Der weitläufige Komplex der Vatikanischen Museen mit unzähligen Kunstschätzen aus vielen Jahrhunderten ist um eine Sammlung reicher. In der letzten Septemberwoche wurde das Museum für Philatelie und Numismatik hierher verlegt und von Erzbischof Giovanni Lajolo feierlich übergeben. Seit gut einem Jahr ist der frühere Nuntius in Deutschland Präsident des Governatorats der Vatikanstadt. Briefmarken und Münzen, so der Erzbischof, seien „Ausdruck der Souveränität des Vatikans“ und deshalb bedeutungsvoll.
Zusammengestellt nach historischen Aspekten, in Nähe des Ausgangs der Museen, sind auf 350 Quadratmetern Fläche einmal Münzen seit 1929, der Gründung der Vatikanstadt, ausgestellt. Unter den Briefmarken gibt es auch ältere Jahrgänge. Die ersten stammen aus dem Jahr 1852, als Kardinalstaatssekretär Giacomo Antonelli im Auftrag von Papst Pius IX. den päpstlichen Postdienst einführte. Die jeweiligen Papstporträts zieren als Hintergrund die Vitrinen. Deren Anzahl entspricht der Dauer des jeweiligen Pontifikats. Für Münzen und Briefmarken aus der Zeit des lang regierenden Johannes Paul II. (1978-2005) sind es mehr als 30 Vitrinen.
Aber auch die Produktion unter Papst Benedikt XVI., der seit zweieinhalb Jahren im Amt ist, verteilt sich bereits auf sechs Vitrinen. Dazu gehören auch Fotos, die das Kirchenoberhaupt beim Unterschreiben von Briefmarkenbögen zeigen. Selbst der schwarze Füllfederhalter mit Silberrand, mit dem Benedikt XVI. das originale Sondermarkenalbum zu seinem 80. Geburtstag im April dieses Jahres unterzeichnete, ist ausgestellt. Den Füller hat er danach nie mehr benutzt. Auch ein weiteres Kuriosum kam bei der Eröffnung zur Sprache: Der Euro ist auch in der Vatikanstadt offizielle Währung. Doch der kleine Staat gibt selbst nur Münzen heraus, eigene Euro-Banknoten hat der Vatikan nämlich nicht.
Früher, als noch die vatikanische Lirazirkulierte, war diese rund um den Vatikan und auch in der eigenen Post durchaus als Wechselgeld zu haben – zur Freude von Liebhabern und Sammlern. Mit Euro-Münzen ist das nicht mehr der Fall, sie finden reißenden Absatz bei Sammlern und Händlern. Vor dem Umzug waren die Briefmarken und Münzen auf der anderen Seite der Vatikanstadt im Gebäude des kleinen internen Bahnhofs untergebracht gewesen. Höchstens 50 Besucher pro Tag hatten den Weg dorthin gefunden. Jetzt haben theoretisch alle Pilger und Touristen des Museenkomplexes – derzeit bis zu 21000 Besucher täglich – auch Zutritt zu den neuen Sälen.
Für den Monat Oktober wurde im Vatikan ein wichtiger Wechsel an der Medienfront angekündigt. Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone persönlich teilte bei einem Besuch in der Vatikanzeitung „L'Osservatore Romano“ die Ernennung des neuen Chefredakteurs mit. Professor Giovanni Maria Vian wird den seit den Achtzigerjahren amtierenden Mario Agnes ablösen. Vian, Jahrgang 1952, ist Professor für patristische Philologie an der Universität La Sapienza in Rom und Lehrbeauftragter für Geschichte des Christentums an der Universität San Raffaele in Mailand. Seit 1999 gehört er dem Päpstlichen Komitee für Geschichtswissenschaften an und ist auch publizistisch für Zeitungen tätig. Mit ihm werde der „Osservatore“ in ein „kulturelles Labor der katholischen Welt“ umgewandelt, schrieb Mailands angesehener „Corriere della Sera“.
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