SANTO DOMINGO. Ansichtskarten aus dem Urlaub sind ein leidiges Thema, denn aus vielen fernen Ländern kommen sie nie an. Die Dominikanische Republik hat das Problem jetzt gelöst - mit Hilfe der ersten Briefmarken, die ähnlich wie Banknoten gesichert sind. Viele Jahre erreichten Urlauber-Grüße aus der „DomRep“ nie den Empfänger, weil ein verzweigtes Netzwerk aus Postlern und befreundeten Familien ein lukratives Freimarken-Recycling organisiert hatte. Die Marken wurden abgelöst, gebügelt, neu gummiert und dann wieder verkauft.
Welche Dimension dieses „Geschäft" hatte, lässt sich erahnen. Wenn jeder der jährlich 270 000 deutschen DomRep-Urlauber nur vier Karten mit Marken zu je 50 Cent schreibt, kassiert der Markenklau locker 540 000 Euro. Davon können 450 dominikanische Familien einigermaßen gut ein Jahr leben.
Nachdem sich die Karten-Misere unter den Urlaubern herumgesprochen hatte, taten sich in allen Urlaubsgebieten kleine Privatunternehmen auf, die gegen doppelte Gebühr die Karten einsammelten, per Luftfracht nach Holland schickten und da zur Post gaben. Das passte natürlich der dominikanischen Post nicht, die weiter an der Urlauberpost verdienen wollte. Inzwischen fand man eine Lösung. Die neuen Freimarken sind mit einem Strichcode versehen, wie er heute auf jeder Supermarktware die Laserkassen in Betrieb setzt. Außerdem sind die Marken mit einer achtteiligen fortlaufenden Nummer bedruckt. Jetzt finden die Stempelmaschinen auf Anhieb heraus, wo und wann eine Marke gekauft wurde und ob sie zuvor schon einmal auf einer anderen Karte klebte. Der Markenklau hat keine Chance mehr.
So viel Hightech lässt sich die Postverwaltung in der dominikanischen Hauptstadt Santo Domingo zwar gut bezahlen, aber die Karten kommen jetzt tatsächlich an - im Schnitt nach etwa drei Wochen, wenn der Absender meist selbst schon wieder daheim ist.
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