Hallo DKKW,
die Taxierung dieses Briefes ist eine interessante Fragestellung. Mir fallen noch folgende Aspekte ein, die eine Rolle gespielt haben könnten:
Das Landporto (Blankenese nach Altona) betrug zwar zu holsteinischen Zeiten 1 Schilling (= 3 Skilling), aber war das Ende 1853, also wieder in dänischer Hoheit, auch noch so?
Für Holstein galten noch bis Anfang 1854 die Postvereinstarife, d.h. bis Hamburg kann keine Gebühr fällig gewesen sein. Die 3 Sgr. Postvereinsgebühr deckten bis zur Postvereinsgrenze alles ab und müssten dem Aufgabeland zustehen, also Holstein bzw. Dänemark.
Altona war im Verhältnis zu Hamburg ohnehin ein Sonderfall. Denn es gibt diverse Briefe, bei denen zwischen Altona und Hamburg keine Gebühr anfiel. Demnach ist zu vermuten, dass das Thurn&Taxissche Postamt die Bestellung von und nach Altona übernahm. Das könnte die Erklärung dafür sein, dass es keinen Stempel aus Altona gibt, obwohl Altona das übergeordnete Postamt von Blankenese war.
Viele Grüße
nordlicht
Beiträge von Nordlicht
-
-
Hallo DKKW,
im Arge Handbuch ist der Bahnpoststempel "SLESV.P.SP.BUR. I." auch nur bis Dezember 1863 gelistet. Die Angabe ist ggf. sogar vom Klauke übernommen und ohnehin nicht richtig bzw. aktuell, was auch dein Brief beweist.
Ich denke nicht, dass die Briefe mit einem privaten Boten nach Cappeln befördert wurden. Denn es gab in Gelting eine Briefsammlungsstelle. Dann schickt niemand einen Boten in die nächste Stadt, wenn die Briefsammlung am Ort ist. Die Arge verwendet für solche Belege, die keinen entsprechenden Ortsvermerk tragen, die Bezeichnung "aus Inhalt".
Übrigens steht im Arge Handbuch "bisher kein Beleg bekannt". Das ist auch nicht mehr aktuell, aber jetzt gibt es immerhin drei bekannte Belege mehr.
Viele Grüße und ein frohes neues Jahr
nordlicht -
Hallo DKKW,
wenn man den Brief rein logisch betrachtet, kommt eigentlich nur eine Landpost in Frage:
Der Aufgabestempel kommt aus Altona und wenn Altona das übergeordnete Postamt war, kann der Brief nur aus Blankenese kommen. Blankenese hat bis 1853 als einzige Landpost rückseitig gestempelt. Das passt also auch. Also halte ich die unleserliche Nummer für eine "verstümmelte" 5.
Bordesholm verwendete seit 1850 nur einen Rechteckstempel "Bordesholm" und eingehende Briefe wurden zu der betreffenden Zeit (1852) üblicherweise nicht gestempelt.
Viele Grüße
nordlicht -
Auch wenn der Brief unvollständig ist, kann man das Gewicht nachvollziehen: es ist links oben mit "15" notiert.
Und ja, 15 Gramm ist schon ziemlich schwer, da der einfache Brief unter 6 wiegen musste
Bei der Verwendungszeit des Stempels "DANEMARCK / PAR HAMBOURG" bin ich sicher. Im Handbuch ist nur die frühste Verwendung richtig. Diese stammt übrigens auch von einem Brief aus Flensburg nach Bordeaux. -
Moin DKKW,
schön, so einen frühen Brief mit einem schleswig-holsteinischen Stempel zu sehen.
(Die "adligen" Stempel aus Altona von Ende des 18.Jahrhunderts zähle ich nicht dazu, da sie laut Sekundärliteratur taxisch sind.)
Zur Taxierung kann ich aushelfen:
Einfaches Porto bis Frankreich 9 Decimes, innerhalb Frankreichs 10 Decimes.
Für die 5.Gewichtsstufe war das 2,5-Fache zu bezahlen = 48 Decimes.
Viele Grüße
nordlicht
PS: Den Zweizeiler DANEMARCK / PAR HAMBOURG kann es 1854 nicht mehr gegeben haben, da er bereits 1852 durch den Rahmenstempel "DANEMARCK" abgelöst wurde. -
Moin DKKW,
schöner Brief, zu dessen Beschreibung ich noch eine kleine Korrektur habe:
Der L1-Stempel "Aus Dänemark" stammt nicht vom preußischen Oberpostamt in Hamburg, sondern vom preußischen Eisenbahnpostamt III. D.h. er wurde im Zug auf der Strecke Hamburg-Berlin abgeschlagen. Es gibt nur wenige Briefe aus Holstein mit diesem Stempel, weil diese Post in der Regel im Hamburg bearbeitet wurde, also im preußischen Oberpostamt den (schwarzen) Rahmenstempel "Aus Dänemark" erhielt. Vermutlich verblieb dein Brief im Postsack und dieser wurde geschlossen an die nächste Bahnpost weitergegeben.
Viele Grüße
nordlicht -
Hallo DKKW,
ein ganz toller Brief, Gratulation!
Für einen Wert- oder Geldbrief halte ich das Porto ("4") für zu gering und vermute eher, dass hier nur das bezahlte Porto notiert wurde: 4 Groschen 3 Pfennig. Das korrespondiert auch mit der roten "4" (in der Annahme, dass 3 Pfennig ein Bestellgeld war).
Viele Grüße
nordlicht -
Hallo DKKW,
m.E. berechnete sich das Porto wie folgt und passt genau:
Grundtaxe ......................... 6
Gewichtstaxe .... 4x70 = 280
Werttaxe ...........................16
Die Gewichtsgrundtaxe galt nur, wenn das Paket weniger als 1 Pfund wog, um eine Minimalgebühr festzusetzen.
Und wenn kein Wert angegeben wurde (den ich auf dem Brief auch nicht erkennen kann), wurde 1 Rigsdaler pro Pfund unterstellt. Damit lag der Brief in der Wertklasse 50-100 Rigsdaler, die mit 16 Skilling zu bezahlen war.Viele Grüße
nordlicht -
Hallo DKKW,
Altona wurde - im Gegensatz zum übrigen Holstein - wie Hamburg taxiert. Daher betrug das Porto 26 dänische Skilling bzw. 16 Sk.Sp.
Viele Grüße
nordlicht -
Moin DKKW,
im Poststempel-Handbuch von Meyer-Margreth ist beschrieben, dass der Stempel SUEDE für Post aus Schweden verwendet wurde. Norwegen war trotz Personalunion ein eigener Staat. Und die meiste Post aus Norwegen lief über Dänemark, d.h. es würde wenig Sinn machen, einen Herkunftsstempel "SUEDE" abzuschlagen (und ist auf Briefen aus Norwegen i.d.R. auch nicht zu beobachten).
Ja, 38 Decimes.
Viele Grüße
nordlicht -
Hallo DKKW,
der Brief könnte über Schweden gelaufen sein. Ein Indiz ist auch der Stempel "SUEDE" - es sei denn, dass dieser üblicherweise auch auf Briefen aus Norwegen zu finden ist.
Das Porto betrug 38 Decimes. Links oben steht häufig das Gewicht. "11" Gramm entspricht der 4.Gewichtsstufe, also 2-faches Porto. Einfaches Porto Hamburg-Bordeaux war 19 Decimes. Passt also!
Viele Grüße
nordlicht -
Moin Wolffi,
auch von mir Glückwunsch zu dem seltenen Stempel.
Anmerken möchte ich noch, dass in Høruphav ein dänisches Feldpostbüro eingerichtet gewesen sein soll. Dieses wurde am 29.6.1864 nach Assens verlegt, so dass dieses Datum auch das Ende der Poststelle markieren könnte. Es ist vielleicht nur der nicht geringen Aufgabe von Feldpostbriefen zu verdanken, dass überhaupt Stempelabschläge "230" aus der sehr kurzen Verwendungszeit erhalten geblieben sind.
In einer Auktionsbeschreibung (Köhler) zu einem dieser Stempel stand, dass kein Ganzstück bekannt ist, sondern nur lose Marken.
Viele Grüße
nordlicht -
Moin DKKW,
im Postvertrag zwischen Großbritannien und Preußen von 1852 sind die Gebühren geregelt - bis zur Grenze des Postvereins in Hamburg. Für die Reststrecke galt der Postvertrag zwischen Preußen und Dänemark von 1854.
Viele Grüße
nordlicht -
Hallo DKKW,
nochmal zu den vorherigen Briefen aus England nach Dänemark:
Das Porto von 7 Sgr wurde zwischen Preußen und England geteilt, d.h. 3 1/2 für jeden. Davon wurde jeweils 1/2 an Belgien abgegeben.
Zu dem raren Brief nach Riga kann ich mangels Unterlagen kaum etwas beitragen. Zu der "45" rechts oben vermute ich, dass es die in Dänemark bezahlten dänischen Skillinge sind, die mit den, in Rötel notierten, umgerechnet "14 1/2" Schilling übereinstimmen.Viele Grüße
nordlicht -
Hallo DKKW,
die beiden Briefe geben eine schöne Seite für eine Ausstellung ab
Über diesen Empfänger habe ich überhaupt nichts gefunden - wobei ich aber nicht sicher bin, ob es wirklich "Bonese" oder vielleicht "Ronese" heißt.
Unzweifelhaft alles vom selben Absender geschrieben, also auch zur selben Geschäftskorrespondenz gehörig. Aus der Hüfte geschossen würde ich sagen, dass es mehr als 10 Briefe aus Elmshorn nach Harzburg gibt, und ich bin noch optimistisch, mehr darüber herauszufinden ...
Viele Grüße
nordlicht -
Hallo DKKW,
es sind alle notwendigen Informationen in deiner Beschreibung richtig vorhanden:
Auslandsanteil: 7 Sgr = 9 1/2 Schilling = 30 Skilling (wobei ich davon ausgehe , dass der belgische Anteil 1 Sgr. war)
Dänischer Anteil: 2 Sgr = 9 SkillingSchöne Briefe und einen Ort Nolde kannte ich noch nicht ...
Viele Grüße
nordlicht -
Hallo DKKW,
wie der Zufall will, kann ich eine Ganzsache nach Fünenshaff aus 1903 mit dem gleichen Stempel zeigen ...
Viele Grüße
nordlicht -
Zu den wunderschönen Briefen aus Elmshorn nach Harzburg habe ich vor einigen Jahren auch mal versucht, mehr herauszufinden. Und war sogar mit dem Stadtarchiv im Kontakt - leider ohne konkreten Erfolg.
Der Empfänger Tröll in Harzburg war (Amts)Maurer- sowie Steinhauermeister und stellte (auch oder vielleicht vor allem) Mühlsteine her. Letzteres ist eine plausible Verbindung nach Elmshorn, aber welchen Verschleiß an Mühlsteinen kann man haben, der eine rege Korrespondenz erfordert hätte ...
Briefe aus der Gegenrichtung sind auch nach meinen Recherchen nicht erhalten geblieben.Viele Grüße
nordlicht -
Hallo DKKW,
zu deinem Postvorschussbrief habe ich die entsprechenden Veröffentlichungen der Arge gelesen und keinen Hinweis auf weitere Gebühren gefunden. Auch andere Postvorschussbriefe zeigen nur die Brief- und Postvorschussgebühr.
Die noch aus dänischen Zeiten bekannten Gebühren für ein Formular, eine Einzahlungs-, Auszahlungs- oder Einlieferungsquittung machen zwar mehr Sinn bei Postanweisungen oder Einschreiben, aber ausschließen kann man sicherlich nicht, dass bei deinem Brief ein Einlieferungsbeleg ausgestellt wurde. Von der Höhe her würde das m.E. auch passen: 3/4 Schilling = 2 Skilling (wie in dänischen Zeiten).Ich hatte noch überlegt, ob dein Brief ein Paket sein könnte (Paketgebühr 2 Sch. + Briefgebühr 1 1/4 Sch. + Postvorschuss 1 1/4), aber dafür gibt es keinerlei Hinweise.
-
Hallo DKKW,
der Brief gefällt mir!
Die Portoberechnung macht mich noch stutzig. Ich hätte erwartet, dass die Gebühr sich aus Briefporto und Postvorschußgebühr zusammensetzt - so wie du es auch beschrieben hast. Aber da das Porto zusammen mit dem Postvorschuß beim Empfänger kassiert werden sollte und daher notiert ist, müssen wir davon ausgehen, dass der Absender tatsächlich 4 1/2 Schilling bezahlt hat. Das erklärt sich mir leider noch nicht ...
Viele Grüße
nordlicht