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Postgeschichtliches aus dem Rheinland

  • Michael D
  • 25. Februar 2010 um 21:02
  • Michael D
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    • 17. März 2010 um 18:38
    • #21

    Hallo Ulf,

    ein schöner Brief mit einem sauberen Stempelabschlag.
    Die Tarife hat @bayern klassisch ja schon aufgeschlüsselt.

    @alle,

    Die Stempelung preußischer Korrespondenz erlebte zu Beginn des 19. Jahrhunderts binnen weniger Jahre einige drastische Änderungen:

    Der von Ulf gezeigte Stempel PAR WESEL hatte nur eine Verwendungszeit bis 1804.
    In Vorbereitung seiner weiteren politischen/militärischen Aktionen beanspruchte Napoleon Wesel ab 1805 für Frankreich - als rechtsrheinischen Brückenkopf ! - übergab es dann zeitweilig an das neugebildete Großherzogtum Berg, bevor er es im Januar 1808 in das französische Kaiserreich eingliederte.
    Jedenfalls fiel Wesel als preußisches Grenzpostamt weg und wurde ab 1806 durch Lünen ersetzt. Als Stempel kam nun der L2 PRUSSE PAR MAASEYCK zum Einsatz.
    Als Leitweg kam neben Wesel (Transit durch Berg) auch Neuss in Frage.

    Ab 1808 kam wieder ein neuer Stempel zum Einsatz: PRUSSE PAR NEUSS
    Französischerseits wurde die Verbindung Wesel-Maaseyck für preußische Korrespondenz durch Düsseldorf-Neuss ersetzt.
    Lünen war mittlerweile auch "bergisch" geworden, so dass ein Berliner Brief nun folgenden Weg vor sich hatte:
    Berlin (Preußen) - Magdeburg (Königreich Westfalen) - Lünen (Großherzogtum Berg) - Neuss (Frankreich)

    Folgend ein Brief vom 3. März 1804 aus Danzig nach Bordeaux.
    Er ist schon mit dem L2 PRUSSE PAR MAASEYCK versehen und lief über Wesel. Preußischerseits ist er frey, für die französische Strecke sind wieder die bekannten 17 Dec. notiert.

    Viele Grüße
    Michael

    Preußen und Transite

    2 Mal editiert, zuletzt von Michael D (17. März 2010 um 18:43)

  • Michael D
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    • 20. März 2010 um 13:38
    • #22

    Liebe Sammlerfreunde,

    um die Besonderheit des folgenden Briefes einschätzen zu können, ein kleiner geschichtlicher Rückblick:

    Im rheinisch/westfälischen Raum war im 16. Jahrhundert durch geschickte Heiratspolitik ein großer und reicher Territorialkomplex der Herzöge von Kleve-Mark und Jülich-Berg-Ravensberg entstanden, der sich vom Niederrhein bis zur Weser erstreckte.
    Als 1609 die männliche Linie der Herzöge ausstarb, gab es vielfältige Interessenten, die Ansprüche auf die Gebiete erhoben. Neben den Habsburgern waren dies hauptsächlich Sachsen, Brandenburg und Pfalz-Neuburg. Aber auch die anderen benachbarten Mächte hielten diese Gebiete im Auge, da ihre strategische Lage und ihr wirtschaftlicher
    Reichtum bedeutende Faktoren bildeten.
    So entbrannte der sogenannte Jülich-Klevische Erbstreit, der wenige Jahre vor dem Ausbruch des 30jährigen Krieges beinahe selbst Auslöser für größere kriegerische Aktionen wurde. In dieser Situation fanden sich Kurbrandenburg (Hohenzollern) und Pfalz-Neuburg (eine Wittelsbacher Linie) als vornehmste Prätendenten zu schneller gemeinsamer Aktion bereit. Knappe 2 Wochen nach dem Erbfall nahmen sie die strittigen Gebiete handstreichartig in Besitz. Sie vereinbarten anschließend, die zwischen ihnen aufgeteilten Gebiete Kleve-Mark (zu Brandenburg) und Jülich-Berg-Ravensberg (zu Pfalz-Neuburg) gemeinsam zu verwalten.

    Preußen kämpfte bis ins 18. Jahrhundert hinein darum, seine Besitzansprüche in Jülich-Berg zu sichern.

    Die wittelsbacher Linie Pfalz-Neuburg regierten ihre neuen Länder von der Residenzstadt Düsseldorf aus. Einer der Kurfürsten, Jan wilhelm II.(1679-1716) ist bis heute noch den Düsseldorfern als Jan Wellem in Erinnerung. Nachdem sie nach dem Erwerb der Kurpfalz (1685) auch noch die bayerischen Wittelsbacher beerben konnten (1777), entstand so der große Länderverbund Kurpfalz-Bayern, aus dem 1808 das Königreich Bayern hervorging.

    Kurz zur Stadt Weinheim: Sie lag in der Kurpfalz und war auch kurzzeitig Sitz des Hofes von Kurfürst Johann wilhelm. Im Rahmen der Neuordnung des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 (Festlegung der Gebietsabtretungen und Entschädigungen nach dem Frieden von Lunéville zwischen Frankreich und Österreich) wurde u.a. Weinheim an das neue
    Großherzogtum Baden übertragen.
    Noch kürzer zu Düsseldorf: Ende des 18. Jahrhunderts zu Kurpfalz gehörend, wurde die Stadt im Rahmen der Koalitionskriege französisch besetzt. 1801 (Frieden von Lunéville) gelangte sie wieder zurück an Kurpfalz. Ab dem 15. März 1806 gehörte sie dann zum Herzogtum Cleve und Berg des (französischen) Prinzen Joachim (Murat).

    So, Ende der langen Vorrede.
    Jetzt kann man aber verstehen, wieso der Oberst von Mylius, Regimentskommandeur eines Kurpfälzischen Füsilier-Regiments, aus Düsseldorf einen Militaria-Brief ins badische Weinheim an der Bergstraße schreiben kann. Düsseldorf war noch kurpfälzisch, Weinheim gerade eben nicht mehr.
    Der Brief wurde am 10. August 1804 geschrieben. Er zeigt die frühest bekannte Verwendung dieses Rayon-Stempels R I DUSSELDORF und lief ausschließlich in Gebieten der T&T-Post.
    Für die Kurpfälzer war er portfrei, im zu transitierenden Gebiet (Hessen) wohl nicht (wenn ich es richtig deute).

    Hoffentlich war das jetzt nicht zu langatmig ...

    NB: Ohne Napoleon wären Rheinländer und Bayern vielleicht eine längere Zeit unter der gleichen Herrschaft geblieben. Nicht auszudenken, was daraus hätte erwachsen können :D

    Viele Grüße
    Michael

    Preußen und Transite

  • peterhz
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    • 22. März 2010 um 09:48
    • #23

    Hallo Michael,

    schön und sehr informativ zu lesen.

    Wenn Du jetzt noch ein Beleg der alten Bergischen Hauptstadt Ratingen zeigst kriegst Du mich vom Monitor nicht wieder weg.

    schöne Grüsse

    Peter

    Ratingen hatte schon Stadtrechte da war Düsseldorf noch ein armseliges Dorf an der Düssel.

  • nitram
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    • 22. März 2010 um 10:36
    • #24
    Zitat

    Original von peterhz
    Ratingen hatte schon Stadtrechte da war Düsseldorf noch ein armseliges Dorf an der Düssel.


    Ja, Wahnsinn, nicht erst 1288, sondern schon 1276, immerhin also 12 Jahre vor Düsseldorf! ;)

    Viele Grüße von nitram

  • peterhz
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    • 22. März 2010 um 10:45
    • #25

    nitram

    Für echte Ratinger extrem wichtig. :jaok: :jaok: :jaok: :jaok:

    nur zu info, im web gefunden

    Am 5. Juni 1288 fand die Schlacht von Worringen statt, die mit einem Sieg über den Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg endete. Düsseldorf lag an der Westgrenze des Bergischen Territoriums, nur wenige Kilometer vom erzbischöflichen Neuss entfernt. Mutmaßlich aus strategischen Gründen verlieh Graf Adolf V. von Berg am 14. August 1288 dem Dorf an der Düssel die Stadtrechte. Das Original der Stadtgründungsurkunde ist im 19. Jahrhundert verloren gegangen, aber der Inhalt in mehreren Abschriften überliefert. Düsseldorf war bei seiner Stadterhebung kaum mehr als ein umwalltes Dorf. Die Länge des in der Gründungsurkunde genannten Stadtgrabens betrug knapp 800 m.Wie viele rheinische Städte dieser Zeit war das frühe Düsseldorf nicht stark befestigt. Das Stadtgebiet war mit 3,8 Hektar kaum größer als fünf Fußballfelder.Für das Jahr 1300 werden zwei Steinhäuser und 300 bis 400 Einwohner geschätzt.Die mit der Stadtgründung verliehenen Privilegien waren im Vergleich zu denen anderer Städte in der Umgebung ungünstig. Hinzu kam die Konkurrenz zahlreicher benachbarter und bedeutenderer Städte wie Duisburg, Kaiserswerth, Ratingen, Neuss und der europäischen Metropole Köln. Unter diesen Voraussetzungen war der jungen Stadt zunächst nur ein langsames Wachstum möglich. Eine erste Stadtmauer dürfte im 14. Jahrhundert entstanden sein. Zum Jahr 1322 wird erstmals ein Stadttor erwähnt.


    Peter

    der dieses Dorf nicht leiden kann X( X(

    2 Mal editiert, zuletzt von peterhz (22. März 2010 um 11:40)

  • Michael D
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    • 24. März 2010 um 21:09
    • #26

    Liebe Sammlerfreunde,

    am 15. März 1806 tauschte der bayerische König Maximilian I. Joseph sein Herzogtum Berg gegen das Fürstentum Ansbach ein.
    Im Gegenzug wurde aus den alten Herzogtümern Berg und Cleve sowie einigen benachbarten Gebieten (die Napoleon mißliebigen Fürsten abnahm) das neue Herzogtum Berg gebildet(12.7.1806). Dessen erster Regent war der Schwager Napoleons, Joachim Murat.
    Das etwas unförmige Gebilde (siehe Karte unten) hatte ein zerissenes Territorium und Murat drängte von Anbeginn auf eine Erweiterung. Sicherlich nicht zuletzt, weil er meinte, dass er einen größeren Staat verdient hätte. Es sollte ja auch nicht allzulange dauern, bis sich hier wieder einiges änderte.

    Im Territorium des neuen Staates übte die kaiserliche Reichspost der Fürsten von Thurn & Taxis das Postregal aus. Hoffnungen, dies zu behalten, zerschlugen sich aber schnell. Schon im Mai des Jahres kamen auf Napoleons Befehl französische Beamte, um die Reformierung und Übernahme der Post einzuleiten. Die Taxis- wie auch die betroffenen preußischen Postbeamten wurden in der Regel übernommen und auf den neuen Landesherren vereidigt.

    Aus dieser frühen Zeit stammt der folgende Brief.
    Barmen hatte am 15. Mai 1806 eine der Postdirektion Elberfeld unterstehende Post-Expedition erhalten.

    Von Barmen (noch handschriftlich angegeben) wurde der Brief am 13. Dezember 1806 an das Postamt Elberfeld geleitet (Rayon-Stempel R2 ELBERFELD, in der Zeit 1803-1813 bekannt) und lief von hier p(ar) Lingen und fr(anco) Münster (4 Stüber) in Richtung ostfriesisches Norden.
    Alle drei Orte waren auf preussischem Territorium. Über Lingen und Münster brachte 2x wöchentlich ein reitender brandenburgischer Posten die Post nach Ostfriesland.
    Eigentlich ....
    Denn mittlerweile hatten französische Truppen wieder den Rhein überschritten.
    Am 20. Oktober 1806 war Münster von Preußen geräumt und zwei Tage später von einer französischen Vorhut besetzt worden.
    Per Dekret vom 6. November wurde Ludwig Heinrich Loison Gouverneur der ehemals preußischen Provinzen Münster, Mark, Lingen, Tecklenburg sowie des Fürstentums Osnabrück.
    Ostfriesland war ebenfalls seit Oktober von holländischen Truppen besetzt und wurde schließlich am 30.1.1808 dem Königreich Holland einverleibt.

    Theoretisch lief der Brief von Berg nach Preußen, tatsächlich von Berg über französisch besetztes Preußen ins holländisch besetzte Preußen.
    Manchmal verwunderlich, dass in diesen Zeiten überhaupt Briefe ankamen...

    Viele Grüße
    Michael

    Preußen und Transite

    Einmal editiert, zuletzt von Michael D (25. März 2010 um 12:41)

  • bayern klassisch
    Gast
    • 24. März 2010 um 21:37
    • #27

    Lieber Michael,

    Brief und PO - Beitrag sind einfach Klasse. :) :) :)

    Danke fürs zeigen und beschreiben und liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Michael D
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    • 5. April 2010 um 12:36
    • #28

    Liebe Sammlerfreunde,

    nach der kleinen Osterpause möchte ich dieses Thema mit einem Brief aus dem Jahr 1809 fortsetzen.

    Joachim Murat war nicht mehr Herzog von Berg, sondern mittlerweile König von Neapel. Bei seinem Auszug aus Düsseldorf ließ Murat alles mitnehmen, was zu transportieren war. So wurden auch 150 Pferde aus den fürstlichen Stallungen und dem Duisburger Wildpferdegestüt über Tirol nach Neapel gebracht. Dies erregte nicht nur in der Öffentlichkeit Aufsehen, auch Napoleon war verärgert und schrieb ihm:
    "Wem dient es, für Firlefanz Habgier zu zeigen und im Land und in ganz Deutschland Anstoß zu erregen, wo die Sache bald ruchbar wird. Wenn Sie so großen Wert auf Ihre Gestüte legen, warum können Sie sich nicht 15 oder 20 Tage gedulden ? Dies ist unüberlegt und wirkt schlecht auf die öffentliche Meinung. Geben Sie Befehl, dass nichts weggeschafft und nicht das geringste Zeichen von Habgier gezeigt wird."
    Die anschließende Kassenüberprüfung ergab, dass die Pferde nur das i-Tüpfelchen waren, fast 2 Millionen Francs waren illegal in die Kasse des Fürsten geflossen. Um das französische Ansehen in Deutschland nicht weiter zu untergraben, wurde dieser Skandal diskret vertuscht.
    Die Finanzen des Großherzogtums waren allerdings dahin ...

    Napoleon hatte das Herzogtum dem 3-jährigen Prinzen Napoleon Luis übertragen und übernahm bis zu dessen Volljährigkeit selbst die Verwaltung Bergs.
    Um sich nicht selber in seiner eigenen Handlungsfähigkeit einzuschränken, wurden zwar die Verwaltungsreformen weiter vorangetrieben, aber eine Verfassung erhielt das Großherzogtum nicht mehr. Bis zu seinem Ende (1813) arbeitete man an Entwürfen. Das es auch anders ging, zeigte das benachbarte Königreich Westfalen, dass schon kurz nach seiner Gründung eine sehr moderne Verfassung bekam. Beide Staaten waren allerdings auch mit sehr unterschiedlichen Intentionen gegründet worden.
    Das Großherzogtum Berg bildete einen Pufferstaat zwischen Frankreich und Deutschland. Wie man auf der Karte im vorigen Beitrag sieht, zog sich das neue Staatsgebilde am rechten Rheinufer hin, so dass Frankreich und Preußen keine gemeinsame Grenze mehr hatten (zumindest kurzfristig).
    Bei dem Königreich Westfalen wollte man Deutschland zeigen, dass Frankreich bzw. Napoleon für einen modernen Staat standen. Leibeigenschaft, adlige Privilegien u.ä. wurden abgeschafft und eine Ständeversammlung eingerichtet (deren Einfluß allerdings nach kurzer Zeit schon denkbar gering blieb).

    Zur postalischen Seite:
    Die bergische Post wurde sehr schnell etabliert, weil Napoleon der Thurn & Taxis-Post nicht traute und ihr Konspiration mit dem Gegner unterstellte.
    Daher wurde sehr schnell mit Etablierung der Bergischen Post auch ein bergisches Oberpostamt in Hamburg eingerichtet (26.10.1806) und die Reichspost dazu gezwungen, alle durch Hamburg laufende Post nach Frankreich und der iberischen Halbinsel an die bergische Post zu übergeben.
    Dies führte zu erheblichen Einnahmezuwächsen auf Seiten der bergischen Post (zumindest für eine kurze Zeit ...)

    Der hier gezeigte Brief vom 20. November 1809 stammt vom Düsseldorfer Bürgermeisteramt, der neu eingerichteten Mairie nach französischem Vorbild, und ist an den Elberfelder Maire (Bürgermeister) Schleicher gerichtet. Rückseitig ist das napoleonische Trockensiegel zu sehen.
    In dem Schreiben wird der Elberfelder Maire um Amtshilfe gebeten bezüglich der Einwilligung der vor 2 Jahren nach Elberfeld gezogenen Eltern zur Hochzeit ihrer Tochter.
    Der verwendte Langstempel DUSSELDORF ist ab 1808 belegt (und auch mit grüner Stempelfarbe bekannt).
    Der nicht portofreie (!), über 3/4 Loth schwere Brief kostete 6 Stüber (2.Progressionsstufe). Grundlage bildet das Tableau du Tarif général de la Poste aux lettres dans le Grand-Duché de Berg vom 25. Februar 1809.
    Das Währungs- und Münzsystem wurde erst zum Jahreswechsel 1809/1810 auf das französische System umgestellt.

    Viele Grüße
    Michael

    Preußen und Transite

  • bayern klassisch
    Gast
    • 5. April 2010 um 12:50
    • #29

    Lieber Michael,

    ein feines Stück PO - Danke dafür. :)

    Interessant ist, dass man noch in Lothen rechnete und nicht in den modernen französischen Grammen. Aber die Ausstaffierung aller Poststellen mit neuen Gewichten war teuer und wurde vermieden, wo immer es nur ging.

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Michael D
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    • 6. April 2010 um 07:48
    • #30

    Lieber bayern klassisch,

    danke für die freundlichen Worte.

    Tatsächlich ist es inkonsequent, dass alte Gewichtssystem beizubehalten. Zumal zum 1. Januar 1810 das Währungssystem auf das französische System umgestellt wurde. Das wird auch nicht ganz kostenfrei gelaufen sein.
    An diesem Beispiel sieht man auch exemplarisch die französische Vorgehensweise während der Hzgt. Berg - Zeit: Es wurde viel geändert und modernisiert, aber der letzte Schritt fehlte oft.

    Viele Grüße
    Michael

    Preußen und Transite

  • Michael D
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    • 11. April 2010 um 17:34
    • #31

    Liebe Sammlerfreunde,

    die Bevölkerung im neu geschaffenen Großherzogtum Berg verband zunächst große Hoffnungen mit dem neuen Staat.
    Als Bewohner von Gebieten, die in großer Entfernung der Herrschersitze lagen, waren sie von ihren früheren Landesherren - sowohl den Pfälzern (Berg) als auch den Preußen (Mark) - nicht besonders geschützt worden. So litt insbesondere das bergische Gebiet z.B. unter den kriegerischen Auseinandersetzungen der Koalitionskriege in der Nachbarschaft. Nicht so sehr unter den Schlachten, als mehr unter den lagernden Heeren und den zu leistenden Kontributionen.
    In der Gründungsakte des Großherzogtum Bergs war festgelegt worden, dass dieses Gebiet nie Bestandteil des französischen Reiches sein dürfe. Mit dieser Festlegung war auch das Interesse der französischen Landesherren, Murat und folgend Napoeon, begrenzt. Trotz zunehmender wirtschaftlicher Probleme, verursacht durch französische Schutzzölle und die weiteren kriegerischen Auseinandersetzungen, kam Napoleon den neuen Untertanen in diesen Bereichen nicht wirklich entgegen. Auch ein mehrmonatiger Aufenthalt einer bergischen Bürgerdelegation in Paris mit mehrfachen Bittgesuchen änderte nichts an der Abschottung des französischen Staatsgebietes (das ja am Rhein begann !) gegenüber dem Nachbarn Berg.
    Diese wirtschaftlichen Probleme führten u.a. zu einer zunehmeden Arbeitslosigkeit und damit verbundenen Unruhen.

    Der folgende Brief aus dem Jahre 1808 ist von einem wandernden Arbeiter an seinen Bürgermeister in Solingen gerichtet.
    Er berichtet darin, von seiner Arbeitssuche in Elberfeld und das er bis nach Hagen gezogen ist. Dabei hofft er auf eine Verdienstmöglichkeit
    ... denn ich will arbeiten das mir das blut unter den nägeln von dannen kommt ...
    (wenn ich es richtig übersetzt habe)

    Der Brief wurde in Elberfeld aufgegeben und erhielt hier den 2-zeiligen Rayon-Stempel R.2. ELBERFELD und kostete 2 Stüber.
    Der Stempel ist ab 1802 bekannt und wurde bis in das Jahr 1815 verwendet.

    Privatbriefe aus dieser Zeit sind nur wenige erhalten.

    Viele Grüße
    Michael

    Preußen und Transite

    Einmal editiert, zuletzt von Michael D (12. April 2010 um 13:18)

  • Michael D
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    • 15. April 2010 um 17:01
    • #32

    Liebe Sammlerfreunde,

    die französischen Beamten modernisierten das Postwesen an vielen Stellen. Angefangen mit der Einteilung in Rayons, wodurch (theoretisch) die Gebührenberechnung stark vereinfacht wurde, über neue Zusatzleistungen (Recommandation wurde von der preußischen Post erst zum 1.8.1821 eingeführt und zwar in den Rheinprovinzen !), die neuen Stempel bis hin zu Verfahrensvereinfachungen.
    Diese für die Postkunden spürbaren Verbesserungen führten in der nachfranzösischen Zeit zu einem, besonders in den Rheinprovinzen spürbaren, Druck der Öffentlichkeit auf die preußische Post, diese Vorteile beizubehalten bzw. wieder einzuführen.

    Hier ein Formular zur Vereinfachung der Abrechnungen und Beschleunigung bei der Briefaufgabe. Von der Post als kreditwürdig eingestufte Kunden konnten hier ihre Porto-Ausgaben anschreiben lassen. Die zu entrichtenden Gebühren wurden auf diesen Monatszetteln notiert und 1x monatlich beglichen.
    Das Formular wurde zum Scannen zusammengelegt, für jeden Moantstag gibt es eine Zeile.

    Viele Grüße
    Michael

    Preußen und Transite

  • Michael D
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    • 26. April 2010 um 18:03
    • #33

    Liebe Sammlerfreunde,

    zu den im vorigen Beitrag angesprochenen Neuerungen, die durch die französischen Postbeamten in Berg eingeführt wurden, gehörte die Rekommandation, das Einschreibeverfahren.

    Anbei ein Chargé-Brief vom 28.12.1808 aus Düsseldorf - der Rayon-Stempel R I DUSSELDORF ist auf dem Scan leider nicht gut zu sehen - frey F(rank)furth ins bayerische Passau.
    Rückseitig sind 8 Stüber für den bergischen Teil incl. Chargé-Gebühr notiert.
    Die vorderseitigen Taxierungen identifiziere ich als 8 Kr. Transittaxe für Taxis und 18 Kr. bayerisches Porto, so dass die adelige Empfängerin insgesamt 26 Kr. zu zahlen hatte.
    Ich hoffe auf freundliche Mitleser bei einer evtl. Ergänzung oder Korrektur der Rötelvermerke.

    Viele Grüße
    Michael

    Preußen und Transite

    Einmal editiert, zuletzt von Michael D (26. April 2010 um 18:05)

  • bayern klassisch
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    • 26. April 2010 um 18:25
    • #34

    Lieber Michael,

    das ist ein seltener Brief, denn in dieser Zeit lief nicht viel Korrespondenz von Berg nach Bayern, schon gar nicht eingeschrieben. Glückwunsch. :)

    Ob du mit den 8 Stuivern richtig liegst, weiß ich nicht. Hinten gibt es 6 (?) und 17 bzw. 33 (?), die beide gestrichen wurden.

    Ohne die Verträge zu kennen (oder war man teils vertragslos, was es zu dieser Zeit ja auch oft genug gab, weil die Post der militärischen Entwicklung hinterher hinkte), wäre für mich eine Zuordnung der gezahlten Beträge ein Ratespiel.

    Die notierten 8x Auslag dürften das Transitporto durch das Großherzogtum Würzburg darstellen, zu denen sich 18 Kr. Porto für Bayern nach dem alten taxischen Generaltarif addierten, der ja erst zum 1.12.1810 von dem ersten bayer. Inlandstarif abgelöst wurde.

    Was vorne wie ein gestrichener Haken aussieht, der in Rötel über "zu" geschrieben wurde, war die Vergütung von 2 Batzen für Würzburg, die in Frankfurt notiert worden waren (weil die Taxis auch im Großherzogtum Würzburg die Post inne hatten).

    So, jetzt müssen Leute kommen, die sich in dieser Zeit besser auskennen als ich (Taxis - Spezialisten an die Front). ;)

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Michael D
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    • 26. April 2010 um 21:57
    • #35

    Lieber bayern klassisch,

    vielen Dank für die Interpretationshilfe.
    Das Würzburg separat taxiert wurde, hatte ich nicht bedacht. Interessant auch, dass dort noch in Batzen gerechnet wurde.
    Diese 2 Batzen sind gestrichen worden, wurden also in 8 Kr. verrechnet ? Bekam Taxis nichts für den hessischen Teil ?

    Die rückseitige Rötelnotierung (etwas schwach notiert) habe ich als 8 Stüber angesprochen, die gestrichenen 17 und 33 kann ich, wie auch die rote 6, nicht vernünftig zuordnen.

    Für Berg wurde erst 2 Monate später ein Generaltarif festgelegt, bis dahin müsste eigentlich der alte T&T-Tarif gelten, den ich aber nicht vorliegen habe.

    Interessant auch die Adresse. Wenn ich es richtig lese, handelte es sich um die verwitwete Reichsgräfin Christiane Louise von Ortemburg, geborene Rheingräfin von Salm.
    Das Fürstengeschlecht Salm zählte zu den Gründungsmitgliedern des Rheinbundes und ein Grafengeschlecht Ortenburg (nicht Ortemburg) saß in Passau.

    Vielleicht schaltet sich ja tatsächlich noch ein T&T-Kenner ein ...

    Viele Grüße
    Michael

    Preußen und Transite

    Einmal editiert, zuletzt von Michael D (27. April 2010 um 06:25)

  • bayern klassisch
    Gast
    • 27. April 2010 um 05:37
    • #36

    Lieber Michael,

    die Adresse lautet:

    Ihrer Erlaucht der verwittweten Reichsgräfin Christiane Louise von Ortemburg, gebohrene Rheingräfin von Salm zu Passau in Bayern.

    frey ffurth Chargée

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Michael D
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    • 27. April 2010 um 06:28
    • #37

    Lieber bayern klassisch,

    danke, ich habs korrigiert.
    Die Gräfin Christiane Louise selber scheint nicht groß in Erscheinung getreten zu sein, ihr Name ist im Internet nicht zu finden.

    Viele Grüße
    Michael

    Preußen und Transite

  • bayern klassisch
    Gast
    • 30. April 2010 um 16:08
    • #38

    Liebe Sammlerfreunde,

    den folgenden Brief aus Köln vom 27.6.1842 kann ich bezüglich seines Laufweges nicht sicher interpretieren und erbitte mir an dieser Stelle die Hilfe unserer geschätzten Preußen. :)

    Die Taxe von 5 Sgr. Köln - Saarbrücken ist klar - aber wie war der konkrete Laufweg? Die Siegelseite zeigt nur den Distributionsstempel von Saarbrücken.

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

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  • Michael D
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    • 30. April 2010 um 19:22
    • #39

    Lieber bayern klassisch,

    1842 - das ist ja fast schon preußische Moderne ;)

    Ich würde folgenden Leitweg vorschlagen:
    Köln - Koblenz - Trier - Saarbrücken

    Viele Grüße
    Michael

    Preußen und Transite

  • bayern klassisch
    Gast
    • 30. April 2010 um 19:39
    • #40

    Lieber Michael,

    ja, fast semi - klassisch. :D

    Danke für deine Hilfe und die schöne Karte. :)

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

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