Böblingen: Großtauschtag der Briefmarkengilde in der Kongresshalle
Sie hat fünf Pfennige gekostet und strahlt fast so schön wie das Original im Pariser Louvre: Die bundesdeutsche Briefmarke mit Leonardo da Vincis Mona Lisa aus dem Jahr 1952 ist heute schon für einen Euro zu haben. "Als Kapitalanlage sind Briefmarken nicht unbedingt interessant", sagt der Sindelfinger Wolfgang Krämer, Vorsitzender der Gilde Heinrich von Stephan, beim Großtauschtag in der Kongresshalle Böblingen.
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Knapp 150 Besucher hat Klaus Richter, zweiter Vorsitzender und Pressesprecher des 1957 gegründeten Vereins, gestern im Foyer des Europasaals gezählt: "Darunter waren erfreulicherweise einige Jugendliche und Eltern mit ihren Kindern."
68 Jahre im Schnitt
Die Briefmarkengilde Heinrich von Stephan, die am 24. November ihr 50-jähriges Jubiläum feiert, hat ganz große Nachwuchssorgen. Die Mitgliederzahl ist innerhalb von 20 Jahren von 150 auf rund hundert gefallen, der Altersdurchschnitt hat sich mittlerweile auf über 68 Jahre eingependelt. "Die Jugendlichen sammeln heute eher Klingeltöne fürs Handy oder Computerspiele", sagt der 64-jährige Wolfgang Krämer, der noch die Zeiten kennt, als Böblingens ehemaliger und inzwischen verstorbener Oberbürgermeister Wolfgang Brumme den Mitgliedsausweis mit der Nummer Eins hatte.
Vergangenheit sind die Zeiten, als Briefmarken eine Kapitalanlage waren. "Nur seltene Spitzenware in höchster Qualität hat ihren Wert behalten", sagt Wolfgang Krämer. Die postfrischen Marken, die Deutschland in riesigen Millionenauflagen vor der Umstellung auf den Euro herausgegeben hat, werden nicht einmal mehr zu ihren Nennwert gehandelt. Rolf De Lenardis, Vereinsmitglied und Händler in Herrenberg, hat damals Abertausende der Pfennig-Marken aufgekauft und in Gezacktes mit Cent-Wert umgetauscht: "Das war eine Riesen-Arbeit, die sich aber gelohnt hat."
Rolf De Lenardis handelt heute auch mit echt gelaufenen Briefen: "Es war der größte Fehler, die Marken früher auszuschneiden, abzulösen und ins Album zu stecken. Schöne Briefe mit ordentlichem Stempel haben heute noch Potenzial bei Spezialisten." Deswegen warnt Wolfgang Krämer davor, alles zu sammeln: "Es geht zwar um den Spaß an der Freude, aber es ist besser, eher in die Tiefe zu sammeln als breit gefächert Dutzende von Gebieten zu besetzen oder einfach aktuelle Postzeichen zu kaufen: "Es gibt immer mehr Briefmarken, aber immer weniger Sammler."
Die Sammelleidenschaft lässt Wolfgang Krämer trotzdem nicht los: "Für mich ist die Beschäftigung mit Briefmarken wie Yoga: es entspannt und hält den Geist wach." (Siehe Kommentar auf dieser Seite)
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