Guten Abend an alle Freunde der Philatelie,
insbesondere jene, die wie ich etwas über reparierte Briefmarken lernen möchten ![]()
Das Wort "repariert" taucht in der Philateliewelt immer wieder einmal auf, nicht selten erst nach dem Kauf, wenn das Geld bereits ausgegeben wurde und der Käufer unwissentlich mehr bezahlt hat, als das vermeintlich gute Stück tatsächlich wert ist.
Die Motivation für diesen Thread, der langfristig mit Informationen angereichert werden soll, entstand aus folgenden Beobachtungen:
- auf einschlägigen Onlineplattformen werden jeden Tag reparierte und/oder manipulierte Briefmarken verschiedenster Preisklassen angeboten, bei denen der potentielle Käufer eine Menge Vorwissen braucht, um das Angebot richtig einzuschätzen. Nicht selten liest man dabei dürftige Beschreibungen wie
ZitatDie Qualität entnehmen Sie bitte der Stellung des Prüfzeichens.
Manchmal fehlt selbst dieser Hinweis und die Marke ist nicht einmal geprüft!
- für viele dieser unseriösen Angebote bezahlen Käufer 20% und mehr vom Katalogpreis, offensichtlich unwissend über den wahren Zustand der Briefmarke/des Belegs
- unabhängig davon gelten Reparaturen leider immer noch bei vielen Sammlern als völlig legitim und werden selten hinsichtlich ihrer Notwendigkeit hinterfragt
Ich bin der Überzeugung, dass Reparaturen nur dann sinnvoll sind, wenn durch sie der weitere Verfall einer seltenen Briefmarke/ eines seltenen Belegs aufgehalten werden kann. Als klassisches Beispiel möchte ich die 150 Jahre alte Briefmarke anführen, die verschmutzt, dünn und lappig kaum noch mit der Pinzette berührt werden kann, ohne ihr dabei weiteren Schaden (sprich: Verfall) zuzufügen. Wird eine solche Marke (so sie denn den Reparaturkosten angemessen selten ist) fachgerecht hinterlegt und evtl. vorsichtig gereinigt, so ist das sicherlich ein verhältnismäßig sinnvoller Eingriff.
Davon zu unterscheiden sind Reparaturen wie
- Nachzähnungen
- Nachgummierungen
- Nachmalen von Stempeln
usw.usf.
-> skeptisch werden gegenüber solchen Eingriffen sollte der Sammler spätestens dann, wenn durch die Reparatur ein höherer Wert der betreffenden Marke vorgetäuscht werden könnte
Mir ist klar, dass das Ganze ein streitbares Thema ist und sicher gibt es Sammler, die meine Auffassung nicht teilen. Nur frage ich mich: was habe ich von dem wunderschön aussehenden Sachsendreier, der nur deshalb so glänzt, weil 60% von ihm fremde Papiermasse sind und 50% des Stempels (manchmal sehr phantasievoll) nachgemalt wurden?
Soviel erst einmal zur Einstimmung. Im nächsten Beitrag werde ich vorschlagen, wie dieser Thread praktischerweise aufgebaut werden soll. Anmerkungen dazu sind jederzeit willkommen!
Viele Grüße von Harald