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Die Rekozettel von Wien (1885 - 1892)

  • Berni17
  • 7. Juni 2008 um 14:41
  • Berni17
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    17. Februar
    • 7. Juni 2008 um 14:41
    • #1

    Die Rekozettel von Wien ab deren Einführung bis zur Nummerierung der Postämter (15.03.1885 bis 10.01.1892)

    Hintergründe

    Bedingt durch die starke Zunahme des Postverkehrs war es das vordringlichste Ziel des "Allgemeinen Postvereines" (später Weltpostverein), Maßnahmen zur Vereinfachung und Beschleunigung des zwischenstaatlichen Postverkehrs zu setzen. Für den Bereich der Rekommandation wurde eine stärkere Vereinheitlichung der Einschreibevermerke bzw. eine auffällige Kennzeichnung der eingeschriebenen Poststücke angestrebt, indem die Verwendung von Rekostempeln mit großem "R" oder die Verwendung von Klebezetteln vorgeschrieben wurde.

    Der Deutschen Reichspost gebührt der Verdienst, im Jahr 1875 als erste Postverwaltung der Welt Klebezettel zur Kennzeichnung der rekommandierten Briefe eingeführt zu haben. Es folgten 1880 Mexiko, 1883 die Niederlande und die USA sowie 1885 Belgien. In Kanada und Kolumbien wurden in dieser Zeit bereits Einschreibemarken verausgabt, die die Doppelfunktion von Wertzeichen und Einschreibevermerken erfüllten.


    Entwicklung in Österreich

    In Österreich kam man den Vorgaben des Weltpostvereines im Jahr 1883 nach und es wurden einheitliche "R"-Stempel (vorerst nur im Auslandsverkehr, im Fall der Neuanschaffung von R-Stempeln auch im Inlandsverkehr) eingeführt. Aber bereits 2 Jahre später entschloss sich die österreichische Postverwaltung – die ja zukunftsweisenden Innovationen gegenüber sehr aufgeschlossen war - ebenfalls zur Einführung von Klebezetteln zur Kennzeichnung rekommandierter Briefe. Dadurch konnte eine viel deutlichere und einheitlichere Kennzeichnung erreicht werden als mit den bisherigen Rekostempeln, die noch dazu öfters undeutlich abgeschlagen wurden.

    Die Produktion dieser neuen Drucksorte war aber mit beträchtlichen Mehrkosten verbunden, mussten doch für jedes Postamt individuell Rekozettel gedruckt und an die Postämter verteilt werden. Daher hat sich die Postverwaltung nicht ohne weiteres zu dieser Maßnahme entschlossen, sondern vollzog diese in mehreren Schritten: Mit 15. März 1885 wurden bei den ärarischen Wiener Postämtern Rekozettel eingeführt, wobei in der diesbezüglichen Verordnung ausdrücklich festgehalten war, dass diese Einführung "versuchsweise" erfolge.

    [Blockierte Grafik: http://666kb.com/i/azbgzzjp75w8ix0xz.jpg]

    An dieser Stelle ist ein kurzer Blick auf die Stadtgeschichte Wiens erforderlich. Wien hatte damals noch nicht die Ausdehnung wie heute, sondern bestand aus der "Inneren Stadt" und den im Zuge der ersten Stadterweiterung 1850 eingemeindeten Vorstädten (die heutigen Bezirke 2 bis 9). Favoriten als 10. Bezirk wurde 1874 aus Teilen des 3., 4. und 5. Bezirkes und einigen zu Niederösterreich gehörenden Gebieten geschaffen und dem Stadtgebiet angegliedert. Die Vororte (die heutigen Bezirke 11 bis 19) kamen erst im Zuge der zweiten Stadterweiterung mit 1.1.1892 zu Wien.

    Fortsetzung folgt!

    Quelle: Die Briefmarke Nr. 3/2007, Autor: Mag. Wolfgang SCHUBERT

  • Berni17
    aktives Mitglied
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    17. Februar
    • 7. Juni 2008 um 15:10
    • #2

    1. Erste (Versuchs-)ausgabe

    Die charakteristischen Merkmale der ersten Versuchs-Rekozettelausgabe sind

    a) das raue, nicht durchscheinende Papier sowie
    b) für die Postämter innerhalb des Gürtels die schlanke Schrifttype für die Zusatzbezeichnung der Postämter in der zweiten Zeile.


    [Blockierte Grafik: http://666kb.com/i/azbh1btqmxvx6jtaf.jpg]


    [Blockierte Grafik: http://666kb.com/i/azbh34hqidmrsq8ef.jpg]


    Auch die Postämter der Vororte wurden bereits in diese Versuchsperiode miteinbezogen und mit Rekozetteln beliefert.


    [Blockierte Grafik: http://666kb.com/i/azbh5cdv3hp6c1err.jpg]


    Floridsdorf gehörte damals noch nicht zu Wien, was auch nach der zweiten Stadterweiterung (ab 1892) so geblieben ist. Erst 1905 wurde Floridsdorf als 21. Bezirk eingemeindet.


    [Blockierte Grafik: http://666kb.com/i/azbh6ifexqqizesxz.jpg]


    Aber in wirtschaftlicher und auch in postalischer Hinsicht standen diese Gebiete bereits in den 1880er-Jahren in einem engen Naheverhältnis, weshalb auch das Postamt in Floridsdorf als "Wiener Postamt" angesehen wurde und offensichtlich bereits ebenfalls 1885 mit Rekozetteln beliefert wurde.

    Fortsetzung folgt!

  • bayern klassisch
    Gast
    • 7. Juni 2008 um 21:05
    • #3

    Hallo Berni17,

    um mal der schweigenden Masse eine Stimme zu verleihen: Klasse Beitrag - lehrreich und mit schönen Stücken die PO nähergebracht. Super!

    Bitte weitermachen.

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Berni17
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    • 8. Juni 2008 um 14:12
    • #4

    2. Zweite Ausgabe

    Sehr bald nach der ersten Ausgabe erhielten die Rekozettel ein anderes Aussehen mit folgenden Merkmalen:

    a) Als Rekozettelpapier wurde nunmehr ein sehr dünnes, glattes, durchscheinendes Papier verwendet.
    b) Die Schrifttype für die Zusatzbezeichnung der innerhalb des Gürtels gelegenen Postämter wurde vergrößert und ist mit jener für das Wort "Wien" verwendeten ident.

    [Blockierte Grafik: http://666kb.com/i/azbh76lpsi3e472mf.jpg]

    Wie und wann sind die Rekozettel dieser Ausgabe eingeführt worden?

    Von dem rauen, nicht durchscheinenden Papier reichten die Vorräte offenbar über die erstmalige Rekozettelproduktion hinaus, denn dieses Papier wurde auch noch für die Herstellung von Rekozetteln verwendet, die eindeutig später produziert worden sind. Dies kann anhand der Beispiele der Postämter Marokkanergasse und Bernardgasse gezeigt werden, die beide am 16.12.1885 eröffnet wurden.

    [Blockierte Grafik: http://666kb.com/i/azbh8hfotvtvtonbb.jpg]

    Die Schrifttype für die Zusatzbezeichnung war zu diesem Zeitpunkt aber schon geändert, es gibt keine Rekozettel von diesen beiden Postämtern mit der schlanken Schrifttype der ersten Ausgabe. Die schmale Schrifttype wurde daher mit großer Wahrscheinlichkeit nur für die Erstauflage der Rekozettel im März 1885 verwendet.

    Ab dem ersten Halbjahr 1886 löste schließlich die neue Papiersorte das bisherige raue Papier ab und blieb für die nächsten rund 25 Jahre die einzige verwendete Papierart für die Rekozettel.

    [Blockierte Grafik: http://666kb.com/i/azbh9r1o6nwg9j11j.jpg]

    Nach und nach wurden alle Wiener Postämter anlässlich der Nachfassung dieser Drucksorte mit Rekozetteln der zweiten Ausgabe beliefert. Das Postamt Minoritenplatz hatte als eines der letzten Postämter noch im November 1886 Rekozettel der ersten Ausgabe in Verwendung. Im Großen und Ganzen ist der Umstieg auf Rekozettel der zweiten Ausgabe großteils in der zweiten Jahreshälfte 1886 vor sich gegangen.


    Vorortepostämter:

    Bei der zweiten Rekozettelausgabe wird das Naheverhältnis der Vororte zur Stadt Wien in postalischer Hinsicht noch deutlicher als bei der ersten Ausgabe, denn von den meisten dieser Postämter existieren Rekozettel mit der zusätzlichen Bezeichnung "Wien". Diese Vororte-Rekozettel wurden aber nicht in chronologischer Abfolge verwendet, d.h. jene mit der Bezeichnung "Wien" finden sich öfters auf älteren Briefen als jene ohne diese zusätzliche Bezeichnung! In den Poststempeln kommt dieses Naheverhältnis interessanterweise weit weniger deutlich zum Ausdruck.

    @ bayern klassisch - :dankeschoen:- Fortsetzung folgt!

  • Berni17
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    17. Februar
    • 10. Juni 2008 um 19:41
    • #5

    Postmeisterämter

    Bisher war nur von ärarischen Postämtern die Rede. Am 24.06.1888 (d.h. zeitlich ziemlich genau in der Mitte der Epoche zwischen der Einführung von Rekozetteln und der Nummerierung der Wiener Postämter) wurde in Wien innerhalb des Gürtels jedoch acht nichtärarische Postämter eröffnet (Kaisermühlen, Leopoldstadt IV, Wieden II, Wieden III, Neubau IV, Josefstadt II, Alsergrund III und Alsergrund IV). Am 25.02.1889 kam noch Favoriten II dazu. Dies war im Verhältnis zur Situation in den Kronländern eine verschwindend geringe Zahl, standen doch im Jahr 1890 die 287 ärarischen Postämter einer gewaltigen Anzahl von 4.360 nichtärarischen Postmeisterämtern gegenüber (siehe Kainz in "Österreichs Post", Seite 119).

    [Blockierte Grafik: http://666kb.com/i/azdpj65trd2wx7u4a.jpg]

    Rekozettel "Wien Ober-Döbling" verwendet am 10.11.1888

    [Blockierte Grafik: http://666kb.com/i/azdplvj7on7vwfi2i.jpg]

    Hier eine spätere Verwendung des Rekozettels "Ober-Döbling" am 07.11.1891

    Diese Wiener Postmeisterämter wurden konsequenterweise wie alle anderen Postmeisterämter der österreichischen Reichshälfte der Monarchie behandelt und erhielten vorerst Rekostempel.

    [Blockierte Grafik: http://666kb.com/i/azdpnzq0b52lywawq.jpg]

    Da sich die neuen Klebezettel offensichtlich bewährt hatten, wurden am 01.10.1886 bei den ärarischen Postämtern der Monarchie und am 01.09.1889 bei allen anderen, d.h. auch bei den Postmeisterämtern, Rekozettel eingeführt.Offensichtlich stellte dies die Postverwaltung vor das logistische Problem, so viele Postämter auf einmal mit Rekozetteln beliefern zu müssen, weshalb ein einfacheres Produktionsverfahren (10er- anstatt 50er-Bögen) gewählt wurde. Außerdem wurde das aufwändige Zähnen der Rekozettel weggelassen, weshalb die ungezähnten Bögen vom Postmeister mit der Schere zertrennt werden mussten. Erst ab 1904 wurden Rekozettel für Postmeisterämter ebenfalls in gezähnter Form ausgeliefert.

    [Blockierte Grafik: http://666kb.com/i/azdpqgaj5wtlf0pq2.jpg]

    Der bislang einzig bekannte Postmeister-Rekozettel von Wien-Kaisermühlen (15 kr-Frankatur rückseitig)

    Die ungezähnten Rekozettel der Postmeisterämter der Vororte haben im Gegensatz zu den dortigen ärarischen Postämtern die Ortsbezeichnung "Wien" nie getragen (siehe Abb. Lainz).

    [Blockierte Grafik: http://666kb.com/i/azdps3gkes2p1looq.jpg]

    Die Verwendung dieser ungezähnten Rekozettel war kurz, denn durch die Eingemeindung der Vororte zu Wien und damit der Entstehung der Bezirke 11 bis 19 im Jahr 1891 machte es die nunmehr stark gestiegene Zahl der zu Wien gehörenden Postämter erforderlich, diese durchzunummerieren. Mit 10.01.1892 wurden alle Wiener Postämter umbenannt und mit Postamtsnummern versehen, was zur Schaffung einer neuen Rekozetteltype mit völlig anderem Aussehen geführt hat.

    [Blockierte Grafik: http://666kb.com/i/azdpstnzx8oru7sca.jpg]

    Neben dem größeren Format (Kästchengröße 4,5 x 1,8 cm statt bisher 4 x 1,5 cm) und dem dickeren Außenrahmen und "R" fällt bei dieser Type insbesondere auf der rechten Seite senkrechtstehend die Postbezirksbezeichnung auf. Diese besteht aus Stadtbezirk und Zustellrayon des jeweiligen Postamtes. Es ist bemerkenswert, dass alle Wiener Postämter, d.h. auch die Postmeisterämter, nunmehr, gezähnte Rekozettel erhielten. In den Kronländern war dies erst 1904 der Fall!

    [Blockierte Grafik: http://666kb.com/i/azdpulzxuz3gbxut6.jpg]

    Diese Wiener Type, die auch für die Feld- und Etappenpostämter des Ersten Weltkrieges (allerdings ohne Angabe des Postbezirkes) verwendet wurde, blieb in Wien bis 1938 unverändert im Einsatz.

    Fortsetzung folgt

  • Berni17
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    17. Februar
    • 12. Juni 2008 um 17:01
    • #6

    Keine Regel ohne Ausnahmen

    Auf einige Besonderheiten der Wiener Type soll nur hingewiesen, aber nicht im Detail eingegangen werden:

    [Blockierte Grafik: http://666kb.com/i/azgnhexaykemyqhi0.jpg] 


    [Blockierte Grafik: http://666kb.com/i/azgnis16eiwzknguw.jpg]

    Quelle: Die Briefmarke Nr. 3/2007, Autor: Mag. Wolfgang SCHUBERT

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