Hallo,
war Kriegsgefangenenpost nicht portofrei b.z.w. welche
Ausnahmen gab es von dieser Regel??
Freundliche Grüße
Ralf
Hallo,
war Kriegsgefangenenpost nicht portofrei b.z.w. welche
Ausnahmen gab es von dieser Regel??
Freundliche Grüße
Ralf
Soweit ich das in Erinnerung habe, ist die Portofreiheit nur innerhalb der Landes gewährt.
Hier ging der Brief aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland und wurde somit gebührenpflichtig.
Ich bin da unsicher, wenn der Gefangene nun kein Geld hatte ![]()
Sie erhielten durchaus einen Lohn in Form von Kontrollabschnitten, vielleicht hatten sie dann durch Tauschgeschäfte Briefmarken erstanden oder sie konnten einmal im Monat/Halbjahr einen Brief nach Deutschland aufgeben. *grübel
Ist auch nicht zutreffend... An wenn sollte (außer in Ausnahmen...) ein Kriegsgefangener im Inland schon schreiben?
Wenn die Frage nach den Ausnahmen allgemein gemeint war, in meinem Sammelgebiet gibt es eine:
Zivilinternierte im 1. Wk in Russland verschickte ihre Post als Kriegsfeangenensendung, mußten diese aber freimachen, weil allen Zivilinternierten bezahlte Tätigkeiten an ihren Verbanungsorten zugewiesen wurden.
ZitatOriginal von tronissimo
Sie erhielten durchaus einen Lohn in Form von Kontrollabschnitten, vielleicht hatten sie dann durch Tauschgeschäfte Briefmarken erstanden oder sie konnten einmal im Monat/Halbjahr einen Brief nach Deutschland aufgeben. *grübel
Da ist dann die Frage, ob die USA (mal wieder...) keine Lust hatte sich an einer internationalen Konvention (Geührenbefreiung von POW Briefen) zu beteiligen? Oder gilt die Gebührenbefreiung nur, wenn den Gefangenen keine bezahlten Tätigkeiten zugewiesen wurden???
Über der Briefmarke steht ja auch: POSTAGE FREE !
Kann es sich um einen Luftpostzuschlag handeln, also schnellere Beförderung auf Wunsch des Gefangenen???
Ich bin ratlos ![]()
Ich hab nur noch einen Hinweis gefunden, dass Gefangene pro Woche einen Brief an direkte Angehörige schreiben durften.
Allerdings keinen Hinweis, ab wann gebührenbefreit und ab wann Gebühren zu entrichten waren.
Interessantes Stueck.
1)
Zeig mal die Absenderseite, bitte. Bin neugierig. Ich kann auch das Datum des Stempels nicht gut erkennen und den Zensurstempel. Kannst Du vieillcht mal vorlesen(?). Die Kriegsgefangen-Nummer ist auch oft eine gute Informationsquelle, wenn die beim Absender angegeben ist (was sie sollte).
2)
Ich gehe mal mit gesundem Halbwissen ran und auf ein paar Gesichtspunkte ein, die hier so genannt worden sind.
Alle am 2. WK beteiligten Nationen hatten sich darauf verstaendigt, dass Standard-Post von Kriegsgefangen und Zivil-Internierten portofrei befoerdert wurde. Luftpost musste aber regulaer freigemacht werden. Die 30c kommen mir zwar hoch vor, aber es mag sein, dass es sich dabei um den Luftposttarif handelt. Eine Kennzeichnung "Air Mail" fehlt allerdings.
Der Postverkehr der Kriegsgefangen unterlag mutmasslich bei allen Nationen gewissen Beschraenkungen, die meist durch ueberlastete Infrastruktur begruendet waren. Anfangs konnten Gefangene im Gewahrsam der USA 2 Briefe mit nicht mehr als 24 Zeilen und 1 Karte pro Woche schicken. Ab September 1943 dann 1 Brief und 1 Karte pro Woche. Ab Februar 1945 dann 2 (3) Briefe und 4 Karten pro Monate fuer Mannschaften (Offiziere).
Die Kriegsgefangenbriefe mussten die Sprache des Absenders benennen, hier: German (die Alternative war im wesentlichen italienisch). Der Buchstabe "A" hinter "German" bedeutet "Army", also ein Heeresangehoeriger (N fuer Navy, AF fuer Air Force).
Insgesamt gab es 155 Haupt-Kriegsgefangenlager in den USA, je fuer 2,000-4,000 Soldaten. Sie wurden ueberwiegend nach einheitlichem Muster errichtet. Volksmund fuer diese Camps: "the Fritz Ritz." Gesamtanzahl der deutschen Kriegsgefangenen in Lagern in den USA Juni '43 = 34,000, Juni '44 = 146,000, Juni '45 = 371,000. Daneben gab es noch von den Amerikanern betriebene Kriegsgefangenenlager in Europa. Als der Krieg in seiner Endphase war, ging die Zahl der Kriegsgefangenen in die Millionen und die Amerikaner gingen dazu ueber die Gefangenen in Europa zu halten.
Edit: Bild entfernt. Ich stelle die Karte irgendwann mal in einem eigenem Beitrag vor.
Hallo,
es ist der Luftpostzuschlag - genau 30c. Umgekehrt mußten Angehörige
eines deutschen Soldaten in amerikanischer Kriegsgefangenschaft einen
Brief, den sie ihm in die USA schickten "via airmail" auch mit zusätzlich
40 Rpf (ich glaube, es waren 40 Rpf) freimachen. Ich habe einige
solcher Belege, kann Sie aber nicht einstellen, da ich gerade auf der
Arbeit bin
m.w.myname
Vielen Dank für die Antworten!
@ Carolina Pegleg
Habe noch 2 Bilder eingestellt.
Freundliche Grüße
Ralf
Dieser Oberst Maucke hat nach dem Krieg den Gefechtsbericht für die 15. Pz.Gren.Div. während der Ardennenschlacht verfasst.
Danke, Inflajaeger.
Soviel kann ich jetzt doch nicht mehr beitragen, da es sich hier um eine Kriegsgefangennummer handelt, die in den USA vergeben wurde. Bei Gefangenen, die noch vor der Verbringung nach Amerika an "Ort und Stelle" verwaltungsmaessig bearbeitet wurden, kann man aus der Nummer noch erkennen, wo die Person in Gefangenschaft geraten ist. Tausende von Gefangenene wurden allerdings in die USA gebracht, ohne dass sie schon eine Nummer hatten.
In diesem Fall bedeutet die erste Zahl, hier "7." das Army Service Command, wo der Gefangene bearbeitet wurde. Also auf deutsch vielleicht: den Wehrbereich. Die Nummern gehen von 1 bis 9. 7 umfasst eine Reihe Staaten des Mittleren Westens von Minnesota und den Dakotas im Norden bis Arkansas im Sueden. W steht fuer War Department. G fuer die Nationalitaet, German. Der Rest ist die indivduelle Nummer.
Dieser Oberst Wolfgang Maucke war Ritterkreuzträger, macht den Beleg eventuell interessant. Bei -bay gibt es leider keine Kategorie Gefangenenpost.
Ich glaube, wer Empfaenger des Briefes ist, ist im allgemeinen fuer die Wertfindung irrlevant. Insbesondere dann, wenn es sich um einen Oberst Maucke handelt, von dem die Welt noch nicht gehoert hat.
Die Person des Absenders mag den Wert eines Briefes gegebenenfalls steigern, wenn es sich um eine bekannte Persoenlichkeit handelt, und damit meine ich eine tatsaechlich bekannte Persoenlichkeit.
Das sind allerdings in jedem Fall keine postgeschichtlich relevanten Aspekte. Aus philatelistischer Sicht ist es voellig Schnuppe, wer da wem schreibt.
Es ist ein huebscher Beleg und 5 Euro, vielleicht bis zu 10 Euro, faende ich da maximal angemessen. Mehr nicht unbedingt. Wertsteigernd ist, dass es sich um einen relativ fruehen Brief handelt (Januar 1944), wo die Zahl der deutschen KGF in USA noch nicht so gross war. Das war noch vor der Normandie-Invasion und die Gefangenen, die es bis Ende 1943 in den USA gab, kamen weit ueberwiegend vom nordafrikanischen Kriegsschauplatz und einige trafen gerade frisch vom sich erst entwickelnden italienischem.
Fuer Sammler dieses Gebietes spielt im uebrigen das Lager eine grosse Rolle. Wenn Du mehr ueber den Brief herausfinden willst, was wirklich relevant ist (der Empfaenger ist es m. M. nicht), dann musst Du mal schauen, was Du zum Camp Trinidad, Colorado herausfinden kannst. Die Lager waren zwar ueberwiegend im Sueden konzentriet, aber doch weit verstreut und zumeist recht klein. Wer als "Spezialist" Post von allen diesen Lagern sammeln will, hat was vor sich und wenn "Trinidad" ein interessanteres Lager ist -- es gab z. B. spezielle Nazi-Lager -- dann hast Du vielleicht doch was besonderes. Ansonsten, als normaler Kriegsgefangenbrief, hast Du ein schonenes, historisch bedeutsames Stueck, aber eben keine Seltenheit. Ueberleg mal selbst: 300,000 Gefangene x 1 Brief/Woche x 2 Jahre Gefangenschaft -- und alle Briefe sind mit Sicherheit von den Angehoerigen sorgsam aufgehoben worden.
@ Carolina Pegleg
Vielen Dank für die Erklärungen.
Der Beleg ist aufgeklappt übrigens stolze 36 cm lang ![]()
Freundliche Grüße
Ralf
Vielleicht bin ich total auf Abwegen aber kann der Beleg einen Zusammenhang mit diesem Fleet Post Office haben der US Navy?
![]()
Und da soll noch jemand sagen, Briefmarken sammeln ist langweilig und uninteressant.
Ich habe zwar keinen Beleg beizusteuern, aber ich lese mit Interesse mit. Meine Hochachtung, Carolina Pegleg, was Du hier Interessantes erzählst. Ich bin gespannt, ob ich irgendwann auch mal solche Informationen aus einem Beleg herauslesen kann.
Zu dem Lager Camp Trinidad, Colorado habe ich was nettes gefunden:
Gruß aus Trinidad
Lesefreude im Gefangenenlager
"Wie kommt ein deutscher Oberleutnant im März 1944 nach Trinidad?" Diese Frage sollte der Beginn einer interessanten Geschichte werden. Die Vorgeschichte der Frage ist schnell erzählt: Eine Studentin leiht sich in der UB "Strong Poison" von Dorothy Sayers (erschienen 1930) aus und findet auf den Eingangsseiten des Buches einen Eintrag. Daraus geht zweifelsfrei hervor, daß ein Oberleutnant A. Pröschel im März 1944 im Besitz des Buches gewesen sein muß. An sich nichts Besonderes, wenn da nicht "Trinidad, 4.3.44" stünde.
Daß der Oberleutnant auf Trinidad keinen Truppenurlaub machte, zeigt der Eintrag "Trinidad Prisoner of War Camp" sowie der eingeklebte Zettel der UB Heidelberg, der verrät, daß das Buch ein Geschenk des "Offiziers-Kriegsgefangenenlagers Trinidad" ist. Auf Trinidad, einer Insel vor der Küste Venezuelas, die zum damaligen Zeitpunkt noch eine Kolonie Englands war, gab es aber kein Kriegsgefangenenlager. Bei der weiteren Suche stieß ich dann nochmals auf den Namen Trinidad, allerdings war nicht die Karibikinsel gemeint, sondern eine Stadt in den USA, im Südosten von Colorado. Das dortige Lager wurde Anfang 1943 eingerichtet und hauptsächlich mit Offizieren, unter anderem Oberleutnant Pröschel, belegt.
Vom Kriegseintritt der USA 1941 bis1945 nahmen die amerikanischen Streitkräfte knapp 3,8 Millionen deutsche Soldaten gefangen. Ungefähr 380.000 dieser Soldaten wurden in die USA verbracht. Zum Zeitpunkt des Bucheintrages befanden sich etwa 130.000 deutsche Soldaten in Kriegsgefangenenlagern der USA. Die überwiegende Anzahl dieser Soldaten gehörte zur Heeresgruppe Afrika, die im Mai 1943 in Tunesien kapitulierte.
So ist es also sehr wahrscheinlich, daß Oberleutnant Pröschel ein Angehöriger dieser Heeresgruppe war und sich schon Mitte 1943 in einem Lager in den USA befand.
Im Kriegsgefangenenlager Trinidad scheint er dann im März 1944 in den Besitz des Buches gelangt zu sein. Erworben hat es der Oberleutnant wahrscheinlich in der Kantine des Lagers, in der sich die Soldaten neben Zigaretten, Bier und Süßigkeiten auch Magazine und Bücher kaufen konnten. Bezahlt wurde mit Kantinen-Coupons, die die Soldaten als Sold oder Arbeitsentgelt (achtzig Cents pro Tag) erhielten. Offiziere wie Oberleutnant Pröschel mußten nicht arbeiten und erhielten zwanzig Dollar Sold im Monat. Da konnte sich der Oberleutnant einen Krimi für 25 Cents bequem leisten. Die eingetragene Signatur im Buch (k 5611 Lb.O.T. = library officers Trinidad?) läßt aber auch noch an eine andere Möglichkeit der Beschaffung denken. Die meisten Lager verfügten über eine Bücherei, in der sich oft sowohl deutsche als auch englische Bücher befanden. Vielleicht hatte sich der Oberleutnant das Buch ausgeliehen, später aber nicht mehr zurückgegeben. Neben einer Bücherei und einem Theater gab es im Lager Trinidad seit Juni 1944 noch eine "Lagerhochschule", wo Vorlesungen und Kurse unter anderem in Theologie, Islamkunde, Mathematik und Chemie gehalten wurden. Ob der Oberleutnant noch in den Genuß dieser Angebote kam, ist nicht sicher zu sagen, denn er scheint in Trinidad nicht der letzte Besitzer des Buches gewesen zu sein. Indiz dafür ist, daß sein Name mit der gleichen Tinte durchgestrichen wurde, mit der auch der unleserliche Name eines Leutnants als Eigentümer eingetragen ist. Warum das Buch den Besitzer wechselte, ist unklar. Vielleicht wurde der Oberleutnant in ein anderes Lager verlegt oder verkaufte das Buch weiter.
Der Leutnant unleserlichen Namens scheint dann das Buch bei der Rückführung nach Deutschland mitgenommen zu haben, so daß es im Januar 1949 vom "Offiziersgefangenenlager Trinidad" der UB Heidelberg geschenkt wurde.
(Quelle: )