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  1. PHILAFORUM.COM Briefmarkenforum
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Prüflabor: Reparaturen erkennen

  • CHDDK
  • 8. Mai 2009 um 22:12
  • CHDDK
    Gast
    • 8. Mai 2009 um 22:12
    • #1

    Guten Abend an alle Freunde der Philatelie,


    insbesondere jene, die wie ich etwas über reparierte Briefmarken lernen möchten :)
    Das Wort "repariert" taucht in der Philateliewelt immer wieder einmal auf, nicht selten erst nach dem Kauf, wenn das Geld bereits ausgegeben wurde und der Käufer unwissentlich mehr bezahlt hat, als das vermeintlich gute Stück tatsächlich wert ist.
    Die Motivation für diesen Thread, der langfristig mit Informationen angereichert werden soll, entstand aus folgenden Beobachtungen:

    - auf einschlägigen Onlineplattformen werden jeden Tag reparierte und/oder manipulierte Briefmarken verschiedenster Preisklassen angeboten, bei denen der potentielle Käufer eine Menge Vorwissen braucht, um das Angebot richtig einzuschätzen. Nicht selten liest man dabei dürftige Beschreibungen wie

    Zitat

    Die Qualität entnehmen Sie bitte der Stellung des Prüfzeichens.

    Manchmal fehlt selbst dieser Hinweis und die Marke ist nicht einmal geprüft!

    - für viele dieser unseriösen Angebote bezahlen Käufer 20% und mehr vom Katalogpreis, offensichtlich unwissend über den wahren Zustand der Briefmarke/des Belegs

    - unabhängig davon gelten Reparaturen leider immer noch bei vielen Sammlern als völlig legitim und werden selten hinsichtlich ihrer Notwendigkeit hinterfragt

    Ich bin der Überzeugung, dass Reparaturen nur dann sinnvoll sind, wenn durch sie der weitere Verfall einer seltenen Briefmarke/ eines seltenen Belegs aufgehalten werden kann. Als klassisches Beispiel möchte ich die 150 Jahre alte Briefmarke anführen, die verschmutzt, dünn und lappig kaum noch mit der Pinzette berührt werden kann, ohne ihr dabei weiteren Schaden (sprich: Verfall) zuzufügen. Wird eine solche Marke (so sie denn den Reparaturkosten angemessen selten ist) fachgerecht hinterlegt und evtl. vorsichtig gereinigt, so ist das sicherlich ein verhältnismäßig sinnvoller Eingriff.

    Davon zu unterscheiden sind Reparaturen wie

    - Nachzähnungen
    - Nachgummierungen
    - Nachmalen von Stempeln
    usw.usf.

    -> skeptisch werden gegenüber solchen Eingriffen sollte der Sammler spätestens dann, wenn durch die Reparatur ein höherer Wert der betreffenden Marke vorgetäuscht werden könnte

    Mir ist klar, dass das Ganze ein streitbares Thema ist und sicher gibt es Sammler, die meine Auffassung nicht teilen. Nur frage ich mich: was habe ich von dem wunderschön aussehenden Sachsendreier, der nur deshalb so glänzt, weil 60% von ihm fremde Papiermasse sind und 50% des Stempels (manchmal sehr phantasievoll) nachgemalt wurden?

    Soviel erst einmal zur Einstimmung. Im nächsten Beitrag werde ich vorschlagen, wie dieser Thread praktischerweise aufgebaut werden soll. Anmerkungen dazu sind jederzeit willkommen!

    Viele Grüße von Harald

    2 Mal editiert, zuletzt von CHDDK (9. Mai 2009 um 00:28)

  • CHDDK
    Gast
    • 8. Mai 2009 um 22:31
    • #2

    Hallo nochmals,


    nun möchte ich konkret etwas zum geplanten Vorgehen beim Thema "Reparaturen erkennen" schreiben.

    Angesprochen sind zunächst einmal alle! :)

    In erster Linie richtet sich der Thread jedoch an all jene, die lernen wollen, welche Erscheinungsformen Reparaturen an Briefmarken haben können und wie man sie mit einfachen Hilfsmitteln erkennen kann. Im Thread selbst werden diese Hilfsmittel vor allem unsere Augen und ein möglichst guter Scan der reparierten Marke sein.

    Die Hilfe der Profis aus dem Forum ist zum Gelingen des Themas unverzichtbar! Ihr seid diejenigen, die kompetent eingreifen können, wenn sich über eine vorgestellte Briefmarke die Spekulationen häufen, ohne dabei zu einem plausiblen Ergebnis zu gelangen.

    Alle sollen/können ihre Briefmarken/Belege hier vorstellen, auch wenn sie nur vermuten, dass diese repariert sein könnten!

    Beim Vorstellen bitte kurz mit angeben, um welches Gebiet und welche Katalognummer es sich handelt :)

    So, das wars schon zum Ablauf des spannenden Themas "Reparaturen erkennen"!

    5 Mal editiert, zuletzt von CHDDK (8. Mai 2009 um 23:45)

  • CHDDK
    Gast
    • 8. Mai 2009 um 23:14
    • #3

    Bevor es richtig losgeht, möchte ich noch kurz auf die Homepage des Bundes philatelistischer Prüfer hinweisen. Unter http://bpp.de/ befindet sich die gesamte Prüfordnung, welche zum Verständnis geprüfter, jedoch reparierter Briefmarken notwendig ist. Daraus sollen zwei Abbildungen hier vorgestellt werden:

    Abbildung 1 zeigt die Signierpraxis für gezähnte, durchstochene und geschnittene Briefmarken. Dabei gilt, dass:

    gestempelte Marken rückseitig rechts,

    postfrische Marken hingegen rückseitig links signiert werden

    Einwandfreie Marken werden immer in der unteren linken oder rechten Ecke signiert, je nachdem ob sie postfrisch oder gestempelt sind!

    Für beschädigte oder reparierte (!) Marken schreibt die Prüfordnung des BPP vor:

    Zitat

    Beschädigte, reparierte oder verschönte Prüfgegenstände und ungebrauchte Marken ohne oder mit verändertem Gummi erhalten das Prüfzeichen, je nach Grad des Mangels, höhergesetzt. Stark beschädigte oder reparierte Prüfgegenstände werden bis zur Markenmitte erhöht signiert.

    -> Siehe dazu auch Abb.2 dieses Postings!

    Obwohl das Signieren von Marken heutzutage tendenziell abnimmt (stattdessen werden mehr Befunde und Atteste ausgestellt, bei denen auf eine Signatur der Marke verzichtet wird), gibt es dennoch genügend signiertes Material auf dem Markt, dessen Qualität ganz einfach durch die Stellung des Prüfzeichens schnell einschätzbar ist. Schwieriger wird es, wenn reparierte Marken ungeprüft sind, aber auch dafür werden wir im Thread genügend anschauliche Beispiele finden!

    Im folgenden Beitrag möchte ich die erste reparierte Marke vorstellen, wir kommen also endlich zur Praxis ;)

    3 Mal editiert, zuletzt von CHDDK (9. Mai 2009 um 00:35)

  • CHDDK
    Gast
    • 8. Mai 2009 um 23:38
    • #4

    Hallo,


    die erste Marke kommt aus dem Gebiet Altdeutschland Mecklenburg-Schwerin, eine Michelnr. 6, angeblich sogar die teure b-Farbe. Diese Marke steht mit 300.-€ für 6a, mit 2000.-€ für 6b im Katalog. Das ist unser gezeigtes Exemplar garantiert nicht wert ;) Was fällt Euch auf?

    Viele Grüße von

    Harald

  • CHDDK
    Gast
    • 9. Mai 2009 um 18:43
    • #5

    Guten Abend,

    zu der Mecklenburg Schwerin #6b soll nun eine kurze Erklärung folgen. Die Marke ist repariert, und zwar offensichtlich in der oberen rechten Ecke. Diese Ecke hat die Marke irgendwann einmal vollständig verloren :O_O:
    Weil aber Marken mit abgerissenen Ecken als "Knochen" gelten und damit real kaum noch 5% vom Katalogwert zu erzielen sind, hat man einfach eine neue Ecke drangesetzt. Auf dem Scan ist das schön an den unterschiedlichen Farbtönen zwischen Originalmarke und nachträglich angebrachter Ecke zu sehen: dort ist eine feine Linie erkennbar, genau da wo die fremde Papiermasse der Ecke die beschädigte Marke berührt (vgl. Foto im Anhang).
    Der Altprüfer Krause hat die Marke entsprechend der Prüfordnung des BPP (siehe vorvorheriges Posting) erhöht signiert, fast in der Mitte der Marke. Dazu sei angemerkt, dass sich die heute festgelegte Signierpraxis des BPP über Jahre hinweg, bereits vor (!) der offiziellen Gründung des BPP, entwickelt hat, weswegen es immer noch viele aussagekräftige sog. Altsignaturen ohne den Zusatz "BPP" gibt.

    Hat jemand noch andere Reparaturen auf dem Scan erkennen können? Das war's ansonsten erst einmal zu dieser Marke :)

    Einen schönen Abend

    wünscht

    Harald

  • philnum
    erfahrenes Mitglied
    Beiträge
    650
    • 12. Mai 2009 um 21:45
    • #6

    Hallo,

    als nächstes Beispiel soll ein Exemplar des roten 18-Kreuzer-Wertes der beliebten Bayern-Quadrate betrachtet werden. Dabei handelt es sich um eine MiNr. 13 in der besseren b-Farbe (Katalogwert gestempelt M€ 600,-). Was fällt bei der Erhaltung/Qualität dieser Marke auf?

    Beste Sammlergrüße

    philnum

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