Die Nr. 16 Bayerns ist sicher keine Rarität wie die Nr. 26, sie ist keine Schönheit wie die Nr. 2, sie hat nicht die Aura der Nr. 1 oder die zahlreichen Farbnuancen der Nr. 4.
Aber sie ist eine Marke, die man nicht verachten sollte, denn auf Anhieb wird man nicht viele schöne 16er finden, schon gar nicht auf Brief.
Als man sie offiziell am 1.1.1867 auflegte, hatte die Nominale von 6 Kr. nur noch geringe Bedeutung. Im Inland kosteten Briefe über 1 Loth bis 15 Loth genau 6 Kr., so dass sie im Inlandsverkehr mit großem Abstand am häufigsten zu finden ist.
Die nächste Verwendung war auf Briefen in den Postverein bis 1 Loth über 10 bis 20 Meilen, oder über 1 bis 2 Loth unter 10 Meilen.
Als Einzelfrankatur ins Ausland kann sie nur als Drucksache, oder aus Bayern in die Schweiz vorkommen (bis 10 Meilen innerhalb Bayerns und bis 10 Meilen innerhalb der Schweiz, bzw. im Nahbereich bis 5 Meilen über 1 bis 2 Loth).
Um die Postverhältnisse Bayerns zu Sachsen mit dieser Marke zu demonstrieren, zeige ich einen Brief aus Bamberg (Bahnhof) vom 24.4.1867 in das über 10 bis 20 Meilen entfernte Aue, der mit einem hübschen Randstück treffend frankiert wurde.
Postvereinsbriefe, egal in welches Land, mit dieser Marke sind nicht häufig.
Am 27.12.1867 schrieb man in München einen einfachen Brief nach Leipzig, von dem man annahm, dass 6 Kr. reichen würden. Tatsächlich war am fünftletzten Tag des Postvereins aber bei Briefen über 20 Meilen immer noch das Franko von 9 Kr. zu kleben. Hierfür reichte es daher nicht, und die Aufgabepost notierte zuerst 6 und meinte damit 6 Kreuzer (Portobrief = 12 Kr. minus der verklebten 6 Kr. = noch 6 Kr. vom Empfänger).
Nachdem man sich aber darüber im klaren war, dass man in Leipzig nicht in rheinischen Kreuzern rechnete, strich man die 6 mehrfach durch und notierte korrekt in der Währung der Abgabepost 2 Neugroschen. Diese durfte der Empfänger am Folgetag zahlen; sie wurden Bayern von Sachsen am Quartalsende überwiesen.
Sind schon 6 Kr. Frankaturen in den Postverein keine Massenware, so kann man unterfrankierte Briefe mit der Nr. 16 lange suchen.
Diese 6 Kr. Portostufe (eigentlich Frankostufe) existierte aber nur vom 1.1.1867 bis zum 31.12.1867. Ab dem 1.1.1868 gab es keine 6 Kr. Einzelfrankaturen in Deutschland mehr (von Druchsachen der 6. Gewichtsstufe mal abgesehen), denn einfache Briefe kosteten wie bisher 3 Kr., die schweren aber nun 7 Kr..
Wir haben also einen Verwendungszeitraum von exakt einem Jahr, wenn wir die ganz seltenen Ausreißer mal vergessen wollen.
Danach wurde sie mit 1 Kr. Werten der Ausgabe von 1862 als relativ seltene Mischfrankatur und der 1 Kr. grün, Nr. 14, hinzu frankiert, um auf die neue Portostufe von 7 Kr. zu kommen.
War die bayerische Erstausgabe vom 1.11.1849 noch bis zum 31.8.1864 (!) gültig, so wurde die Nr. 16 schon nach dem 31.10.1868 ungültig, so dass wir ein totales Zeitfenster der Verwendung von maximal 22 Monaten haben.
Bei einer Auflage von nur 3,4 Millionen Stück (zur Erinnerung gut 76 Millionen Stück der Nr. 2), von der der allergrößte Teil der üblichen Vernichtung anheim gefallen sein dürfte, haben wir es bei dieser Marke mit einer - in guter Erhaltung - kleinen Seltenheit zu tun.
Der Sem - Katalog trägt dieser Tatsache ebenso wenig Rechnung wie der Michel: gestempelt 23 Euro, auf Brief 160 Euro. Unterstellt man die üblichen 50% des Katalogwertes als Kaufpreis für einwandfreie Ware, kann sich jeder Bayern - Sammler mit diesen Stücken schmücken, ohne finanzielle Risiken auf sich zu nehmen.
Liebe Grüsse von bayern klassisch