Hintergründe zum Vertauschen von Druckfolgen
Ich komme erst jetzt dazu alle Beiträger zu diesem Thema zu lesen. Es sind ja nicht nur die Druckfolgen, sondern die Gesamtheit
der Herstellung von Briefmarken in Russland bis in die 1930-Jahre hinein gleicht stellenweise einem Disaster (sehr zur Freude der
Philatelisten). In der Petersburger Staatsdruckerei, welche ja bis zu Ende des 20.Jahrhunderts als eine der Modernsten in der da-
maligen Druckerwelt galt, lag vieles im Argen.Auch wenn der Dorparter Leiter viel Wissen und Können aus Deutschland mitbrachte
und die Kaiserliche Staatsdruckerei Wien Vorbild war, fehlte dem Unternehmen russischer Staatsdruckerei die Einbettung in das
wirtschaftliche Gesamtgefüge. Wohl konnte Petersburg mit hervorragenden, galvanisch hergestellten Künstlerduplikaten glänzen,
war aber vorwiegend von den Aufträgen des Militärs und autokratischer Behörden abhängig. Die Herstellung von Wertzeichen bzw.
Wertpapieren spielten dabei eine eher untergeordnete Rolle, deren Erträge allerdings willkommen zur Deckung des ewig unterfinazierten Staatshaushaltes war. Ein geordneter Herstellungsprozess von Frankaturen war zwar befohlen und wurde auch kontrolliert, war aber den Abläufen z.B. einer Preussischen Staatsdruckerei nicht gleichzusetzen. Schon die Planung einer Gesamtauflage,
welche zum Zeitpunkt der Essay-Vorlagen zu erfolgen hatte, war wegen der Unsicherheit von Materiallieferungen und Personalleistungen, nicht zu sichern. Je öfter Russland im Inland und Ausland in eine Katastrofe taumelte (z.B. Wirtschaftskrise zur Jahrhundertwende, Niederlage im Russisch-Japanische Krieg, die ständigen, weitgreifenden Aufstände wegen falsch durchgeführter Bauern-
befreihung,die blutige Revolution von 1905 und letztlich die entsetzlichen Verluste Russlands im 1.Weltkrieg schlugen auch auf die russische Staatsbank und auf das Postwesen durch.Die ständigen Rekrutierungen des Fachpersonals haben sich schnell in einer zerfallenden Arbeitsorganisation und-moral bemerkbar gemacht. Die vertauschten Druckfolgen sind also letztlich ein kleiner Mangel in einem grossen Mangel dieser Zeit.