Amtliche Quellen, wann der Auslagestempel von Würzburg eingeführt und wieder abgeschafft wurde, kennen wir nicht, womit wir auf die Auswertung des Briefmaterials angewiesen sind, welches uns datiert zur Verfügung steht.
Peter Freuser (ergänzt um die letzte Angabe durch mich) schreibt in seinem Supplementband, dass der Stempel
Schwarz ab 9.11.1837 - 25.8.1840
Rot ab 5.10.1840 -
Blau (1848?) ab 22.2.1849 - 30.10.1849
Schwarz wieder ab 29.11.1849 - 13.9.1851
bekannt ist.
Als Preise gibt er an: Schwarz und rot jeweils 20 Euro, blau 30 Euro.
Allein schon die ihm bekannten Verwendungszeiten deuten darauf hin, dass blau am seltensten sein müsste, da Würzburg zum 1.11.1849 seine stempelmäßige Farbenvielfalt auf schwarz reduzierte, so dass wir maximal 2 Jahre mit dieser Farbe rechnen können.
Gut 4 Jahre schwarze Farbe in der Vormarkenzeit sind auch nicht eben viel, aber es gibt deutlich mehr Abschläge dieser Art, als in blau.
Rot ist am häufigsten und hat seinen Preis zurecht.
Nicht vergessen möchte ich die wohl seltenste Form des Vorkommens - die in der Markenzeit. Diese ausnahmslos schwarzen Abschläge sind keine Massenware, und auch wer seit etlichen Jahren Bayern sammelt, muss davon keinen haben oder gesehen haben. Ich stelle sie daher auch an den Schluss meiner chronologischen Betrachtung.
Der 1. Brief vom 29.4.1840 aus Hanau (Taxis) lief nach Öttingen. Es war ein Portobrief, wie bei allen Auslagebriefen. Er war in der 2. Gewichtsstufe, so dass er oben und unten links die 2 aufwies. Mit 10 Kr. belastete ihn Taxis bis Aschaffenburg, über denen man in Würzburg den Auslagestempel abschlug. Für die bayerische Strecke kamen weitere 20 Kr. in Ansatz, so dass der Empfänger die oben rechts notierten 30 Kr. zahlen musste.
Eine Drucksache (!) aus Manchester vom 3.1.1843 wurde kuvertiert nach Elberfeld (Preußen) verschickt und dort am 8.1.1843 als Portobrief verschlossen zur Post gebracht. Preußen taxierte mit 4 Sgr., die in Würzburg mit 14 Kr. angesetzt wurden und über denen der Auslagestempel abgeschlagen wurde.
Hinzu kamen 12 Kr. für Bayern von der bayer. - taxischen Grenze bis Nördlingen, so dass der Empfänger total 26 Kr. zu zahlen hatte.
Ein Brief aus Marseille vom 25.10.1849 zeigt den mir spätesten bekannten blau(grünen) Stempel vom 30.10.1849, also genau 1 Monat vor der Markeneinführung. Er lief nach Michelau und wurde mit 9 Kr. für Frankreich und 9 Kr. für Bayern, total also 18 Kr., taxiert. Hier sehen wir erstmals, dass nicht mehr der ausländische Teil des Gesamtportos mit dem Auslagenstempel bedruckt wurde, sondern nun das Gesamtporto.
Ein Brief aus Köln vom 17.7.1850 nach Mittenwald zeigt uns die späte Verwendung in der Markenzeit, denn ab dem 1.7.1850 gab es ja den Postverein, so dass nur noch die 12 Kr., die Köln für einfache Briefe über 20 Meilen ansetzte, mit dem Auslagenstempel bedruckt wurden. Auch hier wurde wieder das Gesamtporto angesetzt, da es eine Portoteilung im Postverein nicht gab.
Den letzten mir bekannten Auslagenstempel zeige ich auf einem Brief aus London über Calais, Forbach und Würzburg nach Oberammergau. Der Brief wurde am 9.9.1851 abgesandt und war am 13.9.1851 in Würzburg, wo er mit 24 Kr. für einfache Briefe aus GB über Frankreich taxiert wurde. Auch hier erfolgte keine Stempelung für die Ausländischen Gebühren, sondern nur auf dem Gesamtbetrag.
Da ich mir sicher bin, weitere Daten zu erhalten, werde ich die jeweils frühesten und spätesten Abschläge in der betreffenden Farbe immer auf dem neuesten Stand in diesem Beitrag halten.
Liebe Grüsse von bayern klassisch