkmal eingeordnet, wenn die Abweichung über einen gewissen Zeitraum (erkennbar am Stempeldatum) das selbe, unveränderte Bild zeigt.

    Wenn kein Originalbogen vorliegt und auch keine größeren Teile davon, ist das Zuweisen einer ständig vorliegenden Druckabweichung zu einem Bogenfeld unmöglich.

    b) Abweichungen, die sich ständig "vergrößern" (Das lesbare Stempeldatum ist in diesem Fall eine wertvolle Hilfe) ordne ich den Plattenfehlern zu.

    c) Alle anderen (weniger auffälligen) Abweichungen ordne ich als Druckzufälligkeiten ein, es sei denn, ich finde mehrere Marken, die die Bedingung a) oder b) erfüllen.

    ;);)

    LG Klaus

    Learn to laugh abut your problems - everybody else does!

  • erron
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    • 15. Juli 2020 um 18:53
    • #3

    @hawkstamp,

    ist zwar nicht mein Gebiet; Ich habe mich im Michel Spezial mal über diese Marke schlau gemacht.

    Dieser gebrochene senkrechter Strich bei der "5" ist im Mi. als PF nicht gelistet.

    Von diesem Aufdruck "5" gibt es nun zwei Farbvarianten.

    12 a: Schwach glänzender schwarzer Aufdruck (* 38 ME, ** 280 ME)

    12 b: Matter grünschwarzerAufdruck (* 200 ME, ** 600 ME)

    Dazu gibt es noch verschiedene Aufdrucktypen von I bis V bei der "5".

    Anhand deines Scans ist es für mich die Aufdrucktype I.

    Bei diesem Type I gilt dann die obige Michelbewertung von a oder b.

    Die anderen Typen II bis V haben alle eine wesentlich höhere Bewertung, laut Michel Spezial.

    Noch ein Link zur Homepage der Arge Oberschlesien,

    da siehst du auf der Startseite einige verschiedenen Typen der "5".

    https://www.os-philatelie.de/

    mfg

    erron

    http://www.philadb.com

  • Pete
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    • 15. Juli 2020 um 21:14
    • #4
    Zitat von erron

    @hawkstamp,

    ist zwar nicht mein Gebiet; Ich habe mich im Michel Spezial mal über diese Marke schlau gemacht.

    Dieser gebrochene senkrechter Strich bei der "5" ist im Mi. als PF nicht gelistet.

    Von diesem Aufdruck "5" gibt es nun zwei Farbvarianten.

    12 a: Schwach glänzender schwarzer Aufdruck (* 38 ME, ** 280 ME)

    12 b: Matter grünschwarzerAufdruck (* 200 ME, ** 600 ME)

    Dazu gibt es noch verschiedene Aufdrucktypen von I bis V bei der "5".

    Anhand deines Scans ist es für mich die Aufdrucktype I. ...

    Alles anzeigen

    Bei dem Aufdruck handelt es sich um die Aufdrucktype IIIb. Die Aufdrucktype Ia weist am oberen Ende der "5" einen mehr geschwungenen Abstrich auf und die weiße Mitte der "0" ist bei der Type III deutlich schmaler als bei der Type I.

    Die Unteraufdrucktypenvariante "b" (betrifft das "P" der Währungsangabe "Pf.") kommt lediglich bei den Aufdrucktypen III und IV vor, wobei die "5" der Aufdrucktype IV von der Höhe her unter allen Aufdrucktypen am kleinsten ist. Im nachfolgenden Link (Beitrag 4) werden die Typen abgebildet:

    https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ME=27914#M4

    Bei dieser Ausgabe kommen Ausbrüche im Aufdruck vor. Dies gilt für Originale und vor allem für die zeitnah produzierten (und oftmals vergleichsweise schlampig ausgeführten) Aufdruckfälschungen. Aufgrund der auf dem Scan ersichtlichen stark abgesetzten und vergleichsweise unruhig wirkenden Ränder des Buchdruckaufdrucks gehe ich eher von einer Aufdruckfälschung aus. Wäre der Aufdruck echt, würde die Katalognummer lauten: Mi-Nr. 12a IIIb.

    Gruß

    Pete

  • labarnas
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    • 16. Juli 2020 um 07:22
    • #5

    Zwei Dinge: Eine Aufdruckfälschung dürfte vermutlich ein reiner Farbauftrag sein. Da es sich um eine **-Marke mit Aufdruck handelt, dürfte ja der "Eindruck" auf der Rückseite gut zu erkennen sein. Weiterhin sind Fehlstellen beim Buchdruck üblich oder anders geschrieben, vorkommend. Aber man weiß nie, was in den besagten Redaktionen dann doch zum Fehler erklärt wird.

    Grüße

    labarnas

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  • hawkstamp
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    • 16. Juli 2020 um 18:13
    • #6

    Vielen Dank an alle für die Hilfe. Für einen einen einfachen Briefmarkensammler sind diese Details sicher nicht zu erkennen. Daher , nochmals vielen Dank.

    Peter

    KSBP

  • Pete
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    • 16. Juli 2020 um 20:56
    • #7
    Zitat von labarnas

    Zwei Dinge: Eine Aufdruckfälschung dürfte vermutlich ein reiner Farbauftrag sein. Da es sich um eine **-Marke mit Aufdruck handelt, dürfte ja der "Eindruck" auf der Rückseite gut zu erkennen sein. Weiterhin sind Fehlstellen beim Buchdruck üblich oder anders geschrieben, vorkommend. Aber man weiß nie, was in den besagten Redaktionen dann doch zum Fehler erklärt wird.

    Grüße

    labarnas

    In diesem Fall erfolgte die Produktion (quasi) aller Aufdruckfälschungen mittels dem Letternmaterial im Buchdruck aus der gleichen Druckerei, wo auch kurze Zeit zuvor die Originale produziert wurden. Lediglich die Zusammensetzung der Aufdruckplatten war nicht immer identisch zum Original (sechs Blocks à 25 zusammenmontierter Einzelklischees mit verschiedenen Drucktypen aus dem seinerzeit handelsüblichen Setzkasten = Schalterbogen zu 150 Briefmarken). Die Abweichungen zwischen echt und falsch liegen in den Details, u.a. an der Zusammensetzung der Aufdruckfarbe. Bei den Mi-Nrn. 10 und 11 sind verschiedene, nacheinander in Gebrauch befindliche Zusammensetzungen von Aufdruckfarben nachgewiesen, was die Unterteilung in Originale und Aufdruckfälschungen etwas vereinfacht.

    Bei den meisten Aufdruckbriefmarken aus dem Abstimmungsgebiet Marienwerder ist es ähnlich - auch hier wurde in der gleichen Druckerei zeitnah die Produktion von Fälschungen begonnen und die Abweichungen zwischen echt und falsch liegen auch hier in den Details.

    Gruß

    Pete

  • labarnas
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    • 17. Juli 2020 um 06:46
    • #8

    @Pete, hätte nicht gedacht, dass bei dem Wort Fälschung die Druckerei selbst daran mehr oder minder beteiligt war. Also eher ein Schaden für die Post? Denn einen beweglichen Letternsatz gibt man ja nicht so ohne weiteres heraus.

    Grüße

    labarnas

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  • Pete
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    • 18. Juli 2020 um 20:44
    • #9
    Zitat von labarnas

    @Pete, hätte nicht gedacht, dass bei dem Wort Fälschung die Druckerei selbst daran mehr oder minder beteiligt war. Also eher ein Schaden für die Post? Denn einen beweglichen Letternsatz gibt man ja nicht so ohne weiteres heraus.

    Grüße

    labarnas

    Von einem Schaden für die Post würde ich bei den Aufdruckfälschungen der Mi-Nr. 10-12 (und 10F) nicht sprechen. Postalisch betrachtet waren die überdruckten Marken (deutlich) weniger wert als vor dem Aufdruck:

    - Mi-Nr. 10: Herabsenkung der Nominale von 20 Pf. auf 5 Pf.

    - Mi-Nr. 11: herabsenkung der Nominale von 20 Pf. auf 10 Pf.

    - Mi-Nr. 12: Herabsenkung der Nominale von 5 Mark auf 50 Pf.

    - Mi-Nr. 10 F: herabsenkung der Nominale von 15 Pf. auf 5 Pf.

    In Oberschlesien herrschte ein Mangel an bestimmten Nominalen. Neue Marken (Mi-Nr. 13-29) waren in Paris bestellt, allerdings noch nicht angeliefert. Seite dem 12.02.1920 stand Oberschlesien bedingt durch den Versailler Friedensvertrag unter interalliierter Verwaltung, welche personell größtenteils von Frankreich - dem einstigen Kriegsgegner - gestellt wurde.

    Zur Herstellung der Aufdruckprovisorien (u.a. Mi-Nr. 12) beauftragte man eine private Druckerei (Erdmann & Raabe) in Oppeln mit dem Aufdruck. Dem Vernehmen (Fachliteratur) nach wurde von einigen französischen Angehörigen der Kommission bemerkt, dass sammlerseitig allgemein Interesse an Abstimmungsbriefmarken und spezielles interesse an dem zwangsläufig auftretenden Druckausschuss (Fehldrucke) bestand. Bei einem dieser, in diesem Fall zivilen Angehörigen handelte es sich laut Fachliteratur um einen Herausgeber des in Frankreich sehr geläufigen Kataloges "Yvert&Tellier", welcher dann auch seinen Hut nehmen musste.

    Wenn Mitglieder der französischen Besatzungsmacht (zumindest als solche empfunden) in der Druckerei stehen und weitere (illegale) Aufdrucke verlangen, sagt man als Drucker nicht nein und macht einfach seine Arbeit. Ob etwas zwischen den Eigentümer(n) der Druckerei und den Auftraggebern der Fälschungen ausgehandelt wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.

    Da die Aufdruckfälschungen der Mi-Nr. 10-12 in recht großen Mengen existieren (wir reden hier nicht nur von wenigen 1000 Exemplaren), müssen die Urmarken zuvor entweder zum ursprünglichen Nominalpreis am Postschalter erworben oder seitens einiger Angehöriger der Kommission in der Wertzeichenstelle der OPD in Oppeln beschlagnahmt worden sein. Bei der Produktion der Mi-Nr. 11 ist zumindest bei dem letzten Teil der offiziellen Druckauflage davon auszgehen, dass absichtlich Makulatur (Doppeldrucke, Kopfsteher, verschobene Aufdrucke usw.) produziert werden sollte und wurde (ersichtlich an der abweichenden Druckfarbe).

    Diese Oppelner Druckerei wurde später mit den Aufdrucken der Dienstmarken (Mi-Nr. 1-20) und des Plébiscite-Satzes (Mi-Nr. 30-40) beauftragt. Die recht bunte Vielfalt an Aufdruckvarianten kann jeder im Katalog nachlesen, vor allem bei den Dienstmarken wurde es übertrieben. Es existieren auch hier Fälschungen von Originallettern. Um eine Wiederholung derartiger Machenschaften zu verhindern, wurde die letzte Aufdruckausgabe Oberschlesiens (Mi-Nr- 41-43) in Paris gedruckt.

    Gruß

    Pete

  • labarnas
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    • 19. Juli 2020 um 10:23
    • #10

    @Pete, vielen Dank für die umfangreichen Erklärungen. Ich habe deshalb Schaden geschrieben, weil meist bei solchen Überdrucken, die nicht überdruckten Marken nicht mehr als postalisches Mittel verwendet werden konnten. War das hier anders?

    Ansonsten wehre ich mich immer dagegen, dass es in einer Druckerei, die mit Postwertzeichen zu tun hat oder hatte, nur Gauner und Ganoven tätig waren. Denn hier wurde ja "Geld" erzeugt. Es gibt bei so etwas immer strenge Aufsicht, Inventurlisten, tägliche Abrechnungen. Der Lohn war ja nicht hoch, aber sicher. Das Greifen in eine Kasse ist heut noch für einen Verkäufer ein Vertrauensbruch und er wird wohl nie wieder an die Kasse können. So wäre es ebenso mit einem Drucker.

    Sicher, Du hast Ganove usw. nicht gebraucht, aber ich wollte Dir eben nur mal meine Verwunderung erklären.

    Grüße :)

    labarnas

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  • Pete
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    • 19. Juli 2020 um 13:56
    • #11
    Zitat von labarnas

    @Pete, vielen Dank für die umfangreichen Erklärungen. Ich habe deshalb Schaden geschrieben, weil meist bei solchen Überdrucken, die nicht überdruckten Marken nicht mehr als postalisches Mittel verwendet werden konnten. War das hier anders?

    Ansonsten wehre ich mich immer dagegen, dass es in einer Druckerei, die mit Postwertzeichen zu tun hat oder hatte, nur Gauner und Ganoven tätig waren. Denn hier wurde ja "Geld" erzeugt. Es gibt bei so etwas immer strenge Aufsicht, Inventurlisten, tägliche Abrechnungen. Der Lohn war ja nicht hoch, aber sicher. Das Greifen in eine Kasse ist heut noch für einen Verkäufer ein Vertrauensbruch und er wird wohl nie wieder an die Kasse können. So wäre es ebenso mit einem Drucker.

    Sicher, Du hast Ganove usw. nicht gebraucht, aber ich wollte Dir eben nur mal meine Verwunderung erklären.

    Grüße :)

    labarnas

    Zu deinem Absatz 1:

    Die Aufdruckfälschungen kommen auch gestempelt vor. Bisher sind mir Briefstücke sowie mutmaßlich von Briefstücken abgelöste Aufdruckfälschungen bekannt. Die Entwertungen der betroffenen Stempelgeräte fallen vergleichsweise blass und dünn aus (Stempelfälschung?). Ich habe bisher noch keine nachweislich gelaufenen Belege (Bsp. Einschreiben mit Ankunftsstempel) gesehen, schließe allerdings deren Existenz nicht aus. Bei nachweislich gelaufenen Belegen, welche mit Aufdruckfälschungen frankiert waren, hättest du der Form halber die angesprochenen Fälschungen zum Schaden der Post.

    Es gilt zu berücksichtigen, dass sowohl die Originale als auch die Aufdruckfälschungen kurz nach dem Erscheinen auf dem philatelistischen Markt gefragt waren (siehe entsprechende Preislisten als Drucksachenkarten aus der Zeit, welche man auch heute noch gelegentlich finden kann) und mehr oder weniger das gesamte Material in Sammleralben verschwunden sein dürfte (im Speziellen die Mi-Nrn. 10F und 12 sowie alle Fehldrucke).

    Beispiele für Preislisten siehe Scan im nachfolgenden Beitrag: https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ME=6692#M6

    Zu deinem Absatz 2:

    Die Kommission wurde vor Ort durchaus als Besatzungsmacht in Oberschlesien empfunden. Wer nicht des Französischen mächtig war, konnte die Landesbezeichnung "Haute Silésie" (= Oberschlesien) schnell mit "Haut die Schlesier" gleichsetzen.

    Die Makulatur (Fehldrucke) aus den bestellten Auflagen der Mi-Nr. 10-12 (die Produktion der Mi-Nr. 10F war ursprünglich nicht angefordert worden ondern eher ein "Unfall") wurde der Wertzeichenstelle in Oppeln abgeliefert. Für den Überdruck in der Druckerei angelieferte Schalterbogen mussten mit der Menge übereinstimmen, welche an die OPD Oppeln zurückgingen. Es ging hier um bares Geld. Gemäß dem Handbuch von Oberschlesien wurden während des über mehrere Tage andauernden Aufdruckvorgangs zwei Beamte zur Überwachung abgestellt.

    Da bei der Mi-Nr. 10 und 11 für die geplante Produktion nacheinander verschiedene Aufdruckfarben zur Anwendung kamen (die ursprünglich vorgesehene Audruckfarbe hatte nicht ausgereicht und es musste erneut ein Topf mit Druckfarbe angerührt werden), wurde irgendwann (vermutlich in den 1960er oder 1970er Jahren) festgelegt, dass die jeweils erste Aufdruckfarbe der Mi-Nr. 10 und 11 bei den Fehldrucken (Doppeldrucke, Kopfsteher, usw.) als Original, die nachfolgenden Aufdruckfarben als Fälschung gelten. Statistisch betrachtet kommen mehr Fehldrucke mit den nachfolgenden Aufdruckfarben vor als mit der jeweils ersten Aufdruckfarbe. Die Fehldrucke der ersten Druckfarbe der Mi-Nr. 10 und 11 wirken meist eher zufällig (Bsp. schräg verlaufend), die Fehldrucke der nachfolgenden Druckfarben wirken meist eher absichtlich (zentrisch ausgerichtet) platziert.

    Die Fehldrucke gelangten auf den Sammlermarkt. Es ist davon auszugehen, dass hier zuvor eine Beschlagnahmung von interessierter Seite in der Wertzeichenstelle der OPD Oppeln erfolgte. Im Einzelfall lässt sich auch bei den regulären Aufdrucken der Mi-Nr. 10 und 11 nachweisen, dass hier illegale Nachauflagen erfolgten (Merkmale des Aufdrucks - z.B. die Aufdrucktype - passen zweifelsfrei nicht zu Merkmalen wie Plattenfehler der Urmarke). Die Mi-Nr. 12 war bereits aufgrund der ursprünglichen Auflage (rund 267 Schalterbogen à 150 Briefmarken) recht knapp bemessen. Dies bot Anlass, den Normalaufdruck in großem Stil zu fälschen. Das sammlerseitige Interesse war vorhanden ...

    Die Auflage der Mi-Nr. 1-9 basierte auf den Verbrauchszahlen des Geschäftsjahres 1918/1919. Seitens der Franzosen hatte man sich dabei verkalkuliert und den tatsächlichen postalischen Bedarf in der Abstimmungszeit (insbesondere Drucksachenportostufen) sowie das sammlerseitige Interesse im Deutschen Reich und Frankreich unterschätzt. Auch waren die kleinen Nominalen zu 2,5 und 3 Pf. bedingt durch eine zwischenzeitlich erfolgte Portoerhöhung nicht mehr postalisch notwendig. Dadurch wurde von einzelnen Nominalen zuviel bzw. von anderen Nominalen zuwenig Marken in der Staatsdruckerei in Paris produziert, was dann wenige Wochen später die lokalen Aufdruckprovisorien Mi-Nr. 10-12 zur Folge hatte. Als Urmarken wurden der Druckerei in Oppeln nicht benötigte Schalterbögen der 20 Pf. und 5 Mk. (Mi-Nr. 6 und 9) zur Verfügung gestellt.

    Hinzu kam die Weigerung von französischer Seite, die fertig gestellten Briefmarken (Mi-Nr. 1-9) von Paris aus per Bahn über das Gebiet des Deutschen Reiches zu transportieren und man nahm lieber einen Umweg in Kauf, was eine zeitliche Verzögerung bis zur Verausgabung der Briefmarken im Abstimmungsgebiet (20.02.1920 anstelle 12.02.1920) nach sich zog. Angeblich waren in Paris auch Nominalen zu 25 und 30 Pf. produziert worden, welche bis heute nicht nachgewiesen werden konnten (Diebstahl unterwegs?).

    Gruß

    Pete

  • labarnas
    Stamm Mitglied
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    3.812
    • 19. Juli 2020 um 14:28
    • #12

    @Pete, zuerst danke ich Dir für die umfangreichen Erläuterungen :) das ist auch das, was aus meiner Sicht so ein Hobby an Spezialwissen bringt. Also es ist für mich gut beschrieben. Denn aus der Sicht der Besetzen sind entsprechende Handlungen vorstellbar, die man sonst nie getan hätte. Ich kenne eine Schilderung, wo beim Verpacken von Flügeln für den Transport in die damalige Sowjetunion von 75 Jahren für die Holzkisten extra lange Nägel genommen wurden. Diese haben unweigerlich das Musikinstrument beschädigt. Motto: Beleibt es nicht bei uns, sollt ihr auch nichts davon haben. Aus diesem Blickwinkel sind Handlungen in einer Druckerei vorstellbar. Weiterhin beschreibst Du ja selbst, wie eine Aufsicht erfolgte.

    Aus meiner Sicht ist die postfrische Marke bereits ein Schaden. Denn mein Opa hat noch mit Briefmarken bezahlt, wenn er nicht genug Bargeld dabei hatte.

    also nochmals vielen Dank für das nette Erklären

    labarnas

    Forschungsgemeinschaft DDR Plattenfehler - Koordinator im Philaforum - Web-Seite der FG

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