Händlerpräsident Carl-Heinz Schulz im Interview
Carl-Heinz Schulz ist Briefmarken-Fachhändler in Düsseldorf und seit 1992 Präsident des APHV ("Bundesverband des Deutschen Briefmarkenhandels"). Der Experte nimmt Stellung zur aktuellen Situation in der deutschen Philatelie.
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APHV-Händlerpräsident Carl-Heinz Schulz im Interview: "Die Philatelie lebt - aber sie scheint mir zu still. Wir müssen mehr ins Bewusstsein der Menschen."
Herr Schulz, wie beurteilen Sie die deutschen Briefmarken-Neuheiten bezüglich der ausgewählten Themen und des Designs?
Carl-Heinz Schulz: Mir gefallen die aktuellen Briefmarken. Als Mitglied des Programmbeirats und des Kunstbeirats im Bundesfinanzministerium war ich an der Auswahl der Themen und der Motive beteiligt. Ich finde, dass die Neuheiten in den vergangenen Jahren "peppiger" geworden sind, trotzdem aber ein hohes grafisches Niveau haben. Das zeigt alljährlich der Wettbewerb "Wahl der schönsten Briefmarke": Die meisten der zur Wahl stehenden Postwertzeichen kommen für den Sieg in Frage. Und: Die deutschen Briefmarken schneiden auch bei den internationalen "Schönheitswettbewerben" gut ab. Bestes Beispiel ist die Ausgabe "Gartenreich Dessau-Wörlitz", die zur schönsten Briefmarke Europas des Jahres 2002 gewählt wurde.
Ich bin schon seit jeher ein Fan von Briefmarken, die mit gemeinsamem Thema oder sogar gleichem Motiv in zwei oder mehreren Ländern herausgegeben werden. Deshalb freut es mich, dass im Jahresplan 2006 drei dieser so genannten Gemeinschaftsausgaben vorgesehen sind. Zum Thema "Städtehanse" mit Schweden und zum 400. Geburtstag des Malers Rembrandt mit den Niederlanden. Darüber hinaus gibt es auch wieder eine neue Marke der spannenden Serie "EUROPA". Als Düsseldorfer ist es für mich natürlich außerdem etwas Besonderes, wenn ein Bauwerk aus dem Rheinland Thema eines Postwertzeichens ist, wie es 2007 mit "Schloss Moyland" der Fall sein wird.
Wie bewerten Sie aus Sicht des Briefmarken-Fachhandels die Kooperation mit der Deutschen Post?
Carl-Heinz Schulz: Ohne Zweifel: Das Engagement der Deutschen Post bringt positive Effekte für die Philatelie. Kein anderer Anbieter im Philatelie-Bereich ist in der Lage, so viele Menschen zu erreichen. Darunter vor allem Leute, die ihr Interesse für Briefmarken dadurch erst entdecken. Es ist mein Bestreben, den Briefmarken-Fachhandel in bestmöglicher Art in diese Werbemaßnahmen der Deutschen Post einzubinden. Hier hat es in der jüngsten Vergangenheit erfreuliche Entwicklungen gegeben. Schließlich haben die Deutsche Post, die organisierten Briefmarkensammler und der philatelistische Auktionatorenverband (BDB) ein gemeinsames Anliegen: die Förderung des großartigen Hobbys Philatelie.
Mitte März fand die Jahreshauptversammlung des Händlerverbandes APHV statt. Welche der dort getroffenen Entscheidungen sind besonders wichtig?
Carl-Heinz Schulz: Wie ich bereits seit längerer Zeit angekündigt habe, möchte ich die Präsidentschaft 2007 nach dann 15 Amtsjahren abgeben. Auf der Jahreshauptversammlung hat sich eine breite Mehrheit für eine Kandidatur von Michael Burzan ausgesprochen, der sich schon seit einiger Zeit im Vorstand des Verbands um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert. Zudem werden nächstes Jahr zwei lang gediente Vorstandsmitglieder und die Geschäftsführerin ausscheiden. Somit kommt es zu einer weiteren Verjüngung unserer Funktionsträger. Die Nachfolger bringen dem Fachhandel sicherlich neue Ideen und Impulse. Ich werde meine Erfahrung aus 27 Jahren Vorstandsarbeit ab 2007 in anderen Aufgabenfeldern der Philatelie einbringen, die noch zu klären sind.
Welche Briefmarken sind bei den Sammlerinnen und Sammlern derzeit besonders gefragt?
Carl-Heinz Schulz: Die meisten Sammler interessieren sich hierzulande für die Bundesrepublik. Das liegt sicherlich neben der grafischen Gestaltung auch daran, dass die Menschen sich den Themen der deutschen Postwertzeichen näher fühlen. Auch der Verzicht auf ein zu umfangreiches Ausgabeprogramm, wie es leider bei einigen europäischen Nachbarn üblich geworden ist, dürfte zur Beliebtheit der deutschen Briefmarken beitragen. Aber nicht nur die aktuellen Neuausgaben, auch ältere, abgeschlossene Gebiete haben ihre Liebhaber: So stehen Westberlin und DDR, aber auch speziellere wie Memel, Danzig, Saargebiet oder die Ausgaben der Besatzungszonen nach dem Zweiten Weltkrieg hoch im Kurs. Hinsichtlich des Wertes sind die Spitzenreiter unter den deutschen Sammelgebieten die Marken der ehemaligen deutschen Kolonien und Auslandspostämter.
Worin liegt die Qualität eines dem Händlerverband APHV angeschlossenen Fachgeschäfts?
Carl-Heinz Schulz: Die Mitglieder des APHV haben sich 2003 auf einen Ehrenkodex geeinigt, der sich in der Praxis bewährt hat. Unsere fast 600 Fachhändler bürgen für Seriosität und garantieren Spitzenqualität. Der Verband überprüft die Einhaltung. Dafür steht das traditionsreiche Markenzeichen des APHV als Qualitätssiegel. Bei nachgewiesenen Verfehlungen wird der Händler verwarnt und im äußersten Fall aus dem Verband ausgeschlossen. Der Kunde kann sicher sein: In einem Geschäft, der das APHV-Logo führt, bekommt er auf jedem Gebiet der Philatelie optimale Beratung.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Philatelie?
Carl-Heinz Schulz: Dass die Philatelie etwas lauter wird. Philatelie lebt - aber sie scheint mir zu still. Wir müssen mehr ins Bewusstsein der Menschen. Es gilt, nicht nur junge Sammler zu gewinnen, sondern auch Sammler im so genannten besten Alter - also ab 30 Jahre. Und das muss uns gelingen. Schließlich ist die Philatelie ein zeitloses Hobby, das allen Altersschichten etwas geben kann.
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Im Rhythmus von zwei Jahren findet die Internationale Briefmarkenmesse Philatelia und MünzExpo unter ideeller Trägerschaft des APHV in Köln statt. Briefmarkenfreunde sollten sich den 20. bis 22. September 2007 schon jetzt vormerken.
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