Beiträge von anhei64
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Der Petrograder Zensurstempel Typ 15 mit der Zensornummer 39 birgt noch weitere Überraschungen. Auf einer weiteren Geldanweisung an einen Kriegsgefangenen in Samarkand/Turkestan findet sich ein Exemplar dessen "39" deutlich näher an "Nr" steht als vormals gezeigt.
Auch ein vertikaler Versatz nach rechts zu "г. Петроградъ" ist gut erkennbar.
Zusätzlich ist der Vordruck bei Ankunft in Taschkent in der dortigen Zensurstelle überprüft worden (Speeckaert Typ 2).
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Durch die zwei primären Zensurstellen in Russland - Petrograd und Moskau - sind wohl Millionen von Poststücken geprüft worden. Dies erklärt hinreichend die häufige Verwendung und Auffindung der meisten von dort stammenden Zensuren. Dennoch werden immer noch unbekannte Stempel auch dieser beiden Orte vorgefunden.
Auf einem Vordruck zur Ankündigung einer telegraphischen Geldanweisung an einen Kriegsgefangenen im Lager Rasdolnoje bei Wladiwostok findet sich eine bei Speeckaert nicht verzeichnete Zensur die augenscheinlich eine Ähnlichkeit zum Typ 15 aufweist, jedoch fehlt der sonst obligatorische Rahmen. Man beachte zudem die eng an der "Nr." anliegende "39".
Auf einem identischen Vordruck an einen Kriegsgefangenen in Samakand/Turkestan findet sich der bekannte Typ 15 mit gleicher Zensornummer 39, jedoch mit Rahmen und Abstand zwischen "Nr." und "39".
Es handelt sich um verschiedene Stempel, belegt durch Vermessung und dem Vergleich der Mittelzeile "г. Петроградъ" mit der darüber und darunter liegenden.
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Der Typ 8 ist einer der häufigsten Zensurstempel in ganz Russland aus dieser Periode. Er wird nur durch zwei Petrograder Zensurstempel (Typ 15 und Typ 24) quantitativ übertroffen.
Zudem gibt es verschiedene Serien da die Zensur zunehmend erweitert wurde und die vorhandenen Stempel nicht mehr ausreichten. Daraus ergeben sich unterschiedliche Größen, Buchstaben und Anordnungen.
Der auf der Rückseite befindliche Poststempel gehört zum Ausgangspostamt (Dispatch-Office). Der russische Text unten bedeutet 1. (Post)Expedition und wurde auf ausgehende Post (auch ins Ausland) abgeschlagen.
Er hat nichts mit einer Zensur zu tun. Ob die Zensurstelle dort angeschlossen war ist nicht bekannt.
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Hallo Michael,
beide Zensuren sind von Moskau dort ist der Brief auch aufgegeben und nach Basel gerichtet.
Es sind dies die Typen 8 (Kreisstempel) und der Typ 17, Nr. 1. Der Anfang der Verwendungszeit des Typ 17 ist mit 2.17 angegeben. Die Wertigkeit wird mit nicht so häufig bezeichnet. Es kommen die Nummern 1-5 vor.
Beste Grüße
anhei64
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Eine interessante Variante der Nummer "443" mit "O.B.O." also Speeckaert Typ 17 möchte ich nicht vorenthalten. Wir konnten bereits feststellen, dass die Typen 16, 17 und 19 montiert wurden, daher auch das gleichmäßige Erscheinungsbild, wenn auch die Position je nach Stempelnummer variieren kann.
Der unten abgebildete Stempel trägt das "O.B.O." jedoch nicht an seiner üblichen Position in Verlängerung der Ziffer sondern schräg, was wieder den Eindruck eines Handstempels macht. Dies ist auszuschließen, nicht nur da dieses Stück das Einzige in der mir vorliegenden Masse ist, sondern auch anhand von Ziffern belegbar ist, die nach Reinigung nicht ordnungsgemäß wieder eingesetzt wurden.
Hier ein Beleg mit schrägen und verschobenen Ziffern.
Damit endet hier meine kleine Exkursion in den Militärbezirk Odessa. Ausführlicher werde ich dies voraussichtlich in einem Aufsatz für die Arge Russland darstellen.
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Der Odessa Typ 17 ist zugehört dem Typ 19, da auch die "Urform" (der Typ 15 hier noch mit "Odessa") Typ 14 zugeordnet werden muss. Die Nummern ab "443" sind in diesem kleineren Format hergestellt worden. Die "442" habe ich zum (Größen-) Vergleich bereits abgebildet.
K.u.K. Feldpostkarte aus Kamenetz-Podolskij/Podolien nach Greiffenberg in Schlesien. Zensuriert mit Typ 17 (nach Speeckaert) mit der Zensornummer "443".
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Die 400er Serie des Odessa Typ 14 ist nur mit dem Schriftzug "Odessa" und später statt "Odessa" mit "O.B.O." bekannt. Als Ausnahme nennt Speeckaert den Typ 18 mit der Zensornummer 435.
Genau betrachtet könnte dies ein Typ 7 (ohne Inschriften) sein, jedoch ist mir als höchste Nummer 390 bekannt. Auch die Verwendungszeit kann als Kriterium Betrachtung finden - alle aufgefundenen Stücke der "435" sind zwischen 2.17 - 5.17 verwendet worden. Der Typ 7 bis Ende 1916.
Die Verwendungszeit des Typ 18 fällt somit in die des Typ 19 also mit Kennzeichnung des Militärbezirks. Ob das "O.B.O. nur temporär keine Verwendung fand bleibt offen.
Kriegsgefangenenvordruck ohne Ortsangabe, der Aufgabeort ist unbekannt, dürfte jedoch in Bessarabien zu verorten sein. Der Schreiber gehörte zum 37. Ingenieur-Arbeiterbaon welches aus Kriegsgefangenen bestand. Gerichtet ist die Karte nach Zagreb.
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Eine weitere Besonderheit möchte ich anhand zusätzlicher Belege des Zensors mit der Nummer 442 zeigen. Im Gegensatz zum gut erkennbaren einzelnen Stempel "Odessa" erscheint die "O.B.O." -Kennzeichnung sehr gleichförmig, wenn auch in verschiedenen Größen, in allen Formen des Typ 7 und 14. Das es sich um einen Stempel handelt liegt nahe, konnte aber bisher (in der Literatur) nicht belegt werden. In einer der folgenden Karten ist das "O.B.O." kopfstehend eingebaut. Daraus ergibt sich, dass der Stempelzusatz montiert ist und zu Reinigungszwecken auseinander und später wieder zusammen gesetzt wurde. Ähnliches ist beim Betrachten der Nummer, in der die beiden hinteren Ziffern auch höher gestellt vorkommen ersichtlich. Das es sich um den identischen Stempel handelt ist anhand des Rahmens unschwer auszumachen.
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Nun zur 400er Serie der Typen 17, 18, 19. Wie schon beschrieben haben diese ihren Ursprung in der regulären Schaffung einer Zensur mit Ortskennzeichnung (Typ 14 und 15). Nur stringent ist, dass es nach Änderung in Militärbezirk (O.B.O.) auch diese entsprechend umgesetzt wurden.
Interessant ist hier, dass das "Odessa" des Typ 14 ausgestanzt bzw. geschliffen wurde. Mir ist nur eine Nummer bekannt in der dieses Verfahren ersichtlich ist.
Kriegsgefangenenvordruck des Post- und Telegraphendistriktes Kiew Ausgabe 1916 aus Kasatin/Kiew nach Böhmen. Zensur in Odessa mit dem "alten" Typ 14 mit der Zensornummer 442 der zum "neuen" Typ 19 wurde. Gut sichtbar durch das "O" von vormals "Odessa" mittig links.
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Nun verbleiben noch die Stempel der Typen 16 - 20 außer Typ 18, der nach meinem bekunden dem Typ 14 zuzuordnen ist. Dies sind Stempel in der Ausführung des Typ 7, jedoch ohne beigestellten Stempel "Odessa" dafür mit Kennzeichnung des Militärbezirks (О.В.О. = Odessa Militärbezirk).
Dieses "О.В.О." ist nach meinen Beobachtungen Bestandteil des Stempels, Die Anordnung innerhalb des Stempels ist senkrecht - links, mittig und rechts / waagerecht - mittig.
Die Einführung dieses Stempels geht mit dem des Militärbezirks Petrograd (Typ 24) einher der dort den alten Typ 15 ersetzt.
Zum Vergleich, der Petrograd Typ 24 ("П.В.О." = Petrograd Militärbezirk).
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Die Transformation eines Stempels...
Im März 1916 ist der Typ 7 mit der Nummer 347 so wie er sein soll...
im April 1916 ist der Rahmen gebrochen...
und im Juni 1916 bekommt der deformierte Stempel den Zusatz der Ortsbezeichnung...
Die Datumsangaben entsprechen der Aufgabe, da die Ankunft in Odessa nicht bei allen erkennbar ist.
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Wie ich oben anführen konnte sind die Zensurstempel Odessa Typ 12, 13 und 15 keine eigenständigen Stempel und verdienen dadurch keine Typisierung. Es wird immer Typ 7 verwendet entweder im Zusammenspiel mit dem aptierten Typ 11 oder mit dem Ortsnamenzusatz "Odessa".
Der Typ 14 nach Speeckaert ist der einzige Zensurstempel dieser Art der Odessa regulär in sich trägt - also in dieser Form ohne Zusatzstempel verausgabt wurde. Hier ist der Typ völlig berechtigt!
Bekannt sind hier neue Nummern der 400er Reihe und Exemplare mit zwei Ziffern - beispielsweise 32 oder 36. Meiner Meinung nach ist die vordere "4" nur schlecht abgeschlagen bzw. schlecht im Stempel gefertigt.
Russischer Kriegsgefangenenvordruck mit Ortsangabe des Jekaterinoslaw Post- und Telegraphendistrikts aus Turowka/Poltawa nach Mähren. Zensuriert mit dem Typ 14, Zensornummer 434.
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Ich möchte noch eine weitere Variante zur Benennung des Zensurortes vorstellen - KuK Kriegsgefangenenvordruck am 17.03.1916 aus Böhmen nach Minowoi Dwor/Orenburg. Zensuriert wurde wieder in Odessa mit Typ 7 zuerst vom Zensor Nr. 303, jedoch am 24.08.1916 nachgeprüft durch den Zensor mit der Nummer 311 sowie handschriftlich "Odessa". Demnach war die Weisung zur Ortskennzeichnung erteilt, jedoch hatte der Prüfer noch keinen passenden Stempel.
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Feldpostkorrespondenzkarte für K.u.K. Militär, geschrieben in Prag am 09.07.1916 an einen Kriegsgefangenen im Lager Ufa, handschriftliche Ankunft am 29.08.1916.
Zensuriert in Odessa Typ 7, Zensornummer 358, "Д. Ц," in Zierschrift mit dem zusätzlichen Stempel "Odessa" in veränderter Schrift und Schriftgröße.
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Ein weiteres Provisorium zum Zensurort stellt der separate Stempel "Odessa" dar. Diesen gibt es in verschiedenen Ausführungen, wie unterschiedliche Schrift und Abmessungen und wurde zusätzlich zum Typ 7 in seinen verschiedenen Varianten angebracht.
Im Speeckaert sind diese fälschlich gemeinsam als eigener Typ aufgeführt (Typ 12, Typ 13, Typ 15).
K.u.K. Kriegsgefangenenkarte aus Wien am 17.07.1916 verschickt über deren Zensurstelle und Rumänien nach Odessa (Typ 7, Zensornummer 136, mit zusätzlicher Ortsbennung), hier auch eindeutig als einzelne Stempel ersichtlich, nach Krasnojarsk in Mittelsibirien. Dort handschriftliche Ankunft am 09.09.1916 - somit 53 Tage Laufzeit.
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Hier noch ein Beispiel zur kombinierten Verwendung beider Zensurtypen (Typ 11 und Typ 7).
K.u.K. Feldpostkarte aus Jicin/Böhmen an einen Kriegsgefangenen in Minowoj Dwor/Orenburg. Über Wien (GZNB) und Rumänien wurde in Odessa mit vorgenannten Typen zensuriert. Der Prüfer hatte die Nummer 381. Zusätzlich wurde die Sendung in Orenburg angehalten und ein weiteres Mal zensuriert (Typ 11, Prüfernummer 167).
In Bezug auf den Typ 11 ist die Fußnote bei Speeckaert, dass dieser Stempel nur auf Briefen vorkommt falsch und dies nicht auf die hier gezeigte aptierte Form, sondern ersichtlich über meine vorhergehenden Belege (1321 und 1327).
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Die oben gezeigte Variante (Teile von Typ 11 mit Typ 7) wurde genutzt um den Zensurort zu nennen. Ab Mitte 1916 finden sich Abschläge des Typ 7 mit dem Ortszusatz "Odessa", bei Speeckaert Typ 12 - Typ 15. Daraus lässt sich ableiten, dass Teile der "Д. Ц." Stempel an anderen Orten im Militärbezirk Verwendung fanden.
Nicht nur einzelne Ortsstempel wurden gefertigt, sondern auch die "alten" Typ 11 mit der Ortsbezeichnung "Odessa" in Kombination mit dem "alten" Typ 7 die dann zu Typ 12 - 15 wurden. Dies hat Speeckaert nicht erkannt, genauso wenig das dies Einzelstempel sind. Jedoch bildet er unwissentlich eine solche Kombination als Typ 12 ab und beschreibt "O.W. Odessa".
Oben war es die Nummer 330 (Typ 7) mit dem Typ 11. Es sind hier weitere Nummern bekannt.
Kriegsgefangenenkarte aus Böhmen über Rumänien und Odessa - diesmal Typ 7 mit der Nummer 385 und Teilen des Typ 11 nach Bobrow/Woronesch.
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Eine nicht alltägliche Variante möchte ich nicht vorenthalten.
KuK-Kriegsgefangenenvordruck aus Wien nach Werchne-Udinsk/Transbaikalien. Das dortige Lager wurde nach dem Standort "Eisenbahnpark" genannt.
Der Leitweg ging über Rumänien und Odessa. Zensuriert in Odessa mit Typ 11 (Doppelrahmen, Odessa nach innen gerichtet) und Typ 7.