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Fragen zu altdeutschen Briefen

  • Nordlicht
  • 1. April 2008 um 16:21
  • Bayern-Nils
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    29. April 1962 (64)
    • 27. September 2008 um 17:53
    • #201

    Hallo Alle.

    Ich habe zwei preussische Briefe die beide Stempeln haben. Ist die Stempeln ein Art Hilfsstempel?

    NEH

  • VorphilaBayern
    Stamm Mitglied
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    7. August 1955 (70)
    • 28. September 2008 um 13:58
    • #202

    Liebe Sammlerfreunde,

    möchte folgenden Portobrief vorstellen:
    Portobrief vom königlichen Landgericht Orb mit Aufgabestempel WIRTHEIM (Bayern) 4.10.1850.
    Der Brief ins benachbarte Salmünster (Kurfürstentum Hessen - Thurn & Taxissches Postgebiet). Ankunftsstempel SALMÜNSTER 6.10.1850.
    Das Kurfürstentum Hessen trat erst ab 1.10.1851 dem Deutsch-Österreichischen Post-Verein bei.
    Interessant ist die Taxierung. Links oben 2 Auslage + 2 Porto. Dies müßten Kreuzer sein, denn oberhalb steht in rot 1 1/4; / 4 Kreuzer umgerechnet in Silbergroschen sind 1 1/4. In der Mitte unten steht noch " 2 Kreuzer Botenlohn erhalten".
    Komme mit dieser Taxierung nicht klar.

    Beste Grüße,
    VorphilaBayern

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    • Wirtheim-Salmünster.1850.jpg
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    2 Mal editiert, zuletzt von VorphilaBayern (28. September 2008 um 14:01)

  • bayern klassisch
    Gast
    • 28. September 2008 um 16:18
    • #203

    Hallo VorphilaBayern,

    wieder ein wunderbarer Brief von dir, hübsch und interessant.

    Meine Interpretation dazu:

    Ursprünglich als Dienstbrief des Landgerichts Orb als R. S. (Regierungs - Sache) mit der Expeditionsnummer 19 ohne Portoansatz aufgegeben.

    Diese Eigenschaft wurde später durch Übermalung in P.S., also Partei - Sache geändert, wodurch der Brief portopflichtig wurde.

    Taxis billigte so Bayern im Grenztarif 2 Kr. zu, die als "2 ausl(age)" angerechnet wurden. Dazu kamen ab der Grenze 2 weitere Kreuzer für Taxis, die 4 Kr. = 1 1/4 Silbergroschen ergaben. Damit war das Postporto abgehandelt und Bayern bekam von Taxis intern 2 Kr. vergütet.

    Der Bote wollte auch leben und bekam für das Austragen zum Empfänger weitere 2 Kr., die er auf dem Brief quittierte.

    Feines Stück, dass jede Sammlung zieren würde ... auch die meine! :P

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • VorphilaBayern
    Stamm Mitglied
    Beiträge
    1.547
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    7. August 1955 (70)
    • 30. September 2008 um 10:39
    • #204

    Hallo bayern klassisch,

    vielen Dank für die Beschreibung dieses interessanten Briefes.

    In den grenznahen Bereich passen noch die folgenden zwei Belege:

    Portobrief von Erfurt (Preußen) nach Hof vom 12.6.1830.
    Nach dem Postvertrag "Bayern - Preußen vom 4.5.1816"
    wurde in Artikel 10 dieses Vertrages folgendes festgelegt:
    "Die Taxe zwischen Erfurt und Hof bleibt auf 2 gute Groschen
    vom einfachen Brief festgesetzt."
    Umgerechnet waren dies 9 Kreuzer, die beim Empfänger eingezogen
    wurden.

    Portobrief von Leipzig (Sachsen) nach Hof vom 30.11.1832.
    Nach dem Postvertrag "Bayern - Sachsen vom 16.12.1810"
    In § 4 dieses Vertrages wurde folgendes festgelegt:
    "In dem Falle, daß diese Briefe unfrankiert abgehen, wird man sich wechselseitig das innere Porto bis Hof nach den regulierten Briefposttaxen vergüten. Es ist hierbei angenommen worden, daß das innere Kgl. sächs. Porto von Leipzig bis Hof mit 1 1/2 gute Groschen und
    von Dresden bis Hof, mit zwei gute Groschen ...............einfachen Brief angesetzt werden solle.
    1 1/2 gGr sind umgerechnet 6 Kreuzer.
    Angeschrieben sind jedoch "2" (gGr) und "9" (Kreuzer), die beim Empfänger eingezogen wurden.
    Entweder wurde zwischen 1810 und 1832 die Taxe von 1 1/2 gGr auf 2 gGr geändert,
    oder der Brief war in der zweiten Gewichtsstufe.


    Beste Grüße,
    VorphilaBayern

    Bilder

    • Erfurt-Hof.1830.jpg
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    • Leipzig-Hof.1832.jpg
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  • bayern klassisch
    Gast
    • 30. September 2008 um 11:10
    • #205

    Hallo VorphilaBayern,

    schon wieder zwei außergewöhnliche Briefe von dir. Toll! :)

    Der untere dürfte nicht in die 2. Gewichtsstufe gefallen sein. Ich hatte mal eine Menge Briefe dieser Korrespondenz, also Langheinrich, Confisserie in Hof, vorliegen, und kein einziger war schwer.

    Es waren alles Rechnungen oder Bestellungen, und wenn der Brief einen Inhalt hat (die meisten von mir gesichteten hatten vollen Inhalt), dann wirst du feststellen können, dass er nicht über 1/2 Loth wiegt.

    Demnach müsste eine Gebührenumstellung platz gegriffen haben, zumal ein Brief in der 2. Gewichtsstufe nicht nur um 25% progressierte.

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • VorphilaBayern
    Stamm Mitglied
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    7. August 1955 (70)
    • 30. September 2008 um 19:19
    • #206

    Hallo bayern klassisch,

    vielen Dank für Ihre Beschreibung.
    Konnte noch einen Nahbereichsbeleg von Hof finden:
    Frankobrief von Schleiz (Fürstentum Reuß jüngere Linie - im Thurn & Taxisschen Postgebiet) nach Hof (Kgr. Bayern) vom 16. März 1831.
    Rückseitig steht der Frankobetrag von "1" Silbergroschen.

    Beste Grüße,
    VorphilaBayern

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  • bayern klassisch
    Gast
    • 30. September 2008 um 21:29
    • #207

    Hallo VorphilaBayern,

    wie sagte ein Freund von mir immer etwas spöttisch: Den tät ich auch nehmen tun ...

    Hier hätte er Recht gehabt.

    Mit dem Material, das du allein hier an Nahbereichsbriefen gezeigt hast, könntest du jeden 1 - Rahmen - Wettbewerb gewinnen. Gold wäre dir allemal sicher.

    Danke fürs zeigen und liebe Grüsse sagt bayern klassisch

  • VorphilaBayern
    Stamm Mitglied
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    • 2. Oktober 2008 um 05:36
    • #208

    Hallo bayern klassisch,

    vielen Dank für Deine wohlwollenden Anmerkungen.
    Kann noch einen Beleg nachlegen:

    Frankobrief per Einschreiben von Bamberg (Kgr. Bayern) nach Coburg (Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha - Thurn & Taxissches Postgebiet) vom 26. Mai 1817. Der Absender bezahlte 4 Kreuzer bis zum Bestimmungsort. (Berechnet nach der Briefposttaxe vom 3.11.1810 - über 6 bis 12 Meilen = 4 Kreuzer). Dazu kam noch die Charge - Gebühr von 4 Kreuzer, die auf dem Postschein verrechnet wurde.

    Gruß,
    VorphilaBayern

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  • VorphilaBayern
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    • 3. Oktober 2008 um 13:13
    • #209

    Liebe Sammlerfreunde,

    nochmals einen Nahbereichsbrief:
    Portobrief aus Altenkundstadt (Kgr. Bayern) nach Coburg (Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha - Thurn & Taxissches Postgebiet) mit Aufgabestempel - K1 in Sonderform von Burgkundstadt vom 12.9.1841 (in Burgkundstadt befand sich seit dem 28.5.1828 eine Briefsammlung (spätere Bezeichnungen "Briefablage" und "Postablage), die ab 1.10.1843 in eine Postexpedition umgewandelt wurde. Rückseite Ankunftsstempel von Coburg vom 14.9.1841.
    Der Empfänger bezahlte 3 Kreuzer zuzüglich 2 Kreuzer Bestellgeld, also 5 Kreuzer. (Berechnet nach der Bayerischen Briefposttaxe vom 3.11.1810 - bis 6 Meilen = 3 Kreuzer.

    Beste Grüße,
    VorphilaBayern

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    Einmal editiert, zuletzt von VorphilaBayern (3. Oktober 2008 um 16:36)

  • solid611
    aktives Mitglied
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    129
    • 5. Oktober 2008 um 21:48
    • #210

    Hallo Bayern-Nils,

    hab eben deine Frage zu den Preußenstempeln entdeckt und soweit ich sehe, hat noch keiner geantwortet.

    Es handelt sich um sogenannte Beamtenstempel. Diese wurden von 1838 bis 1867 bei den preußischen Justitzbehörden verwendet. Sie geben den Namen des zuständigen Beamten an und sollten den Mißbrauch der Portofreiheit verhindern.

    Deine Briefe sind also von MAIBAUER aus Bromberg und TYBUSCH aus Marienwerder aufgegeben worden.

    Viele Grüße
    solid611

  • bayern klassisch
    Gast
    • 6. Oktober 2008 um 06:15
    • #211

    Hallo VorphilaBayern,

    ich halte eher 3 Kr. für Bayern bis zur Grenze und 2 Kr. für Taxis in den 1. Rayon für richtig.

    Nicht immer kam bei Taxis ein Bestellgeld, sei es von einem, sei es von 2 Kr. hinzu.

    Trotzdem ein sehr schöner Brief mit seltenem Stempel in sehr guter Verfassung.

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Bayern-Nils
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    • 6. Oktober 2008 um 07:37
    • #212

    Hallo Solid611

    Besten Dank für dein Antwort. Toll.

    Viele Grüsse
    Bayern-Nils

    NEH

  • VorphilaBayern
    Stamm Mitglied
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    • 6. Oktober 2008 um 10:22
    • #213

    Hallo bayern klassisch,

    Du hast recht.
    Habe meine Belege nach Coburg durchgesehen und konnte bei zwei Briefen folgendes feststellen:
    Portobrief von Kissingen (Kgr. Bayern) nach Ahorn bei Coburg (Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha) vom 21.6.1844. Porto 4 Kr. (über 6 bis 12 Meilen bis 1/2 Loth) zuzüglich 2 Kreuzer ( Sachsen-Coburg-Gotha von 1841 = bis 3 Meilen 1/2 Silbergroschen - Landesteil Gotha, bzw. 2 Kreuzer - Landesteil Coburg).

    Entscheidend ist jedoch folgender Brief:
    Portobrief von Hofheim (Kgr. Bayern) nach Ahorn Post Coburg (Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha) vom 18.5.1850. Porto 3 Kr. (bis 6 Meilen bis 1/2 Loth) zuzüglich 2 Kreuzer ( Sachsen-Coburg-Gotha von
    1841 = bis 3 Meilen 1/2 Silbergroschen - Landesteil Gotha, bzw. 2 Kreuzer - Landesteil Coburg).
    Dazu noch 1 Kreuzer Bestellgeld (roter Strich über "m" bei "Ahorn".

    Liebe Grüße,
    VorphilaBayern

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  • Bayern-Nils
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    • 6. Oktober 2008 um 10:41
    • #214

    Hallo VorphilaBayern.

    Ich habe eine Frage. Warum sind die beiden nicht mit Bestellgeld belegt?

    Viele Grüsse
    Bayern-Nils

    NEH

  • VorphilaBayern
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    • 6. Oktober 2008 um 11:55
    • #215

    Hallo Bayern-Nils,

    vielen Dank für Ihre Mitteilung.
    Ich kann nach Durchsicht der vorhandenen Literatur leider nichts dazu sagen. Ich denke, daß es in Coburg bis etwa 1850 keine Orts - oder Landbestellung durch Briefträger gab und somit kein Orts - oder Landbestellgeld anfiel. Erst ab 1850 ?
    Ein Heimatsammler von Coburg und Umgebung dürfte mit Sicherheit mehr wissen.

    Beste Grüße,
    VorphilaBayern

  • Bayern-Nils
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    • 6. Oktober 2008 um 15:58
    • #216

    Hallo VorphilaBayer

    Besten dank für dein Antwort.

    Viele Grüsse
    Bayern-Nils

    NEH

  • bayern klassisch
    Gast
    • 6. Oktober 2008 um 18:44
    • #217

    Hallo,

    ich denke, es verhielt sich in Coburg wie anderswo - wenn niemand eine andere Regelung wünschte, dann brachte der Bote das Poststück für einen geringen Betrag vor die Haustür.

    Wünsche man, der Gründe gibt es viele, keine Normalzustellung, dann konnte man auch über ein "Gefach", also ein Postfach, seine Poststücke auf dem Postamt lagern lassen, bzw. einen eigenen Boten beauftragen, die Stücke abzuholen. Diese Briefe hätten dann keinen Bestellgeldkreuzer.

    Gerade Empfänger, die Behörden waren, verfügten über einen oder mehrere eigene Dienstboten, so dass sie die Post nicht zur Zustellung benötigten.

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Bayern-Nils
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    • 6. Oktober 2008 um 19:16
    • #218

    Hallo Bayern Klassisch

    Falls was du jetzt schreibst richtig ist (ist es wahrscheinlich auch), ist es was ich nicht verstehen kann. Ich dachte dass wenn es Ahorn Post Coburg steht, wird der Brief im "Postfach" liegend. Aber gerade der Brief ist mit Bestellgeld belegt. Oder ist es etwas anderes was an der "Postfach" hinweist?

    Viele Grüsse
    Bayern-Nils

    NEH

  • bayern klassisch
    Gast
    • 6. Oktober 2008 um 20:18
    • #219

    Hallo Nils,

    man kann einem Brief nicht ansehen, ob der Empfänger ein Postfach hatte, oder nicht.

    In Bayern war es so, dass ein Postfach im Jahr 5 Gulden kostete.

    Wollte man Gebührenaufschub, also nicht immer bei unfrankierten Sendungen das Porto bezahlen, dann kostete es 10 Gulden.

    Nur 2 Leute wussten, ob jemand ein Postfach hatte: Der Postbedienstete und der Empfänger.

    Auch Briefe in Nebenorte konnten zugestellt werden, wenn die Post diese Orte anlief. Lief die Post diese Orte nicht an, konnte man die Post natürlich auch per Postfach dort liegen lassen.

    Nicht verwechseln darfst du ein Postfach mit Poste restante - das ist etwas ganz anderes. Hierüber habe ich mal einen Artikel hier geschrieben - einfach mal die Suchfunktion benutzen.

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Bayern-Nils
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    • 6. Oktober 2008 um 20:32
    • #220

    Hallo Bayern Klassisch

    So Ahorn Post Coburg ist ein andere Schreibweise für Ahorn bei Coburg. Danke BK für deine Geduld.

    Viele Grüsse
    Bayern-Nils

    NEH

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