Hallo zusammen,
hier hat sich seit Ewigkeiten nichts mehr getan, mangels fetter Brieftasche habe ich das Altdeutschland sammeln eigentlich aufgegeben und mich anderen Sammelgebieten zugewandt. Nachdem aber niemand diesen Brief auf der Auktion unserer Arbeitsgemeinschaft letztes Wochenende haben wollte, habe ich mich erbarmt.
Es handelt sich um einen einfachen Brief aus Gross-Brebel an den Inspektor des Gutes Jersbeck (wird heute ohne c geschrieben) vom 24.2.67. Der Brief ist mit einer 1 1/4 Schilling Marke korrekt frankiert. Es handelt sich hierbei um die Ausgabe für das Hzgtm. Schleswig vom 1.11.1865, die Marke ist (durch Umwelteinflusse?) etwas blass geraten, die Nachfolgeausgabe mit den vielen katalogisierten Farbtönen kam erst ab Juni 1867 an die Postschalter. Ab dem 6.11.1866 waren die Marken des Hzgtm. Schleswig in Schleswig und Holstein frankaturgültig, nicht mehr im Hzgtm Lauenburg dass bereits von Preussen annektiert worden war (sozusagen die Krim Schleswig-Holsteins).
Der Brief ist aus zwei Gründen hochinteressant, zum einen wurde die 1855 eingerichtete Briefsammelstelle Gross-Brebel erst am 1.4.1866 zur Postexpedition mit Landbriefträgerdienst erhoben. Der Kreisstempel Gross-Brebel ist auf markenfrankierten Briefen selten, die früheste Verwendung stammt laut ARGE Handbuch vom 26.5.1866.
Zum zweiten war der Brief an das Gut Jersbeck addressiert und der Postler in Gross-Brebel war sich offenbar nicht sicher, welches Postamt für Jersbeck zuständig war. Aus diesem Grund wurden mit Blaustift der handschriftliche Vermerk Ahrensburg? angebracht. Schlussendlich wurde der Brief dann aber nach Bargteheide geschickt. Ich sehe keinen Vermerk für ein gezahltes Bestellgeld, ich vermute also dass die Gutsverwaltung in Jersbeck die Post von Bargteheide mit eigenem Boten abholen liess.
Der Postweg ist auf der Rückseite wunderbar dokumentiert wobei mich wundert, dass der Brief über Cappeln und nicht über Schleswig lief. Cappeln hatte damals noch keinen Bahnanschluss. Die 1 1 /4 Schilling Marke wurde mit dem Kreisstempel "Gross-Brebel 24.2.67" entwertet. Taggleich erreichte er Cappeln wo als Transitstempel der Zweikreisstempel "Cappeln 24.2.67 abgeschlagen wurde. Dann sehen wir den Bahnpost-Kreisstempel "Holst.EB.P.Sp.B 25.2. 1 Zug", den Bahnpost-Ra3-Stempel "Post-Sped. Bur. / Hamburg-Lübeck / 25.2. Zug. No. II" und schließlich als Ankunftstempel den Kreisstempel "Bargteheide 25.2.67 1-2 N"
Viele Grüße
DKKW