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  4. Stempel

Purpur-Maschinenstempel

  • Carolina Pegleg
  • 23. Februar 2008 um 07:11
  • Carolina Pegleg
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    • 23. Februar 2008 um 07:11
    • #1

    Viele haben wohl solche Stücke unter den Dubletten ohne sie gross zu beachten. Wer USA sammelt, immerhin wohl so rund 20 Philaforummitglieder, dem sind sie mit Sicherheit schon häufiger untergekommen, Marken wie die folgenden:

    [Blockierte Grafik: http://i140.photobucket.com/albums/r28/forsta/pmc1.jpg]

    Ob sich da je einer Gedanken daruber gemacht hat? Ich meine, die Stempel sehen doch eigentlich nicht "normal" aus . . .

    Kleine Hilfestellung: Die Stempelfarbe ist nicht schwarz . . .

    Aus welchem Zeitraum kommen diese Stempel vor? Marken mit purpurnen Stempeln gibt es überwiegend vom Anfang der 80er Jahre, also während der 15c, 18c, und 20c Briefportoperiode der amerikanischen Post. Je nach Ausgabe liegen diese grob geschätzt im Verhältnis 1:20 bis 1:40 mit "normal" gestempelten Marken vor.

    Erste Testversuche mit purpurfarbener Stempelfarbe wurden in 1972/73 durchgeführt. Ich kann dies aufgrund Literatur sagen. Gesehen habe ich Exemplare von diesen ersten Tests bei den Briefzentren "Northern Virginia" und "Prince Georges, Maryland" nicht. Versuche mit der neuen Stempelfarbe wurden nur sehr langsam ausgeweitet. Insgesamt haben wohl weniger als 20 Städte bzw. Briefzentren diese neue Stempelfarbe während der 1970er Jahre verwendet.

    Mein frühestestes Exemplar ist von Richmond, VA 232 mit dem Datum 4. August 1979. Die "232" steht, ähnlich wie bei den Stempeln der deutschen Briefzentren, für die ersten drei Stellen der Postleitzahl.

    [Blockierte Grafik: http://i140.photobucket.com/albums/r28/forsta/pmc1003.jpg]

    Die weitaus meisten dieser Stempel existieren aus dem Zeitraum 1980 bis 1983. Sie haben in der Regel den typischen runden Stempelkopf und einen "Killer" aus 6-7 Wellenlinien. Hier noch zwei Beispiele aus Raleigh, NC 276 und Huntsville, AL 358:

    [Blockierte Grafik: http://i140.photobucket.com/albums/r28/forsta/pmc6.jpg]

    Wie kam es zu diesen Stempeln? Leicht zu erkennen, handelt es sich hier um Maschinenstempel. Hintergrund waren Probleme mit den von der amerikanischen Post (USPS) weit verbreitet eingesetzten "M-36" und "Mark II" Briefaufstell- und stempelmaschinen des Herstellers Pitney-Bowes. Im Jahre 1984 waren mehr als eintausend Machinen dieser Typen bei der amerikanischen Post im Einsatz. Die standardmässig zugelassene schwarze Stempelfarbe verursachte bei diesen Modellen ein "Aufschwellen" der Farbrollen, wodurch es zu Verklebungen / Stockungen kam, die den Betriebsablauf störten. Eingesetzt wurde die Farbe allerdings gelegentlich auch in Stempelmaschinen anderer Hersteller.

    Offenbar half die purpurne Stempelfarbe dieses Problem zu lösen. Es gab bei dieser Farbe allerdings auch gravierende Nachteile. Zunächst war die Farbe schlecht zu lesen. Aus diesem Grunde musste ich bei den Scans schon teils kräftig nachdunkeln. Die bisher gezeigten Stücke sind auch insoweit nicht unbedingt repräsentativ, als ein Sammler diese mit Augenmerk auf eine lesbare Stempelung zusammengesucht hat. Ein Ärgernis für Sammler und die USPS gleichermassen war zudem die Tendenz der Farbe auszulaufen, insbesondere beim Ablösen von Marken im Wasserbad. Sehr schön zu sehen bei einer der oben gezeigten "Aging together" Sondermarke. Weniger wahrscheinlich wegen der Beschwerden der Sammler, als wegen des Risikos der Wiederverwendung von Marken, da diese Stempelfarbe abgewaschen werden konnte, wurde seitens der USPS sehr schnell nach Alternativen für die purpurne Farbe gesucht. Eine neu enwickelte schwarze Tinte wurde bereits 1982 zugelassen.

    Insgesamt haben "nur" 146 Postämter bzw. Briefzentren zu irgendeinem Zeitpunkt purpurne Stempelfarbe genutzt, ganz überwiegend im Zeitraum 1980-83. Vereinzelte Verwendung aus den späten 80ern und teils bis in die 90er hat seine Ursache im Aufbrauch von Restbeständen dieser Farbe und ist nicht häufig, wie auch die Verwendung vor 1980 nicht häufig ist.

    146 Postanstalten hört sich wie eine gut sammelbare Zahl an. Trotz der relativ geringen Anzahl von Postanstalten und der nur kurzen Verwendungszeit gibt es gleichwohl eine grosse Anzahl verschiedener Stempel, die man unterscheiden mag. Zum einen führten viele der Postanstalten zu bestimmten Zeiten Werbestempel in Rotation / Turnus mit den normalen Entwertern. Viele Postanstalten setzten auch mehr als eine Maschine ein, die dann gegebenfalls anhand der Maschinennummern unterschieden werden können. Hier zwei Beispiele für die Verwendung von Sloganwerbestempeln in New York, NY 100 "World Food Day – USA October 16" und Fayetteville, NC 283 "Give the United Way."

    [Blockierte Grafik: http://i140.photobucket.com/albums/r28/forsta/pmc7.jpg]

    Und zwei Beispiele für Stempel mit Angaben von Maschinennummern aus San Francisco, CA 941 "8A" und Marina del Rey, CA 902 "5B." Selbstverständlich könnten die Werbestempel ebenfalls mit unterschiedlichen Maschinennummern vorkommen.

    [Blockierte Grafik: http://i140.photobucket.com/albums/r28/forsta/pmc5.jpg]

    Auch ohne Berücksichtigung von Zeichnungsunterschieden der Stempel, z. B. Variationen in der Anordnung der Inschriften im Stempelkopf, oder Massunterschieden, die nun wirklich nur absolute Spezialisten (oder Irre) interessieren können, gibt es somit eine ganze Anzahl sammelbarer Stempel. Ich persönlich habe für diese Stempel eine Zigarrenkiste, in die ich Stücke die mir so über den Weg laufen reinlege. In 20-25 Jahren hat sich dann vielleicht ohne Zutun quasi von selbst eine Sammlung gebildet. Über die letzten zwei Jahre waren es immerhin schon soviele, dass ich diesen Beitrag fertigen konnte.

    Abschliessend zum Wert dieser Stempel: Der Wert ist Null. Auf losen Marken ist keinerlei Zuschlag gerechtfertigt. Bei verlaufenem Stempel eher ein Abschlag. Für diese Stempel auf Brief gibt es zwar eine Liste, die ein im positiven (?) Sinne Hobby-Verrückter zusammengestellt hat. Sammler gibt es allerdings deshalb keine. Mit Sicherheit habe ich für keinen der gezeigten Belege mehr als 25 Cent gezahlt. Augenmerk würden allenfalls die ersten Testversuche aus den frühen 70ern verdienen. Diese sind mutmasslich zu 99,99% unerkannt "zerbraucht" worden und bilden daher wohl moderne Raritäten. Gleichwohl würde sich auch bei diesen Exemplaren über einen Anerkennungsbetrag hinaus kein realer Marktwert ergeben, weil es einen Sammlermarkt für diese Stempel einfach nicht gibt. Es ist eine Mülltonnen-Material Spass-Sammlung.

    Einmal editiert, zuletzt von Carolina Pegleg (23. Februar 2008 um 07:21)

  • Saguarojo
    Gast
    • 23. Februar 2008 um 07:25
    • #2

    Hallo,

    das ist ein sehr interessanter und ausführlicher Beitrag. Ich interessiere mich deshalb dafür, weil ich aus den USA Briefe mit Kakteenmotive sammele und die verschiedenen Stempelfarben, sei es rot oder schwarz abwechselungsreich finde.

    Können wir diesbezüglich in Tauschkontakt treten? PN an mich.

  • Carolina Pegleg
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    • 23. Februar 2008 um 15:37
    • #3

    @ Saquarojo

    Freut mich, dass Dir der Beitrag gefaellt. Es handelt sich bei diesen Stempeln natuerlich nicht um grosse Philatelie, sondern um ganz "normale" Sachen ohne besonderen Wert und ohne grosse postgeschichtliche Signifikanz. Es ist mehr so ein kleiner "Wissens-Schnipsel." Am ehesten interessant fuer Sammler von USA Marken, die jetzt eventuell gelernt haben, dass diese pupurnen Stempel normal sind und nicht minderwertig. Die "Aera" dieser Stempel ist ja nun 25 Jahre her. Da kann man an diese damals haeufigen und heute nur noch seltsamen Stempel mal erinnern. Ich selbst habe davon damals bestimmte hunderte ignorant zerschnipselt.

    Zur Kakteen-Stempel-Anfrage: Maschinenstempel mit Kakteenmotiven von den USA sind mir nicht bekannt. Die USA-Maschinen-Sloganstempel sind in aller Regel langweilig nur mit Text und haben kein illustriertes Design. Das soll nicht heissen, dass es keine gibt, ich kann mal in meine Literatur schauen, aber wenn ueberhaupt handelt es sich da wohl um Einzelstuecke.
    Davon zu unterscheiden sind die zehntausenden auf private Initiative hergestellten Sonderstempel zu allen moeglichen Anlaessen. Diese weisen meist Freiform auf und haben oft grossflaechige Illustrationen. Da gibt es thematisch nichts, was es nicht gibt. Ich interesse mich fuer diese Art von Stempeln ueberhaupt nicht, habe dazu keinen Ueberblick, kein Tauschmaterial und kein Interesse. Wenn Du die Webseite noch nicht kennst, kannst Du hier in den Kategorien "Topical," "USA - cancels - special events" usw. nach Kakteenstempeln stoebern. Weiteres zum Thema "Kakteen" bitte ausschliesslich per PN, da dies in dieses Thema nicht gerade hineingehoert.

    Abschliessend noch: Ich nenne diese Stempel "purpur. " Eine Farbbezeichnung, die auf deutsch ja nicht haeufig gebraucht wird. Haette ich vielleicht besser "lila" sagen sollen? Hier heissen die Stempel "purple machine cancels." Vielleicht eine zu woertliche Uebersetzung von mir . . .

  • Afredolino
    Philatelie Experte
    Beiträge
    2.874
    • 23. Februar 2008 um 15:53
    • #4

    Hallo Carolina Pegleg

    Ein sehr informativer Beitrag von Dir....SUPER !! :]

    Auch wenn dieses Gebiet nicht in meine Sammelgebiete passt, zu dieser "Mülltonnen-Material Spass-Sammlung" kann ich trotzdem was beifügen.

    Die ersten 3 Scann's auch mit diesem Purpur-Wellenstempel. Beim 1. Brief blieben die unteren Marken unbeachtet und liefen ungestempelt durch. Beim 2. Scann die unteren Briefmarken mit zusätzlichem schwarzem Rollenstempel ( ? ) entwertet. Den 3. Scann hätte ich wohl besser nicht eingestellt, da kenn ich jemanden, der "scharf" auf solche Motive ist ;) :D ( Der Brief ist aber unverkäuflich...ist eine Erinnerung an ein verstorbenes Familienmitglied )

    Dann hab ich noch eine Frage zum 4. Scann: das ist ein normaler Rundstempel....wurde auch hier die Purpurfarbe getestet oder war das normal? Davon hab ich noch einige in meiner Belege-Kiste.

    Gruss
    Afredolino

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    Beginn den Tag mit einem lächeln und du hast ihn schon gewonnen

  • Concorde
    Gast
    • 23. Februar 2008 um 16:01
    • #5
    Zitat

    Original von Afredolino
    H Den 3. Scann hätte ich wohl besser nicht eingestellt, da kenn ich jemanden, der "scharf" auf solche Motive ist ;) :D ( Der Brief ist aber unverkäuflich...ist eine Erinnerung an ein verstorbenes Familienmitglied )

    ..
    Gruss
    Afredolino

    ...und die Marke ganz rechts weist sogar einen gewissen Bezug auf..... ;) :D :D

  • Carolina Pegleg
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    • 23. Februar 2008 um 23:31
    • #6

    Hallo Alfredolino,

    dreimal Stempel von New York, NY 101. Fehlen dann also noch 145 Postaemter . . . ;)

    Das gibt es haeufig, dass Marken ungestempelt bleiben, wenn sie ausserhalb des Entwertungsbereiches des Stempels aufgeklebt sind. Ich finde das aergerlich. Bei dem zweiten Brief hat ein Postbeamter ja aufgepasst und die beiden unteren Marken mit einem Killer-Handstempel entwertet.

    Der Stempel auf Scan 4 ist, wie Du richtig sagst, ein Handstempel. Die Farbe hat nichts mit den erwaehnten Tests mit den Maschinenstempeln zu tun. Fuer die Maschinen muss die Stempelfarbe bestimmten technischen Anforderungen genuegen und wird, so denke ich mir das, vom Hersteller in Kanistern angeliefert. Die Stempelkissen am Schalter werden mit allem aufgefuellt, was eben greifbar ist. Es scheint da keine zentrale Beschaffung zu geben. Jeder Postamtsvorsteher macht da was er will und es herrscht dementsprechende Farbwillkuer. Alle moeglichen Schattierungen von rot und violett findet man bei den "CDS" (=circular date stamp) Handstempeln mindestens ebenso haeufig wie schwarz. Ich habe auch Entwertungen in gruen schon gesehen. Hintergrund ist, dass die normalerweise nicht zur Entwertung von Marken dienen, sondern fuer Einlieferungsscheine etc. gedacht sind. Wenn man die Handstempel auf Briefen sehen will, muss man vor dem Schalter niederknien und drei Verbeugungen machen.

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  • Carolina Pegleg
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    • 23. Februar 2008 um 23:51
    • #7

    @ Concorde

    Ok. Das ist jetzt Off-Topic und ich versaue mir meinen eigenen Fachbeitrag, aber als Du da so meine Aufmerksamkeit auf die Marke ganz rechts aus dem Kakteenzusammendruck gelenkt hast, musste ich echt lachen. Parallel zu den bekannten deutschen "Blumengruss"-Marken erschien mir das Motiv als amerikanischer "Kakteengruss". Motiv: Fingerkaktus :D

    Google hat mir dann mitgeteilt, dass ein Fingerkaktus aber ganz anders aussieht . . . . Dafuer habe ich aber gelernt, dass es ein Wort "Saguaroitis" gibt. Da war es dann aus, und ich habe mir fast vor Lachen eine Tasse Kaffee aufs Keyboard geschuettet.

    @ Saguarojo
    Bitte einfach mitlachen und nicht boese sein. Sorry. Ich kann mir nicht helfen. Bin immer noch am Lachen.

  • soaha
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    • 24. Februar 2008 um 00:43
    • #8

    Hallo,

    zitat:C.P.

    Zitat

    Gleichwohl würde sich auch bei diesen Exemplaren über einen Anerkennungsbetrag hinaus kein realer Marktwert ergeben, weil es einen Sammlermarkt für diese Stempel einfach nicht gibt. Es ist eine Mülltonnen-Material Spass-Sammlung.

    Würde sagen das es solche Sammlungen sind die, die Ausnahme der Regel sind, das Salz in der Supe, und als "unscheinbare"- "Sammlung" das meiste Geld bringen können.

    Als Austellungssammlung aufgebaut würde so eine "Stempelsammlung" erst recht die Aufmerksamkeit des Marktes erziehlen.
    Ich finde insbesonder wenn so eine Sammlung in sich abgeschlossen ist, behaubte sogar das es nicht einmal wichtig ist alle Postanstalten von der Anzahl her zu komplettieren.
    Was eigentlich hier sehr Bescheiden als "Mülltonne-Material Spass-Sammlung" genannt wird ist eine unterbewertete seltene Perle!

    Carolina P. ich schätze es sehr wenn ein Philatelist solche Beiträge erstellt und seine Leidenschaft somit zum vorschein bringt.
    Es braucht keine Welt berühmte Teure Marke oder eine seltener-teuerer Brief sein der die Aufmerksamkeit von Philatelie und! Geschichte erhält.
    Wenn in ca. 20 Jahren sammelns eine Sammlung entsteht die abgesehen von Beliebtheit(Bekanntheit) wie erwähnt, und vor dem Hintergrund einer "low budget" Material Sammlung, der nicht unscheinbare gleich ins Auge springete Punkt, ersichlitch ist, ist klar!!

    Fals ich Briefe solcher Art endecke tausche ich sie gerne!

    PS: musste auch lachen, glaube die Kakteen machen lustig.

    Verstehen heißt verstehen wollen.

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