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Postgeschichtliches aus dem Rheinland

  • Michael D
  • 25. Februar 2010 um 21:02
  • Michael D
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    • 1. Mai 2010 um 15:38
    • #41

    Liebe Sammlerfreunde,

    anbei ein Brief aus dem Jahre 1810.
    Geschrieben in Mülheim, in Deuz (L1-Stempel seit 1808 bekannt) aufgegeben und nach Neuwied gelaufen.

    Deuz und Mülheim sind heute Kölner Stadtteile. Die kleine Karte unten zeigt die Verhältnisse zur damaligen Zeit.
    Die Stadt Köln lag damals ausschließlich linksrheinisch und gehörte 1810 zum französischen Kaiserreich.
    Deuz auf dem rechten Rheinufer war das bergische Grenzpostamt zu Köln und auch für Paketschlüsse z.b. nach Frankfurt (T&T).
    Mülheim war eine aufstrebende Stadt, ebenfalls auf dem rechten bergischen Rheinufer gelegen, die aus der Konkurrenzlage zu Köln Vorteile zog. So siedelten sich z.B. protestantische Kaufleute dort an, die sich im streng katholischen Köln nicht ansiedeln durften.

    Neuwied, ca. 10 km nordwestlich von Koblenz auf der rechten Rheinseite gelegen, war ehemals kurtrierer und wiedisches Gebiet. Im Rahmen der Gebietsveränderungen von 1803 fiel Neuwied an das neuformierte Herzogtum Nassau, einer der Rheinbundstaaten.

    In Nassau hatte noch Thurn & Taxis das Postregal inne.
    Grundlage für die Beziehungen zwischen Berg und Taxis war der provisorische Postvertrag von 1807.
    Der Brief lief von Deuz längs des Rheins über Beul (bergisches Grenzpostamt) und Linz (taxissches Grenzpostamt). Gemäß Vertrag musste der Brief bis Linz franco sein. Entsprechend dem Genraltableau der bergischen Post von 1809 kostete ein doppelt schwerer Brief ( 3/4 bis 1 Loth) von Deuz bis Linz 6 Stüber. Allerdings wurde ab 1810 in Centimes taxiert. Evtl. entsprechen 6 Stüber den notierten 9 Cent. (?)
    Die restliche Strecke mit der Taxis-Post scheint 15 Kr. (rechts oben) gekostet zu haben.

    Viele Grüße
    Michael

    Preußen und Transite

    2 Mal editiert, zuletzt von Michael D (1. Mai 2010 um 15:41)

  • bayern klassisch
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    • 1. Mai 2010 um 16:09
    • #42

    Lieber Michael,

    ich glaube, dass die Taxispost 9 Kr. für das fremde Porto erkannt hat und dazu 6 Kr. eigenes Porto ansetzte, so dass oben rechts die Summe von 15 Kr. für den Empfänger angeschrieben wurden.

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Michael D
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    • 1. Mai 2010 um 16:27
    • #43

    Lieber bayern klassisch,

    Du hast Recht mit deiner Deutung.
    Der vermeintliche Grenzfrankozwang war eine Fehlinterpretation des Vertragstextes (galt nur für bestimmte Destinationen).
    So sind alle Angaben auch schlüssiger, z.B. die fehlende Teilfrankoangabe.

    Den Brief habe ich gestern frisch hereinbekommen und schon einen Tag später (mit deiner Hilfe) eine vernünftige Beschreibung. Bei Belegen aus bergischer Zeit keine Selbstverständlichkeit. :)

    Viele Grüße
    Michael

    Preußen und Transite

  • Michael D
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    • 4. Mai 2010 um 20:16
    • #44

    Liebe Sammlerfreunde,

    auf besonderen Wunsch eines Einzelnen unterbreche ich hier die Chronologie und möchte einen Brief aus dem Jahre 1815 zeigen - frisch erworben bei Deider.

    Zum geschichtlichen Hintergrund.
    Am 12.April 1814 hatte Napoleon abgedankt und war anschließend auf Elba ins Exil gegangen. Die Alliierten besprachen auf dem Wiener Kongreß die Neuordnung oder besser Restauration Europas.
    Am 1. März 1815 kehrte Napoleon auf das französische Festland zurück. Anstatt ihn aufzuhalten, liefen die französischen Soldaten zu ihm über. Der französische König Ludwig floh am 19. März aus den Tuilerien.
    Hiervon aufgeschreckt erneuerten Russland, Österreich, Großbritannien und Preußen am 25. März ihre Allianz und beschlossen militärisch einzugreifen.
    Dies alles endete dann am 18. Juni 1815 bei Waterloo ...

    Postgeschichtlich sah es folgendermassen aus:
    Die linksrheinischen Gebiete waren nach dem Rückzug der Franzosen wieder von der Taxis-Post bedient worden, es war die sog. Überrhein-Zeit.
    Rechtsrheinisch, im ehemaligen Großherzogtum und nunmehrigen Generalgouvernement Berg etablierte sich zunächst auch die Taxis-Post. (Die Übergabe der rheinischen Gebiete an Preußen wurde gerade auf dem Wiener Kongreß beschlossen, Köln war z.B. ab dem 5. April 1815 preußisch).

    Der folgende Brief wurde mitten in diesen Wirren am 21. März 1815 in Königsberg fr(anco). Coelln nach Bordeaux aufgegeben.

    Mit Napoleons Rückkehr auf das Festland befürchteten die Alliierten (zu Recht) neue militärische Auseinandersetzungen. In diesem Zusammenhang wollte man die militärischen Vorbereitungen (Aufstellung der Heere etc.) geheim halten und Spionage erschweren. An allen Austauschpostämtern für Post in Richtung Frankreich wurden sofort Zensurstellen eingerichtet. So auch in Köln.
    Daher erhielt der hier gezeigte Brief rückseitig den Kontrollstempel Königl. Preuss. Armee Polizey (leider etwas undeutlich abgeschlagen).
    Ausserdem erhielt der Brief vorderseitig den nur 1815/16 bekannten Stempel COLOGNE. Anscheinend hier in der Funktion eines Grenzübergangsstempels an die Taxis-Post (im v.d. Linden und Feuser mit dieser Bedeutung nicht aufgeführt).

    Viele Grüße
    Michael

    Preußen und Transite

    Einmal editiert, zuletzt von Michael D (5. Mai 2010 um 09:34)

  • Michael D
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    • 13. Mai 2010 um 14:52
    • #45

    Hallo miteinander,

    nun ja, eine doch recht übersichtliche Resonanz zu diesem Thema ...

    Portobefreiung im Großherzogtum Berg
    Direkt mit Einrichtung der bergischen Post wurden Anstrengungen unternommen, die Portofreiheiten einzugrenzen. Anfangs waren nur die Briefe der Minister gebührenfrei. Es stellte sich aber bald heraus, dass dies die Dienstangelegenheiten behinderte und so wurden am 7.2.1808 den Dienstbriefen eine allgemeine Gebührenbefreiung erteilt.
    Schon ein Jahr später wurde diese aber wieder zum 1. Mai 1809 eingeschränkt. Nur die Minister und der Postadministrator hatten weiter unbeschränkte Portofreiheit. Alle weitere Dienstpost, die portofrei laufen sollte, musste unter einem Kreuzband und mit dem Präfektursiegel verschlossen versandt werden.
    Aus einer entsprechenden Anweisung:
    Sämmtliche öffentliche Beamten die in dem Falle sind, sich mit einem der herrn General Directoren der verschiedenen Verwaltungszweige in Düsseldorf oder mit irgend einer anderen Behörde daselbst in Correspondenz setzen zu müssen, mögen ihre Briefe und Depeschen an einen der Herrn Minister adressiren und auf einem Innern Umschlage den Namen derjenigen Behörde anzeigen, an die die Depesche gerichtet ist.
    ...
    Es müssen demnach sämmtliche an den Praefecten oder Unter Praefecten gerichtete Briefe und Paquete auf dem Kreuzbande von einem öffentlichen Beamten ContraSignirt ... werden.

    Diese Bestimmungen erklären, wieso es aus dieser Zeit in Berg so wenige entsprechend gestempelte Dienstbriefe gibt - im Unterschied z.B. zum Königreich Westfalen.

    Anbei ein vom Innenministerium in Düsseldorf an den Konsistorial Präsidenten Ritter Jacobi zu Cöln gerichteten Brief.
    Der 3/4 Loth schwere Brief war innerhalb des Bereichs der Bergischen Post portobefreit ( G. Duché de Berg. / Ministère de Lintèrieur ).
    Im französischen Köln erhielt er den Grenzeingangsstempel ALLEMAGNE PAR COLOGNE und wurde dem Empfänger portopflichtig nach Aachen (handschriftlich aix, ebenfalls im damaligen Frankreich liegend) nachgesandt.
    Die Taxe von 12 Dec. erschließt sich mir allerdings nicht. :(

    Der Empfänger Georg Arnold Jacobi war Bergischer Rat und insbesondere für die städtische Entwicklung zuständig. Sein Vater war der bekannte Philosoph und Schriftsteller Friedrich Heinrich Jacobi (Pempelforter Kreis).

    Viele Grüße
    Michael

    Preußen und Transite

    2 Mal editiert, zuletzt von Michael D (13. Mai 2010 um 15:07)

  • bayern klassisch
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    • 13. Mai 2010 um 15:41
    • #46

    Lieber Michael,

    lese ich da links oben noch "11 Stuiver"?

    Zu den Taxen kann ich leider nichts sagen. :(

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Michael D
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    • 13. Mai 2010 um 15:44
    • #47

    Lieber bayern klassisch,

    ich habe das als 11 g(ramm) identifiziert.

    Viele Grüße
    Michael

    Preußen und Transite

  • bayern klassisch
    Gast
    • 13. Mai 2010 um 16:17
    • #48

    Lieber Michael,

    wurde dort in Kölnischen Lothgewichten gerechnet?

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Michael D
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    • 13. Mai 2010 um 18:33
    • #49

    Lieber bayern klassisch,

    Köln gehörte seit 1797 zu Frankreich und hatte die Bestimmungen incl. Gewichtsberechnungen der französischen Post vollständig übernommen.
    Dort wurde in Gramm gerechnet und gewogen.

    Viele Grüße
    Michael

    Preußen und Transite

  • bayern klassisch
    Gast
    • 13. Mai 2010 um 19:12
    • #50

    Lieber Michael,

    danke für die Info - dann streichen wir das mit den 11 Stuivern.

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Michael D
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    • 23. Mai 2010 um 11:49
    • #51

    Liebe Sammlerfreunde,

    der folgende Brief stammt vom 3. Juni 1810 und lief von Elberfeld nach Düsseldorf an Monsieur Masson, den Generalsekretär Seiner Exzellenz, des Grafen de Beugnot, Finanzminister.
    Dieser hohe kaiserliche Beamte Beugnot spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte des Großherzogtums Berg, da er sozusagen der französische Stellvertreter vor Ort war.

    Der Brief ist freigemacht, rückseitig sind mit Rötel 2 Stüber notiert.

    Im Rahmen der Neuorganisation der Post wurden für die 32 neuen Postämter (=Directions) auch neue Stempel angeschafft, u.a. 32 Stempel P.P.
    Diese Frankierstempel (P.P. = Porto Payé) waren die Franko laufenden Belegen vorbehalten.
    Auf diesem Brief sieht man nun einen Stempel, wie man ihn eigentlich nur von französischen Ämtern kennt. Die beiden P-Buchstaben rahmen die Rayon-Angaben ein:
    P. R. 2. P.
    ELBERFELD

    Dieser Stempel ist bisher nur für die Jahre 1809/1810 belegt und es scheint das einzige bergische Postamt zu sein, dass diese Type einsetzte.
    Man kennt einen solchen Stempel z.B. auch von Dülmen (erst ab 1813, Gouvernement-Zeit) oder von Düren (ab 1800), Coblenz (ab 1800), Köln (ab 1800) und Bonn (ab 1801). Die letzten Orte gehörten zu dieser Zeit alle zu Frankreich.
    Coesfeld erhielt 1811 ebenfalls einen solchen Stempel, nach dem Übergang von der bergischen zur französischen Post.
    Die Liste der Orte ist nicht vollständig.

    Viele Grüße
    Michael

    Tippfehler, was sonst ...

    Preußen und Transite

    Einmal editiert, zuletzt von Michael D (24. Mai 2010 um 14:17)

  • Michael D
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    • 24. Juni 2010 um 18:59
    • #52

    Liebe Sammlerfreunde,

    hier ein Brief vom 1.10.1810, franko aufgegeben in Schwelm, Department Ruhr des Großherzogtums Berg, lief er nach Harkotten, Department Ems, ebenfalls zu Berg gehörig.

    Schwelm gehörte ursprünglich in die preußische Grafschaft Mark und fiel 1806 zunächst an Frankreich, bevor es im Tilsiter Frieden Berg zugesprochen wurde.

    Harkotten, die Residenzstadt der Münsteraner Fürstbischöfe. Im Vertrag von 1802 war als Entschädigung für die linksrheinischen - bis dahin preußischen, nun französischen - Besitzungen das Hochstift Münster an Preußen gefallen. Aber ebenfalls schon 1806 besetzte Frankreich dieses Gebiet und übertrug es ebenfalls 1808 an Berg.

    Der Aufgabestempel SCHWELM war von der bergischen Post eingeführt worden und ist seit 1808 belegt.
    Absender war eine Barmer Firma, die ihre Gründungsanzeige an Interessenten verschickte.

    Viele Grüße
    Michael

    Preußen und Transite

    Einmal editiert, zuletzt von Michael D (25. Juni 2010 um 08:35)

  • bayern klassisch
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    • 24. Juni 2010 um 19:20
    • #53

    Lieber Michael,

    danke für das Zeigen dieser hochinteressanten Briefe, deren innere Werte erst duch dein fachkundige Beschreibungen zum Leben erweckt werden. :)

    Eine Frage zu den Gebühren/Taxen habe ich aber noch: Ich kenne leider keine Primärquelle, anhand deren ich die dort gültigen Gebühren, Gewichte und Usancen nachvollziehen könnte.

    Auch bei diesem Frankobrief habe ich Probleme am Beleg nachzuvollziehen, was der Absender (und evtl. der Empfänger) bezahlt hatte bzw. hätte zahlen müssen.

    Liebe Grüsse von bayern klassisch, der hofft, dass noch viele weitere Briefe von dir gezeigt werden ... :)

  • Michael D
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    • 24. Juni 2010 um 20:49
    • #54

    Lieber bayern klassisch,

    danke für die Worte. :)


    Grundlage der bergischen Gebühren war das Tableau du Tarif général de la Poste aux lettres dans le Grand-Duché de Berg vom 25.2.1809.

    Ein einfacher Brief durfte bis zu 3/4 Loth wiegen, bis zu 1 Loth galt dann die 1,5-fache Taxe, bis 1 1/2 Loth die 2-fache Taxe usw.
    Man erkennt das französische Vorbild.

    Das Tableau gibt die Gebühren in Stüber an, da erst ab 1810 die französische Währung eingeführt wurde - während weiterhin in Loth gewogen wurde.
    In dem Tableau sind in einer Art Kreuztabelle alle relevanten Postämter aufgeführt und an den Schnittstellen liest man die Taxe ab.
    Für Schwelm - Münster sind dies 8 (Stüber).
    Da der Brief 1810 lief, wurde er vermutlich schon in Centimes taxiert, aber ich bin mir nicht sicher, wie ich das rote Gekritzel lesen soll ...
    Der Brief wurde nicht aus Kostengründen in Schwelm aufgegeben, laut Tableau hätte er von Barmen aus ebenfalls 8 Stüber gekostet.

    Schön wäre halt, mehr Briefe aus der Zeit 1809-13 zu sehen, um die Taxierungen (und ihre Übereinstimmung bzw. Abweichung) mit dem Tableau vergleichen zu können.


    Viele Grüße
    Michael

    PS: ein paar Briefe habe ich noch ...

    Preußen und Transite

  • bayern klassisch
    Gast
    • 25. Juni 2010 um 05:22
    • #55

    Lieber Michael,

    das ist sehr interessant - danke für die Informationen.

    Gerade bei diesem Brief war mir nicht klar, was überhaupt bezahlt wurde. Man soll zwar nie vom Brief auf die Gegebenheiten schließen, aber bei diesem Sammelgebiet wäre es sicher hin und wieder ratsam, es doch so zu tun, vor allem, wenn nichts zu passen scheint.

    Dann freue ich mich mal auf die weiteren Briefe und werde versuchen, sie mit der Info zu interpretieren.

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Michael D
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    • 25. Juni 2010 um 08:42
    • #56
    Zitat

    Original von bayern klassisch
    ...
    Man soll zwar nie vom Brief auf die Gegebenheiten schließen, aber bei diesem Sammelgebiet wäre es sicher hin und wieder ratsam, es doch so zu tun, vor allem, wenn nichts zu passen scheint.
    ...

    Lieber bayern klassisch,

    mangels hinreichenden Primärquellen und sehr dynamischen Zeitgeschehens sollte man diese Vorgehensweise hier nicht links liegenlassen - trotz bekannter Problematik.
    Bei den sich rasant ändernden Verhältnissen in diesen Jahren überholte die Realität oftmals die Verordnungslage, beispielsweise hinsichtlich der Grenzpostämter ...

    Interessant bei obigem Brief ist außerdem noch die Verwendung des Port Payé -Stempels auf einem Inlandsbrief.

    Viele Grüße
    Michael

    Preußen und Transite

  • bayern klassisch
    Gast
    • 25. Juni 2010 um 11:03
    • #57

    Lieber Michael,

    Zitat

    Interessant bei obigem Brief ist außerdem noch die Verwendung des Port Payé -Stempels auf einem Inlandsbrief.

    das haben wir den Franzosen zu verdanken, denn ich der franz. Zeit der Pfalz war das auch gang und gäbe (Vorschrift) und wurde dort, im Gegensatz zu Preußen, noch bis in die 30er Jahre aus Routine weiter geführt.

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Michael D
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    • 17. Juli 2010 um 11:38
    • #58

    Liebe Sammlerfreunde,

    anbei ein Brief von Köln nach Jülich aus dem Jahr 1800.
    Beide Orte sind linksrheinisch gehörten damals zu Frankreich, Department la Roer (103).
    Jülich, ehemals T&T-Reichspost im Herzogtum Jülich, wurde 1794 von den Franzosen besetzt und 1797 in das französische Reich eingegliedert.

    Der rote Zweizeiler 103 / COLOGNE ist ab dem Jahr 1799 bis 1812 bekannt und wurde in rot und schwarz verwendet.
    Für diesen Brief, der innerhalb eines Departments lief, waren 4 Dec. zu zahlen.
    Am Inhalt erkennt man, dass es ein Dienstschreiben der Verwaltung für den Unterhalt der französischen Armee war - trotzdem nicht portobefreit.
    Im Briefkopf steht das Datum nach dem französischen Revolutionskalender.

    Viele Grüße
    Michael

    Preußen und Transite

  • Michael D
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    • 28. Juli 2010 um 19:04
    • #59

    Liebe Sammlerfreunde,

    dank @bk kann ich heute 2 sehr ähnliche, im Detail dann aber doch verschiedene Briefe vorstellen.
    Beide wurden in Barmen geschrieben und im benachbarten Elberfeld (jeweils bergischer L1-Stempel, unterschiedliche Typen) zur Post gegeben. Beide liefen als vermutlich 1-fach schwere Briefe fco Frankfurth nach Kempten in Bayern.

    Der 1.Brief wurde 1812 geschrieben, der 2. im August 1813, nur wenige Monate vor dem Ende der bergischen Post (25.11.1813 in Elberfeld).

    Beide weisen mit Rötelstift die Taxe 2 (Batzen ?) auf, vermutlich den bezahlten bergischen Anteil bis Frankfurt.
    Ab Frankfurt übernahm Taxis den weiteren Transport bis Bayern, vermutlich Augsburg.

    Nun kommen die Unterschiede:
    Der 1.Brief von 1812 weist den Bruch 8 / 10 und die Summe 18 (Kreuzer) aus. Möglicherweise waren die 8 Kr. für Taxis und 10 Kr. für Bayern. Der Empfänger hatte jedenfalls 18 Kr. zu bezahlen.

    Der 2. Brief von 1813 weist den Bruch 10 / 10 und die Summe von 20 Kr. auf. Es sieht so aus, dass Taxis hier 2 Kr. mehr als im vorigen Beispiel kassierte. (Allerdings findet sich rückseitig ebenfalls eine 8 notiert ...)

    Über Interpretationen oder Gedanken zu den beiden Briefen würde ich mich freuen.

    1. Zusatzbemerkung:
    Die bergische Wirtschaft litt unter den hohen französischen Zöllen, der Kontinentelsperre und den Kriegswirren. Ein Großteil der Absatzmärkte war so nicht zugänglich, es blieben nur Verbindungen ins benachbarte Westfalen, nach Baden, Franken und eben Bayern. Dies spiegelt sich auch in den verfügbaren postgeschichtlichen Belegen dieser Zeit.

    2. Zusatzbemerkung (zu dem 2.Brief):
    Er stammt von der Firma Engels & Söhne. Der Inhaber / Schreiber war Johann Caspar Engels, der Großvater des bekannten Friedrich Engels.
    Dessen Großvater war selber noch Garnbleicher gewesen. Binnen zweier Generationen bauten sie ein bedeutendes Unternehmen auf und begründeten die mechanische Spitzenfabrikation in Barmen.
    Johann Caspar Engels war Anfang des 19. Jahrhunderts ein angesehner Manufakturbesitzer und Textilgroßhändler (u.a. Seidenhandel mit Italien).
    Sein Sohn Friedrich Engels (Vater) gründete später zusammen mit Engländern die Firma Ermen & Engels. In deren Niederlassung in Manchester erlebte wiederum der Sohn Friedrich die unsäglichen Begleitumustände der englischen Industrialisierung mit Ausbeutung, Kinderarbeit, etc. die dann zu seiner politischen Tätigkeit führten.

    Viele Grüße
    Michael

    Preußen und Transite

    Einmal editiert, zuletzt von Michael D (3. September 2010 um 15:13)

  • bayern klassisch
    Gast
    • 28. Juli 2010 um 19:26
    • #60

    Lieber Michael,

    in welche Sammlung passte der Brief besser als in die Deine? :)

    Der 1. Brief, auch sehr schön, wurde mit 2 Batzen = 8 Kr. taxiert, daher kommen wir zu dem Bruch 8 / 10 = 18 Kreuzer.

    Der 2. Brief wurde mit 2 - = 2 1/2 Batzen taxiert. Daher wurden diese in 10 Kr. / 10 Kr. reduziert.

    Was du nicht erwähnt und sicherlich nur vergessen hast ist die Tatsache, dass er durch das Großherzogtum Würzburg lief, welches ja von Taxis bedient wurde und welches erst im Sommer 1814 zu Bayern kam. Daher auch die recht hohe Portoforderung von Taxis, weil später von Frankfurt nach der bayer. Grenze bei Aschaffenburg nur 4 Kr. angesetzt wurden.

    Bayern erhielt jedes mal 10 Kr. für seine Leitung nach Kempten, wobei es leicht unterschiedliche Instradierungen geben konnte (bis 30 Meilen).

    Briefe aus dem Großherzogtum Berg über Taxis und das Großherzogtum Würzburg nach Bayern dürften, trotz damliger Handelsbeschränkung mit anderen Staaten, zu den Interessantesten gehören, die man kennt.

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    2 Mal editiert, zuletzt von bayern klassisch (28. Juli 2010 um 19:28)

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