Hallo und einen schönen Sonntag allen Forumianern,
es regnet Bindfäden im Sauerland, also mal wieder Zeit, etwas in meinem Phila-Archiv zu kramen. In den nächsten 2 - 3 Folgen möchte ich hier einmal die bekanntesten Briefmarken der Welt vorstellen - die natürlich fast jeder kennt - und dazu einige Hintergrundinformationen, die eventuell nicht jeder kennt. Beginnen wir heimatbewußt mit einer deutschen Marke und zwar dem
Sachsen - Dreier
Wohl kaum eine andere deutsche Briefmarke erfreut sich bei den Sammlern einer größeren Popularität als die " Sachsen - Dreier ", jene am 29. Juni 1850 erstmals an den Schaltern des damaligen Königreiches Sachsen verkaufte rote 3 - Pfennig - Marke. Die verblüffende Ähnlichkeit mit der nicht weniger beliebten bayerischen " Schwarzen Einser " kommt allerdings nicht von ungefähr: Denn als 1849 in Bayern die ersten deutschen aufklebbaren Wertzeichen erschienen waren, ließ sich die sächsische Postverwaltung einige Exemplare als Muster schicken.
Die äußerst vorsichtigen und cleveren Sachsen ( hatten sich sicher ein paar Beamte aus Schwaben ausgeliehen ) sparten daher für den probeweisen Start der " Sachsen - Dreier " nicht nur einen eigenen Graphiker, sondern sie wählten mit dem 3 - Pfennig - Wert aus Angst vor Fälschungen konsequenterweise auch die niedrigste Wertstufe. Das führte dann allerdings dazu, daß der größte Teil der Marken als Drucksachenporto für den Versand von Zeitungen verwendet wurde und völlig unbeachtet im Papierkorb landete. Viele Exemplare gingen noch zusätzlich dadurch verloren, daß sie - je zur Hälfte auf das Streifband und auf die Zeitung geklebt - vom Empfänger beim Öffnen der Sendung zerrissen wurden. So sind letztendlich von der nicht gerade geringen Druckauflage von 500000 Stück höchstens 5000 bis 6000 Stück erhalten geblieben. Echte Luxusstücke sind ebenso selten wie größere Streifen, Blocks oder Bogenteile. Es sind nur je ein ungebrauchter Sechser- und Viererblock sowie ein gebrauchter Viererblock bekannt. Eine große Rarität ist ferner ein Fünfer - Streifen, der sich im Besitz der Deutschen Bundespost befindet.
Abenteuerliche Anekdoten ranken sich um den einzigen Sachsen - Dreier - Bogen. Angeblich wurde der Bogen an einer Holzsäule auf einem Dachboden entdeckt und durch unsachgemäßes Ablösen erheblich beschädigt. Kunstvoll repariert landete er dann schließlich später in der berühmten Sammlung des größten Sammlers aller Zeiten, Renotiere de Ferrary, über den ich ja bereits in einem vorherigen Artikel berichtet habe.
Aber auch ausländische Marken bringen schon bei der Erwähnung ihres bloßen Namens Glanz in die Augen eines Philatelisten, z.Bsp.
Ochsenauge und Ochsenkopf
Neben den vielen Fachausdrücken, mit denen die Philatelie unsere Sprache bereichert hat und die Anfängern schlaflose Nächte bereitet, regte das eigenwillige Aussehen bestimmter Briefmarken die Sammler immer wieder zu originellen Wortschöpfungen an. Jeder Philatelist weiß, was sich hinter einem " Baseler Täubchen " verbirgt und daß mit einem " Strubeli " eine Helvetia - Marke bezeichnet wird ( wohl weil der Graphiker die sitzende Dame so schlecht frisiert hat ) und daß man die ersten British Guyanas gern " Cotton Reels " nannte, weil sie eine gewisse Ähnlichkeit mit Nähgarn - Etiketten haben.
Auch die ersten Marken Brasiliens verdanken einen Großteil ihrer besonderen Beliebtheit nicht zuletzt ihrer ungewöhnlichen Bezeichnung als " Ochsenaugen ". Die im Juli 1843 erschienenen Postwertzeichen, mit denen Brasilien nach Großbritannien und dem Kanton Zürich als drittes Land der Welt aufklebbare Briefmarken verausgabte, sind einfach gestaltete Ziffernmarken, deren ovaler, abgeplatteter Untergund ganz entfernt an das genannte tierische Sinnesorgan erinnert. Bei den nachfolgenden brasilianischen Marken ließ man die Phantasie dann noch etwas weiter schweifen und bezeichnete diese als " Ziegen- und Katzenaugen ". ( Merke: Entgegen weitverbreiteter Meinung haben Philatelisten doch Sinn für Humor ).
Als " Ochsenköpfe " dagegen bezeichnet man die ersten Marken des ehemaligen Fürstentums Moldau, aus dem 1862 nach der Vereinigung mit dem Fürstentum Muntenien ( Walachei ) das heutige Rumänien hervorging. Bei dem auf den sieben in den Jahren 1858 und 1859 erschienen Werten abgebildeten " Ochsenkopf " handelt es sich jedoch nicht um das Haupt eines gewöhnlichen Ochsen, sondern um das eines Ur- oder Auerochsen, den sich die Fürsten der lange Zeit von den Türken kontrollierten Moldau - Region als Wappentier auserkoren hatten. Die " Ochsenköpfe ", im abarten- und kehrdruckreichen Handpressen - Druckverfahren ( da bekommt unser @Abartenhannes doch sicher feuchte Augen ) hergestellt, zählen zu den gesuchten Raritäten unter den klassischen europäischen Postwertzeichen, postfrische Exemplare erzielen zur Zeit auf Auktionen etwa einen Erlös von 50000 EURO.
So nächste Woche gehts weiter mit anderen bekannten und berühmten Marken.
Einen schönen Tag noch wünscht allen Forumianern
Kramix