Manche alten Ansichtskarten beinhalten auch interessante Texte, sofern sie sich auch lesen lassen. Hier eine Karte aus Lille/Frankreich aus dem 1. Weltkrieg, geschrieben am 5.1.1915 nach Windischeschenbach in der Oberpfalz. Abgestempelt mit Feldpost-Stempel des Obercommandos der 6. Armee. Durch die Zensur wäre sie wohl nicht gekommen, denn sie beschreibt auch die schrecklichen Seiten dieses Krieges. Aber die Zensur kann auch nicht alles genau durchlesen, und vieles rutscht daher durch. Der Krieg dauerte noch bis November 1918, aus dem Wunsch des Absenders auf ein rasches Ende in absehbarer Zeit wurde leider nichts. Ob es sich bei diesem um einen Sanitäts-Soldaten (Unterschrift: Henner?) handelt oder um eine Krankenschwester, lässt sich aus dem Text der Karte nicht feststellen.
Hier ein Auszug aus dem Text:
„Ferdl ist jetzt auch eingerückt. Nun im neuen Jahr werden wir die Sache schon werfen. Langsam aber sicher. Daß wir bei dem Riesentempo am Anfang irgendwo auf einen toten Punkt kommen müssten war wohl klar. Aber auch dieser wird wohl in absehbarer Zeit überwunden werden. Mir geht es jetzt auf meinem neuen Posten erträglich. Ich bin jetzt auch noch auf der chirurgischen Abteilung eines Liller Festungslazarettes beschäftigt. Da sieht man erst so recht die Schrecken des Krieges. Auf dem Schlachtfeld sind die Wunden frisch, man sieht den Verletzten nur kurz. Aber hier, wo man die schrecklichen Verletzungen täglich beobachten kann, sieht man erst, welches Unheil dieser Krieg dem Einzelnen und dem ganzen Volke zufügt. Fast preist man diejenigen glücklich, welche auf dem Schlachtfeld einen raschen Soldatentod gefunden. Beste Grüße und auf baldiges Wiedersehen."
Gruß kartenhai