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  6. Helgoland

Neudrucke Helgoland - warum eigentlich?

  • Daniel
  • 27. September 2008 um 08:12
  • Daniel
    aktives Mitglied
    Beiträge
    133
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    Männlich
    Geburtstag
    2. Dezember 1968 (57)
    • 27. September 2008 um 08:12
    • #1

    Hallo zusammen,

    ich hab jetzt mal Helgoland-Philatelie von Lemberger durchgelesen, aber aus den Neudrucken bin ich nicht recht schlau geworden.

    Wie und wann Neudrucke aufgelegt wurden, ist klar und deutlich beschrieben.

    Nur - warum wurden diese Neudrucke eigentlich gemacht? Wollte der Herr Goldner da Sammlern Geld aus der Tasche ziehen? Waren die Nachdrucke als Sammlerstücke gedacht?

    Wenn da jemand etwas sagen könnte, das wäre gut.

    Grüße
    Daniel

    Meine Fehllisten: http://www.daniel-kupfer.de/briefmarken.html

  • Kontrollratjunkie
    Stamm Mitglied
    Beiträge
    7.208
    • 27. September 2008 um 22:53
    • #2

    Daniel

    Es gibt hier ein Mitglied, das sich mit dem Gebiet auskennen sollte: helgophil.
    Er war zwar schon seit 6 Wochen nicht mehr hier, aber Du kannst ihn per E-Mehl erreichen (siehe Nutzerprofil).

    Gruß
    KJ

  • Drudenfus
    aktives Mitglied
    Beiträge
    451
    • 28. September 2008 um 07:59
    • #3
    Zitat

    Es gibt hier ein Mitglied, das sich mit dem Gebiet auskennen sollte: helgophil


    ...und Doktorstamp und Stampsx. ;)

  • doktorstamp
    Stamm Mitglied
    Beiträge
    2.525
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    Männlich
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    30. September 1955 (70)
    • 28. September 2008 um 09:59
    • #4

    In den 70er Jahren (1870) gab es mehrere harte Winter. Demzufolge konnte die Bevolkerung Helgolands sich schlecht ernähren.

    Der Senat Hamburgs hatte hierfür Sorge zu tragen, und auch die damit verbundenen Kosten. Daraufhin bot Goldner dem Senat folgendes an;

    Er würde dem Senat eine Provision von Markenverkauf bezahlen, wenn sie ihm die Genehmigung eines Neudrucks erteile. Er (Goldner) fügte hinzu,"Die Marken Helgolands sind sehr populär, nur der Bestand der vorhandenen Marken reiche hier nicht aus".

    In seiner Aussage ist er u.a. vom Pilger unterstützt worden, in der er die Nachfrage bestätigte.

    Ein weiterer Punkt; ab 1.1.1875 ist die Hamburger Mark Kurant ausser Kurs gesetzt worden. Dementsprechend, Weder die Post noch der Senat konnte finanzielle Schaden zugefügt werden.

    Das etwas spater die 1, 2, und 3Pfg Marken zu Neudruck gelangten, dürfte mit ihrer Ausserkurssetzung zusammenhangen.

    Der Senat wohlwissend sie mussen nunmal nicht mehr so tief in die Tasche greifen, ist seinen Wünschen nachgekommen. Gätkes muss auch hier eine Rolle gespielt haben, und die Zusage seitens der Engländer gegeben. Wann aber die Britische Post hierzu in Kenntnis gesetzt war, ist aus den erhaltenen Akten nicht zu entnehmen. Sicher ist eins, der Begrundung (Sozialhilfe) nach haben sie auch ein Neudruck eingesehen und bewilligt.

    Wie viel Geld im Endeffekt der Senat bekommen hat weis ich nicht, bestimmt haben sie Geld erhalten, ob es in der gehofften Hohe war, ist ne andere Frage.

    Heute mussen wir es so sehen,

    1. Goldner, ein Geschäftsman, dachte nur an sich

    2. Pilger, Apotheker, und Britische Postbeamter, hat auch hiervon reichlich verdient. Heute wäre er sicher für dieses Benehmen seines Amtes enthoben. Ferner war er Goldner wichtig da er die Englische Sprache mächtig war.

    3. In diesem Unterfang ist Goldner gewiß von welchen wie J B Moens, Gebrüder Senf und anderen unterstützt worden. Ledeglich muss gesagt werden Gebrüder Senf haben die ND als solche verkauft.

    4. Das Ganze hätte einen Halt gemacht werden können, wenn nach rechtlicher Untersagung weiterer Neudrucke die Druckstöcke hätten beschlagnamt werden. Das Goldner diese Rechtzeitig der Staatsdruckerei in Berlin entziehen konnte, deutet auf Bestechung ein oder mehrere Beamten in dem Hamburger Senat. Das seitens des Englischen Gerichts eingeleitete Fait accomplit schlug somit fehl.

    Der Laden Goldners ging bei einem Luftangriff 1943 in Flammen auf.

    mfG

    Nigel

    Sammeln wie es einem Spaß macht

  • Kontrollratjunkie
    Stamm Mitglied
    Beiträge
    7.208
    • 28. September 2008 um 22:45
    • #5
    Zitat

    Original von Drudenfus


    ...und Doktorstamp und Stampsx. ;)

    Oha, Asche über mein Haupt, habe nicht an doktorstamp gedacht, peinlich.

    Dafür haben wir ihm jetzt eine schöne Darstellung der "Affäre Goldner" zu verdanken.

    Vielen Dank, Nigel.

    Gruß
    KJ

  • Daniel
    aktives Mitglied
    Beiträge
    133
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    Männlich
    Geburtstag
    2. Dezember 1968 (57)
    • 29. September 2008 um 16:57
    • #6

    Danke Nigel,

    das war eien gute Darstellung. Es klingt alles so, dass der Herr Goldner ein ziemlicher Strauchdieb war.

    Grüße
    Daniel

    Meine Fehllisten: http://www.daniel-kupfer.de/briefmarken.html

  • stampsx
    erfahrenes Mitglied
    Beiträge
    504
    • 30. September 2008 um 10:18
    • #7

    Hallo Daniel,

    Herr Goldner ist schon tot. Deshalb sollte man ihn aber nicht als Strauchdieb bezeichnen.

    Er war ganz sicher ein geachtetes Mitglied der Gesellschaft und machte seine Geschäfte mit staatlichen Stellen. Die Berliner Neudrucke, entstanden zwischen 1875 und 1883 und wurden in der Reichsdruckerei, der vormals königlich preußischen Staatsdruckerei hergestellt. Diese Druckerei nahm keine Aufträge von Strauchdieben entgegen. Du musst Nigel falsch verstanden haben.

    Nigel schreibt natürlich auch aus englischer Sicht der Dinge :)

    Die Neudrucke von Goldner sind Realität. Wie sie entstanden sind ist bekannt und was man politisch dazu denkt, hat mit Philatelie nichts zu tun.

    Die Mutmaßung, dass damalige Verhalten wäre heute strafbar berücksichtigt nicht, dass erstens die Rechtslage um 30 Jahre nach Erscheinen der ersten Briefmarken eine andere war als heute und zweitens, wenn es strafbar gewesen wäre, warum ist es nicht zu einer Bestrafung gekommen?

    Noch nach 1900 wurden in der Reichdruckerei absichtlich Abarten hergestellt, zum Beispiel ungezähnte Germaniamarken, um gutes Tauschmaterial für das Postmuseum zu gewinnen. Das wäre heute (fast) undenkbar.

    Die Frage aus philatelistischer Sicht kann nur lauten, will ich diese Ausgaben sammeln oder nicht.

    Du hast doch den Lemberger. Dort steht das meiste, neutral und sachlich formuliert, was hier dargestellt wurde.

    P.S. Für Nigel alles Gute zum Geburtstag

    Jürgen Kraft, Apt. 17, 38612 El Medano, Spanien - Mitglied BDPH,
    AIJP (Association Internationale des Journalistes Philatéliques)
    kontakt@stampsx.com - Stempeldatenbank

    3 Mal editiert, zuletzt von stampsx (30. September 2008 um 10:39)

  • Daniel
    aktives Mitglied
    Beiträge
    133
    Geschlecht
    Männlich
    Geburtstag
    2. Dezember 1968 (57)
    • 30. September 2008 um 16:49
    • #8

    Hallo stampsx,

    ok, den "Strauchdieb" nehm ich zurück. :)

    Wobei ich erwähnen möchte, dass ich das Wort "Strauchdieb" nicht für ein übliches Schimpfwort halte, sondern für die Umschreibung eines "Filous" oder eines sympathischen "Gauners". (In einem Internet-Beitrag wird Goldner übrigens als "Filoutelist" bezeichnet, aber das nur am Rande).

    Nur zwei Sachen noch dazu:

    1.
    das Zusammenarbeiten mit staatlichen Stellen bedingt nicht zwangläufig Seriösität.

    2.

    Den Lemberger hab ich, das stimmt. Und ich finde ihn auch recht interessant. Er beschreibt genau, wie und wann welche Neudrucke hergestellt wurden. Nur eben nicht, warum dies der Fall war.

    Ich habe mittlerweile einige Quellen mir angesehen. Und mir drängt sich der Eindruck auf, dass die Nachdrucke schon zu der Zeit der "offiziellen" Marken als "echte" Helgoland-Marken an Sammler verkauft wurden. Und dies durchaus mit Billigung durch den "Hersteller".

    Nichts für ungut:-)

    Es grüßt der Helgoland-Marken-Fan

    Daniel

    Meine Fehllisten: http://www.daniel-kupfer.de/briefmarken.html

  • Wolffi 10. August 2026 um 14:51

    Hat das Thema aus dem Forum Altdeutschland nach Helgoland verschoben.

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