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  1. PHILAFORUM.COM Briefmarkenforum
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Posthistorie

  • Kramix
  • 19. September 2008 um 21:41
  • wolleauslauf
    Gast
    • 8. November 2009 um 18:54
    • #261

    Hallo,

    @ Gert

    Meinen Namen läßt Du aber weg :D ;) sonst gibts niemehr wieder Stadtwurst !!! :P

    @ bk

    ich habe schon noch einen Beleg, leider ohne den Einser
    ( aktuelles Tauschangebot sind 37.862 Stück Dauerserien DDR :D )
    Ich gebe ihn aber nicht her, denn was mir aufgefallen ist sind die beiden verschiedenen Stempel !
    1 x geschlossener und 1 x offener Mühlradstempel und da kann ich als Müschisammler nun gar nix mit anfangen :D
    Für eine evtl. Auflösung wäre ich natürlich dankbar ( auch per PN )

    Grüße von Wolle

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  • bayern klassisch
    Gast
    • 8. November 2009 um 19:19
    • #262

    Hallo Wolle,

    der Brief wurde frankiert aufgegeben, aber zuerst am "Normalschalter" eingeliefert. Schnell war die eine Marke mit dem oM 356 entwertet, ehe man merkte, dass man keine Postscheine hatte und ihn dem zuständigen Kollegen übergeben musste.

    Dieser entwertete die andere Marke mit seinem gM 356 (war ein Wanderstempel), drückte den Chargéstempel auf, notierte die Reko - Nummern und gab ich in den Briefbeutel nach der Oberpfalz.

    Kleine Postgeschichte im großen Thread ...

    Wenn du den wegwirfst, dann bitte in meine Rundablage. ;)

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • wolleauslauf
    Gast
    • 8. November 2009 um 20:13
    • #263

    Danke für die prompte Antwort !

    Grüße und :bier: von Wolle

  • Kramix
    Stamm Mitglied
    Beiträge
    1.119
    Geschlecht
    Männlich
    • 15. November 2009 um 12:39
    • #264

    Hallo an alle Forumianer!!!

    Es ist mal wieder so weit, hier der sonntägliche Beitrag zur Postgeschichte:

    Fälschungen und berühmte Fälscher

    Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass Fälschungen von Postwertzeichen schon mit dem Erscheinen der ersten Briefmarken konform gehen, denn Fälschungen folgen den echten Marken mit erstaunlicher Geschwindigkeit auf dem Fuße. Allerdings – die ersten Fälscher hatten keineswegs das Ziel, gutgläubigen Sammlern das Geld aus der Tasche zu ziehen, nein, ihre Zielgruppe waren die auf “ Gelegenheitskäufe “ erpichten Postbenutzer. Die Fälscher arbeiteten also ausschließlich zum Schaden der Post, da sie es zum Schaden der Sammler nicht konnten, weil es noch gar keine gab.
    Aus dieser Tatsache ergeben sich die beiden grundsätzlichen Bezeichnungen für Fälschungen, nämlich Fälschungen zum Schaden der Post und dann jene, die mit dem Ziel entstanden, sie an Sammler zu verkaufen. Als besondere Gruppe muss man noch die so genannten staatlichen Fälschungen bzw. die Propagandafälschungen betrachten – aber das ist wieder ein gesondertes Kapitel -.
    Mit dem Beginn des Briefmarkensammelns fanden gefälschte Marken – ursprünglich zum Schaden der Post hergestellt – schließlich bei den Sammlern Eingang. Schon sehr früh legten nämlich diese für von ihnen begehrte Postwertzeichen wesentlich höhere Beträge an, als sie dem Nennwert entsprachen, so dass Fälscher ihre “außer Kurs “ geratenen Marken sehr viel gewinnbringender bei den Philatelisten absetzen konnten, als bei den Kaufleuten, die sie nur für Frankierungszwecke erstanden. Überdies wurden die frankaturgültigen Postwertzeichen den Fälschern nur mit sehr hohen Rabatten abgenommen, denn wer den vollen Schalterpreis zahlen wollte, brauchte ja nicht das Risiko auf sich zu nehmen, das gefälschte Marken beinhalteten.
    Gefälschte Marken gelten heute im allgemeinen als wertlos. Lediglich Spezialsammler, die sie angeblich für ihre “ Falschmarken-Kollektionen “ kaufen, bezahlen für diese Imitationen oft allerdings exorbitant hohe Preise. Seltsam auch, dass beispielsweise die zum Schaden der Post gefälschten Briefmarken, die postalisch verwendet worden sind und dadurch beweisen, dass die Post sie zur Frankatur annahm, bei Sammlern teilweise recht hohe Preise erzielen. Wahrscheinlich bezahlt man da für das Vergnügen, auf diese harmlose Weise teilzunehmen an der Irreführung einer Behörde. Viele Marken, die als echt praktisch wertlos sind und als falsch ebenso wenig wert sind, wenn sie postfrisch – um nicht zu sagen “ fälscherfrisch “ angeboten werden, finden hohe Bewertung als postalisch benutzte Postwertzeichen. Das wiederum führte sehr bald dazu, dass die Fälscher die gefälschten Marken, die postecht gelaufen hoch bewertet wurden, auf Kuverts montierten und mit allen gewünschten Stempeln versahen. Dass diese mit gefälschten Stempeln versehenen nachgemachten Briefmarken wertlos sind, ist klar – bis auf die Restriktion des Interesses von Spezialsammlern.
    Was aber alles ist eine Fälschung im eigentlichen Sinn?
    Ganz sicher nicht – auch im Ansatz – die Meinung einiger 150 %-tiger so genannter Philatelisten, die eine Marke schon als verfälscht ( nicht falsch ) ansehen, wenn der Schalterbeamte postfrische Marken nicht mit Handschuhen und Gesichtsschutz versehen an den Kunden ausgibt. Strafverschärfend kommt dann noch dazu, wenn sie nicht in klimatisierten – am besten sterilen – Schalterräumen verkauft werden. Das wenigstens kann man doch erwarten, wenn man seine gezackten Lieblinge für teures Geld erwirbt, um sie dann ohne Papiertütchen oder sonstigen Schutz in die 5 Jahre alte abgewetzte Brieftasche zu deponieren. ;)
    Nein, das hat mit Verfälschung oder Fälschung auch nicht ansatzweise etwas zu tun.
    Hier einmal eine Liste – die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt – der häufigsten Fälschungsarten, die einzeln oder auch in Kombination vorkommen können:
    -Falscher Druck einer Marke auf echtem Papier, aber mit falschem Druckstock
    -Fälschung der ganzen Marke auf einem echten Druckstock, aber auf falschem Papier
    -Druck auf echtem Papier mit echtem Druckstock, wenn die Marke nicht als Neudruck oder als Nachdruck sondern als Original-Ursprungsmarke deklariert ist
    -Echte Marke mit falschem Stempel entwertet
    -Falsche Marke durch echten Stempel verfälscht, der echte Stempel soll die Echtheit der Marke vortäuschen ( alle echt gelaufenen Fälschungen zum Schaden der Post )
    -Falsche Marke mit falschem Aufdruck
    -Echte Marke mit falschem Aufdruck
    -Falsche Marke mit zeitlich später erfolgtem Aufdruck
    -Farbänderung durch chemische Mittel ( allein z.B durch Salzsäurebad kann Grün in Blau und Grau umgefärbt werden, währen Essig Violett in Rosa und Rosarot verändert )
    -Datumsfälschung auf echter Marke mit echtem Stempel, aber nicht dem Tage der Abstempelung entsprechenden Datum ( die genaue Festsetzung des Tages kann besonders bei Provisorien von entscheidender Bedeutung für die Bewertung sein )
    -Fälschung der Zähnung
    -Völlige Neuzähnung gezähnter Marken
    -Umfälschung gezähnter Marken in geschnittene
    -Fälschung des Prüferstempels auf gefälschten oder teilgefälschten Marken
    -Fälschung der Gummierung
    -Fälschung durch Entfernen eines Faksimile oder Spezimen oder ähnlicher Aufdrucke
    -Fälschung des Wasserzeichens
    -Fälschung von Lochungen bzw. Perforationen

    Man sieht, die Möglichkeiten zur Fälschung sind mannigfach, laden daher immer wieder zu teilweise primitiven Manipulationen ein, von denen jedoch 90 % von jedem einigermassen versierten Sammler auch ohne Hilfe eines Prüfers entdeckt werden können. Ich könnte jetzt noch näher auf verschiedene Möglichkeiten eingehen, wie Marken verfälscht oder manipuliert werden können, möchte hier jedoch keine “ Fälschungsanleitung “ vorstellen, es gibt Literatur genug, die unter dem Deckmantel der Aufklärung detaillierte Hinweise und Möglichkeiten aufzeigen.
    So, das war einiges über die Grundzüge von Fälschungen, nächste Woche dann eine Folge über die bekanntesten Fälschungen zum Schaden der Post.

    Ein schönes Restwochenende wünscht allen

    Kramix

    Geld kann Leben nicht kaufen ( Bob Marley )

  • Germaniafan
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    22. März 1960 (66)
    • 15. November 2009 um 13:02
    • #265

    Danke Gert für Deinen wie immer tollen Beitrag.

    Hier mal ein paar seltene Fälschungen aus dem Hause "Germania" ;)

    Chemnitzer Postfälschung Type II
    Hannoversche Postfälschung (2 Marken bekannt)
    Cölner Postfälschung

    Schöne Grüße
    Guido

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  • bayern klassisch
    Gast
    • 15. November 2009 um 13:10
    • #266

    Hallo Gert,

    so wird jeder Sonntag schöner - auch wenn ich persönlich kein Freund von Fälschungen bin - Germanias mal ausgenommen. :)

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • wolleauslauf
    Gast
    • 15. November 2009 um 19:14
    • #267

    Hallo Gert,

    ich habe keiner Deiner aufgezeiten Möglichkeiten jemals angewandt :D

    Als Sammler bin ich halt vorsichtig und lasse mich niemals von Angeboten mit Zeitdruck, Schnäppchen, etc. motivieren :D
    z. B: Glockensätze von Berlin bekommt man auch manchmal zu günstigeren Koditiononen hier im Forum :D, man muß nur fragen :)
    ( Natürlich gibt es immer wieder Mitglieder, die diese Marken als "nicht sammelwürdig" empfinden, interessiert mich aber nicht, denn die Marke ist echt und ich bin kein "Vollstempelsammler :D ).
    Es sind auch keine Fingerabdrücke des Postlers hinten drauf :D ;) :P,
    die Marken sind gestempelt ;) Und wer sie zuletzt in der Hand hatte, könnte man ja heute technisch feststellen, aber die Analyse wäre teuerer als die Marken, außerdem interessiert es mich wirklich nicht :D ;)

    Danke für Deinen super Beitrag und ein wöchentliches :bier: von

    Wolle

  • Bernd HL
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    • 15. November 2009 um 20:29
    • #268

    Moin Gert!

    Ach ja, das leidige Thema Fälschungen...

    Die Leute wollen ja über´s Ohr gehauen werden. Bei manchen zählt ohnehin nur "Gier frisst Hirn" :oneien: Da kannst Du warnen und aufklären, aber wenn dann irgendwo ein "Schnäppchen" lauert, wird das Hirn ausgeschaltet. Sieht man bei ebay täglich aufs neue...

    Gerade deshalb ist es super, dass Du hier das Thema noch in der Posthistorie behandelst. Zumindest die Leute, die hier mal mitlesen, sollten dann schon mal genauer hinschauen und auch mal den Kopf einschalten ;) Und ich freue mich schon auf den nächsten Beitrag hier!

    Für die Arbeit das wohlverdiente :bier:

    Zackige Sammlergrüsse aus Lübeck sendet Bernd HL ;)!

  • Kramix
    Stamm Mitglied
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    Männlich
    • 22. November 2009 um 13:11
    • #269

    Einen schönen Feiertag wünsche ich allen Forumianern mit dem traditionellen " Wort zum Sonntag "

    Bevor ich zum eigentlichen Thema der Fälschungen zum Schaden der Post bzw. zum Schaden der Sammler komme, hier noch ein Bereich, der auch im weitesten Sinne mit Fälschungen zu tun hat

    Spionage- und Propagandamarken

    Unter Spionage ( bzw. Kriegs ) – Briefmarken versteht man möglichst naturgetreue Fälschungen der im Feindesland kursierenden Postwertzeichen. Solche Falsifikate sind für Agentenpost gedacht oder für propagandistische Massensendungen und wurden in der Regel in Postsäcken aus Flugzeugen über dem Feindesland abgeworfen. Die Herstellung von Spionagemarken ist aus einer Idee des britischen Geheimdienstes “ Secret Service “ entstanden, der erstmals während des 1. Weltkrieges deutsche, österreichische und bayerische Fälschungen herstellen ließ. Die Briten und ihr Geheimdienst überließen die gefälschten Postwertzeichen auch verbündeten Ausländern, wie etwa dem niederländischen Propagandakader “ Patrie et Liberte “ in Den Haag, der die Spionagemarken zur Überschwemmung der deutschen Front mit Propagandabroschüren in deutscher Sprache einsetzte.
    Gefälscht wurde dabei bayerische Marken mit dem Portrait des Prinzregenten Luitpold, reichsdeutsche Germania – Marken zu zehn und fünfzehn Pfennig sowie österreichische Dauermarken von 1916 zu fünf, zehn und fünfundzwanzig Heller ( Siehe Anhang ). Die gefälschten Germania Marken wurden dann während der Rheinland – Besetzung von französischen Soldaten aufgebraucht.
    Im 2. Weltkrieg exerzierten die Briten im Verein mit den Amerikanern das falsche Postwertzeichenspiel von neuem, diesmal jedoch mit Hindenburg- und Hitlermarken. Das amerikanische “ Office of Strategic Service “ ließ die Hitlermarken zu sechs und zwölf Pfennig in Rom und in der Schweiz drucken und schleuste damit unter anderem alle 14 Tage zwischen 500 und 1000 gefälschte Exemplare der “ Frankfurter Zeitung “ nach Deutschland. Viel Aufwand für einen verschwindend geringen Nutzen, aber so sollten Nadelstiche und Zeichen an die deutsche Führungsspitze gesetzt werden.
    Auf Grund der Kriegs- und Propagandafälschungen der Briten und Amerikaner ließ es auch den Nazis keine Ruhe, mit gefälschten englischen Briefmarken in die Propagandaschlacht einzutreten. Himmler beauftragte die Spezialisten der Abteilung VI des Reichssicherheitshauptamtes, die sich ja bekanntlich schon mit der optimalen und erfolgreichen Fälschung englischer Pfundnoten bewährt hatten, Dauermarken und Sondermarken des Kriegsgegners zu entstellen und verfälschen. Zu den Wünschen des Reichsführers zählten britische Freimarken, bei denen die Wertangabe durch Hammer und Sichel und das gekrönte Haupt König Georgs VI durch einen jüdischen Davidstern verändert wurde. Da diese Fälschungsvorhaben aber bereits in das letzte Kriegsjahr fielen, mussten diese Propagandamarken dann sogar teilweise auf Lebensmittelkarten – Papier gedruckt werden, welch eine Blamage für den “ Reichsheini “. Durchgeführt wurden diese Fälschungen von in KZ-Lagern einsitzenden professionellen Banknotenfälschern. Die in den 50er Jahren durchgeführten Ermittlungen der deutschen Justiz gegen einige dieser Überlebenden wegen “ Fälschung und Betrug “ kann man nur als peinlich und skandalös betrachten ( aber man weiß ja inzwischen, welche “ Personen “ in dieser Zeit in ranghöheren Positionen der Justizverwaltung und Staatsanwaltschaft saßen ).
    Allerdings, die britische Postverwaltung war in der Emission von Sondermarken über Jahrzehnte hinweg sehr zurückhaltend, daher konnte es auch nur zwei “ Umfrisierungen “ geben: Die Sondermarke zum 25-jährigen Regierungsjubiläum Georgs wurde reichlich mit Davidsternen, einem Portrait Stalins und mit der Inschrift “ This war is a jewish war “ ( Dieser Krieg ist ein Juden – Krieg ) versehen. Allerdings unterlief den Machern ein verhängnisvoller Fehler, denn in dem Wort “ JEWISH “ wurde das “I “ vergessen.
    Die Gedenkausgabe zur Krönung dagegen zeigt an Stelle der jungen Königin den Genossen Stalin neben Georg VI, um damit auf ein Bündnis der Engländer mit den Kommunisten anzuspielen. Die gefälschte Inschrift “ Teheran 28.11.1943 “ sollte die Engländer zusätzlich empfindlich treffen, da es ja gerade jene Konferenz war, von der die Nationalsozialisten alle geheimen Unterlagen durch ihren Meisterspion Cicero erhalten hatten.
    Mit einer umfangreichen Aufdruckserie auf die gefälschten Freimarken sollte zusätzlich die Kampfmoral britischer Soldaten nachhaltig untergraben werden. Zu den von Himmler persönlich ausgewählten Parolen gehörten so markige Sprüche wie:
    - England blutet auf Befehl Moskaus
    - Komm nur, Deutschland erwartet Dich
    - Wer wird zurückkehren ?
    - Weltjudentum
    - Weltbolschewismus
    - England - der Kriegsverlierer
    - ein militärisches Abenteuer
    Eine weitere Freimarken Serie wurde mit den Namen britischer Kolonien oder Commonwealth – Mitgliedern bedruckt und mit dem Zusatz “ Liquidation of Empire “ versehen. Man glaubte dadurch, die Engländer, die ja seit jeher besonders stolz auf ihr “ Britisches Weltreich “ waren und sind, an ihrer empfindlichsten Stelle zu treffen.
    Aber die Briten konterten wieder: Von der 25-Centesimi-Hitler-Mussolini-Marke erschien eine Darstellung, bei welcher der " Führer " den " Duce " offenbar anschreit, denn letzterer blickt erstaunt und verängstigt zu seinem Gegenüber. An Stelle des Textes " Duo popoli una guerra " ( Zwei Völker, ein Krieg ) steht auf den Propagandamarken: Duo popoli un Führer ( Zwei Völker, ein Führer ).
    Die Liste der im 2. Weltkrieg gefälschten Briefmarken enthält zehn in England hergestellte französische Postwertzweichen zur Frankierung von britischen Propagandasendungen in Frankreich. In Frankreich selbst wurden zum gleichen Zweck gefälscht: 1,50 Franc " Petain ", in England wiederum die 3-,4-,6-,8-,12 Pfennig Marken und 1942er Dienstmarke der Luftfeldpost.
    In den Vereinigten Staaten gefälscht: 6-Pfennig und 12-Pfennig
    Nochmals England: Italien 25-Centesimi
    an unbekannter Stelle gefälscht: Niederlande 1 1/2 Cent.
    Dazu kommen 13 vorwiegend in England hergestellte Propagandamarken sowie die in Deutschland erzeugten anti-englischen Propaganda- und Aufdruckmarken ( Liste ohne Anspruch auf Vollständigkeit ).
    So, genug für heute, in der nächsten Folge dann die “ Himmler- und Göring Fälschungen “ .

    Einen schönen Restfeiertag wünscht allen

    Kramix

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    Geld kann Leben nicht kaufen ( Bob Marley )

  • wolleauslauf
    Gast
    • 22. November 2009 um 15:32
    • #270

    Hallo Gert,

    wie von Dir bereits gewohnt, wieder mal toll recherchiert !!!

    Daß ich Dir überhaupt antworten kann liegt daran, dass mein Internet wieder funktioniert :D

    Sammlergrüße und ein schönes, kaltes Veltins :bier: von

    Wolle

  • Gerhard2
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    • 22. November 2009 um 22:54
    • #271

    Hallo Kramix,


    ein tolles Posting, bei dem ich viel gelernt habe.

    Die Propagandamarken sind ja mindestens genau so spannend wie der Postkrieg ex DDR und BRD hehe.

    Was mich ja brennend interessieren würde, sind Bilder von echt gelaufenen Belegen.

    Leider habe ich den Beitrag erst jetzt gefunden, irgend wie ist er nicht in den Top 5 diesmal aufgetaucht ......


    Mfg. ,


    Gerhard

  • Gerhard2
    erfahrenes Mitglied
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    10. Juli 1970 (55)
    • 22. November 2009 um 22:56
    • #272

    Ups,


    verbessere mich, diesmal ist es aufgetaucht, wohl doch nur übersehen .....

  • Kramix
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    • 29. November 2009 um 12:44
    • #273

    einen schönen 1. Advent wünsche ich allen Forumi(ndi)anern,

    es geht weiter in unserer Serie der Propagandafäschungen

    Himmler,- Göring-, Frank Marke

    es ist wahrlich nicht immer leicht, die enge Brücke zwischen Kriegs- und Propagandamarken festzumachen, obwohl sich im Lauf der Jahre doch bestimmte Regeln durchgesetzt haben. Als Kriegsfälschungen werden solche Marken in der Regel bezeichnet, die Postwertzeichen in bedeutenden Mengen aus staatspolitischen - meistens militärischen Motiven heraus - nachahmten. Ob derlei Fälschungen allerdings im Kriegsfall als "zulässige Kriegslist" zu bezeichnen sind, sei dahingestellt. Der Haager Internationale Gerichtshof ist mit derlei Problemen nie befaßt worden, die Regierungen, deren staatliche Organe die Nachahmungen vornahmen und für die Verbreitung Sorge trugen, schwiegen und schweigen sich aus verständlichen Gründen aus. An der Tatsache jedenfalls ändert es nicht das Geringste: Es wurden in beiden Weltkriegen Postwertzeichen der feindlichen Mächte sozusagen gegeneinander gefälscht. Wer damit den Anfang machte, ist im 1. Weltkrieg eindeutig erwiesen worden.
    Anders dagegen sieht es bei den sogenannten " Propaganda - Postwertzeichen " aus. Sobald der Kopf des " Gröfaz " als Totenkopf auf dem Markenbild erscheint, handelt es sich nicht mehr um die Fälschung eines Postwertzeichens, sondern eindeutig um ein " Propagandabild in der Form und dem Aussehen " einer Briefmarke.
    Nur ein als Briefmarke legal existierendes Postwertzeichen kann ge- oder verfälscht werden. Eine Phantasiemarke ist demnach keine Fälschung, wie auch Banknoten mit einer nicht existierenden Währung keine Banknotenfälschungen sind, auch wenn sich derjenige, der sie als solches verkauft, sich des Betruges oder der arglistigen Täuschung schuldig macht.
    Leider gibt es gerade in diesem Bereich der Philatelie ein gewisses Niemandsland der Unsicherheit.
    Die Briefmarke mit dem Kopf Heinrich Himmlers ist ein solches Niemandsland. Gab es jemals eine echte Himmler-Marke? Auch gesetzt der Fall, Himmler hätte Postwertzeichen mit seinem Portrait herstellen lassen, so könnte man diese Marken wohl nicht als Postwertzeichen anerkennen, denn er war gar nicht berechtigt, postalische Verfügungen im Bereich der Postwertzeichen zu treffen. Selbst eine von einer amtlichen, aber unbefugten Stelle in Auftrag gegebene Briefmarke ist im Sinne der Konvention des Weltpostvereins kein Postwertzeichen. Nur Briefmarken, die von der zur Herausgabe befugten Dienststelle emittiert worden sind, können als Postwertzeichen gelten. Aber weder die Himmler Marke noch die bekannte Marke mit dem Bild des Generalgouverneurs Frank sind jemals beim Weltpostverein registriert und authorisiert worden.
    Es gibt gegensätzliche Meinungen, wer diese Marken hat herstellen lassen. Die eine Seite behauptet, sie wäre ein Zeichen von Kraft- und Machtproben innerhalb einer zerfallenden Führungsspitze des Reiches, andere wiederum erklären, diese Marken sollten nur den Personenkult um bestimmte Personen unterstützen. Am wahrscheinlichsten erscheint die Aussage, dass diese Marken im Ausland hergestellt wurden, um die Zwietracht innerhalb der Führerschaft zu vertiefen und alle gegen alle misstrauisch zu machen. Bei der geringen Anzahl der in Verkehr gebrachten Briefmarken kann natürlich von einer Auswirkung auf die breite Masse keine Rede sein, aber- die Himmler Marke erscheint auf postalisch gelaufenen Briefen neben den üblichen Freimarken. Doch die eigentliche Frage ist : Sind diese mit Himmler Marken frankierten echt gelaufenen Postsendungen aber auch tatsächlich echt gelaufen?
    Die klare und eindeutige Aussage heißt: N e i n
    Auch wenn verschiedene Quellen die postalische Verwendeng der 6-Pfennig-Himmler-Marke auf einer Postkarte - Absender die " Franckh`sche Verlagshandlung ", Empfänger Engelbert Gärtner in Schaffhausen - gerne als Beweis angeben, so vergessen sie doch meistens, gleichzeitig auch die Stellungnahme eben dieses Absenders zu
    erwähnen. In dem in diesem Verlag herausgegeben Buch " Romantik der Briefmarke " stellt die " Franckh`sche Verlagshandlung" ganz klar heraus, daß die angeblich echt gelaufene Karte des Hauses an Herrn Gärtner nie geschrieben und auch nie verwandt worden ist und kommt aus verschiedenen Gründen zu der Ansicht, daß auch der Poststempel gefälscht worden ist und die Karte nie einen Postbeutel gesehen hat.
    So viel zu den immer wierderkehrenden Gerüchten über diese ominöse Briefmarke.
    Eine weitere fragwürdige Markenfälschung aus diesen Kriegsjahren ist die sogenannte " Göring - Marke ", die an Stelle des Hitlerkopfes den Kopf Görings in der Gedenkausgabe auf einer Marke 54 + 96 Pfennig-violett zeigt. Statt des Textes der echten Marke " 20. April 1943 " wurde das Datum verändert in " 12. Januar 1944", das war Görings 51. Geburtstag. Auch über diese Marke sind mehrere Abhandlungen erschienen, wobei manche Autoren sie als englische Fälschung bezeichnen, um die damals schon bestehende Kluft zwischen Göring und Hitler zu vertiefen, andere wiederum halten sie für eine geplante deutsche Postmarke zu Ehren von Görings Geburtstag, allerdings kaum vorstellbar, da Hitler Personenkult fast ausschließlich auf sich bezog und keine anderen " Götter " neben sich duldete. Am wahrscheinlichsten erscheint, daß diese " Göring - Marke " genau so ein Schwindelerzeugnis ist wie die z. Bsp. 1953/54 aufgetauchte " Narvik - Marke ".

    Man sieht, ein Gebiet auf dem es noch viel zu erforschen und zu entdecken gibt und man kann gespannt sein, welche Entwicklung und welche neuen Forschungsergebnisse dieser besondere Zweig der Philatelie in den nächsten Jahre bringen wird.

    So, ab der nächsten Folge Abhandlungen über die bekanntesten Fälscher, beginnend mit Jean de Sperati.
    Ein schönes Restwochenende wünscht allen

    Kramix

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    Geld kann Leben nicht kaufen ( Bob Marley )

  • bayern klassisch
    Gast
    • 29. November 2009 um 14:37
    • #274

    Hallo Gert,

    danke für die Aufarbeitung eines dunklen Kapitels der Geschichte aus philatelistischer Sicht.

    Da freut man sich doch, nur die Kreuzerzeit Bayerns zu sammeln - und Propaganda - Marken der Franzosen von 1870 habe ich Gott-sei-Dank noch keine gesehen ... :D :D :D

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • wolleauslauf
    Gast
    • 29. November 2009 um 14:40
    • #275

    Hallo Gert,

    heute zwar ziemlich spät, hättest mir fast den Frühschoppen versaut,
    aber auch hinterher war es wieder mal hochinteressant und lesenswert.

    Vielen Dank für Deine Mühe und denke bitte an den 12.12. ;)

    Sammlergrüße und ein herzliches :bier: von

    Wolle

  • Abarten-Hannes
    Stamm Mitglied
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    Geburtstag
    30. März 1939 (87)
    • 29. November 2009 um 15:13
    • #276

    Guten Tag Kramix-Gert,
    das heutige Thema ist wieder mal klasse zusammengefasst und auf den berühmten Punkt gebracht - vielen Dank dafür!

    Wenn Du am 12.12. in Lauf aufschlägst, bringe ich meinen Zeichenblock mit und mache eine abartige Fälschung von Dir!

    Einen schönen 1.Advent noch!
    (Abarten-)Hannes

  • Kramix
    Stamm Mitglied
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    Männlich
    • 6. Dezember 2009 um 14:17
    • #277

    Schönen Adventstag allen Forumianern,

    Jean de Sperati

    In einer der letzten Folgen hatte ich in einem Artikel den “ König der Briefmarkensammler “ – Renotiere de Ferrari – vorgestellt. Heute mal ein Bericht über eine andere berühmt berüchtigte Person der Philatelie, nämlich Jean de Sperati, den “ König der Fälscher ".
    Genie oder nur ein Gauner, allerdings ein äußerst hochbegabter, diese Frage wird auch heute noch in verschiedenen Philateliezirkeln und in der Literatur diskutiert.
    Man muß sich nur einmal vorstellen und das ist nicht nur eine Vorstellung, sondern Realität, dass heute noch in unzaähligen Sammlungen vermeintliche Schätze aufbewahrt werden, die nichts anderes als Reproduktionen bzw. Fälschungen sind. 90 % aller Besitzer dieser zweifelhaften Werke werden aber Stein und Bein darauf schwören, dass diese Marken absolut echt sind, denn schließlich würden sie ein Prüfzeichen von damals hochangesehen Fachleuten bzw. Prüfern tragen. Ja, das war dann eine Sperati-Arbeit und gleichzeitig eine der Macken Speratis, der seinen Ehrgeiz darin legte, dass die wertvollsten seiner Schöpfungen von den Fachleuten als echt anerkannt wurden und die er dann akribisch in einem Buch dokumentierte. Aber dazu später noch etwas mehr. Aber wie konnte dieser Fälscher eine solche Perfektion erreichen, dass er selbst die anerkanntesten Philatelisten seiner Zeit jahrelang an der Nase herumführen konnte?
    Nun, die Antwort ist ganz simpel: Handwerk hatte und hat goldenen Boden und Sperati hatte “ sein Handwerk “ von der Pike auf gelernt.
    Geboren wurde Giovanni Sperati als vierter Sohn eines pensionierten Armeeangehörigen am 14. Oktober 1884 in Pistoia, einem kleinen Ort in der Nähe von Florenz Ein glücklicher Zufall, dass einer seiner Brüder, Massimo, Briefmarkenhändler war und ein weiterer, Mariano, Photograph. Gerade mit Mariano verbrachte Giovanni während seiner Jugend sehr viel Zeit und hatte daher schon sehr früh eine umfassende“ Technikausbildung in Photographie, Entwicklung und chemischen Prozessen.
    Ein weiterer glücklicher Umstand kam ihm zu Hilfe, den ein Cousin besaß eine Papiermühle, wo er während der Ferien arbeiten konnte und so die komplizierten Vorgänge der Papierherstellung sowie alles über Fabrikation und Produktion kennen lernen durfte. Vorteilhaft für ihn, dass ein großes Papierlager vorhanden war, aus dem er eine Menge Papiermuster entnahm , die ihm dann für seine spätere Arbeit äußerst dienlich waren.
    Schon in seiner Jugendzeit hatte er die höchst bemerkenswerte Fähigkeit, Schriften anderer Personen nahezu perfekt nachzuahmen. So fälschte er zur Freude seiner Mitschüler, die es gar nicht glauben wollten, die Unterschrift seines Lehrers derartig vollkommen, dass dieser sie selbst nicht als Replikat anerkannte. Da war er gerade einmal zehn Jahre alt.
    Im Alter von etwa 30 Jahren geht Sperati dann nach Frankreich und ändert seinen Vornamen "Giovanni" in das französische "Jean" – seinem Nachnamen setzt er ein "de" voran. Tagsüber Fabrikarbeiter, widmet er sich nachts der Arbeit an immer perfekteren philatelistischen Imitationen. In Aix-les-Bains richtete er schließlich ein eigenes Atelier ein und arbeitete fortan täglich bis zu 16 Stunden wie besessen an Faksimiles der unterschiedlichsten Sammelgebiete.
    Nach damaligen französischem Recht waren diese – solange sie als Imitationen gekennzeichnet waren – keine Fälschungen, sondern eben Imitate. Und während dieser Phase seines Lebens kennzeichnete Sperati auch seine Objekte mit persönlicher Signatur mittels weichem Bleistift. Natürlich war er sich bewusst, dass man diese Signatur leicht ausradieren konnte und dies auch geschah, aber das interessierte ihn hezlich wenig. Sein Durchbruch als eigentlicher Fälscher kam, als ihm der Pariser Händler Jean Cividini eine 1-Schilling-blau-Marke der Goldküste von 1883 gab und ihn aufforderte, davon eine Kopie herzustellen. Speratis Ehrgeiz war geweckt, er fertigte die Marke an und Cividini, der die wahnsinnig gute Qualität dieser Arbeit erkannte, schickte diese Marke zum " Spass " an den damals berühmten deutschen Experten Max Thier in Berlin. Die Marke kam zurück – mit Thiers Echtheitssignatur. Diese Marke war damait die erste von insgesamt 234, die Sperati im Lauf seines Lebens in sein " Livre d`Or ", sein Goldenes Buch einsortieren konnte. Es enthielt alle von Sperati im Lauf seines Lebens angefertigten Marken, die ein Echtheitszeugnis von einem Experten oder einem Expertenkomitee erhalten hatten.
    Leider ist dieses " Livre d`Or " heute verschollen, aber die damalige Existenz des Buches ist zweifelsfrei belegt.
    Über Jahre konnte Sperati seinen inzwischen gut gehenden Fälschergeschäften nachgehen, gab es doch von Händlern und Privatpersonen, bei denen sich die Qualität seiner Erzeignisse inzwischen herumgesprochen hatte, jede Menge Aufträge, bis sich im Jahr 1942 ein Vorfall ereignete, der ihn schlagartig bei allen Philatelisten bekannt machte. Das interessante an der Sache ist dabei, dass Sperati behauptete, der ganze Vorgang sei von ihm bewusst provoziert worden, weil er mit seiner Arbeit endlich bekannt werden wollte. Ob Ersteres stimmt, ist unklar, das Letztere ist ihm dann auf jeden Fall gelungen. In vielen Bücher ist über diesen Vorfall berichtet worden, ich gebe daher nur eine kurze Zusammenfassung:
    1942 fing der französische Zoll eine Sendung von Sperati an den Briefmarkenhändler Ell in Lissabon ab, in der sich 18 klassische Briefmarkenraritäten befanden. Wegen Zollvergehens – da es sich um einen Kapitaltransfer in Ausland handelte - wurde Sperati vor dem Gericht in Chambéry angeklagt. Ein engagierter Hobby-Philatelist wurde vom Gericht beauftragt, den Wert der Sendung zu schätzen, und gab einen Betrag von 60.– bis 80.000,– Franc an. Sperati erklärte nur, dass diese Schätzung falsch sei, machte aber keine weiteren Angaben. Vor dem Appellationsgericht verlangte Sperati ein Gutachten des damals berühmten Kriminologen Dr. Edmond Locard, welches bei Philatelisten und Sperati-Anhängern inzwischen Kultstatus hat.
    Punkt für Punkt erklärte Locard, warum diese Marken Originale sein mussten: Keine Grössenabweichungen im Markenbild, Wasserzeichen ( Locard schrieb " Das Fälschen von Wasserzeichen ist praktisch unmöglich “), " richtiger “ Gummi bei jeder Ausgabe usw.
    Den Wert der Sendung schätzte Locard auf 300000,– Franc.
    Der unerwünschte Nebeneffekt für Sperati bestand darin, dass jetzt sehr viel über seine Tätigkeit an die Öffentlichkeit gelangt war und er, seine Frau und seine Schwägerin wegen Fälscherei angeklagt und verurteilt wurden. " La Chambre Syndicale des Negociants en Timbres-Poste “ , der Verband der Briefmarkenhändler, trat als Nebenkläger auf. Auch hier zog sich das Verfahren mit Revisionen über mehrere Jahre hin, am Ende musste Sperati eine Strafe und eine Buße an den Briefmarkenhändler - Verband bezahlen. Die von dem Verband geforderte Einziehung und Vernichtung aller noch im Besitz Speratis befindlichen Reproduktionen lehnte das Gericht ab, da das Herstellen von Kopien per se nicht strafbar sei und die Marken, die Sperati noch hatte, ja nicht Gegenstand des Verfahrens waren.
    Im Jahr 1946 schrieb Sperati ein Buch – La Philatelies sans espers -, in dem er verschiedene Aspekte der Philatelie betrachtet. Besonders das Experten-Wesen hatte es ihm angetan – nach seinen Erfahrungen nicht verwunderlich. Nach Speratis Meinung tummelten sich zu viele selbst ernannte Experten in der Philatelie, denen es aber an wirklich profundem Wissen fehlte, eine Meinng, die auch heute noch von vielen Philatelisten geteilt wird.
    Im Alter von 68 Jahren verkauft Sperati seine Druckwerkzeuge und -maschinen, sein Archiv, all seine Materialien und Faksimiles – kurz sein komplettes Atelierinventar an die British Philatelic Association (BPA), angeblich für einen Preis von 30.000 $, was ihm für den Rest seines Lebens einen angenehmen Lebensstandard sicherte. Experten gehen jedoch davon aus, dass 50.000 $ eher den Tatsachen entsprechen. Zudem verpflichtet sich der Meister durch einen Vertrag, keine weiteren " Fälschungen" mehr anzufertigen. So wollte die BPA sicherstellen, dass Speratis Schaffen als Fälscher ein für alle Mal beendet war. Es wird allerdings vermutet, dass dieser sich nicht so ganz an diese Abmachung gehalten hat, denn es tauchten später noch Fälschungen minderer Qualität von ihm auf, die nur in seinen letzten Lebensjahren entstanden sein können. Sperati starb am 27.April 1957 in Aix-le-Bains.
    Wer tatsächlich eine Sperati-Marke sein Eigen nennt, kann sich freuen! Mittlerweile sind diese Faksimiles selbst zu begehrten Sammelobjekten geworden, die gelegentlich auf Briefmarken-Auktionen durchaus hohe Preise erzielen. Schließlich sind es Kunstwerke eines Genies – des " Königs der Fälscher ".

    In der nächsten Folge ein Bericht über einen weiteren genialen Fälscher, nämlich Georges Foure.

    Noch einen schönen 2. Advent mit einem kräftigen Schluck Glühwein wünscht allen

    Kramix

    Geld kann Leben nicht kaufen ( Bob Marley )

  • bayern klassisch
    Gast
    • 6. Dezember 2009 um 14:26
    • #278

    Hallo Gert,

    danke für diesen schönen Beitrag. Eine Sperati - Fälschung (die einzige, die ich je hatte) habe ich auch: ein Paar der Bayern Nr. 1, allerdings ohne seine Signatur. Mehr muss auch nicht sein ...

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Bayern-Nerv
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    Geburtstag
    4. Januar 1966 (60)
    • 6. Dezember 2009 um 20:03
    • #279

    Hallo , Kramix!

    Schönen Dank für diesen interessanten Beitrag - ich freue mich schon auf den nächsten.

    Auch ich kann eine Sperati-Fälschung mein eigen nennen - eine Nr.1 von Bayern, allerdings auch ohne Signatur.

    Einen schönen Abend mit einem leckeren Schluck Rotwein wünscht

    der
    bayernfarbenvielvaltverrückte

    Bayern-Nerv

    Nimm dir im Leben ruhig die Zeit zum Sammeln und genieße einen guten Wein - denn die gesammelte Zeit nimmt dir irgendwann das Leben und dann wird man um dich weinen. (V.R.)

  • wolleauslauf
    Gast
    • 6. Dezember 2009 um 20:09
    • #280

    Danke Gert,

    für wieder einen sehr informativen Beitrag.

    Gott sei Dank betrifft er mich nicht ;)

    Man sieht sich am Freitag, bis dahin bleib ja gesund und trinke ein schönes kaltes Veltins, oder Weihnachtsbier :bier:

    Grüße von Wolle

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