Mit dem folgenden Brief mit einer Dienstmarke für die bayerischen Eisenbahnbehörden (lt. Michel-Katalog) möchte ich anregen, Dienstmarken (vor allem die Eisenbahndienstmarken) als eigenes Thema zu behandeln. Da mir weitere Belege und Kenntnisse abgehen, bitte ich die Spezialisten weitere Marken und Belege vorzustellen. Wir lernen doch immer gerne NEUES aus der Wunderwelt der Philatelie!
Der im Thema “Prinzregent Luitpold - Marken, Karten, Souvenirs“im Zeitungsartikel von BaD - -
erwähnte Pauschalbetrag geht sicherlich auf die Bekanntmachung vom 5.2.1907 im Verordnungs- und Anzeige-Blatt für die kgl. Bayerischen Verkehrs-Anstalten (VAB) zurück.
Es war beabsichtigt mit Wirkung vom 1.1.1908 an das bayrische Portofreiheitswesen neu zu regeln. Die Postgebühren für die Mehrzahl der künftig portopflichtigen, amtlichen Sendungen sollten nicht einzeln von den Absendern entrichtet, sondern im Form jährliche Bauschsummen von den beteiligten Staatsverwaltungen an die Postkasse vergütet werden (Portoablösung).
Vom 1.3. Bis 30.6.1907 wurden von den bayerischen Postanstalten eingehende Ermittlungen über den Umfang des künftig unter die Portoablösung fallenden amtlichen Postversands nach besonderen Anweisungen getroffen (z.B. war den öffentlichen Stellen, Organe und Behörden der Einwurf der Briefsendungen in Postkästen untersagt).
Im Michel-Katalog Altdeutschland (Bayern) steht unter Dienstmarken ein entsprechendes Vorwort. Was da nicht steht ist eine Erklärung für den durchgestrichenen Vermerk auf dem abgebildeten Brief.
In der Verordnung zur Aufhebung der Postportofreiheit steht die Aufklärung unter den Schlussbestimmungen: “Der Ablösung- (Aversional-) Stempel Nr. 1 darf ab 1.1.1908 nicht mehr angewendet werden; der etwaige Aufdruck auf vorhandenen Briefumschlägen ist zu durchstreichen”. Diese Verordnung ist sozusagen die Geburtsurkunde für die bayerischen Dienstmarken!
Nichtportofreie Sendungen sind also ab 1.1.1908 mittels Dienstmarke nach den allgemein gültigen Tarifen zu frankieren. Es wurden Dienstmarken zu 3, 5, 10, 20 und 50 Pf. ausgegeben (Freimarken Wappen mit Aufdruck E in karminrot (3, 5 und 20 Pf.) und grün (10 und 50 Pf.).
Anhang:
Briefumschlag “Von der Kgl. Eisenbahndirektion Würzburg” an “die Rhein- & See-Speditions-Gesellschaft in Frankfurt / Main” - links unten “D.S. Gesch,-Nr. ‘frei durch Ablösung Nr.” handschriftlich durchgestrichen. Gestempelt mit Einkreis Würzburg 2 am 18. Mai 1908. 10 Pf. Karmin mit Aufdruck E in grün. Aufbrauch des Dienstumschlages der Eisenbahnbetriebsdirektion Würzburg (unten Jahreszahl 1906!).
Luitpold