Es war kurz vor dem Jahreswechsel 1989/90, als Charlotte B. den Brief ihres Enkels aus Vorpommern erhielt. Darin schilderte der junge Mann seiner Großmutter vom Tegernsee den Enthusiasmus über die spürbare Freiheit dieser Wendetage und die Situation im Nordosten Deutschlands. Sichtbar wurde dies auch an dem Briefumschlag, in dem das Schreiben die rund 900 Kilometer aus Greifswald an der Ostsee bis nach Kreuth im südlichen Bayern zurückgelegt hatte: „Greifswald 29.12.89“ lautete die Botschaft des Stempels auf den beiden DDR-Briefmarken. Eine der Marken war die im Jahr 1986 von der Deutschen Post der DDR herausgegebene Briefmarke „25 Jahre antifaschistischer Schutzwall“. Welch Ironie der postalischen Zeitgeschichte! Schließlich war der antifaschistische Schutzwall, wie die Mauer im offiziellen Sprachjargon der DDR-Diktatur hieß, seit dem 9. November 1989 gefallen.