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Charge Briefe

  • Bayern-Nils
  • 24. September 2008 um 16:55
  • Bayern-Nils
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    29. April 1962 (63)
    • 24. September 2008 um 16:55
    • #1

    Hallo Alle

    Ich habe einige Fragen über mein Chargebrief aus Bayern. Der ist von Pfaffenhofen ad Ilm nach München. Laut Posttarif zwischen 1.1.68 und 1.3.74 ist der Brief korrekt mit 3 Kreuzer frankiert. Dazu sollte der Absender noch 7 Kreuzer Chargegebühr bezahlen.
    Bei diesem Brief ist es aber, wie ich es lesen kann, entweder s7 oder 57 in blau notiert. Ich denke das 7 den Chargegebühr ist, aber was ist 5 oder s?
    Und was steht unter frei unten links?

    Kann jemand helfen bin ich sehr dankbar.

    Viele Grüsse
    Bayern-Nils

    NEH

  • mr920
    aktives Mitglied
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    124
    • 24. September 2008 um 17:06
    • #2

    Hallo Nils,

    Wie es aussieht war die Anschrift fehlerhaft und die Gendarmerie wohl in der Schwanthalerstraße 97 und nicht 79. Der Zahlendreher wurde berichtigt.

  • bayern klassisch
    Gast
    • 24. September 2008 um 17:44
    • #3

    Hallo,

    in der linken unteren Ecke steht, was da seit 1868 stehen sollte:

    frei 7 xrec (also: 7 Kreuzer recommandirt).

    Die ursprüngliche Rekonummer war die Nr. 76, die mit der gleichen Tinte wie 7 xrec geschrieben wurde.

    In München bekam er eine neue Rekonummer, unter der er ausgetragen wurde, hier die 57.

    Der Empfänger, Herr Heinrich Einhorn, war sicher kein Gendarm, und als solcher auch damals in München sicher zu lokalisieren.

    Hausnummern, die falsch waren (so man sie überhaupt wusste bzw. angegeben hatte), wurden in Bayern so gut wie nie korrigiert. In anderen AD - Staaten war dies anders (Preußen).

    Der Vermerk 7 xrec war aus bayerischer Sicht notwendig und sinnvoll geworden, weil ab 1868 alle deutschsprachigen Postverwaltungen, also die des Norddeutschen Bundes, Badens, Württembergs und Österreichs, ohne Ausnahme die Rekogebühr von 7 Kr. rheinisch, 10 Neukreuzern in Österreich bzw. 2 Groschen in Marken den frankierten Briefen aufklebten.

    Nur in Bayern wurde dieser Modus erst zum 1.3.1874 eingeführt, weil dies eine Umstellung der internen Vergütung für die Postbediensteten voraussetzte.

    Nun waren "Anstände" aufgetreten, als eingeschriebene bayerische Briefe in die o. a. Länder liefen, ob denn nun diese Briefe unterfrankiert waren, da doch allein schon die Rekogebühr 7 Kr. betrug.

    Wüsste man all dies, was ich hier geschrieben habe, nicht, so müsste man zu der Ansicht gelangen, dass der recommandirte bayerische Brief ja mit mindestens 10 Kr. zu frankieren gewesen wäre, nämlich der Mindestgebühr bis 1 Loth (später bis 15g) mit 3 Kr. und der Chargégebühr mit 7 Kr..

    Diese Überlegungen stellten viele Postverwaltungen an, so dass sie diese Briefe als unterfrankiert ansahen und entsprechend nachtaxierten.

    Dabei hatten die Absender doch alle Gebühren in voller Höhe entrichtet!

    Mit der Einführung des "7 x rec." - Vermerkes wurde diesem Handeln entgegen gewirkt, weil man jetzt in Österreich, Baden, Württemberg und den Norddeutschen Ländern sah, dass die 7 Kreuzer für die Recommandation bezahlt waren. Daher musste dieser Vermerk auch neben bzw. unter dem "frei" - Vermerk des Absenders angebracht werden, so dass man sehen konnte, dass der Brief tatsächlich mit allen Gebührenteilen voll frankiert worden war.

    Was es so alles zu einem kleinen Briefchen zu sagen gibt ...

    Zur Verdeutlichung zeige ich mal einen meiner Briefe der 2. Gewichtsstufe (1 3/10 Loth) vom 12.5.1868 aus Bamberg nach Nürnberg, wobei man hier "7 x. rec." noch deutlicher notierte. Die Rekonummer 545 war in die Chargéraute zu schreiben.

    Kleine Abgrenzung: Dies galt nicht für Chargédienstbriefe, bei denen keine 7 Kr. bar bezahlt wurden. Als Beweis dafür dient ein hübscher aus München vom 5.5.1868 nach Wemding.

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

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  • Bayern-Nils
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    • 24. September 2008 um 18:24
    • #4

    mr920
    Ich fand deinen Vorschlag gut, aber Bayern Klassisch wusste was anders.

    @Bayern Klassisch
    Eine sehr schöne Aufklärung. Und zwei sehr schöne Briefe.
    Also man hat nur 7 x bezahlt und nicht 10 wie ich bis jetzt geglaubt habe.
    Bekam ein Brief i München immer eine neue Rekonummer? War es auch anders so? Und wie lange haben die es so gemacht?

    Unten ist eine andere Chargebrief, diesen mal mit 7 x frankiert und ein 7 x rec vermerk.
    Ich nehme dann an dass dieser Brief in 2. Gewichtsstufe waren. Rekonummer war 370. Der "rötel" bedeutet auch was besonderes nehme ich an. Kann jemand auch das erklären?

    Viele Grüsse
    Nils

    NEH

  • bayern klassisch
    Gast
    • 24. September 2008 um 19:31
    • #5

    Hallo Nils,

    man hat schon 10 Kr. bezahlt, 3 Kr. für die Frankatur des Briefes, die bei der Postverwaltung blieben, und 7 Kr., die der Postexpeditor behielt, also 10 Kr..

    In der Regel erhielt er in München als Abgabepost oder bei der Umkartierung in München eine neue Rekonummer. Es gibt aber auch Briefe nach und über München, die ohne neue Rekonummer blieben.

    Aber wenn ich jeden Fehler der Post erklären könnte, hätte ich Sandalen an ;) ...

    Dein Brief aus Landshut nach Vilsbiburg lag in der 2. Gewichtsstufe, also über 15 - 250g. Der Vermerk 7 Kr. rec. fehlt - wie bei den allermeisten Briefen.

    Die Rekonummer war die 370, aber der rote Strich sollte eigentlich den Chargéstempel unterstreichen (ab 1873 Vorschrift). Manchmal hat man aber nur, wenn der Absender sauber geschrieben hat, dessen Vermerk wie hier "frei Schein" (= frankiert gegen Postschein") unterstrichen.

    Es ist es immer gut, einen Brief mit dem Vermerk 7 Kr. rec. vorweisen zu können, wenn man Postgeschichte (PO) sammelt. Du hast ja zum Glück einen :).

    Weil dir meine beiden letzten so gut gefallen haben, zeige ich mal eine Besonderheit, die nicht erlaubt war, und daher ganz selten vollzogen wurde; du siehst es sicher sofort, weil es ja mit Chargé zu tun hat. Der 1. ist vom 31.12.1867, der 2. vom 26.4.1869.

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

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  • Bayern-Nils
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    • 24. September 2008 um 21:07
    • #6

    Hallo Bayern Klassisch.

    Noch mal besten Dank

    Dein Rätsel ist nicht einfach. Habe etwas in meine Literatur nachgeschaut, aber finde keine gute Antworten. Kann es etwas mit der blauen Strichen zu tun haben? Ich denke du muss mich einige neue Hinweise geben.
    Und ich sehe gern noch einige ChargeBriefe, auch die normalen.

    Übrigens sehe ich nicht der grosse Unterschied zwischen meine Briefen, ich meine was unter den "frei" steht. Meiner meinung nach steht es entweder "frei Schein" oder "7 x rec" unter die beiden. Aber ich hoffe du hast recht. :)

    Eigentlich finde ich Chargebriefe ganz interessant. Gibt es gute Literatur darüber?
    Ich habe auch einige Vorphila Chargebriefe. Aber die hören vielleicht in ein Vorphila-Thread. Ich mache ein morgen Abend.

    Viele Grüsse
    Nils

    NEH

  • bayern klassisch
    Gast
    • 24. September 2008 um 22:11
    • #7

    Hallo Nils,

    du hast es richtig erkannt - diese beiden Expeditoren stempelten nicht, wie es die Vorschrift war, mit rotem Chargéstempel, sondern mit schwarz.

    Das glaubten sie kompensieren zu können, indem sie in blau unterstrichen oder umrahmten. Das war so nicht in Ordnung und kam ganz selten vor.
    Du kannst ja mal in Zukunft auf solche Spezialitäten achten.

    Vielleicht habe ich mich nicht präzise genug ausgedrückt:

    Der Absender hatte zu schreiben "frei" und "gegen Schein", oder "Chargé", oder "recommandirt" oder "wird empfohlen". Dies war Pflicht, denn beide Angaben waren Teil der Adresse, und wenn die Adresse nicht vollständig war, musste die Post dem Absender den Brief zur Vervollständigung zurück geben.

    Nicht erlaubt war es, den Vermerk des Absenders, "Schein", einfach zu unterstreichen. Hätte die Kontrolle dies bemerkt, wäre der Expeditor zur Kasse gebeten worden.

    Gute Literatur für Einschreiben? Was bei Peter Sem steht, ist schon ganz gut; damit kann man arbeiten. Ansonsten die Spezialisten fragen.

    Je mehr Chargébriefe du zeigst, je mehr werde ich zeigen ... die Zeit ist egal.

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Einmal editiert, zuletzt von bayern klassisch (25. September 2008 um 20:29)

  • Bayern-Nils
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    • 25. September 2008 um 08:32
    • #8

    Hallo Bayern Klassisch

    Got sei Dank haben wir hier im Forum ein Spezialist (auch ohne Sandalen) :D

    Ich sehe das ich fehle einige wichtige Kentnisse.
    Was der Absender tun muss und was der Postmeister macht weiss ich eigentlich nicht. Aber es ist eigentlich naturlich dass der Absender bestimt welche Sendungsformen er benutzen möchte. Er bezahlt.
    Aber der Postmeister kennt die Regeln und muss korrigieren wenn notwendig. Ob ich es richtig verstanden habe, liegt bei meine Briefen die grosse Unterschied deswegen bei der Tinte unten Links.

    Bei deinem Thiersheim-Abbach Brief ist die Briefmarken den Vermerk drübergeklebt. Das heisst wohl dass die Briefmarken im Postamt aufgeklemt sind und nicht zu Hause?

    Ich denke ich muss etwas mehr in mein Sem lesen.

    Viele Grüsse
    Nils

    NEH

    Einmal editiert, zuletzt von Bayern-Nils (25. September 2008 um 08:32)

  • bayern klassisch
    Gast
    • 25. September 2008 um 10:00
    • #9

    Hallo Nils,

    da hast du ganz Recht. Viele Private wußten nicht, was ihr Brief kostet. Es gab zwar, zur Entlastung der Postbediensteten, einen Aushang der wichtigsten Gebühren (Gewichte, Entfernungen in Bayern und im Postverein) im Postlokal selbst, aber wenn man nicht lesen kann oder will, aber einen Brief abzugeben hat (muss ja nicht der eigene sein), dann fragt man lieber den Expeditor, was es kostet, zumal Chargébriefe ja praktisch immer am Schalter abgegeben wurden.

    Daher hat bei meinem Thiersheim - Brief mit Sicherheit der Expeditor die Marken geklebt, auch wenn er den Franko - Vermerk des Absenders dabei überdeckt hat (ein Dreierstreifen der Nr. 14 ist mir lieber als eine einzelne Nr. 15, die den Vermerk freigelassen hätte).

    Im Sem zu lesen kann man jedem empfehlen - bei weitergehenden Fragen bieten sich Sandalenträger an :D.

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Bayern-Nils
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    • 25. September 2008 um 15:01
    • #10

    Hallo.

    Auf die Rückseite ist es auf der Pfaffenhofen-München Brief ein Stempel, ich denke ein Briefträgerstempel mit nr 48.
    Wann haben die angefangen die Briefträgerstempel zu benutzen?

    Viele Grüsse
    Nils

    NEH

    Einmal editiert, zuletzt von Bayern-Nils (25. September 2008 um 15:02)

  • bayern klassisch
    Gast
    • 25. September 2008 um 16:10
    • #11

    Hallo Nils,

    Peter Sem schreibt ab 1864 nur in großen Orten (München, Nürnberg etc.).

    So sehr habe ich darauf noch gar nicht geachtet, so dass ich diese Angabe als einzig kompetente ansehe.

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • bayern klassisch
    Gast
    • 25. September 2008 um 17:36
    • #12

    Hallo Nils,

    was hältst du denn von dem? Interessiert dich eine postgeschichtliche Beschreibung?

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

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  • Bayern-Nils
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    29. April 1962 (63)
    • 25. September 2008 um 18:10
    • #13

    Hallo Bayern Klassisch

    Ich lese gern eine postgeschichtliche Beschreibung.

    Was ich sehe ist Mi 13a und 11 als Frankatur auf ein Trauer-Chargebrief nach Roma. Porto ist der ganze Weg bezahlt (PP-Stempel).
    Aber der schwarze Tinte und Rötel zeigt das alles nicht so einfach ist.

    Ich bin gespannt wie es alles ist.

    Viele Grüsse
    Nils

    NEH

  • Luitpold
    erfahrenes Mitglied
    Beiträge
    879
    • 25. September 2008 um 18:36
    • #14
    Zitat

    Original von bayern klassisch
    Je mehr Chargébriefe zu zeigst, je mehr werde ich zeigen ... die Zeit ist egal. Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Äh .. darf man das Zwiegespräch der Herren stören :psssst:

    Zu diesem Thema möchte ich auch einen Brief zeigen. Er ist zwar nicht mehr gut erhalten, aber er stammt aus der von mir so genannten “Blauen Periode” (1872 - 1873) - frei nach Picasso, wenn ich mich nicht irre. ?(

    Was meine ich? Die Telegraphendienste verwendeten blaue Stempelfarbe. Wenn nun bei einer Postexpedition auch gleichzeitig ein Telegraphendienst tätig war (wie in Würzburg) nahmen die Postbeamten einfach die blaue Farbe zum Stempeln der Marken usw. Die Postordnung vom 31. Mai 1872 untersagt die Verwendung der “Telegraphenapparatefarbe” zu Postzwecken (siehe Sem Handbuch Ortsstempel - letzte Seite).

    Offensichtlich haben die Postbeamten in Würzburg die Androhung einer Ordnungsstrafe X(nicht sehr ernst genommen. Denn der Brief wurde am 24.8.72 blau gestempelt. Und dabei missachtete der Postler auch noch die weitere Vorschrift: deutlich zu stempeln. Und gerade das missfällt noch heute! :(

    Dennoch ein interessantes Belegstück , für den kleinen Postgeschichtler sozusagen oder ist nicht noch links neben dem Chargé-Stempel was notiert?

    PS - Nicht für Bayern Klassisch, den das nicht juckt! ;)
    Die 7 Kr. ist eine 25Xa gepr. Brettl !
    Hinten noch Bleistift-Notiz: Marke durch Anheben geprüft x enge Rauten La

    Aber der Brief war beim Erwerb schon geprüft und dies hatte keinen Einfluss auf die Kaufentscheidung. Denn bei dem Stempel ist neben der Farbe auch noch der Typ interessant: Würzburg ohne Postamtsbezeichnung (I, II, Stadt oder Bahnhof) und mit Jahreszahl in Antiqua. Aber das ist ein anderes Thema.

    Luitpold

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    Einmal editiert, zuletzt von Luitpold (25. September 2008 um 18:39)

  • VorphilaBayern
    Stamm Mitglied
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    Geburtstag
    7. August 1955 (70)
    • 25. September 2008 um 20:26
    • #15

    Liebe Sammlerfreunde,

    kann folgenden Brief zeigen:
    Brief mit 9 Kreuzer von Bayern ins Königreich Preußen vom 24.9.1859 mit schwarzem Stempel "Charge". In Preußen wurde zusätzlich der preußische Stempel "Recomandirt" in roter Stempelfarbe abgeschlagen.

    Beste Grüße,
    VorphilaBayern

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  • bayern klassisch
    Gast
    • 25. September 2008 um 21:12
    • #16

    Hallo Nils,

    dann mach ich das mal.

    Hierzu muss man wissen, dass es 3 Möglichkeiten gab, im Februar 1867 Post in den Kirchenstaat zu verschicken:

    1) Den üblichen Weg über Österreich, wofür je Loth 17 Kr. bis zur Grenze des Krichenstaats zu zahlen waren. Dazu kamen 5 Bajocchi bis zum Empfänger.

    2) Den Weg über Frankreich, wofür 30 Kr. durchfrankiert bis zum Bestimmungsort je 7,5g zu entrichten waren, und

    3) die Leitung über die Schweiz, die 3 - 9 Kr. bis zur Schweizergrenze plus 6 Kr. Schweizer Transit plus 6 Kr. für Italien über Florenz (Landweg) oder 9 Kr. über Genua (Seeweg) bis zur Grenze des Kirchenstaates kostete. Von dort aus dann die bekannten 5 Bajocchi bis zum Empfänger.

    In unserem Fall wollte der Absender aber einen eingeschriebenen Brief versenden, weil es wohl einen wichtigen Trauerfall gab. Ab dem 7.2.1863 bot sich hierbei der Laufweg über die Schweiz an, wenn man die Landroute präferierte.

    Die Kostenstruktur ergab sich wie folgt:

    München bis zur Schweizergrenze waren über 20 Meilen = 9 Kr. für den bis 1 Loth (links oben gewogen mit 8 gramm) wiegenden Brief, die in Marken frankiert wurden.

    Chargégebühr für Bayern i. H. v. 6 Kr. wurde bar bezahlt. Diese Versicherungsleistung galt auch für die Schweiz und war für den Transit gratis.

    Schweizer Transit bis 1 Loth 6 Kr., die in Marken frankiert wurden.

    Der Transit durch das Königreich Italien bis zur Kirchenstaatsgrenze kostete bis 10g 6 Kr. in Marken. Bei Einschreibung verdoppelte sich diese Gebühr, so dass hierfür weitere 6 Kr. mit Marken frankiert wurden.

    Ab der Grenze des Kirchenstaats verdoppelte sich die Inlandsgebühr von 5 Bajocchi wegen der Einschreibung erneut, so dass der Empfänger dieses Teilfrankobriefes 10 Bajocchi an Porto- und Chargégebühren zu zahlen hatte.

    Aufteilung der Gebühren:

    Postverwaltung in Bayern 9 Kr., Münchens Aufgabepost 6 Kr. für die Einschreibung, die Schweiz 6 Kr., das Königreich Italien total 12 Kr. und der Kirchenstaat total 10 Bajocchi, die etwa 15 Kreuzern entsprachen.

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • toxc
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    2. September 1966 (59)
    • 26. September 2008 um 14:20
    • #17

    So, nachdem dieser Thread so schön belebt ist, möchte ich auch einen kleinen Teil dazu beitragen und einen Brief zeigen.
    Ist zwar jetzt kein Knaller aber ich fand die Markenbefestigung, einfach mit dem Siegel draufgeknallt, sehr ansprechend und konnte den Brief dann nicht liegen lassen :)
    Beschreiben kann ich ihn leider nicht da ich postgeschichtlich leider noch sehr langsam am Lernen bin.

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    So, bin schon auf eure nächsten Briefe gespannt... :)

  • bayern klassisch
    Gast
    • 26. September 2008 um 14:47
    • #18

    Hallo toxc,

    die Beschreibung ist kinderleicht, die schaffe sogar ich:

    Frankobrief bis 1 Loth von Landshut, 12.9.1866, nach Ansbach. Die Chargégebühr von 6 Kr. wurde bar erhoben. Unter der Reconummer 78 wurde er im Recommandationsmaunal geführt und ein Schein ausgestellt (frei gegen Schein).

    Die Marke haftete wohl nicht mehr gut, so dass sie vom Absender mit Siegelwachs befestigt wurde.

    Das war so nicht vorgesehen, kam aber in seltenen Fällen vor. Jedenfalls hat man sich nicht darüber mokiert, denn er wurde ja problemlos zugestellt.

    Er hätte die Marke auch umtauschen können - aber das war viel Aufwand für 3 Kreuzer, das hat man lieber gelassen.

    Wäre die Marke beim Transport abgefallen, wäre der Brief mit 6 Kr. wie ein gewöhnlicher unfrankierter Brief mit Porto belastet worden (solch ein Stück habe ich :)).

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Bayern-Nils
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    29. April 1962 (63)
    • 26. September 2008 um 16:28
    • #19

    Hallo Bayern Klassisch

    Ich denke der Absender damals sehr viel zu tun hatte, um den besten weg für sein Brief zu finden. Aber es war diesmal in München und der Postmeister wusste wahrscheinlich Bescheid. Aber denkst du dass der Postmeister in zum Beispiel Gangkofen alles über die verschiedene Leitwege wusste?
    Anderseits, damals waren die Leute anders gewöhnt als wir. Die heutigen Portotabellen sind doch sagenhaft einfach. :)


    Hallo toxc

    Ich hätte gern dein Brief gehabt, finde es sehr schön mit dem Siegelwachsbefestigung.


    Viele Grüsse
    Bayern-Nils

    NEH

  • bayern klassisch
    Gast
    • 26. September 2008 um 19:08
    • #20

    Hallo Nils,

    "Aber denkst du dass der Postmeister in zum Beispiel Gangkofen alles über die verschiedene Leitwege wusste?"

    Da stellst du eine gute Frage. Sie ist auch nicht leicht zu beantworten.

    Grundsätzlich hatte jede bayerische Postexpedition die gleichen Unterlagen vorliegen, also auch die Tarife nach dem In- und Ausland.
    Im Lauf der Jahre bzw. Jahrzehnte waren aber diese Tarife verändert, erhöht, vermindert oder gestrichen worden. War der Expeditor fit, dann konnte er vieles richtig berechnen.

    Da man in Bayern alte Verordnungen, die gerade ungültig geworden waren, gegen Rückschein im Austausch mit den neuen Verordnungen versandte, konnte man sicher sein, dass die Ämter auch tatsächlich gut informiert wurden.

    Das Problem war, wenn

    a) Sonderdienste wie Einschreiben, Rückscheine, Expreß usw. dazu kamen,

    b) seltene, also ungewöhnliche Versendungsformen gewählt wurden, also z. B. Drucksachen, Muster ohne Wert, Bücherzettel usw. und

    c) schwere Poststücke versandt wurden (also 3, 5 oder 12. Gewichtsstufen), deren Gebühren nicht immer linear anstiegen, sondern oft degressiv waren.

    Kam dann noch zu allem Unglück vieles zusammen, also ein Muster ohne Wert Brief, der eingeschrieben und mit Rückschein versehen in der 7. Gewichtsstufe nach Norwegen lief, dann war, da gebe ich dir vollkommen Recht, die Post fast immer überfordert, sogar die in München und Nürnberg. Von Ganghofen reden wir da erst gar nicht.

    Daher wurde ja auch angewiesen, dass die kleineren Expeditionen keinen P. D. - Stempel, bzw. keinen P. P. - Stempel führen durften, da diese Stempel nur an die Kartenschlußämter geliefert wurden, so dass wenigstens eine einmalige Kontrolle des Franko bzw. Porto gegeben war.

    Wussten diese es auch nicht besser, war sowieso alles zu spät und wir heute wundern uns, weil das Weiterfranko oder die Progressionsstufe nicht mit denen der Postverträge überein stimmt.

    Erkannte man, dass unrichtig (hier immer zu wenig!) frankiert wurde, war das Poststück dem Absender mit der Bitte um "Auffrankierung" zurück zu schicken. Der durfte dann das zu wenig geklebte Franko nachkleben und den Brief erneut bei der Post aufgeben.

    Ein kleines Beispiel zeige ich mal von Bayern nach Großbritannien.

    In München wurde ein Brief nach Manchester mit 7 Kr. ursprünglich frankiert. München I, ein riesiges Postamt, stempelte unter der Marke 27. April 3 - 4 Uhr Nachmittags, als man den Briefkasten vor dem Gebäude geleert hatte. Man stellte fest, dass einfache Briefe nach GB nicht 7, sondern 9 Kr. kosteten. Also schrieb man mit blau "Ungenügend frankiert, 2 Kr. noch" und gab ihn dem Briefträger Nr. 21 mit, der ihn austrug (!).

    Der Absender klebte die 2 Kr. nach und gab ihn am 28. April 9 - 10 Uhr Vormittags wieder zur Post. Jetzt war er richtig frankiert und die Post ging ab.

    Im Falle einer Überfrankatur war das egal, wie ein Brief aus Nürnberg vom 22.10.1869 nach Oslo (Christiania) zeigt. Ab dem 15.4.1868 hätte er 12 Kr. gekostet, aber ab 15.7.1869 nur noch 10 Kr.. Die 3 Kr. Überfrankatur waren zu Gunsten der bayer. Staatskasse verloren.

    Schwach war in Nürnberg nur, dass man noch das falsche Weiterfranko mit 2 1/2 Groschen notierte und erst später in die richtigen 2 Groschen = 7 Kr. reduzierte.

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

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