Feldpost aus dem Warschauer Aufstand 1944
Am Schluss waren alle zufrieden: der Käufer, der Einlieferer und der Auktionator. Dabei hatten Ulrich Felzmann, seit über 30 Jahren im Geschäft, die letzten Tage und Stunden vor der Versteigerung in Atem gehalten. Höchste staatliche Stellen aus Deutschland und Polen intervenierten bei ihm, um den Verkauf einer Briefmarkensammlung "in die richtigen Hände" sicherzustellen. Es ging um eine einzigartige Sammlung mit Briefmarken und Feldpost aus der Zeit der nationalen Erhebung in Polen im August 1944.
Nachdem die Geschichte von den polnischen Massenmedien - manchmal mit viel Emotionen - breit getreten worden war, erklärte der polnische Kultusminister Bogdan Zdrojewski in der Hauptnachrichtensendung des Fernsehsenders TVP 1, dass die Sammlung nach Polen gehöre und die notwendigen Geldmittel zum Kauf bereitstünden. Eine dreiköpfige Expertenkommission aus Polen begutachtete die 95 Albenblätter am Vortag bis 1.30 Uhr nachts und gab grünes Licht für den Erwerb.
In Würdigung der historischen Bedeutung des Objektes entschloss sich Felzmann, es gleich zu Beginn der Sammlungsauktion am 9. Februar auszurufen. Während die zahlreich angereiste Presse von der plötzlichen Änderung der Auktionsreihenfolge überrascht wurde, fand diese Geste die Anerkennung der polnischen Vertreter. Zum Ausrufpreis von 190 000 Euro erwarb das erst im Jahr 2004 eröffnete Museum zur Geschichte des Warschauer Aufstands die außergewöhnliche Sammlung. Zehn Minuten später verbreiteten alle Fernseh- und Radiosender in Polen die Nachricht vom Erfolg.
Die 120. Felzmann-Auktion vom 6. bis 9. Februar 2008 konnte mit weiteren hochkarätigen Zuschlägen aufwarten. Eine 16bändige Generalsammlung der Französischen Auslands-Postämter und Kolonien stieg beispielsweise von 28 000 auf 46 000 Euro. Ein Europa-Nachlass von Albanien bis Vatikan brachte mit 44 000 (bei einer Taxe von 10 000) Euro mehr als den vierfachen Ansatz. Die erste Münzauktion, für die es einen Sonderkatalog gab, erzielte insgesamt 360 000 (235 500) Euro.
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