Hallo Gert, ich kann mich den Fürsprechern nur anschließen. Eine Klasse Serie die Lust auf mehr macht. Also ich würde mich auf jeden Fall freuen wenn wir noch weitere Deiner interessanten Beiträge lesen dürfen.
Schöne Grüße
Guido
Hallo Gert, ich kann mich den Fürsprechern nur anschließen. Eine Klasse Serie die Lust auf mehr macht. Also ich würde mich auf jeden Fall freuen wenn wir noch weitere Deiner interessanten Beiträge lesen dürfen.
Schöne Grüße
Guido
halo Freunde,
@ Bernd,
das Trauige ist nur dass Keiner dummer werden will, aber trotzdem Keiner liest, um was es geht, warum auch immer. ![]()
Gert auch mit diesem Beitrag kannst noch ein Veltins aufmachen und mit mir mit Jever (in Gedanken ) anstossen. ![]()
Einfach klasse Beitrag und ein herzliches Danke, nicht als Dein Freund, sondern als Philatelist !!!! ( Als Freund sowieso !!!! )
Grüße von Wolle
das macht echt Freude, weiter so!
@Wolle:
tolle Grammatik, wenn du über andere lästerst solltest du mal deine geistigen Ergüsse anschauen bevor du enter drückst ![]()
Gruß
ZitatOriginal von postschild
tolle Grammatik, wenn du über andere lästerst solltest du mal deine geistigen Ergüsse anschauen bevor du enter drückst
Gruß
Sind auf Schalke die Kommas ausgegangen?
![]()
Solange bin ich im Forum noch nicht unterwegs und habe deine Beiträge mit Genuss gelesen. Die "sehr lockere" Schreibweise finde ich sehr angenehm.
Ich würde mich freuen, wenn noch mehr so tolle Artikel kommen würden und schliesse mich somit meinen Vorrednern an.
Gruss Ulf
Hallo und einen wunderschönen guten Morgen an alle !!!
Bevor ich bei diesem herrlichen Wetter meinen ersten Spaziergang mache, noch der angekündigte Beitrag zur Postbeförderung per Eisenbahn
In Deutschland wurde die Eisenbahn für Postzwecke erstmals im Jahre 1839 auf der am 29. Oktober 1838 eröffneten Strecke Berlin – Potsdam benutzt.
Anfangs verwandte man Landpostwagen, die mittels Pferden zum Bahnhof gebracht, dort auf einen Plattenwagen der Eisembahn verladen und am Endpunkt der Strecke wieder mit den Pferden bespannt und abgefahren wurden. Auf dem Bock dieser Wagen saß während der Eisenbahnfahrt der “ Schirrmeister “, der unterwegs die Briefbeutel und Pakete mit den Streckenpostämtern auszutauschen hatte. Nachdem 1841, zunächst auf der Strecke Berlin – Lepizig, die ersten auf Schienen laufenden Bahnpostwagen eingeführt worden waren, stellte man die umständliche Beförderung der Landpostwagen nach und nach ein.
Während in England die erste Bahnpost bereits im Jahre 1838 verkehrte, war es in Deutschland die badische Post, die erstmals Bahnposten einrichtete, die während der Fahrt die Briefsendungen umarbeiteten. Diese beweglichen Dienststellen waren seit dem 1. April 1848 ( war kein Aprilscherz ) in einigen von Heidelberg ausgehenden Zügen tätig. Preußen richtete seine “ Post – Speditions – Ämter “und die fahrenden " Post – Speditions – Bureaus “am 1. Mai 1849 ein. Die anderen Postverwaltungen folgten in folgender Reihenfolge in den nächsten Jahren: Bayern, Sachsen, Mecklenburg – Schwerin 1851; Württemberg 1852; Hannover 1853; Thurn und Taxis 1861.
Mit der Erweiterung des Eisenbahnnetzes nahm auch der Bahnpostdienst weiter zu. Organisation und Betrieb wurden nach Gründung des Deutschen Reiches 1871 vereinheitlicht, nur Bayern ( wer sonst ) und Württemberg besaßen bis 1920 gewisse Sonderrechte. Im Jahr 1875 führte man die noch heute gültigen Bezeichnungen “ Bahnpostamt “ und “ Bahnpost “ allgemein ein.
Der zunehmende Arbeitsanfall in den Bahnposten brachte Erleichterungen und Vereinfachungen im Betriebsdienst und beim Ladungsaustausch. Die immer kürzer werdenden Haltezeiten machten dagegen den Einsatz von Verladegerätenund Behältern erforderlich. Auch die technische Entwicklung der Bahnpostwagen wurde dem wachsenden Verkehr angepasst.
Der Wagenkasten der ersten Bahnpostwagen war etwa 5m lang, die Bahnpostwagen der letzten Generation maßen bis zu 26 m. Je nach Verwendungszweck wurden die Wagen mit großen Brief-, Aussack- und Packräumen ausgestattet, technische Ausstattung und Inneneinrichtung trugen der modernen Entwicklung Rechnung: Einschränkung des Verteildienstes in den Bahnposten, Verstärkung der Verwerfarbeit, große Aufnahmefähigkeit für Ladegut und größtmögliche Beschleunigung des Ladungsaustausches.
Das Ende der Postbeförderung mit der Eisnbahn bahnte sich dann in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts an, da die Postbeförderung auf den straßen- und Luftweg verlagert wurde. Dadurch werden die Postbahnhöfe mit ihren zum Teil riesigen Hallen heute nicht mehr benötigt und demzufolge für andere Zwecke genutzt. So wurde beispielsweise der Postbahnhof in Hamburg – Altona umgebaut und als Brief- und Paketverteilzentrum per LKW genutzt. Schade, wieder ein Stück Postgeschichte, das unwiderruflich verloren gegangen ist.
So, im Lauf des Tages noch ein Beitrag zu bedeutenden Persönlichkeiten der deutschen Postgeschichte und dann ist unsere kleine Serie der Entwicklung des Postgeschichte abgeschlossen; ein neues Thema wird folgen.
Schönen Tag noch an alle Forenmitglieder wünscht
Kramix
Hallo an alle Forumsfreunde,
zum Abschluss des Thema Postgeschichte möchte ich noch 3 wichtige Persönlichkeiten vorstellen, ohne die es die heutige Post wahrscheinlich nich geben würde.
1. Johann Friedrich von Seegebarth
Johann Friedrich Seegebarth wurde am 3. August 1747 in Berlin geboren. Im Alter von 20 Jahren trat er als Expedient in die Geheime Staatskanzlei ein. Im Jahre 1770 begann dann seine Postlaufbahn als Sekretär im preußischen Generalpostamt. Hier zeichnete er sich durch Fleiß, Eifer und Geschick aus, so daß er schon bald in höhere Stellungen aufrückte: 1773 Postinspektor und Oberpostdirektor, 1774 Hof- und Postrat. Unter den Generalpostmeistern Michaelis und von Werder erhielt Seegebarth den Auftrag, alle seit Herausgabe der letzten Postverordnung im Jahre 1712 ergangenen Gesetze und Vorschriften im Postwesen zu sammeln, zu überarbeiten und eine neue Postordung vorzubereiten, die dann 1782 erlassen wurde. ( der Urvater eines heute bekannten Kataloges ).
Seegebarth hatte sich durch Reisen und Verhandlungen im In- und Ausland eine Sachkenntnis im Postwesen erarbeitet, wie sie damals nieman besaß. ( einige Prüfer sollten sich mal an die Brust klopfen und mea culpa sagen - aber das ist nur meine ganz persönlich Meinung ).
1797 wurde Seegebarth geadelt, 1803 zum Direktor des Generalpostamts ernannt. In Folg der Kriegsereignisse reiste von Seegebarth 1806 mit dem König nach Königsberg und Memel und leitete von dort aus nach dem Tilsiter Frieden die Postverwaltung. 1808 ernannte ihn der König zum Generalpostmeister und absoluten Chef des Postwesens, eine Beförderung, die nach seinen Vorstellungen viel zu spät erfolgte war. ( Ein gewisser Neidfaktor und das Gefühl, nicht rechtzeitig anerkannt zu werden, war bei Ihm immer vorhanden ) Vergleiche mit einigen Phiilaforum-Teilnehmern seien mir gestattet) - Auch mögliche Parallelen zu heutigen Politikern sind von mir nicht gewollt, aber unverkennbar ).
1808 ernannte ihn der König zum Generalpostmeister und Chef des Postwesens, ein Titel, für den man sich in der damaligen Zeit nicht viel kaufen konnte - wie immer Früher und Heute werden und wurden unbequeme Zeitgenossen auf der Karriereleiter eine Sprosse nach oben geschoben -
Aus dieser Stellung trat er 1821 in den Ruhestand und starb verbittert zwei Jahre später.
Von Seegebarth stand unter schwierigsten Verhältnissen an der Spitze des preußischen Postwesens, das durch Kriege und feindliche Besetzung in seiner Postentwicklung stark behindert war. Er führte 1813 Briefstempel in einfacher Form ein ( heute sehr gesucht ) und ließ zur Beschleinigung der Personenbeförderung 1819 die erste Schnellpost in Preußen errichten.
Ein Pionier, heute vergessen, aber einer der Väter des modernen Postwesens.
wenn Zeit, folgt noch ein Artikel über Carl Ferdinand Friedrich von Nagler
Bis dann und schönen Abend an alle
Kramix
Hallo Gert,
bis zum Bericht von Herrn Friedrich von Nagler warten wir gerne, lass Dir Zeit ![]()
Ich freue mich schon drauf und glaube, daß ich nicht der Einzige bin, obwohl Du im Eisenbahnbericht uns Bayern "angegriffen" hast ![]()
Wir sind halt so
Wir waren schon immer etwas seltsam und bei dieser Landesregierung wird es auch die nächsten Jahre so bleiben. ![]()
Sammlergrüße und danke von Wolle
Wie bereits " angedroht ", hier noch eine Abhandlung über Carl Ferdinand Friedrich von Nagler
Bei so einem Namen kann man nur auswandern oder die längste Praline der Welt essen ( Name des Produkts wird natürlich nicht erwähnt )
Ich kürze etwas ab: Nagler, der 1770 in Ansbach geboren wurde, trat im Jahre 1798 als Vortragender Rat für das neugebildete Ansbach - Bayreuthsche Department in preußische Dienste. Seine außergewöhnliche Befähigung verhalf ihm zu einem schnellen beruflichen Aufstieg. Ende Dezember 1808 bis Ende Januar 1809 begleitete er das Königspaar nach St. Petersburg als Berater in auswärtigen Angelegenheiten. Im Oktober 1809 wurde Nagler als Post -Sektionschef zum Geheimen Staatsrat ernannt - wahrlich eine schnelle Karriere. Nicht ganz ein Jahr später schied er als Vizegeneralpostmeister aus den königlichen Diensten aus. Er führte in den nächsten 10 Jahren ein von Reisen unterbrochenes stilles Gelehrtendasein, daß dem Sammeln von Kunstgegenständen gewidmet war. Später wurden seine Sammlungen, die Handzeichnungen und Kupferstiche enthielten sowie Gemälde, Glasarbeiten, Münzen, Medaillen, Versteinerungen, kunsthandwerkliche Arbeiten und eine umfangreiche Bibliothek umfaßten, vom preußischen Staat aufgekauft. Für seine Zeit also der klassische Generalsammler, der alles hortete, was ihm vor die " Flinte " kam.
Nach der Pensionierung des Generalpostmeisters von Seegebarth ( siehe voriges Kapitel ) wurde Nagler zum Präsidenten des Generalpostamtes berufen. Die für ihn herausgegebe neue Geschäftsordnung zeigte das große Vertrauen den Königs in Naglers Können, den er mit mehr Verantwortung als seinen Vorgäger belastete. Nicht mehr das Kollegium im Generalpostamt, sondern Nagler allein sollte die Verordnungen und Verfügungen, Berichte und Reskripte vollziehen sowie Immediaberichte unterschreiben und an den König unmittelbar einsenden. Im April 1823 erhielt Nagler die Ernennung zum Generalpostmeister mit der Anweisung, sein Ressort zu reorganisieren. Anfang 1824 genehmigte der preußische König die vom König von Bayern angeregte Nobilitierung. Wenige Monate später wurde Nagler zum preußischen Gesandten am Bundestag in Frankfurt / M. ernannt und ihm der Titel Exzellenz verliehen. Während seiner Tätigkeit als Bundestagsgesandter bis 1835 behielt er die allgemeine Leitung des Postwesens bei.
In dieser Zeit wurde der Postdienst wesentlich geändert und verbessert: 1824 begann die preußische Post die Landzustellung einzuführen. Die schon von seinem Vorgänger v. Seegebarth geschaffenen Schnellposten wurden vermehrt, die Extrapost-,Kurier- und Estafettenbeförderung vervollkommnet. Briefkästen ließ Nagler 1824 aufstellen. In diesem Jahr verkehrte auch das erste Postdampfschiff auf der Ostsee und im Jahr 1827 richtete Nagler die Stadtpost in Berlin ein.
Eine Umwälzung im gesamten Verkehrswesen brachte die Einführung der Eisenbahn mit sich. Gerade damit hatte sich Nagler besonders eingehend beschäftigt. Schon Ende 1835 !!! stellte er in einem Gutachten fest, daß die Eisenbahn nur auf Kosten der Post einen großen Teil der Einnahmen erwerben könne. Man dürfe auch niemals durch ein den Eisenbahnunternehmen zu erteilendes unbeschränktes Beförderungsmonopol die Post von der Benutzung der Eisenbahn ausschließen. Die Verhältnisse der Post und der Eisenbahnunternehmen seien durch eine gegenseitige Vermittlung der beiderseitigen Interessen auszugleichen, um für jeden Fall zum allgemeinen Besten des Staates den größtmöglichen Vorteil zu erzielen ( nach unbestätigten Quellen soll es sich bei Nagler um einen entfernten Verwandten von Finanzminister Steinbrück handeln - alle Gene sprechen jedenfalls dafür ).
Naglers Untersuchungen waren grundlegend für die Festlegung der Rechtsverhältnisse zwischen Post und Eisenbahn.
Auch nach der Ernennung zum Geheimen Staatsminister ( 1835 ) stand Carl Ferdinand Friedrich von Nagler bis zu seinem Tod im Jahre 1846 an der Spitze der Preußischen Post.
In der nächsten und letzten Folge der Posthistorie ein Bericht über Heinrich von Stephan, den Beckenbauer der deutscrhen Postgeschichte
Bis dann
Kramix
Lieber Gert,
wunderbar geschrieben - ein Genuß. Freue mich schon jetzt auf deinen nächsten (und hoffentlich nicht letzten) Teil. ![]()
Liebe Grüsse von bayern klassisch
Hallo an alle,
wie bereits angekündigt, hier nun der letzte Beitrag zum Kapitel Posthistorie mit Informationen zu dem " Dinosaurier des deutschen Postwesens ": Heinrich von Stephan
Heinrich von Stepan ist wohl unumstritten eine der bedeutendsten Persönlichkeiten in der Geschichte des Postwesens weltweit. Der im Jahre 1831 in Stolp als achtes von zehn Kindern geborene Sohn eines Schneidermeisters ( damals gab es noch kein Fernsehen ) begann nach seiner bestanden Reifeprüfung seine Laufbahn beim dortigen Postamt als gewöhnlicher Schreiber. Nach einer kurzen Tätigkeit im Generalpostamt kam er nach Köln, wo er den Auslandsdienst eingehend kennenlernte. Schon im frühen Alter von 27 Jahren wurde er Postrat, arbeitete wieder im Generalpostamt und trat 1870 als Generalpostdirektor an die Spitze der Postverwaltung des Norddeutschen Bundes. Nach der Verschmelzung der Reichstelegrafenverwaltung mit der Reichspost im Jahr 1876 führte er die Amtsbezeichnung Generalpostmeister mit dem Rang eines " Wirklichen Geheimen Rates " und dem Prädikat Exzellenz. Später lautete sein Titel dann: " Staatssekretär des Reichspostamtes ".
Viele Ehrungen wurden Stephan während seiner langjährigen leitenden Tätigkeit zuteil, darunter die Berufung in das Herrenhaus, die Verleihung der Ehrendoktorwürde ( na ja, die bekommt heute jeder mittelmäßige Politiker nachgeworfen ), die Berufung in den preußischen Staatsrat, die Erhebung in den erblichen Adelsstand und die Verleihung von insgesamt 51 in- und ausländischen Orden. Eine schwere Diabeteskrankheit und eine daraufhin erfolgte Beinamputation setzte dem unermüdlichen Schaffen ein Ende. Heinrich von Stephan erlag seiner Krankheit im Alter von 66 Jahren am 8. April 1897. Mit viel Prunk und unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit wurde er auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof I in Berlin-Kreuzberg in einem Ehrengrab der Stadt Berlin im Feld 2 beigesetzt.
Stepahns Verdienste bestehen besonders darin, daß er veraltete Strukturen und Betriebsformen abgeschafft, neue Dienstzweige eingeführt und die Gebühren vereinheitlicht hat. Im Vordergrund der zu lösenden Probleme stand auch die Neuordnung des in zahlreiche Verwaltungen zersplitterten Post- und Telegrafenwesens. Die Übernahme der Thurn- und Taxischen Post durch den preußischen Staat am 1. Juli 1867 ist das Werk Stephans. Er schuf eine einheitliche Postverwaltung, die alle deutschen Staaten - zunächst noch mit Ausnahme Bayerns, Württembergs und Badens - zu einem Postverkehrsgebiet vereinigte.
Bereits 1868 regte er in einer Denkschrift die Berufung eines allgemeinen Postkongresses mit dem Ziel eines internationalen Postvereins an. Auf seine Empfehlung trat im Jahre 1874 der Allgemeine Postkongreß in Bern zusammen, der später dann Weltpostverein ( UPU ) genannt wurde.
Der Inlandspostdienst erfuhr unter Stephans Leitung zahlreiche Verbesserungen. 1870 wurde erstmals die Postkarte ausgegeben, die er schon 1865 vorgeschlagen hatte. Bald folgten die Postaufträge und der Nachnahmedienst. Stephan förderte auch den Landpostdienst und organisierte die Feldpost im Jahre 1870/71. Mit großem Erfolg verbesserte er das elektrische Nachrichtenwesen. Er vermehrte die Zahl der Telegrafenanstalten und ließ bereits 1877 erste Versuche mit Fernsprechern durchführen. Die Mitarbeit im Welttelegrafenverein, der Aufbau der Reichspostdampferlinien und der deutschen Postanstalten im Ausland sowie der Ausbau des Kabelnetzes im Inland und der Seekabelverbindungen haben zur Weltgeltung des neu gegründeten Deutschen Reiches beigetragen.
Stephans Initiative entsprang auch die Einrichtung der Reichsdruckerei, sein Werk war der planvolle Ausbau des Postwesens mit etwa 2000 neuen Postgebäuden. Auch das Reichspostmuseum verdankt ihm seine Entstehung. Trotz seiner vielseitigen Beschäftigung fand er noch Zeit, sich schriftstellerisch zu betätigen. Seine " Geschichte der preußischen Post "ist ein Standardwerk der Postgeschichtsschreibung. Von vielen übersehen, hatte er noch ein ganz besonderes Anliegen: Er erlangte nämlich hohe Verdienste auf dem Gebiet der Sprachpflege, indem er sich um verständliche deutsche Ausdrücke im behördlichen Sprachverkehr bemühte. Mit Erlass vom 21. Juni 1875 führte er 671 Verdeutschungen im Postwesen ein ( da sollte man sich im heutigen Computerzeitalter mal ein Beispiel dran nehmen )
Aber auch auf anderen Gebieten war Stephan ein Visionär: So war er der Erste, der konkrete Pläne für einen Damm zwischen der Insel Sylt und dem Festland schmiedete. Anlass war wohl die lange Seereise, die er als häufiger Kurgast auf der Insel unternehmen musste.
Es ist mit Sicherheit nicht übertrieben, Heinrich von Stephan als die " Kultfigur " des deutschen Postwesens zu bezeichnen. Keiner seiner Nachfolger konnte auch nur im entferntesten aus seinem Schatten treten, alle wurden an den Leistungen und Verdiensten Stephans gemessen, kein Wunder, dass diese Post- und Alibipostminister sehr schnell von der Geschichtsschreibung vergessen wurden.
So, das war mein letzter Beitrag zum Thema Posthistorie. Ich möchte mich bei allen Lesern für Lob und Kritik bedanken, hoffe , dass es Euch etwas gefallen hat und verabschiede mich bis zum nächstern Monat mit dem Beginn einer neuen Serie:
Allen einen schönen Abend wünscht
Kramix
Lieber Kramix,
einen ganz herzlichen Dank für Deine herrlichen auch mit manchem ironischen Unterton verfassten Beiträge zur Posthistorie.
Lieber Gert,
keine hätte diese komplexen Themen besser schildern können.
Dafür gebührt dir ewiger Dank aller aufrechten Postgeschichtler.
Ich freue mich schon jetzt auf die 2. Reihe aus deiner Feder.
Liebe Grüsse von bayern klassisch
Auch von mir ein grosses Dankeschön für die hochinteressanten Beiträge, die ich immer gierig verschlungen habe. Da steht doch so manches wissenswertes drin und dümmer geworden bin ich davon auch nicht
Also unter dem Strich möchte ich sagen:
![]()
Hallo Gert,
wieder einmal absolut Spitze, auch vom Schreibstil her !!!
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Grüße von Wolle
Gruss an alle Forumianer,
nachdem ich wider Erwarten die diversen Aufstiegsfeiern unseres Sportvereins relativ unbeschadet überstanden habe, kann ich auch früher als erwartet mit der neuen Serie aus der Postgeschichte beginnen:
Jeder Deutschlandsammler kennt ihn: Den " Gelben Hund "
Am 17. Dezember 1903 gelang den Brüdern Orville und Wilbur Wright in Kitty Hawk in North Carolina der erste Flug mit einem motorgetriebenen Luftfahrzeug, das schwerer als Luft war. Schon wenige Jahre danach wurden auch schon die ersten Postsendungen durch die Luft befördert, so im Jahre 1911 in England, in den Vereinigten Staaten und in Frankreich. In Deutschland fanden Versuche einer Luftpostbeförderung im Februar und Mai statt, und zwar von Bork nach Brück in der Mark Brandenburg und zwischen Mannheim und Heidelberg. Leider ohne durchschlagenden Erfolg, denn durchschlagend war nur der Aufprall dieser " Flugzeuge " auf Äckern und Wiesen.
Den Verdienst, den frühesten gelungenen Postrundflug in Deutschland durchgeführt zu haben, gebührt dem Konstrukteur August Euler und Ferdinand von Hiddessen, dem Piloten des Doppeldeckers mit dem Namen " Gelber Hund ". Am 10. Juni 1912 um 19.04 startete Leutnant von Hiddessen auf dem Euler - Flugplatz in Frankfurt-Niederrad mit 40 kg Luftpost an Bord in Richtung Darmstadt, wo er nach amtlich gestoppten 13 Minuten und 27 Sekunden landete ( man merke, wir Deutschen waren schon immer auf Genauigkeit versessen ). Dort wurden die mitgeführten Beutel entladen und 70 kg neue Luftpost zugeladen. Kurz danach flog von Hiddessen nach Worms weiter, wo er gegen 21 Uhr landete. Dort startete er am nächsten Tag mit frischer Ladung nach Mainz und einen Tag später zurück nch Frankfurt. Ein weiterer Flug führte von Frankfurt nach Darmstadt und zurück. Insgesamt wurden 290 kg Luftpost befördert, wobei es sich ausschließlich um Flugpostkarten handelte, die zum Besten der Mütter- und Säuglingsfürsorge in Hessen verkauft worden waren, insgesamt rund 100.000 Stück. Diese Leistung gewinnt noch dadurch an Bedeutung, daß die Flüge planmäßig ausgeführt wurden, obwohl bei der ersten Landung in Darmstadt eine Kufe und auf dem Flug nach Worms ein Ölrohr brach.
Den Namen " Gelber Hund " erhielt das Flugzeug übrigens nicht wegen der blaßgelben Bespannung der oberen Tragfläche. August Euler, der Frankfurter Flugzeugkonstrukteur und spätere erste Staatssekretär der deutschen Luftfahrt, wählte den Namen nach einer Episode, die sich einige Zeit vorher zugetragen hatte. Ein preußischer Oberst hatte nämlich Mühe, ein von ihm gesteuertes Flugzeug auch tatsächlich zum Fliegen zu bringen. Er soll dabei geflucht haben: " Wenn ich den gelben Hund doch nur mal endlich hochbekäme ".
Der hauptsächlich für militärische Zwecke konstruierte und mehrfach abgewandelte Doppeldecker vom Typ " Gelber Hund " hatte übrigens ein Gewicht von 235 kg und einen Motor mit einer Leistung von 65 PS. Er wurde auf Grund des Postrundflugs so populär, daß man damals das Verslein dichtete: " Ein anderer Hund, der springt und rennt, der Gelbe fliegt als Postagent.
So, das ist die Geschichte des " Gelben Hundes ".
Nächste Folge: Bismarck und sein kurioser Unfall mit der russischen Post.
Ein schönes Pokalendspiel und frohe Pfingsten wünscht allen
Kramix
Hallo Gert,
wie immer, sehr Gut, Note 1 und setzen. ![]()
Sind wir nur froh, dass der herr Oberst mit dem hochkriegen das Flugzeug meinte, ich kann mir nicht vorstellen, dass die auf die Marke den Aufdruck " Gelber Schnippeldrich" aufgedruckt hätten ![]()
Danke nochmals und weiter so.
Schöne Pfingstfeiertage wünscht Dir Wolle.
( Ich drücke Dir zuliebe den Leverkusenern die Daumen, nachdem der Club ja erst nächstes Jahr im Endspiel dabei ist
)
Einen schönen Abend wünsche ich allen Forumsmitgliedern.
Hier mit etwas Verspätung der nächte Beitrag:
Bismarck und sein kurioser Unfall mit der Russischen Post.
Über die politische Laufbahn Bismarcks noch Worte zu verlieren, hiesse Eulen nach Athen tragen. Dennoch für alle, die sich mit Bismarck noch nicht beschäftigt haben, eine ganz kurze Einführung:
Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen wurde auch der Eiserne Kanzler genannt. Er wurde in Schönhausen ( heute Sachsen-Anhalt ) geboren und starb im Juli 1898 in Friedrichsruh bei Hamburg. Er war unumstritten einer der führendsten Politiker der letzten Jahrhunderte, gleichzeitig aber auch einer der Umstrittensten. Die Wahrheit über die Person und das Wirken Bismarcks wird aber mit Sicherheit der Geschichtsschreibung überlassen werden müssen.
Nur soviel: Genau so wenig wie der Sänger Albert Hammond der Erfinder der " Hammondorgel " war, war Bismarck der Schöpfer des Bismarckherings ( Einzelheiten dazu kann man bei jeder besseren Suchmaschine herausfinden )
Aber zum Thema des Beitrags: Im Januar 1859 wurde Bismarck zum Gesandten und bevollmächtigten Minister am kaiserlich-russischen Hof in St. Petersburg ernannt. Zwei Monate später trat er die siebentägige Reise von Berlin nach seinem neuen Dienstort an. Bis Königsberg konnte er die Eisenbahn benutzen, musste von dort bis Pskow aber mit der Postkutsche fahren. Da ihm der enge Innenraum nicht behagte - auch wegen seiner Leibesfülle, denn nach bestätigten Aussagen war Bismarck ein " Vielfrass ", der bei einem Essen locker 50 Austern verputzen konnte - brachte Bismarck die 3-tägige Fahrt bei einer Temperatur von bis zu 15 Grad Kälte auf dem Aussensitz zu. Bei dieser Fahrt geschah es dann, dass die Postkutsche auf den glatten Strassen und bei dem tiefen Schnee ins Schlingern geriet und schließlich umstürzte. Dabei stürzte Bismarck so unglücklich vom Bock herab, dass er kopfüber in einer dichten Schneewehe landete und nur mit äußerster Mühe von seinem Leibarzt und seinem Leibdiener aus dieser misslichen Lage befreit werden konnte. Sein Leibarzt schrieb später in einem Brief an einen Bekannten, dass der " hohe Herr mit Sicherheit ersticket sei, wenn man ihn alsdenn nicht an den Füssen gezogen aus seiner Verrenkung befreit habe. Höchst verwunderlich sei aber anzusehen, dass die russischen Kutscher sich in Lachanfällen über die Lage des hohen Herrn ergangen haben.
Daher ist vielleicht auch sein späteres gespanntes Verhältnis zur Post im allgemeinen und zu Heinrich von Stephan im besonderen anzusehen ( obwohl dieser mit dem Unfall nicht das Geringste zu tun hatte ).
Jedenfalls verdonnerte Bismarck alle Begleiter zu tiefstem Schweigen ob dieses Vorfalls und seiner " seltsamen Lage ".
Von Pskow aus schrieb er am 28. März 1859 an seine Frau: Wir hatten so tiefen Schnee, dass wir mit 6 und 8 Pferden buchstäblich stecken blieben und aussteigen mußten. Noch schlimmer waren die glatten Berge, besonders hinunter; auf 20 Schritte brauchten wir 1 Stunde, weil 4 mal die Pferde stürzten und sich 8 untereinander verwickelten; dazu Nacht und Wind, eine rechte Winterreise in Natur. " Kein Wort von seinem Mißgeschick !!!
Da Bismarck sich ohnehin als an " der Newa kaltgestellt " betrachtete, war die Reise nach Petersburg sicherlich nicht dazu angetan, sein Verhältnis zur Postbeförderung und Postkutschenfahrten im Besonderen zu verbessern.
Fazit: Auch ein Staatsmann war vor den Tücken der Postbeförderung des letzten Jahrhunderts nicht gefeit.
So, das wars für heute, nächste Folge:
Erste Ankunft des Raddampfers " Wahington " in Bremerhaven und seine Bedeutung für die Postbeförderung
Schönes Wochenende an alle wünscht
Kramix
Lieber Kramix,
wie immer: ein journalistisches Glanzstück von Dir! Vielen Dank dafür!
Passend dazu diese zeitgenössische Karikatur aus einem KLADDERADATSCH von 1885:
Hannes,
danke für die tolle Illustration!!!
Wie Du das immer auf die Schnelle findest ??? Heinzelmännchen oder gute Organisation ???
Kramix