Die Sache mit den Botenlöhnen ist etwas komplexer, so dass nicht ohne weiteres von unrechtmäßig gesprochen werden kann.
Zustellgebühren haben wir bereits bei den städtischen Botenanstalten von Nürnberg im 16. Jahrhundert nachweisen können. (Vgl. Buch "Postvermerke)
In neuerer Zeit sticht vor allem Württemberg hervor, das nach der Lösung von Taxis bald mit Zustellgebühren in allen Orten anfing ( auch in den großen Postorten)
In Bayern wurden die Botengebühren erst ab 1862 endgültig aufgehoben, indem flächendeckende Versorgung des flachen Landes angestrebt wurde (vgl. Einführung der Postablagen) vorher durften die Boten entsprechend der Entfernung oder Vereinbarng mit den Kunden kassieren. Interessant sind dann etwa Briefe aus dem bayerischen Wald, bei denen auch ein Botenlohn für die Beförderung des Briefes bei der Absendung bis zur ersten Postexpedition bezahlt wurden. Dazu gibt es Briefe.
Wer übrigens zu den Boten des frühen 19. Jahrhunderts genaues wissen will - im bayerischen Hauptstaatsarchiv und im Staatsarchiv München liegen noch eine Unmenge an Botenakten herum,in denen genau aufgeführt ist, wer welche Wege gegangen ist mit welcher Berechtigung und für welche Beträge. Ein grandioses Betätigungsfeld.
H
Beiträge von johelbig
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Zu solchen Briefen ist ein sehr interessantes und mit vielen Briefabbildungen ausgestattetes Buch 1993 erschienen: De Post te Antwerpen van aanvang tot 1793, Autoren u.a. de ClercQ und v.d. Linden
Wenn auch niederländisch doch unbedingt zu empfehlen, das worauf es ankommt, versteht man schon.
Dort werden auch die Gebühren, wie auf deinem Brief (3 Stiuver) erklärt und tabellarisch dargestellt.
ISBN 90-5325-007-7
D/1993/5890/1 -
bei dem Brief Neapel 1807 nach Steyr wäre bitte daran zu denken dass zu diesem Zeitpunkt zwar Bayern Tirol in Besitz hatte, aber nach der Aktenlage noch immer Taxis die 22000 Gulden für den alleinigen Profit aus dem Tiroltransit bezahlte. d.h. also Neapel liefert den Brief ohne erkennbare Frankotaxe an den Kirchenstaat - Vereinbarung mit dem Kgr. Italien des kostenlosen Transites und das Königreich Italien liefert ohne vertragliche Regelung (weil ein beabsichtiger Vertrag zwischen Taxis und Italien bereits 1805 scheiterte) an die Bayern in Tirol, die zwar den Transport ausführen aber keine Bezahlung dafür erhalten, weil eben Taxis nach wie vor seine Pauschale leistet.
So kommt der Brief also franko österreichische Grenze an, weil die Vereinbarung aus der Reichspostzeit hier noch gilt, dass Taxis und Bayern als deren Nachfolger (Bayern hat 1807 die Post in Tirol nicht wirklich fest in die Hand genommen) immer franko österreichische Grenze liefern.
Das Inlandsporto Österreich ist bereits mehrfach angesprochen worden.
Aus Neapel und anderen italienischen Städten liegen eine Reihe solcher Briefe nach Steyr vor.
Gruß HH