Großtausch der Briefmarkensammler im Falkenseer Becher-Kulturhaus
FALKENSEE Sie haben eine Zähnung. Schmal sind sie und federleicht. Unterschiedlichste Motive schmücken sie, und sie kommen aus der ganzen Welt. Die Rede ist von Briefmarken. In Koffern und Kisten wurden tausende Exemplare von ihnen am Sonntag zum Großtausch in das Falkenseer Kulturhaus "Johannes R. Becher" am Havelländer Weg getragen. Der Falkenseer Briefmarkensammlerverein 51 hatte eingeladen.
Rund 40 Männer meist reiferen Alters steckten angeregt ihre grauen Köpfe über ihren Sammelalben zusammen. Jeder suchte hier etwas Besonderes. Manche wurden fündig - sie können nun ihre persönlichen Sammlungen vervollständigen. Einer von ihnen heißt Gerhard Zehl.
Der 73-Jährige ist Schriftführer des Falkenseer Vereins. Die Liebe des Gerhard Zehl zu den Briefmarken entflammte, als er 13 Jahre alt war. "Das war nach dem Krieg, da gab es noch die Alliierten-Marken", erinnert er sich. Dann musste Zehl erst einmal 40 Jahre lang DDR-Briefmarken sammeln.
Heute interessiert er sich besonders für Marken aus Österreich und Deutschland: "postfrisch oder gestempelt". Entsprechende Abos hat er seit 1990.
Auf dem Großtauschtag am Sonntag versuchte er deshalb, Marken von vor 1990 zu ergattern. Fragt man ihn auch angesichts seiner DDR-Sammlung nach seiner wertvollsten Marke, gibt Zehl die einzige Antwort, die eines wahren Sammlers würdig ist: "Ich sammle nicht nach Wert der einzelnen Marke, mich interessiert gar nicht, was sie kostet!", ruft er fast empört aus. Und die DDR-Marken seien nur bis 1953 wertvoll, "alles was danach kam, nimmt an Wert ab". Festgelegt sei der Wert der einzelnen Marke jedoch in den Michel-Katalogen, die hier überall ausliegen. Diese in der "Szene" weit verbreiteten Briefmarkenkataloge gelten als Standardwerk unter den Philatelisten in Deutschland. Zehl betont, dass es sich bei den dort angegebenen Werten nicht um Verkaufs-, sondern um Tauschpreise handele.
Der Falkenseer Briefmarkensammlerverein 51 hat sein Gründungsdatum in den Namen genommen. "Damals waren wir 120 Mitglieder, heute sind wir nur noch 20", sagt der Schriftführer. Die einzige Frau sei vor kurzem verzogen. "Es fehlt außerdem an Nachwuchs", klagt er. Die Vereinsmitglieder treffen sich regelmäßig zum Tausch ihrer Marken, "aber auch mal zum Eisbeinessen mit den Familien", erzählt er.
Den zum vergangenen Wochenende einberaumten Großtauschtag nutzten auch Sammler aus Schönwalde, Werder, Berlin und Potsdam. So ein Tag ist wichtig für Vereine, sagt Zehl, denn: "Untereinander sind wir längst ausgetauscht."
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