Viele haben wohl solche Stücke unter den Dubletten ohne sie gross zu beachten. Wer USA sammelt, immerhin wohl so rund 20 Philaforummitglieder, dem sind sie mit Sicherheit schon häufiger untergekommen, Marken wie die folgenden:
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Ob sich da je einer Gedanken daruber gemacht hat? Ich meine, die Stempel sehen doch eigentlich nicht "normal" aus . . .
Kleine Hilfestellung: Die Stempelfarbe ist nicht schwarz . . .
Aus welchem Zeitraum kommen diese Stempel vor? Marken mit purpurnen Stempeln gibt es überwiegend vom Anfang der 80er Jahre, also während der 15c, 18c, und 20c Briefportoperiode der amerikanischen Post. Je nach Ausgabe liegen diese grob geschätzt im Verhältnis 1:20 bis 1:40 mit "normal" gestempelten Marken vor.
Erste Testversuche mit purpurfarbener Stempelfarbe wurden in 1972/73 durchgeführt. Ich kann dies aufgrund Literatur sagen. Gesehen habe ich Exemplare von diesen ersten Tests bei den Briefzentren "Northern Virginia" und "Prince Georges, Maryland" nicht. Versuche mit der neuen Stempelfarbe wurden nur sehr langsam ausgeweitet. Insgesamt haben wohl weniger als 20 Städte bzw. Briefzentren diese neue Stempelfarbe während der 1970er Jahre verwendet.
Mein frühestestes Exemplar ist von Richmond, VA 232 mit dem Datum 4. August 1979. Die "232" steht, ähnlich wie bei den Stempeln der deutschen Briefzentren, für die ersten drei Stellen der Postleitzahl.
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Die weitaus meisten dieser Stempel existieren aus dem Zeitraum 1980 bis 1983. Sie haben in der Regel den typischen runden Stempelkopf und einen "Killer" aus 6-7 Wellenlinien. Hier noch zwei Beispiele aus Raleigh, NC 276 und Huntsville, AL 358:
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Wie kam es zu diesen Stempeln? Leicht zu erkennen, handelt es sich hier um Maschinenstempel. Hintergrund waren Probleme mit den von der amerikanischen Post (USPS) weit verbreitet eingesetzten "M-36" und "Mark II" Briefaufstell- und stempelmaschinen des Herstellers Pitney-Bowes. Im Jahre 1984 waren mehr als eintausend Machinen dieser Typen bei der amerikanischen Post im Einsatz. Die standardmässig zugelassene schwarze Stempelfarbe verursachte bei diesen Modellen ein "Aufschwellen" der Farbrollen, wodurch es zu Verklebungen / Stockungen kam, die den Betriebsablauf störten. Eingesetzt wurde die Farbe allerdings gelegentlich auch in Stempelmaschinen anderer Hersteller.
Offenbar half die purpurne Stempelfarbe dieses Problem zu lösen. Es gab bei dieser Farbe allerdings auch gravierende Nachteile. Zunächst war die Farbe schlecht zu lesen. Aus diesem Grunde musste ich bei den Scans schon teils kräftig nachdunkeln. Die bisher gezeigten Stücke sind auch insoweit nicht unbedingt repräsentativ, als ein Sammler diese mit Augenmerk auf eine lesbare Stempelung zusammengesucht hat. Ein Ärgernis für Sammler und die USPS gleichermassen war zudem die Tendenz der Farbe auszulaufen, insbesondere beim Ablösen von Marken im Wasserbad. Sehr schön zu sehen bei einer der oben gezeigten "Aging together" Sondermarke. Weniger wahrscheinlich wegen der Beschwerden der Sammler, als wegen des Risikos der Wiederverwendung von Marken, da diese Stempelfarbe abgewaschen werden konnte, wurde seitens der USPS sehr schnell nach Alternativen für die purpurne Farbe gesucht. Eine neu enwickelte schwarze Tinte wurde bereits 1982 zugelassen.
Insgesamt haben "nur" 146 Postämter bzw. Briefzentren zu irgendeinem Zeitpunkt purpurne Stempelfarbe genutzt, ganz überwiegend im Zeitraum 1980-83. Vereinzelte Verwendung aus den späten 80ern und teils bis in die 90er hat seine Ursache im Aufbrauch von Restbeständen dieser Farbe und ist nicht häufig, wie auch die Verwendung vor 1980 nicht häufig ist.
146 Postanstalten hört sich wie eine gut sammelbare Zahl an. Trotz der relativ geringen Anzahl von Postanstalten und der nur kurzen Verwendungszeit gibt es gleichwohl eine grosse Anzahl verschiedener Stempel, die man unterscheiden mag. Zum einen führten viele der Postanstalten zu bestimmten Zeiten Werbestempel in Rotation / Turnus mit den normalen Entwertern. Viele Postanstalten setzten auch mehr als eine Maschine ein, die dann gegebenfalls anhand der Maschinennummern unterschieden werden können. Hier zwei Beispiele für die Verwendung von Sloganwerbestempeln in New York, NY 100 "World Food Day – USA October 16" und Fayetteville, NC 283 "Give the United Way."
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Und zwei Beispiele für Stempel mit Angaben von Maschinennummern aus San Francisco, CA 941 "8A" und Marina del Rey, CA 902 "5B." Selbstverständlich könnten die Werbestempel ebenfalls mit unterschiedlichen Maschinennummern vorkommen.
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Auch ohne Berücksichtigung von Zeichnungsunterschieden der Stempel, z. B. Variationen in der Anordnung der Inschriften im Stempelkopf, oder Massunterschieden, die nun wirklich nur absolute Spezialisten (oder Irre) interessieren können, gibt es somit eine ganze Anzahl sammelbarer Stempel. Ich persönlich habe für diese Stempel eine Zigarrenkiste, in die ich Stücke die mir so über den Weg laufen reinlege. In 20-25 Jahren hat sich dann vielleicht ohne Zutun quasi von selbst eine Sammlung gebildet. Über die letzten zwei Jahre waren es immerhin schon soviele, dass ich diesen Beitrag fertigen konnte.
Abschliessend zum Wert dieser Stempel: Der Wert ist Null. Auf losen Marken ist keinerlei Zuschlag gerechtfertigt. Bei verlaufenem Stempel eher ein Abschlag. Für diese Stempel auf Brief gibt es zwar eine Liste, die ein im positiven (?) Sinne Hobby-Verrückter zusammengestellt hat. Sammler gibt es allerdings deshalb keine. Mit Sicherheit habe ich für keinen der gezeigten Belege mehr als 25 Cent gezahlt. Augenmerk würden allenfalls die ersten Testversuche aus den frühen 70ern verdienen. Diese sind mutmasslich zu 99,99% unerkannt "zerbraucht" worden und bilden daher wohl moderne Raritäten. Gleichwohl würde sich auch bei diesen Exemplaren über einen Anerkennungsbetrag hinaus kein realer Marktwert ergeben, weil es einen Sammlermarkt für diese Stempel einfach nicht gibt. Es ist eine Mülltonnen-Material Spass-Sammlung.