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  4. Lexikon / Philatelie Geschichte

Posthistorie

  • Kramix
  • 19. September 2008 um 21:41
  • Kramix
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    • 25. Oktober 2009 um 11:30
    • #241

    Hallo Forumianer, ich wünsche einen schönen Sonntag.

    Inder letzten Folge der Postgeschichte hatte ich die wohl teuerste Marke der Welt, die " British Guyana 1 Cent " vorgestellt.

    Über diese Marke ranken sich immer noch abenteuerliche Geschichten, vor allem was die Echtheit und die Sammelwürdigkeit der Marke betrifft. Nun, es ist wie immer: 10 Gelehrte, 11 Meinungen. Vor allem ist in den letzten Jahren ein Streit darüber ausgebrochen, ob es denn ein 2. Exemplar dieser Marke gibt und dadurch der Status und die Einmaligkeit dieser Weltrarität ins Wanken geraten ist.
    Ich mache s mir heute etwas einfacher und möchte einen tollen Artikel aus dem bdph-Forum vorstellen, aus dem sich jeder seine eigene Meinung bilden kann.
    Warnung: Wer diesen Artikel genau liest, verpasst wegen der Länge vielleicht sein Mittagessen.

    Diese einzigartige Marke ist spätestens seit ihrer Entdeckung bestens in der Literatur belegt, jeder Weiterverkauf nach Auflösung der Ferrari-
    Sammlung mit dieser Marke im Jahre 1922 – damals erwarb sie der
    Amerikaner Arthur Hind – wird von der Presse begleitet, bis eben zum derzeitigen Besitzer, dem amerikanischen Milliardär John du Pont, der sein einmaliges Stück aber derzeit bestens aus der Erinnerung und in der Phantasie betrachten kann, da er seit 1997 wegen Mord an einem Freund in Gefängnis sitzt.
    Soweit wäre dies eine der fast schon üblichen Geschichten
    früher Raritäten, die heute einen ausgewiesenen „Stammbaum“ haben. Aber spätestens seit der öffentlichen Präsentation der Internet-Auktionsfirma eBay zur Philatelia 1999 in Köln, den geschickt vorher in der Welt-Presse lancierten Berichten und Werbereportagen, deren Thema sogar von der Postzeitschrift „postfrisch“ für einen Sensationsbericht wert erachtet wurde, ist die Philatelie um eine weitere 1c British Guiana reicher. Und auch sie hat Geschichte, und was für eine! Gekrönte Häupter und die namhaftesten Philatelisten der frühen Urzeit der Philatelie spielen eine ihnen zugewiesene Rolle.Dabei später auch ein Opernsänger und eine arme rumänische Tänzerin, die vielleicht die Phantasien eines Aschenputtels austräumen will. Stoff, aus dem Träume für Opern sind, die auch Material genug für spannende Drehbücher abgeben.
    Die Fakten:
    Eigentlich sind die nachprüfbaren Fakten schnell aufgezählt: in Köln war 1999 ein Exemplar der angeblichen 1c-magenta zu sehen, recht ansehnlich, gestempelt am 9. September 1856 in Demarara. Aussteller der Rarität, die in einer Internet-Auktion für 1,9 Mio DM (!) angeboten wurde (und für die sich kein Käufer fand), war Peter Winter, Kaufmann und Sänger, wohnhaft in Bremen bzw. richtiger gesagt, dessen Sohn, der seit 1992 der glückliche Besitzer ist. Peter Winter ist in der Philatelie kein Unbekannter: seine perfekt gestalteten Imitationen klassischer und moderner Marken, aber auch ideenreiche und umsatzträchtige markenähnlich aussehende Produkte zu bestimmten politisch relevanten Anlässen „zieren“ die Philatelie. Er ist, mit Verlaub gesagt, der moderne „Kujau der Philatelie“. In seinem Farbkatalog des „House of Stamps“ fanden sich natürlich auch berühmte Guiana-Seltenheiten, darunter auch die 1c von 1856. Für preiswerte 55 bis 110 DM, je nachdem, ob lose oder auf Brief, konnte sie der Sammler bestellen und sich, das „Unikat“ im Wohnzimmer an der Wand gerahmt, einmal wie Arthur Hind fühlen.
    Soweit die überprüfbaren Fakten. Alle anderen Aussagen stammen
    wohl erst einmal von Peter Winter selbst, in einer Fassung, die die
    Auktionsfirma eBay an die Presse gab. Er will die Marke, die er 1992
    seinem Sohn zum 21. Geburtstag schenkte, in den 80er-Jahren von
    einer rumänischen Tänzerin mit Namen Mioara Corojeanu, wohnhaft in
    Cimpulung Moldovenesc, anlässlich der Begegnung während einer
    gemeinsamen Tournee in Deutschland für „unter 10.000 DM“ gekauft
    haben. Die Marke sei zu dieser Zeit stark beschädigt gewesen, sie
    hatte einen starken Einriss, sie wurde in diesem Zustand fotografiert
    und von dem süddeutschen Briefmarkenrestaurator Hummel
    fachgerecht restauriert. 1989 legte er die Marke dem Prüfkomitee der Royal Philatelic Society vor. Deren Urteil lautete: „...
    Nach unserer Meinung ist die Marke nicht echt, sondern aus einer echten FOUR Cents durch Veränderung der Inschrift FOUR in ONE und CENTS in CENT hergestellt!“ Im gleichen Jahr legte Winter die Marke dem 1999 in Berlin verstorbenen freien Prüfer Georg Bühler zur Expertise vor. Er soll „nach gründlicher In-Augenscheinnahme“ die Marke als „unzweifelhaft echt“ bezeichnet haben,ein Attest aber mit Verweis auf das Urteil der Royal verweigert haben, da er „in diesem Fall doch wohl nicht kompetent genug sei“. Aber er habe, so der PR-Bericht, die Marke „aufs gröbste“ beschädigt, „indem er an dem Schriftzug ONE CENT herumkratzte, so dass neue Beschädigungen entstanden, die noch nicht wieder repariert worden sind“.
    Georg Bühler, der große Klassikkenner und langjährige Prüfer, starb wie gesagt im Jahre 1999. Es ist aber bekannt, dass zahlreiche Sammler, die Georg Bühler bereits Anfang der 80er-Jahre zahlreiche Prüfvorlagen klassischer Marken Südamerikas zur Prüfung zuschickten, von ihm schon damals den Hinweis erhielten, dass er wegen seines hohen Alters und
    der stark nachlassenden Sehkraft kaum noch in der Lage sei, schwierig zu bestimmende Marken zu prüfen.
    Dann war erst einmal Sendepause. Erst durch eine NDR-Sendung 1997
    angeregt, bei der wohl auch diese Marke eine Rolle spielte, unternahm Peter Winter dann weitere Schritte. Er wandte sich nämlich nunmehr an Wolfgang Jakubek, den namhaften Ex-Auktionator und Berufsphilatelisten, durch dessen Hand wohl schon die meisten Großraritäten der Philatelie in den letzten Jahrzehnten gegangen waren, u.a. auch die andere 1c von 1856 ex Ferrari. Gemäß eBay-PR-Bericht soll Jakubek drei Monate für die Prüfung gebraucht haben, dann aber gesagt haben, „dass es seiner Meinung nach vollkommen unmöglich sei, einen Beweis dafür vorzulegen, dass die Wertangabe ONE CENT nicht echt sei. Das übrige Druckbild und die gesamte Marke sei über jeden Zweifel erhaben und echt“. Wolfgang Jakubek selbst beschrieb seine Aussagen für das Gutachten vom Juli 1998 so: „Über die Wertangabe ONE CENT kann ich kein Urteil abgeben, der Rest ist echt“! Dies klingt nuanciert anders, denn hier sagt Jakubek selbst sehr deutlich, dass er über das eigentliche Spezifikum der Marke eben kein Urteil abgeben kann, und das war ja wohl das, worauf es dem Auftraggeber Peter Winter doch in erster Linie ankam.
    So legte Winter die Marke 1998 nun einer „Papiertechnischen Stiftung
    München“ vor, die die Marke mit den zur Verfügung stehenden technischen Mitteln der heutigen Zeit, u.a. Laser-Resonanzspektrographen und Video-Infrarot-Stereomikroskopen, untersuchte. Gemäß PR-Bericht besagte das Urteil, „dass es keinen
    Hinweis darauf gibt, dass die Marke nicht echt sei oder dass an der Marke manipuliert worden ist“. Mit diesem nunmehr für ihn gutem Befund nahm Peter Winter Kontakt mit David Feldman, einem
    der wohl international mit am besten ausgewiesensten Auktionatoren für den Verkauf von Weltraritäten, auf. Feldman wollte vor einem Angebot, vielleicht auch, um sich nicht lächerlich zu machen, absolut sicher gehen, dass die Marke echt sei. Er ließ Vergleiche (z.B. mit allen
    bekannten 4c-magenta-Marken) durchführen, um auszuschließen, dass die Marke von einem der bekannten Stücke stammt, und legte sie letztlich im Dezember 1998 erneut dem Prüfkomitee der
    Royal Philatelic Society London vor. Sechs Monate dauerten die Untersuchungen und dann kam das gleiche Urteil wie schon im Jahre 1989, nämlich, dass die Marke nach Ansicht des Prüfkomitees eben nicht echt sei.
    Aus dem Gutachten von Rolf Roeder: Infrarot-Absorptionsaufnahme: Bei 850 nm lassen sich die Auftragungen trennen. Während die handschriftlichen Schriften und Verunreinigungen transmittieren, absorbieren der Stempelaufdruck und dieschwarze Druckfarbe. Es lassen sich keine Reste von Druckfarbe auf dem Papier finden, die unzweifelhaft vorhanden sein müssten, sollte eine Entfernung von Buchstaben von der Oberfläche der Marke vor oder hinter dem Schriftzug „ONE CENT“ stattgefunden haben. Ebenfalls lassen sich keine Verletzungen der Papieroberfläche an den infrage kommenden Stellen finden. – Originaltext aus dem Gutachten von Rolf Roeder, Sachverständiger für Urkunden, Maschinenschriften und Druckerzeugnisse (12.10.1999). Das Expert Committee der Royal Philatelic Society widerspricht explizit diesem Befund!

    Aus dem Gutachten von Rolf Roeder: Infrarot-Lumineszenzaufnahme: Es wurde hiermit „in die Tiefe“ des Papieres gesehen. Es ließ sich an den in Frage stehenden Positionen vor und hinter dem Schriftzug „ONE CENT“ kein Vorhandensein von Farbpartikeln im Papier nachweisen. Ebenso konnte kein Hinweis auf eine chemische oder mechanische Rasur an diesen Stellen gefunden werden, der aber mit Sicherheit nachweisbar wäre, wenn irgendeine Manipulation an dieser Stelle stattgefunden hätte. Die hell scheinenden Stellen resultieren aus dem Durchleuchten des hinter der Marke befindlichen Klebstoffes zum Befestigen des Stützpapieres. – Originaltext aus dem Gutachten von Rolf Roeder, Sachverständiger für Urkunden, Maschinenschriften und Druckerzeugnisse (12.10.1999). Das Expert Committee der Royal Philatelic Society widerspricht wiederum explizit diesem Befund!

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    Geld kann Leben nicht kaufen ( Bob Marley )

    2 Mal editiert, zuletzt von Kramix (25. Oktober 2009 um 11:45)

  • Kramix
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    • 25. Oktober 2009 um 11:34
    • #242

    Eine letzte Prüfung nahm am 12. Oktober 1999, also wenige Tage vor dem Internet-Angebot der Fa. EBay, ein Sachverständiger für Urkunden, Maschinenschriften und Druckerzeugnisse, der Bremer Rolf Roeder, vor. Er sollte nur prüfen, ob aus dem Schriftzug FOUR CENTS später ONE CENT gemacht worden sei. In seinem Gutachten bestätigte er, dass im „Bereich des Wortes ONE von ONE CENT Restaurationsmerkmale“ aufzufinden seien, „dass Papierfasern im gesamten Bereich der Marke aus ihrer Leimung herausgerissen sind“, auch sei auffällig in partiellen Bereichen der Beschriftung, „dass die Druckfarbe abgerieben wurde“, was besonders für den eben zuvor erwähnten Bereich der Wertangabe gelte. „Insgesamt gesehen weist die gesamte Oberfläche jedoch den gleichen Grad der Abnutzung auf und es lassen sich keine Unterbrechungen in der Faserstruktur erkennen . Es lassen sich keine Hinweise auf eine gezielte mechanische oder chemische Rasur in den Bereichen ONE CENT ausmachen“. Roeder wörtlich: „Somit habe ich keinen Zweifel, dass der Aufdruck ONE CENT ursprünglich und damit unverfälscht ist“.
    Wolfgang Jakubek spezifizierte sein Prüfresultat im November 1999 dahingehend, dass er- wortgewandt wie immer - formulierte: „Ich kenne beide dieser Marken. Beide sind für mich das´Turiner Grabtuch der Philatelie`. Der Ordnung halber ist aber klar festzustellen: Das Wort
    FALSCH ist im Zusammenhang mit diesen Marken nicht zu gebrauchen. Warum? Eine Fälschung setzt stets ein Original voraus! Es lässt sich nichts fälschen, was als Original gar nicht existiert! Schon vor 120 Jahren heißt es in Meyer`s Konversationslexikon: Eine Fälschung ist eine zu betrügerischen Zwecken vorgenommene Kopie eines Originals. Merke: Wo kein Original ist auch keine Fälschung!“
    Diese Einsicht mag wohl auch der PR-Bericht von eBay im Auge gehabt haben, der im Schlusssatz die Journalisten mit äußerst heftigen Worten nötigte: „Die Behauptung aufzustellen, die Marke sei eine Fälschung, ist absolut unzulässig, und es ist durch Rechtssprechung untersagt – zur Vermeidung von unverzüglichen Unterlassungs- und Schadensersatzklagen – zu behaupten, die oben besprochene British Guiana ONE CENT Magenta von 1856 sei nicht echt!“
    Haben wir das richtig verstanden? Man produziert eine beliebige, nicht in der Philatelie vorkommende, durch postalische Dokumente belegte, briefmarkenähnliche Vorlage – und dann ist dies eben keine Fälschung, sondern ein Original! Grund: weil eine Fälschung das Original
    voraussetzt. Da es aber kein Original gibt, kann das so ähnliche, aber nicht gleiche Produkt eben auch keine Fälschung sein! Das ist höhere Philosophie und wohl kaum in Einklang mit den Maßstäben philatelistischer Prüfordnungen und Begriffsbestimmungen zu bringen. Für Kataloge müsste dies dann, Jakubek nun folgend, zur Konsequenz haben, diese angebliche „Marke“ künftig nicht mehr zu katalogisieren, weil es sich eben um eine „Phantasie-oder Schwindelmarke“ handelt! Oder man macht auch weiterhin daraus ein Schaustück oder läßt gar das Publikum über die Frage der Echtheit abstimmen. So gefiel es dem Auktionator David Feldman bei der STAMP SHOW 2000 im Mai in London, wo dieser einen Extra-Stand mit Wahlzetteln zur 1c Magenta von 1856 aufgebaut hatte: „True or False? We request your vote!“ Ob das allerdings der richtige Weg ist, die Echtheit von Marken künftig philatelistisch fundiert festzulegen, mag doch wohl mit Recht bezweifelt werden. Interessenten konnten sogar im Internet das Ergebnis der Publikumswahl abrufen!

    Die Legenden
    Dieser Bericht wäre schon am Ende, wäre da nicht noch eine Story, die sich fast legendenhaft um diese zweite 1c von 1856 rankt; fast zu schön, um wahr zu sein. Denn, vermittelt über die Aussagen von Peter Winter, die wiederum dem Autor nur in der PR-Version von eBay vorliegen, gibt es angebliche Erzählungen der rumänischen Tänzerin, wie sie denn überhaupt zu der Marke kam. Die Spur führt zu ihrem Großvater nach Rumänien, der seiner Enkelin, eben der besagten Tänzerin, in den 80er-Jahren diese Marke geschenkt haben soll. Die Marke war quasi ein „Familien-Erbstück“, denn ihr Urgroßvater, Wassile Moldoveanu aus Moldawien, habe zu Ende des 19. Jahrhunderts als „vertrauter Kammerdiener und Krankenpfleger“ in Diensten des russischen Großfürsten Alexis Michailowitsch, einem Cousin des letzten russischen Zaren, gestanden. Michailowitsch, 1875 geboren, starb zwar schon 20 Jahre später an Tuberkulose in San Remo, galt aber schon sehr früh als weithin bekannter Briefmarkensammler klassischer Seltenheiten. Er stand mit den namhaftesten Philatelisten seiner Zeit in Verbindung, besuchte 1893 sogar den belgischen Händler J. B. Moens in Brüssel, und war bestens mit dem wohl zu dieser Zeit berühmtesten Sammler in Russland, Friedrich Breitfuss in St. Petersburg (1851–1911), befreundet, dessen berühmte Sammlung er kaufen wollte, um sie in einer Stiftung dem russischen Staat zu vermachen. Von ihm soll er auch die 1c magentaerhalten haben, die dieser selbst, kurz nach 1864, als junger Sammler erworben haben soll.
    Da nämlich der Vater von Friedrich Breitfuss das Sammeln des Sohnes
    förderte, bestellte er für diesen bei dem Leipziger Briefmarkenhändler E. P. Wuttig sämtliche Marken, die damals zum Preis von einer Reichsmark pro Stück bei diesem zu erwerben waren. Die Rechnung soll sich auf 900
    Reichsmark belaufen haben, und dabei sei eben auch diese 1c von 1856
    British Guiana gewesen (was angeblich Charles Philipps, ein weiterer
    namhafter Berufsphilatelist und seit 1890 Inhaber der damals weltbekannten Briefmarkenfirma Stanley Gibbons, bestätigt habe). Breitfuss habe die Marke selbst aber nie sehr geschätzt, da sie stark beschädigt gewesen sei und er nur erste Qualität sammelte. So blieb sie ohne Erwähnung und Beachtung, obwohl er bekannte große Sammlungen südamerikanischer Sammelgebiete pflegte. Der eBay-Pressebericht pflegt die Annahme „dass Breitfuss, in der berechtigten Hoffnung, ohne Schwierigkeiten später ein einwandfreies
    Stück ONE CENT erwerben zu können, diese Marke nicht in seiner Sammlung duldete“, gibt aber selbst zu, dass die Marke „nirgendwo besonders erwähnt oder als Besonderheit gewürdigt wird“.
    Er soll sie, dafür gibt es aber auch keinen Beleg, eben seinem jugendlichen Freund, dem russischen Großfürsten geschenkt haben, der sie selbst dann wiederum kurz vor seinem Tod seinem Kammerdiener geschenkt haben soll. Soweit die Schenkerei! Moldoveanu zog sich nach dem Verlust seiner Stellung, als „Apotheker“ nach Samara in Weißrussland zurück, lebte dort bis zur Oktoberrevolution, um dann wieder nach Rumänien zurückzukehren.
    Warum es dann für sechs Jahrzehnte ruhig um diese Marke wurde, weiß selbst der Pressebericht nicht. Er spekuliert auf mögliche Anspruchsfolgen der fürstlichen Familienerben, wenn die Marke aus dem Besitz des Großfürsten vorher bei Verkauf mit ihrer Herkunft bekannt geworden wäre. Ob das Sinn macht? Es schien doch keiner um diese Marke zu wissen?
    Der dem Autor von Torsten Hornung, einem ehemaligen Wiesbadener Auktionator, der damals für eBay in Berlin die Internet-Promotion dieser Marke betrieb, zugeleitete PR-Bericht hat selbst (im Gegensatz zu dem im Internet veröffentlichten gleichlautenden Bericht) ein interessantes
    Postskriptum, in dem es heißt: „Bis zu dem Auftauchen der Marke im Besitz des Wassile Moldoveanu in Rumänien besteht der ‘Herkunftsnachweis’ aus Unwägbarkeiten und nicht einzeln nachprüfbaren oder nur schwer zu belegenden Angaben, Vermutungen und Schilderungen des Moldoveanu nach dem ‘Hören-Sagen’ und aus alten und mitunter unergiebigen Quellen. Gleichwohl ist dies bei fast allen bekannten Raritäten der Fall und schmälert nicht das Besondere dieser und anderer Raritäten. In ihrer Zeit waren eben diese Raritäten alles andere als rar und es wurden daher ihre Verwendung und ihr Verbleib nicht beachtet oder dokumentiert“.

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    Geld kann Leben nicht kaufen ( Bob Marley )

    Einmal editiert, zuletzt von Kramix (25. Oktober 2009 um 11:50)

  • Kramix
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    Männlich
    • 25. Oktober 2009 um 11:42
    • #243

    Resumee
    So ganz stimmt diese Einschätzung des rührigen Auktionators
    Torsten Hornung ja nun nicht. Im Gegenteil: gerade die Geschichte
    der seltenen ersten British Guiana-Raritäten zeigt, wie früh man
    Herkunft, Verwendung und Verbleib der Seltenheiten festgehalten
    hat11. So erschien eben schon in der Februar-Ausgabe des „London
    Philatelist“ aus dem Jahre 1900 (!) die Übersicht zu den bekannten
    2c-1851-Weltraritäten von British Guiana, eine Liste, die sich bis
    heute grundsätzlich nicht geändert hat. Damals war in derforschenden
    postgeschichtlichen Literatur nichts von einer amtlich
    veranlaßten Ausgabe einer 1c-1856 magenta bekannt! Seit 1887
    belegte man in der deutschsprachigen Literatur nur die Existenz einer
    solchen 1c-Marke in der Ferrari-Sammlung, bezweifelte aber, siehe
    Teltz 1887, durchaus deren offiziellen Charakter!12
    Auch auf Ausstellungen der frühen Jahre (1870 bis 1900) wurden die
    Raritäten der damaligen Zeit gezeigt und es wäre zu erwarten
    gewesen, dass ein angebliches Unikat oder eine Marke, von der es
    bestenfalls zwei Stück gibt, zu sehen gewesen wäre, der stolze
    Besitzer sein Eigentum gezeigt hätte. Grossfürst Alexis Michailowitsch
    gehörte auch zu den stolzen Sammlern, die ihre Schätze vorzeigten.
    So findet sich im erwähnten „London Philatelist“ eine Liste der Schätze,
    die der Großfürst, kurz nachdem er Mitglied der Royal Philatelic Society London wurde, sein eigen nannte. Nur, die 1 c von 1856 Brit. Guaiana findet sich nicht darunter, wohl aber z.B. Raritäten der ersten Ausgabe von Uruguay.
    Weder von Breitfuss noch von dem Großfürsten gibt es eine Aussage, dass sie die Marke jebesessen haben. Und warum sollte Breitfuss deren Existenz verschweigen? Nur, weil sie stark beschädigt war? Eine vergleichbare Beschädigung hatte Ferrari auch nicht gestört, sein Exemplar für den stolzen Preis von 150 Pfund 1878 zu kaufen. Dies klingt einfach unwahrscheinlich, zumal in diesen Jahren British Guiana-Raritäten (siehe die 2c von 1851) bekannt wurden und von allen vermögenden Sammlern wirklich gefragt waren. Ebenso unwahrscheinlich wie die Tatsache, dass dem Leipziger Händler Wuttig nicht die Existenz dieser Marke (1c statt 4c!) aufgefallen sein soll!
    Nur, in der deutschsprachigen Literatur, und die Fachzeitschriften entfalteten sich in den 60er-Jahren des 19. Jahrhunderts reichlich, findet sich kein Hinweis. Ist es dann wahrscheinlich, dass ein Händler eine bis dato unbekannte Rarität, ja ein Unikat, unbesehen, unbeschrieben,unveröffentlicht, verkauft?
    Charles Philipps (1863–1940), der berühmte englische Händler und Berufsphilatelist, durch dessen Hände nahezu alle Raritäten jener Jahre gingen, wird bemüht. Aber nennt er wirklich eindeutige Hinweise auf eine 1c von 1856? Der Beleg dafür fehlt bzw. ist dem Autor bis heute nicht bekannt. Dann könnte man an dieser Stelle auch noch einmal Frederick Adolphus Philbrick, einen weiteren großen englischen Philatelisten der frühen Jahre zitieren, der schon 1865 in „The Stamp-Collector´s Magazine“ in einem Artikel „The Postage Stamps of
    British F. A. Philbrick Guiana“ schrieb, er sei mit demPostmeister in Georgetown in Kontakt getreten und dieser habe ihm von einerMarke auf „pink paper“ etwas erzählt. Philbrick sagt wörtlich: „Kein Exemplardieser Marke scheint zu existieren, noch hat irgendein Autor verwertbar authentische Informationen, die begründeten Anlass gäben,
    eine solche Marke in eine Katalogliste aufzunehmen“. Williams deutete dies in seinem großartigen Werk als ersten Hinweis zur 2c von1851, die ja erst 1877, also 12 Jahre später, entdeckt und dann bekannt wurde.
    Bleibt der Verweis in der „Geschichte der Philatelie“, in der Carlrichard Brühl 1985 auch ein Porträt des russischen Sammlers Friedrich Breitfuss brachte, in dem er (ohne Belegquelle!) anführt, dass zu der Sammlung von Breitfuss auch „die Provisorien von British Guiana 1 und 2 cent gehörten“. Dieser Hinweis klingt unlogisch, denn diese Werte würden ja zwei zu ganz verschiedenen Jahren erschienenen Sätzen angehören. In der für Brühl akribischen Genauigkeit müsste es dann eigentlich ganz anders gelautet haben, nämlich, „die Provisorien zu 2 cent (1851) und 1c (1856)“. Oder sollte es sich da, wie schon Otto Hornung im „Stamp Magazine“16 vermutet, um einen Schreibfehler gehandelt haben, der dem Endlektorat entging? Dann bieten sich die Möglichkeiten „1 cent und 4 cent“ an oder aber auch „2 cent und 4 cent“ aus den beiden Provisoriumsausgaben, was ebenfalls Sinn macht, sind doch beide große Raritäten.
    Wir werden diese Widersprüche heute nicht mehr aufklären könnten. Die Mehrzahl der an diesemRührstück beteiligten Personen sind längst tot, Brühl starb 1997, so dass man auch ihn nicht mehr zur Literaturlage befragen kann. Da in dem PR-Text von eBay der Brühlschen Zitation doch so viel Beweiswert zuerkannt wird, ist es auffällig, dass diese neuerliche 1c erst nach dem Tod Brühls wieder in die Medien kam!
    Wie schnell sich Daten aber auch vermengen, dafür darf Ferraris Sammlung ein weiterer Beleg sein, denn unter Los 291 und 292 wurden bei der Ferrari-Auktion eine 1c und 4c von 1851 angeboten, zeitlich also noch den „cotton reels“ zugeordnet. De facto kaum möglich, da diese Marken erst am 1. Januar 1852 erschienen!
    Es bleibt der Prüfbefund des Expert Comittees der Royal Philatelic Society, den Patrick Pearson im London Philatelist in der Mai-Ausgabe 2000 der Öffentlichkeit nachreichte. Darin heißt es wörtlich: „Die Schwarz-Weiß-Vergrößerungen dieser ‚neuen‘ 1c-Marke um 500% belegen eindeutig einen Schatten infolge veränderter Schreibweise um die Buchstaben ONE, und es war möglich, die Buchstaben OUR leicht oberhalb und zur linken der neuen Buchstaben auszumachen. Die Buchstabenfolge OUR ist auf einer Linie mit CENT wie es bei den normalen FOR CENT-Marken ebenfalls erscheint. Mikroskopische Hochleistungsgeräte und Untersuchungen mit dem Freeman & Foster VSC 2000 Video Spectral-Meßgerät bestätigten dieses Detail“.
    Es bleibt ebenfalls zu erwähnen, dass die Marke rück-wie vorderseitig so stark repariert, in Teilen ergänzt und unterlegt wurde, daß dem Prüfungskomitee selbst eine eindeutige Farbbestimmung infolge der dadurch aufgetretenen Farbveränderungen der ursprünglichen Marke nicht mehr möglich war. Mit diesem Befund setzte sich das Prüfkomitee wissentlich von dem abweichenden Befund des Münchener Papiertechnologischen Institutes ab. Ebenfalls von den Ergebnissen Rolf Roeders, die zur Zeit der Begutachtung allerdings noch nicht vorlagen.
    Es bleiben letztlich die grundsätzlichen Einwände, die auch schon die Royal Philatelic Society zur Ablehnung beider 1c-Marken von 1856 und zur Aussage, „dass nach den bekannten Vorschriftenvon British Guiana im Jahre 1856 keine Notwendigkeit für eine Portostufe von ONE CENT vorlag“ bewegten: Es fehlt eine postgeschichtlich notwendige Basis für diese Marke, es fehlt einenachprüfbare posthistorische Biographie. In der Hand verbleiben nur mehr oder weniger logischeBruchstücke einer Erzählung, die man mit dem Originaltext des eBay-PR (von Winter?) über Winter so genießen darf: „Der Opernsänger hatte selbst entfernt mit Briefmarken zu tun und erkannte daher die Rarität“.

    Liebe Philafreunde: Fragen über Fragen. Ob sie je geklärt werden bleibt abzuwarten. Vermutlich nur dann, wenn sich die Untersuchungsmethoden verfeinern und davon ist schließlich auszugehen. Bis dahin sollte man diese " einmalige " Rarität vielleicht als das betrachten, was sie letztendlich sein könnte: " Ein Lückenfüller von nicht ganz unerheblichem Wert".

    So, nächste Woche noch ein Bericht über die "Schwarze-1-Kreuzer-Bayern", das " Baseler Täubchen" und die "Inverted Jenny", und dann ist das Thema berühmte und wertvolle Briefmarken auch schon wieder abgeschlossen.

    Ein schönes Restwochenende wünscht allen

    Kramix

    Geld kann Leben nicht kaufen ( Bob Marley )

  • wolleauslauf
    Gast
    • 25. Oktober 2009 um 13:39
    • #244

    Hallo Gert,

    wenn es draußen regnet und Du nicht in die Pilze gehen kannst, schreibst Du uns seitenweise Beiträge, damit auch ich nicht in die Pilze gehen kann, denn ich muß ja Deinen Bericht lesen :D ;) :) :P

    Ich habe etwas Zeit gebraucht, aber wie immer, absolut TOP !!! ;)

    Danke dafür, ich habe auch noch so ein "komisches" Srück Papier , glaube aber ehen es ist aus einem Katalog ausgeschnitten :D
    Ich habe doch von Briefmarken keine Ahnung, weißt Du doch, ich lerne es aber hoffentlich Dank Deiner Beiträge noch. Dieses Sammelgebiet spricht mich an !!!! :) ;) :P

    :bier: von und mit Wolle

  • Magdeburger
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    5. Februar 1961 (65)
    • 25. Oktober 2009 um 14:06
    • #245

    Hallo Gert

    auch von mir ein grosses Danke für die vielen schönen Beiträge.

    Beim lesen kam mir der Gedanke, woher kommen die "Unikate" und wieviele gibt es wirklich - oder doch alles nur "Mache". Auch ist der Gedanke nicht weit, was kostet es ein "Unikat" mit allen Mitteln aufrechtzuerhalten, denn ein zweites Stück kann und darf es somit nicht geben...

    Mit freundlichem Sammlergruss

    Ulf

    Suche Belege von Magdeburg bis 31.12.1867 sowie Belege mit Packkammerstempel

  • bayern klassisch
    Gast
    • 25. Oktober 2009 um 14:42
    • #246

    Hallo Gert,

    danke für den feinen Bericht - wenn der Name Winter und Rarität in einem Satz genannt wird, weiß der Insider, was er davon zu halten hat - nichts ...

    Der Druck dieser "Weltrarität" erfolgte übrigens in Kaiserslautern, der gute Zustand, den man ihr antun musste, um den Hauch von Echtheit aufrecht erhalten zu könne, auch.

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Kramix
    Stamm Mitglied
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    • 1. November 2009 um 10:45
    • #247

    Hallo Forumsfreunde,

    mein für heute geplanter Artikel über die bekanntesten Briefmarken der Welt - vor allem über die " Schwarze Bayern 1 " - fällt aus.
    Der Grund ist ganz einfach:
    Ich habe in den letzten Stunden einige Mails erhalten, die weit unterhalb der Gürtellinie liegen ( vermutlich auf Grund meiner Beiträge in einem anderen Thread ). O.k. : Unterschiedliche Meinungen kann man haben, die kann man auch ausdiskutieren, aber wenn es in den persönlichen Bereich geht, ist bei mir " Ende der Fahnenstange ".
    Es tut mir besonders leid für unser Mitglied @bayernklassisch, von dem ich aus seinem riesigen Fundus tolle Scans der Bayern 1 bekommen habe. Auch als bekennender Nicht - AD Sammler muss ich sagen:
    Einfach traumhaft. Ich hoffe aber, nächste Woche alles mal nachzuliefern ( wenn sich dann die Geister mal wieder beruhigt haben und nicht unbedingt ein IQ von 134 für Beiträge vorausgesetzt wird ).
    Nur wie gesagt: Im Moment habe ich einfach die " Schnauze voll ".
    Dennoch an alle ein schönes Restwochenende wüncht jemand, der sich nicht aus dem Forum vergraulen lässt.

    Kramix

    Geld kann Leben nicht kaufen ( Bob Marley )

  • Ron Alexander
    Stamm Mitglied
    Beiträge
    3.488
    Geschlecht
    Männlich
    Geburtstag
    4. Mai 1984 (41)
    • 1. November 2009 um 10:57
    • #248

    Guten Morgen,

    Sehr schade, hoffe nächste Woche gibt es einen "doppelten Nachschlag". Die Berichte waren immer sehr interessant und kurzweilig zu lesen.

    Grüße

    Sammelgebiet:
    Französische Besatzungszone Württemberg
    Stetig auf der Suche nach Besonderheiten und Abarten der FZ Württemberg

  • Gerhard2
    erfahrenes Mitglied
    Beiträge
    582
    Geburtstag
    10. Juli 1970 (55)
    • 1. November 2009 um 11:03
    • #249

    Hallo Kramix,

    dann freue ich mich schon auf nächste Woche :)

    Finde Deine tollen Posthistorischen Berichte und Anekdoten immer einsame Spitze und habe bisher alle mit Begeisterung gelesen.

    Bitte weiter so :-).


    Mfg.,


    Gerhard

  • wolleauslauf
    Gast
    • 1. November 2009 um 11:42
    • #250

    Hallo Gert,

    auch mir FEHLT der wöchentliche Bericht, aber ich verstehe Deine Raktion.
    Ist schon manchmal ätzend über was sich die Leute ihren Kopf zerbrechen und noch seitenweise posten :D

    Mehr freut mich, dass Du nicht ( wie einige andere Mitglieder ) die Schaufel aus der Hand wirfst und sagst, ich gehe. :D
    DU bleibst und jetzt sind wir schon ( mindestens 2 :D )
    Durch die positiven Zuschriften an Bjoern, schon um die 30 ;)
    Vielleicht trennt sich auf normalem Wege die Spreu vom Weizen ;)
    Ich gehe jetzt wieder über meine BRIEFMARKEN ;)

    Dein sonntägliches Danke :bier: von

    Wolle


    PS: @ bk,
    mußte erst zweimal kucken um Dein neues Avatar zu erkennen :D
    gefällt mir sehr gut !

  • Manowar
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    • 1. November 2009 um 13:35
    • #251

    Kramix, kann deine Entscheidung gut nachvollziehen. Hoffe im Sinne aller,dass du aber hier bleibst und den Beitrag wirklich nachlieferst!

    Ich bin immer auf der Suche nach Tauschpartnern. Schaut euch doch mal meine Fehl- und Dublettenlisten an, vielleicht ist ja was dabei!

    Bei BRD: 90% von dem, was nicht in der Fehlliste auftaucht, habe ich mehrfach. Falls Interesse, einfach melden!

  • Bernd HL
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    • 1. November 2009 um 15:12
    • #252

    Moin Gert,

    schade :( Ich hatte gehofft, endlich mal wieder einen Beitrag mit Inhalt statt spamenden Marienkäferdünnpfiff lesen zu können, aber Deine Entscheidung steht und wird auch von mir akzeptiert.

    Es ist traurig, Deine Zeilen lesen zu müssen, dass irgendwelche Vollpfosten Dir schon wieder "nette Mails" schicken. Das können keine Sammlerfreunde sein, das sind einfach nur mit sich selber unzufriedene Menschen.

    Mein lieber Gert, denke lieber an die Forumsfreunde, die sich auch hier im Thread schon freudig über Deine Beiträge geäussert haben und ärgere Dich nicht über solche Trolle. Die Mehrheit wünscht sich solche sauberen fachlich interessante Berichte und liest sie auch freudig. Lass uns zusammen die Meckerpötte ignorieren und sachlich weitermachen, da haben wir mehr von ;)

    Gruss aus Lübeck

    Bernd

    Zackige Sammlergrüsse aus Lübeck sendet Bernd HL ;)!

  • bayern klassisch
    Gast
    • 1. November 2009 um 15:43
    • #253

    Hallo Gert,

    ich bin zwar Außenseiter und kenne nicht Roß noch Reiter, fände es aber - ungeachtet der bayerischen Relevanz - sehr schade, wenn du dir von Unbeteiligten dein vorzügliches Konzept verderben lassen würdest.

    Ich weiß nicht wie viele Sammlerfreunde sich, wie ich auch, seit Anbeginn an auf deine lehrreichen und interessanten Beiträge freuen; immer ein Genuß.

    Für mich sind sie ein lesens- und liebenswerter Bestandteil eines jeden Sonntags und ich stehe hier sicher nicht allein auf weiter Flur.

    Selbstverständlich akzeptiere ich deine Entscheidung - wir sind ja keine Kinder mehr. ;)

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

    P.S. Danke Wolle - nach über 2 Jahren habe ich mal etwas neues ausprobieren müssen ... als Tabellenführer der Premier League :P

  • Kramix
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    • 8. November 2009 um 12:39
    • #254

    Ein sonntäglicher Gruß an alle Forumianer,

    heute also - mit Verspätung - die letzte Folge der Reihe über die bekanntesten, aber auch wohl beliebtesten Briefmarken.

    Die Basler Taube

    Was für einen Altdeutschland-Sammler der " Schwarze Einser " oder der " Sachsendreier " ist, ist für jeden Klassiksammler aus dem Musterländle Schweiz " das Basler Täubchen " oder wie die ursprüngliche Bezeichnung im Baseldeutsch heißt: " Basler Dybli ".
    Allein bei der Nennung des Namens bekommen viele Sammler schon Schweißausabrüche und feuchte Hände, ist diese Marke doch mit Sicherheit das Glanzstück einer jeden Schweiz - Klassik - Sammlung. Gehen wir also zurück ins Jahr 1845: Es gab in der Schweiz wie in so vielen anderen Ländern auch noch kein geordnetes und einheitliches Postwesen, jeder Kanton war für seinen eigenen Postdienst verantwortlich. Die Gründung eines eigenen Schweizer Postwesens erfolgte erst ab 1. Januar 1849, ab 1850 wurden allgemein gültige Briefmarken für die gesamte Schweiz ausgegeben, bis dahin wurden eigene Postwertzeichen nur von den Kantonen Zürich und Genf und eben von Basel ausgegeben.
    Die Erstausgabe der Taube erfolgte am 1. Juli 1845, der Postwert betrug 2 1/2 Rappen und war für Briefe bis 1 Lot im Stadtgebiet von Basel bestimmt. Der Entwurf der Marke wurde von dem Archtitekt Melchior Berri vorgenommen, der als Motiv eine weiße Taube wählte, die von der Inschrift " Stadt-Post-Basel " umgeben ist. Aber die Besonderheit dieser Marke liegt sicherlich darin, daß das Motiv in den 3 Farben schwarz, blau und karmin hergestellt wurde und damit die erste mehrfarbige Briefmarke der Welt ist. Da die Briefmarke im Buchdruckverfahren hergestellt und die Taube geprägt wurde,steht sie daher aus dem Briefmarkenpapier etwas hervor.
    Ein langes Leben war dieser Taube allerdings nicht beschert, denn bereits am 30. September 1854 verlor sie ihre Gültigkeit. Der hohe Stellenwert bei Sammlern rührt wohl nicht nur aus ihrer Seltenheit, sondern auch aus ihrem Bekanntheitsgrad, daher ist sie neben der Doppelgenf und der Zürich 4 und 6 die wohl beliebteste Briefmarke bei Schweizer Philatelisten.

    Die Inverted Jenny

    Die " Inverted Jenny " - manchmal auch " Jenny Invert " genannt - ist wohl der berühmteste amerikanische Feldruck und gleichzeitig auch eine der seltensten und teuersten Marken der Welt. Schließlich gibt es erwiesenermaßen nur 100 Stück aus dem Fehldruck eines Bogens, bei dem das Flugzeug der Marke Curstiss Jenny verkehrt herum auf die Marke gedruckt worden ist. Der Hintergrund für diesen Fehldruck ist ganz einfach nachvollziehbar:
    Es handelt sich bei der Originalmarke um die erste Flugpostmarke der USA, die ab 15. Mai 1918 zur Bezahlung der Flugpostgebühren verwendet werden konnte. Schließlich bestanden schon damals feste Flugpostverbindungen zwischen Washington D.C., Philadelphia und New York City. Der Postwert der Briefmarke, der sich mit den Flugpostgebühren deckte, war mit 24 Cents allerdings relativ hoch angesetzt.
    Mit dem Druck der Flugpostmarken wurde erst am 10. Mai 1918 begonnen, vorher war man seit 4. Mai mit dem Gravieren der Druckplatten beschäftigt. Da die Auslieferung der Briefmarken jedoch bereits am 13. Mai erfolgen sollte, wurde der Druck der Marken im Höchttempo und ohne die ansonsten zahlreichen Sicherheitskontrollen vorgenommen: Eine Entstehung von Fehldrucken war somit die logische Konsequenz.
    Schon am 14. Mai 1918, dem Erstausgabetag der Flugpostmarke, entdeckte der Philatelist W. T. Robey auf einem Postamt einen Bogen zu 100 Briefmarken der Inverted Jenny. Kurzentschlossen kaufte er alle Bogen auf, die noch in diesem Postamt erhältlich waren und überzeugte sich, dass dieser der einzige Bogen mit Fehldrucken in diesem Postamt war. Nach seinen eigenen Aussagen ein unglaubliches Gefühl für einen Sammler, " my heart stood still ". Einige Zeit später verkaufte er den Bogen, aus dem alle heutigen bekannten Stücke stammen, für 15.000 $ an den bekannten Briefmarkenhändler Eugene Klein, der ihn sofort für 20.000 $ an den Sammler Edward H. R. Green weiterverkaufte - ein Zeichen für den bis heute erhalten gebliebenen Profitsinn von " Uncle Sam ", möglicherweise war er aber auch nur ein Ahnherr der heutigen General-Motors-Manager ( raffgierig und verschlagen ). Dieser zertrennte nun auf Anraten Eugene Kleins den Bogen und begann mit dem Verkauf mehrerer Paare und Einzelstücke, die sich heute in den verschiedensten Briefmarkensammlungen der Welt wiederfinden. So wurde beispielsweise im Jahre 2007 ein Luxusstück dieser Marke - es handelt sich um die Nr. 84 des Bogens - von der Heritage Auction Galleries für 825.000 § an einen langjährigen Münzsammler ??? versteigert, der an der Wall Street arbeitet, Glück für ihn, das war noch vor der Finanzkrise.
    Eine Sensation schließlich war eine Pressemeldung aus dem Jahre 2006.
    Diesr Meldung zu Folge soll einem anonymen Briefwähler bei den US-Kongresswahlen ein fatales Missgeschick passiert sein. Er frankierte das Wahlcouvert mit einer „Inverted Jenny“. Tatsächlich handelte es sich jedoch nur scheinbar bei dem in Fort Lauderdale (Florida) gefundenen Umschlag um ein grobes Versehen oder eine Fälschung. Vielmehr handelte es sich um Absicht, wie ein älterer Sammler zugab, der sich wenige Tage später meldete. Die verwendete Marke stamme aus einem von der US-Postbehörde gedruckten Gedenkblock und sei höchstens 50 Cent wert, also viel Lärm um nichts, die Sammlerwelt konnte aufatmen und wieder tief Luft holen.


    Der Schwarze Einser

    neben dem berühmten " Sachsen-Dreier" wohl die begehrteste Briefmarke für Philatelisten, die sich mit dem Gebiet Altdeutschland beschäftigen, schließlich gebührt ihr der Ruhm, Deutschlands älteste Briefmarke zu sein, die seit dem 1. November 1849 im damaligen - und von vielen heute wieder gewünschten - Königreich Bayern ausgegeben wurde.
    Aber warum " Schwarze Einser "? Einfache Frage, einfache Antwort: Sie wird so bezeichnet wegen der großen Wertziffer und der Farbe der Marke. Der Nominalwert beträgt analog der damaligen Frankatur für einen Ortsbrief einen Kreuzer. Das Motiv für die Marke wurde von Johann Peter Haseney entworfen. die Marke selbst ist auf handgeschöpftem Papier gedruckt und ungezähnt und war der kleinste Wert einer Serie von sehr ähnlichen Marken. Gleichzeitig mit der Einser erschien die blaue 3-Kreuzer und die braune 6-Kreuzer-Marke.
    Allerdings, ein Manko hatte diese Marke in schwarzer Farbe, denn sie wurde mit schwarzer Stempelfarbe entwertet. Daher wurde der Schwarze Einser schon bald durch eine neue Ausgabe - den rosafarbenen 1-Kreuzer- ersetzt, dessen Zeichnung an die 3- und 6- Kreuzer Marke angelehnt wurde. Im Oktober 1851 schließlich wurde die Marke vom Verkauf an den Schaltern zurückgezogen, blieb aber noch bis zum 31. August 1864 frankaturgültig.

    Aktuell: Hinweise von @bk: Die in der allgemeinen Literatur angegebene Version, dass der Verkauf der Marke am Schalter zurückgezogen wurde, entspricht wohl nicht den Tatsachen. Danke an @bk

    Eine Besonderheit besteht darin, dass diese Marke auf zwei verschiedenen Platten gedruckt wurde, wobei die erste Platte einen unscharfen und groben Druck verursachte, die zweite Platte von 1850 dagegen einen klareren Druck hervorbrachte. Interessant ist, dass beide Auflagen ein unverkennbares Sicherheitsmerkmal tragen; in dem scheinbar chaotisch gemusterten Hintergrund der großen Wertziffer verstecken sich nämlich der Name des Entwerfers und der des Stechers. Für einen Fachmann ist bei entsprechender Vergrößerung und Drehung der Marke dieses Sicherheitsmerkmal allerdings klar zu erkennen.
    Die Literatur gibt an, dass die Gesamtauflage 832.500 Stück betrug, davon Platte 1. 472.500, Platte 2: 360.000 ( die Fachleute hier mögen mich zu entsprechenden falschen Angaben bitte korrigieren, gell @bk ).
    Trotz dieser relativ hohen Auflage ist der Schwarze Einser bei Sammlern äußerst beliebt und erreicht je nach Qualität Sammlerwerte von 1000-3000 EURO, Spitzenstücke dürften auch noch um einiges darüber liegen.
    Es war eine Sensation, als 1958 in alten Briefen im Archiv der Stadt Eichstätt ein Brief mit dem einzig bekannten Sechserblock von schwarzen Einsern entdeckt wurde. Dieser sogenannte " Eichstätt - Brief " ist heute im Museum für Kommunikation in Berlin zu bewundern. Bekannt sind weiterhin auch zwei Briefe mit jeweils 6 einzelnen nebeneinander aufgeklebten schwarzen Einsern, die aus einer Korrespondenz aus Lauf an der Pegnitz stammen. Wie ich aus gewöhnlich gut unterrichteter Quelle erfahren habe, soll unser Sammlerspezi @Wolle diese Briefe gegen eine große Sammlung DDR eingetauscht haben, um einen Grundstock für seine " Mückenschisse " zu erhalten :D :D :D .
    Auf eine der letzten Auktionen des Hauses Köhler in Wiesbaden wurde ein " Zwölfer-Block" der schwarzen Eins, bei dem eine Marke auf dem Kopf steht, für einen Betrag von 320.000 EURO an einen Bieter aus der Schweiz verkauft. Eigentümer dieser Rarität war die fränkische Industriellenfamilie Otto und Fritz Kirchner. Man sieht, ohne eine gut gefüllte Brieftasche ist bei diesem Schmuckstück der deutschen Philatelie der Weg zum Besitz sehr weit, es sei denn, mann macht mal wieder einen Dachbodenfund oder erbt ein paar Alben vom Opa, bitte die Marken dann getrost hier vorstellen.
    Die im Anhang eingescannten Marken bzw. der Brief wurden mir freundlicherweise von unserem " Bayernspezi " @bayernklassisch aus seinem wohl unerschöpflichen Fundus zur Verfügung gestellt. Nochmals danke, Ralph.
    Den Brief muss ich im Lauf des Tages nachliefern, da ich mir mal wieder die entsprechende Bilddatei abgeschossen habe. :oneien:
    So, das wars für heute. Da bekannte und wertvolle Briefmarken ja bekannterweise auch schwarze Schafe auf den Plan rufen, fahren wir nächste Woche mit dem Beginn eines Kapitels über berühmte Fälscher und Fälschungen sowie Fälschungsmethoden fort.
    Bis dahin wünscht allen noch ein schönes Restwochenende

    Kramix

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    Geld kann Leben nicht kaufen ( Bob Marley )

    4 Mal editiert, zuletzt von Kramix (8. November 2009 um 15:56)

  • bayern klassisch
    Gast
    • 8. November 2009 um 14:57
    • #255

    Hallo Gert,

    sehr schöne Vorstellungen dieser beliebten Marken - vielen Dank dafür. :)

    Den Satz bei der Schwarzen Eind, dass sie zurück gezogen worden wäre, streichen wir aber lieber; das ist so ein Michel - Märchen, welches sich schon seit Generationen ohne Grundlage hält.

    Ich freue mich schon jetzt auf deine Fortsetzungen ... :)

    Liebe Sonntagsgrüsse von bayern klassisch

  • wolleauslauf
    Gast
    • 8. November 2009 um 17:09
    • #256

    Hallo Gert,

    erst die Serverumstellung, dann das warten auf Deinen Report.
    Wir Sammler müssen schon leiden :D

    Das mit dem Brief habe ich absichtlich gemacht ! :D
    Die Chance Müschis zu bekommen ist größer als noch 50 schwarze Einser.
    Ich habe ihn Dir nochmals angehängt !

    Danke für Deinen Bericht :] :bier:
    von Wolle

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  • stamp-man
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    27. März 1996 (30)
    • 8. November 2009 um 17:20
    • #257

    F

    Goethe:"Sammler sind glückliche Menschen"

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    Einmal editiert, zuletzt von stamp-man (8. November 2009 um 17:20)

  • stamp-man
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    27. März 1996 (30)
    • 8. November 2009 um 17:21
    • #258

    finde ich auch so!

    Gruss
    Stamp-man ;)

    Goethe:"Sammler sind glückliche Menschen"

    [Blockierte Grafik: http://img.webme.com/pic/f/free4-fun/signatur.gif]

    2 Mal editiert, zuletzt von stamp-man (8. November 2009 um 17:22)

  • bayern klassisch
    Gast
    • 8. November 2009 um 17:32
    • #259

    Mensch Wolle,

    stell doch nicht immer den Schrott deiner schwächsten Dublettenalben hier ein, sondern zeig uns mal was Gescheites. :D :D :D

    Liebe Grüsse von bayern klassisch

  • Bernd HL
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    • 8. November 2009 um 17:50
    • #260
    Zitat

    Original von Kramix
    ...fahren wir nächste Woche mit dem Beginn eines Kapitels über berühmte Fälscher und Fälschungen sowie Fälschungsmethoden fort.


    Au ja, da freue ich mich jetzt schon drauf! :jaok: :jaok: :jaok:

    Und das heute war auch wieder :goodjob: :dankeschoen: :] :]

    Zackige Sammlergrüsse aus Lübeck sendet Bernd HL ;)!

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