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Hamburg Vorphilabriefe

  • Bayern-Nils
  • 21. November 2008 um 19:27
  • VorphilaBayern
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    7. August 1955 (71)
    • 23. November 2008 um 06:52
    • #21

    Lieber Bayern-Nils,

    dem war leider nicht so.
    Die 11 mecklenburgische Schillinge (entsprachen 6 3/4 Silbergroschen) gingen gänzlich an Preußen, denn der preußische Postkurs Berlin - Hamburg ging durch Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz. Auch hatte Preußen in beiden Ländern eigene Postämter (Boizenberg und Lübtheen (M-Schwerin) und Mirow und Altstrelitz (M-Strelitz) und Preußen mußte beiden Ländern auf diesen Postkurs keinerlei Gebühren bezahlen.
    Das Verhältnis von 11 zu 24 Schillinge ist wie Sie richtig schreiben zu ungunsten von Thurn und Taxis.

    Beste Grüße,
    VorphilaBayern

  • solid611
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    129
    • 23. November 2008 um 16:25
    • #22

    Hallo an Alle,

    ein interessanter neuer Tread. Da kann ich auch mal was beitragen.

    VorphilaBayern
    An dem Brief von Paris nach Neustrelitz hat Preußen nur eine pauschale Transitgebühr von Taxis auf dem Weg nach Hamburg verdient, da er nur durch die französische, taxissche und mecklenburg-schweriner Post befördert wurde. Richtig ist, dass der Hamburg – Berliner Kurs durch Mecklenburg-Schwerin mit den beiden genannten preußischen Postorten lief, nicht jedoch durch M-Strelitz. Durch M-Strelitz lief aber der ebenso wichtige Stettin – Hamburger Kurs. Die preußischen Postämter in Mirow und Altstrelitz waren aber bereits am 31.3.1834 aufgehoben worden.
    Der Brief ist aus Paris kommend in Hamburg von Taxis mit 24 Hamburger Schilling taxiert worden. Frankreich erhielt 1818 -1844 für Briefpakete aus dem 3. französischen Rayon (Vertragsstempel C.F.3.R. = Correspondance Francaise du 3. Rayon) 22 Decimes für 30 Gramm Gewicht. Mich würde interessieren, ob der Brief vollständig und wenn ja, wie schwer er ist. Die einfache Taxe von Paris bis Hamburg betrug nämlich 12 Hamburger Schilling und es ist keine Gewichtsangabe zu erkennen. Das muss bei Taxis aber nichts heißen. Ich kenne einen Brief aus Le Havre (einfach auch 12 HSch bis Hamburg) von 1843, der ebenfalls mit 24 HSch ohne Gewichtsangabe taxiert wurde.
    Der Brief wurde dann von Taxis an das Mecklenburg-Schweriner Postamt übergeben, das für beide Mecklenburg die Brief- und Fahrpost nach und aus Hamburg abwickelte. Von Hamburg nach Neustrelitz kamen 6 Mecklenburger Schillinge Porto hinzu. So dass das Gesamtporto 24 HSch = 29 MSch (2½ HSch = 3 MSch) + 6 MSch = 35 MSch betrug.

    Nils
    Zu deinem ersten Brief von Hamburg nach Paris 1807 sind noch ein paar Fragen offen geblieben:
    Der Stempel „R. HAMBOURG“ ist der im Feuser unter 1349-9 gelistete Linienstempel des bergischen Postamtes. Es scheint nur so, als ob es ein Rahmenstempel ist. Viele der bergischen Linienstempel waren so geschnitten, dass bei starkem Farbauftrag und starkem Abschlag ein Teil des Stempelkörpers mit gedruckt wurde und so der Eindruck eines Rahmens entsteht.
    Du nimmst richtig an, dass es sich siegelseitig um den Pariser Ankuftsstempel handelt.

    Der Brief ist von der bergischen Post bis Paris befördert worden. Die Reitpost nach Frankreich übernahm das bergische Postamt in Hamburg bereits im Dezember 1806. Interessant ist, dass die gleiche Taxe wie zu Zeiten der Reichspost ab 1802 beibehalten wurde. Hamburg-Paris 12 Decimes einfach; hier über 6 Gramm + 1 Decimes = 13 Decimes. Die französische Progression war von 1802 - 1827:
    bis zu 6 Gramm exklusive__________einfach
    6 bis 8 Gramm exklusive___________+ 1 Decimes
    8 bis 10 Gramm inklusive___________1½ fach
    über 10 bis 15 Gramm exklusive_____2 fach
    15 bis 20 Gramm exklusive_________2½ fach etc. pro 5 Gramm mehr ½ fach Porto mehr

    Viele Grüße
    solid611

    Einmal editiert, zuletzt von solid611 (23. November 2008 um 20:38)

  • VorphilaBayern
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    • 23. November 2008 um 16:35
    • #23

    Hallo solid611,

    herzlichen Dank für Ihre umfangreiche und detaillierte Beschreibung des Briefes von Paris nach Neustrelitz.
    Der Brief ist aus gefaltenen Papier und geklebt (wie die jetzigen Briefumschläge) und leider ohne Inhalt.

    Beste Grüße,
    VorphilaBayern

  • Bayern-Nils
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    • 23. November 2008 um 18:10
    • #24

    Hallo solid611

    Besten Dank für die zwei Erklärungen.

    Das Briefpapier ist dick und der Brief ist klein und dick. Ich finde es wahrscheinlich dass die Linien um der Stempeltext stammt von die von dir angedeutete Verhältnisse.

    Nochmal Danke, es ist schön wenn die Experten so gut Antworten leisten.

    Viele Grüsse
    Nils

    NEH

  • solid611
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    • 24. November 2008 um 00:04
    • #25

    VorphilaBayern
    Danke für die Ergänzung. Schade dass, der Brief nicht vollständig ist.
    Bei meiner Beschreibung hatte sich ein kleiner Fehler bei der Vergütung an Frankreich eingeschlichen, den ich korrigiert habe.

    Für alle Hamburgfans möchte ich das Thema nutzen, um ein paar weitere Stücke aus meiner Sammlung vorzustellen. Hamburg war mit seinen teilweise bis zu acht ausländischen Postämtern einer der europäischen Knotenpunkte für Transitpost. Kein Wunder also, dass neben den diversen Ortsstempeln eine Vielzahl von Transitstempeln vorkommen. Fangen wir mal mit dem ältesten an:

    Dem kleinen Stempel „HB“, der bis heute nicht genau eingeordnet werden kann. Sicher ist, dass er in Hamburg von 1785 bis 1806 auf durchgehender Auslandspost nach Skandinavien verwendet wurde. Das war es dann aber auch. Weder die Bedeutung der Buchstaben „HB“ noch die Zuordnung zum taxisschen oder dänischen Postamt stehen fest. Ich tendiere zu „Hamburg“ und dem dänischen Postamt.

    Hierzu zeige ich einen Portobrief aus Bordeaux nach Kopenhagen. Er wurde am 17.Oktober 1799 mit dem Department-L2 „32/BORDEAUX“ aufgegeben und über Paris, das nun französische Maaseik nach Düsseldorf und weiter nach Hamburg geleitet. Dort von der Reichspost dem dänischen Postamt übergeben und nach Kopenhagen gesandt. In Hamburg erfolgte die Transitstempelung mit dem vorder- und rückseitig abgeschlagenen „HB“ (vdL 1711).
    Von der Reichspost in Hamburg wurden nach dem Tarif von 1759 für die Teilstrecke ab Bordeaux in Rötel 18 lübbische Schilling (LSK) berechnet. Dänemark schrieb das Restporto ab Hamburg vorderseitig mit 9 LSK an und errechnete siegelseitig mit Kartiernummer 62--------27 LSK Gesamtporto.

    Viele Grüße
    solid611

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    Einmal editiert, zuletzt von solid611 (24. November 2008 um 00:06)

  • VorphilaBayern
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    • 24. November 2008 um 05:01
    • #26

    Hallo solid611,

    herzlichen Dank für das Zeigen und Beschreiben dieses sehr schönen Briefes mit dem sehr seltenen Stempel "HB". Habe bisher noch keinen Brief mit diesem Stempel gesehen.

    Beste Grüße,
    VorphilaBayern

  • Baldersbrynd
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    • 24. November 2008 um 10:12
    • #27

    Hallo Alle
    Hier ein Brief aus Hamburg nach Florence (Firenze) Italien. Sendet am 27.9.1851 in Florence am 5.10.1851.
    Sendet durch TH & T. Porto 6 ? nach ? und auf die Siegelseite 7 ?.
    Auf der Vordersiete steht PD (Paye Destination) ind dieser Stempel steht 3 vielleicht zusammen mit de 6 also 36.
    Warum Portoangabe auf die Siegelseite wenn PD Stempel?

    Viele Grüße aus Dänemark
    Jørgen

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  • Bayern-Nils
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    • 24. November 2008 um 10:57
    • #28

    Hallo sollid611 und Jørgen

    Danke fürs Zeigen.
    Der HB Stempel ist wunderschön. Ich wusste nicht dass der Stempel auf die beide Seiten gestempelt geworden ist.

    Jørgen, ich habe leider keine Antworten auf dein Frage, aber ich bin sicher dass es hier ein Expert gibt.

    Viele Grüsse
    Bayern-Nils

    NEH

  • solid611
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    • 1. Dezember 2008 um 22:56
    • #29

    Hallo an Alle,

    Heute möchte ich euch den zweiten Hamburger Transitstempel zeigen. Den Stempel „DÆNNEMARK“. Er wurde vom taxisschen Reichsoberpostamt als erster Transitstempel 1786 eingeführt und auf Post aus Dänemark (incl. Schleswig, Holstein und Norwegen), die im Transit über Hamburg lief, verwendet.

    Hier ist er auf einem Teilfrankobrief von Flensburg nach Bordeaux zu sehen.
    Von Flensburg am 25. Februar 1788 mit Kartiernummer 62 (Rs.) nach Hamburg, dort mit dem Herkunfts-L1 gestempelt und weiter durch die Reichspost über Maaseik nach Paris geleitet und am 12.März 1788 nach 16 Tagen in Bordeaux eingegangen.
    Der Brief wurde von Flensburg bis Hamburg frankiert („fr: Hamburg“)
    Das Porto ab Hamburg wurde in Frankreich zweiteilig berechnet: nach dem Tarif von 1759 wurden für Briefe aus Deutschland bis Paris 24 Sols berechnet. Hinzu kam die Taxe Paris - Bordeaux von 10 Sols, so dass 24+10 = 34 Sols angeschrieben wurden.

    @Jørgen
    Zu deinem Brief nach Florenz konnte ich noch keine Erklärung finden. Für Italien hab ich keine Unterlagen. Wenn ich noch was finde, lasse ich es dich wissen.

    Viele Grüße
    solid611

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  • bayern klassisch
    Gast
    • 2. Dezember 2008 um 08:10
    • #30

    Hallo solid611,

    schönes Stück und mit deiner perfekten PO - Erklärung ein wahrer Schatz. Danke fürs zeigen :).

    Hallo Jörgen,

    da hast du einen ganz feinen Brief, den ich aus der Hüfte mal so interpretiere:

    Er war bezahlt bis zum toskanischen Grenze oder bis zum Empfänger in der Toskana. Dafür spricht auch der österreichisch - italienische Diagonalstrich (der manchmal ganz frankiert, manchmal auch nur teilfrankiert bedeutet).

    Eigentlich hätte der Gebührenbaum 3 Ebenen haben sollen, aber ich glaube, dass Österreich mit der Toskana damals noch über das Gewicht (je Unze Briefe) verrechnet hat, so dass nur der deutsche Anteil von Hamburg bis zur österreichischen Grenze und von da bis zum Empfänger notiert wurde.

    Die weitere Problematik ist die, dass Hamburg / Taxis ab 1.5.1851 als Postverein galt, obwohl man tatsächlich erst zum 1.1.1852 Postvereinsmitglied wurde.

    Leider sind die Primärquellen Österreichs nicht eindeutig, so dass ich derzeit nicht weiß, ob Österreich Briefe ab diesem Datum als Vereinsbriefe behandelte, oder als Auslandsbriefe.

    Ich habe aber ein paar Kilogramm Literatur, in denen, wenn ich Zeit finde, etwas zu finden sein müsste, das diesen schwieriegen Brief erklärbar machten könnte.

    Auch muss ich noch herausfinden, ob die Toskana schon im ÖIPV, also mit Österreich im Österreichisch - Italienischen - Post - Verein Mitglied war, was die Sache nicht unbedingt erleichtert.

    Die Kenntnis von mindestens 4 Postverträgen ist also hier von nöten.

    Theoretisch könnte er auch im Transit durch die Schweiz gelaufen sein, auch wenn es hierfür keine Hinweise gibt (fehlende Transitstempel).

    Aber gerade von Taxis ist bekannt, dass dies im geschlossenen Transit möglich sein könnte, wodurch sich eine weitere Alternative ergeben könnte.

    Ich nehme aber an, dass die vorderseitigen Franki in HShC notiert wurden und sich hinten nur eine Umrechnung in Kreuzer CM oder Crazie findet.

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Baldersbrynd
    erfahrenes Mitglied
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    1. Mai 1939 (87)
    • 2. Dezember 2008 um 09:23
    • #31

    Lieber bayern klassisch
    Sghönen Dank für dein vorleufige Beschreibung von dem Toscana Brief. Wenn du etwas mehr finden, hören ich gern von dir.

    Liebe Grüße
    Jørgen

  • bayern klassisch
    Gast
    • 3. Dezember 2008 um 19:02
    • #32

    Hallo Jörgen,

    auch nach längerer Beschäftigung mit deinem Toskana Brief nach Florenz bin ich mir bei der Interpretation nicht sicher; auch, weil es nicht mein direktes Sammelgebiet ist.

    Für die süddeutschen Staaten galt ab 1.3.1851 ff. (analog dazu auch für Hamburg / Taxis?), dass die Vereinstaxe von 4 HShC = 3 Sgr. = 9 Kr. rheinisch plus ab der österreichisch - italienischen Grenze 2 HShC(?) = 2 Sgr. = 7 Kr. rheinisch = 6 Kr. Conventionsmünze für die Toskana zu zahlen waren.

    Für den Postverein und die Toskana galt das Zoll - Loth.

    Nur Bayern rechnete jedoch 6 Kr. CM in 8 Kr. rheinisch um; Baden und Württemberg rechneten für 6 Kr. CM nur 7 Kr. rheinisch.

    Diese 7 Kr. rheinisch könnte die Rötel 7 auf der Siegelseite sein, weil man diese Reduktion in der Regel hinten vorgenommen hat (um keine Verwirrung vorne zu stiften!).

    Bei einer Leitung über die Schweiz hätten wir die Taxen im Postverein wie oben, dann jedoch 3 Kr. rheinisch für die CH als Transit und 4 Crazien = 6 Kr. rheinisch für die Toskana.

    Wären die hinten notierte 7 die Währung HShC, hätten wir:

    4 HShC für Hamburg/Taxis als Postvereinsfranko bis zur badisch - Schweizergrenze, 1 HShC für die CH im Transit und 2 HShC für die Toskana, die sich vorne ihre Verrechnungseinheit 6 Kr. notierte.

    Leider sind beide Interpretationen mit Imponderabilien behaftet.

    Da der Brief keine Transitstempel aufweist, ist seine Interpretation sehr schwierig, zumal es 2 nicht - französische Leitwegsmöglichkeiten gibt und die Problematik hinzu kommt, ob man damals Hamburg / Taxis schon überall zum Postverein zählen wollte, oder nicht.

    Es tut mir leid, aber ich kann keine plausiblere Darstellung des Briefproblems aufzeigen. :ups:

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    Einmal editiert, zuletzt von bayern klassisch (3. Dezember 2008 um 21:03)

  • solid611
    aktives Mitglied
    Beiträge
    129
    • 4. Dezember 2008 um 21:17
    • #33

    Hallo Hamburgfans,

    heute zeige ich Transitstempeln, die in Hamburg nach dem Postvertrag zwischen der französischen Republik und dem Reichspostgeneralat vom 14.12.1801 für Post aus Dänemark eingeführt wurden. Der Vertrag wurde beginnend ab September 1802 umgesetzt.
    Frankreich wurde in 5 und das Reich in 4 Rayons eingeteilt, ausschlaggebend war die Entfernung vom Rhein. Jeder Brief musste den Stempel des Aufgabeortes und des entsprechenden Rayons tragen, wobei die Rayonangabe bei Transitsendungen nicht zwingend vorgeschrieben war. In Hamburg führte die Reichspost auch für die Transitsendungen aus Skandinavien Rayonstempel ein, die zunächst mit den Herkunftstempeln kombiniert und dann als zusammengesetzte Stempel verwendet wurden. Die Rayonangabe wurde später weggelassen, da die Angabe des Herkunftslandes für die richtige Taxierung ausreichte.
    Die Post aus Hamburg lief über den Kartenschluss Düsseldorf - Neuss. Für Skandinavien bestand Grenzfrankozwang bis Hamburg.
    Hamburg lag im 4. Rayon. Frankreich zahlte der Reichspost für Briefe aus dem 4. Rayon 46 Kreuzer für 30 g und erhob beim Empfänger 7 Dec. für den einfachen Brief. Hinzu kam das französische Inlandsporto. Dabei wurde für die Post, die über Paris ging – was der überwiegende Teil war – das Porto von Neuss bis Paris (5 Decimes) und das von Paris bis zum Bestimmungsort addiert.

    Dazu nun die Briefe:

    1. getrennte Rayon- und Herkunftsstempelung „R.4.“ + „DÆNNEMARK“ von Oktober 1802 – Februar 1804
    Auf einem Teilfrankobrief vom 11. Februar 1804 aus Kopenhagen (mit rs. Kartiernummer 426.) über Hamburg in 17 Tagen bis 28. Februar nach Bordeaux.
    Bis Hamburg frankiert und entsprechend gekennzeichnet (fco. Hambourg). Porto ab Hamburg: für den 4. Rayon 7 Dec. und 12 Dec. französischer Inlandsanteil = 19 Dec. Gesamtporto.

    2. Zweizeiler mit Rayon- und Herkunftsangabe „R.4./DÆNNEMARK „ von März bis September 1804
    Auf schwerem Teilfrankobrief vom 29. Mai 1804 aus Kopenhagen (Kartiernummer 183.) über Hamburg in 14 Tagen nach Lyon. Dort rückseitig mit rotem Datum–Ankunftsstempel „23.“ für den 23. Prairial An 12 nach dem Revolutionskalender, was dem 12. Juni 1804 entspricht, gestempelt.
    Taxe: Für 11 g Gewicht von Kopenhagen bis Hamburg mit 2 x 7 = 14 LSK frankiert (frco Hambg). Porto ab Hamburg: 7 Dec. deutscher Anteil und 11 Dec. französisches Inlandsporto und in der 3. Gewichtsstufe 2fach 18 x 2 = 36 Dec. Gesamtporto.

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  • solid611
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    • 4. Dezember 2008 um 21:26
    • #34

    Und zur Vervollständigung:

    3. Zweizeiler mit Rayon- und Herkunftsangabe in geänderter Schreibweise „R.N.4./DANEMARC“ von Oktober 1804 – April 1805
    Hier vom 21. Oktober 1804 auf schwerem Teilfrankobrief von Kopenhagen (Kartiernummer 63) über Hamburg in 21 Tagen nach Lyon. Dort wiederum mit dem Datum-Ankunftsstempel nun in schwarz „21.“ für den 21. Brumaire An 13, was dem 12. November 1804 entspricht, gestempelt.
    Ebenfalls für 11 g Gewicht von Kopenhagen bis Hamburg mit 2 x 7 = 14 LSK frankiert (fHb). Porto ab Hamburg: 7 Dec. deutscher Anteil und 11 Dec. französisches Inlandsporto; in der 3. Gewichtsstufe 2fach (7 + 11) x 2 = 36 Dec. Gesamtporto.

    4. Einzeiler ohne Rayonangabe „DANEMARC“ von Mai 1805 – Oktober 1806
    Schwerer Teilfrankobrief vom 8.Juli 1805 aus Flensburg (Kartiernummer 19) über Hamburg in 21 Tagen bis 29. Juli nach Bordeaux.
    Bis Hamburg für ein Gewicht von 25 g mit 16 LSK frankiert (frco Hamburg). Porto auch ohne Rayonangabe korrekt für den 4. Rayon bzw. Post aus Dänemark 7 Dec. und 12 Dec. französischer Inlandsanteil = 19 Dec. (rückseitig notiert); für die 7. Gewichtsstufe 3½fach: (7 + 12) x 3,5 = 66,5 also 67 Dec. oder 6 f (France) 7 (Decimes) Gesamtporto.


    Ab Dezember 1806 war es dann vorbei mit den Reichsposttransiten nach Frankreich. Diese wurden vom bergischen PA und später von Frankreich selbst übernommen. Und als die Franzosen 1814 Hamburg räumten gab es keine Reichspost mehr.

    Viele Grüße
    solid611

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    Einmal editiert, zuletzt von solid611 (4. Dezember 2008 um 21:27)

  • Bayern-Nils
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    • 6. Dezember 2008 um 12:16
    • #35

    Hallo solid611

    Besten Dank für deine ausführliche und sehr lehrreiche Beschreibung. Und die schöne Briefe!

    Ich warte gespannt auf die Fortsetzung :)

    Viele Grüsse
    Nils

    NEH

  • VorphilaBayern
    Stamm Mitglied
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    7. August 1955 (71)
    • 6. Dezember 2008 um 19:19
    • #36

    Hallo solid611,

    herzlichen Dank für das Zeigen dieser wunderschönen Belege
    und für Ihre wiederum ausführliche und umfangreiche Beschreibung.
    Warte auch gerne auf Ihre Fortsetzung.

    Beste Grüße,
    VorphilaBayern

  • solid611
    aktives Mitglied
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    • 8. Dezember 2008 um 22:33
    • #37

    Hallo,

    schön, dass es euch interessiert.

    Dann mach ich mal weiter und zeige euch den ersten "Hamburgstempel", der aber keiner ist. Er wird noch in vielen Katalogen unter Hamburg geführt (so auch in meinem letzten Michel-DSK 2005), wurde aber in Paris verwendet.

    Für die Post aus oder über Hamburg nach Frankreich bestand ein Kartenschluss mit dem Reichspostamt Maaseik und von dort weiter nach Paris. Auf französischer Seite erfolgte die Bearbeitung ab 1751 im Pariser Büro. Dort wurde speziell für diese Briefe ein Eingangsstempel mit der genauen Herkunftsbezeichnung „HAMBOURG“ eingeführt und bis Mitte 1784 verwendet. Hierzu zwei Beispiele aus den beiden Tarifperioden:

    1. Teilfrankobrief vom 22. Januar 1754 aus Kopenhagen (mit rs. Kartiernummer 93) in 25 Tagen über Hamburg und Paris bis 16. Februar nach Bordeaux. In Paris mit dem Herkunftsstempel versehen.
    Frankiert bis Hamburg (Franco Hambg) und in Frankreich Portoberechnung nach dem Tarif von 1702-1759: Hamburg – Paris 18 Sols für Briefe aus Deutschland und Paris – Bordeaux 7 Sols: 18 + 7 = 25 Sols Gesamtporto, das angeschrieben ist.

    2. Schwerer Teilfrankobrief vom 22. April 1769 aus Helsingør (rs. Kartiernummer 139) über Hamburg und Paris in 18 Tagen bis 10. Mai nach Bordeaux.
    Bis Hamburg mit 11 LSK (Helsingør – Kopenhagen 2 LSK + Kopenhagen – Hamburg 6 LSK und 3 LSK Zusatz für Übergewicht) frankiert (franco Hamburg).
    Porto nach dem Tarif 1759-1802: ab Hamburg 24 Sols bis Paris und 10 Sols Inlandsporto von dort bis Bordeaux. Das Mehrgewicht wurde mit einer Paraphe gekennzeichnet und dafür ½ Zusatzporto berechnet, (24 + 10) x 1,5 = 51 Sols, die als Gesamtporto angeschrieben sind.

    Viele Grüße
    solid611

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    Einmal editiert, zuletzt von solid611 (8. Dezember 2008 um 22:34)

  • bayern klassisch
    Gast
    • 9. Dezember 2008 um 16:28
    • #38

    Hallo solid611 & VorphilaBayern,

    habt besten Dank für das Einstellen und fachkundige Beschreiben eurer schönen Briefe.

    Jetzt möchte ich auch einen zeigen, da ihr mir den Mund wässrig gemacht habt.

    Portobrief aus Hamburg (preußisches Postamt) nach Wohlen im Aargau in der Schweiz (dass man in Hamburg wusste, wo Wohlen überhaupt lag, grenzte an ein Wunder - schließlich ist keine Präzisierung vorhanden und ein Schweizer Dorf war in Norddeutschland sicher nicht jedem geläufig).

    Preußen taxierte mit 5 Sgr., die Baden in Heidelberg in 18 Kr. reduzierte. Baden taxierte dazu 12 Kr. für seinen Transit bis zur Grenze Baden - Schweiz.

    Ab da kamen noch 8 Kr. hinzu, so dass man in Wohlen im Aargau total 38 Kr. für diesen einfachen Brief zahlte.

    Der Brief hat des Stempel W P von Heidelberg, van der Linden Nr. 3000. Das westliche Preußen sollte durch den W P - Stempel dokumentiert werden, wie es im Postvertrag Badens mit Preußen beschlossen wurde. Warum aber Hamburg, das ja nicht westlich,sondern östlich der Weser liegt, den W P - Stempel und nicht den O P für östliches Preußen bekam, kann ich auch nicht sagen.

    Weil mir VorphilaBayern heute einen Traumbrief geschenkt hat, werde ich mich mit diesem revanchieren. :)

    Ich kann ja nicht alles auf mir sitzen lassen. ;)

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

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  • VorphilaBayern
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    • 22. Dezember 2008 um 14:17
    • #39

    Liebe Sammlerfreunde,

    möchte folgenden Brief zeigen:

    Portobrief von München nach Hamburg
    vom 8. April 1849. Beim Empfänger wurden
    11 Hamburger Schillinge Courant Porto kassiert.
    Anfang Mai 1849 ging der Brief wieder nach München.
    Rückseite Ankunftsstempel 4. Mai 1849. Der Empfänger
    bezahlte 12 Kreuzer Porto.

    Beste Grüße,
    VorphilaBayern

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  • bayern klassisch
    Gast
    • 22. Dezember 2008 um 15:01
    • #40

    Lieber VorphilaBayern,

    ich würde deinen erstklassigen Brief anders interpretieren:

    Abgesandt von München am 8.4.1849 und taxiert bis zur bayer. Ausgangsgrenze mit 12 Kr..

    Ankunft in Hamburg am 13.4.1849 - dort belastet mit 11 HShC.

    Siegelseitig sehe ich den Vermerk "Abgereist von Hamburg".

    Dadurch wurde es ein Retourbrief!

    Um dies festzustellen, hat es etwas gedauert. Da die 11 HShC nicht kassiert werden konnten, wurden sie von der Taxispost in Hamburg abgestrichen und der Brief wieder nach Bayern gratis retour gesandt.

    Die dort für die Hinreise notierten 12 Kreuzer für den bayerischen Anteil nach dem Reglement vom 1.12.1810 für einfache Briefe über 30 Meilen musste am 4.5.1849 der Absender aber bezahlen.

    Stimmts, oder habe ich Recht? ;)

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

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