Varianten der tschechischen überdruckten Mi.1.Nr. 209 II und Mi.1.Nr. 206 I bzw.210 I A
Folgende Prachtstücke, postfrisch (*), stellen mich gerade vor etliche „mysteriöse“ Fragen.
(zudem bin des Tschechischen nicht mächtig, deshalb frage ich hier in der Rubrik Österreich, da die Urmarken der späten K.u.K. Monarchie zuzurechen sind.
Vorweg:
Die im Download und linken Bild gezeigte 3 Kronen Marke hat die Bildgröße: 26x29
Und die daneben gezeigte 4 Kronen Marke hat die Bildgröße: 25x30
Die anderen Marken (1 Krone und die anderen Heller Marken etc.) sind in diesem Zusammenhang nicht relevant und nur als Vergleichparameter zum Farb- und Papiervergleich eingestellt.
1. Frage 1: Rote 3 Kronen Marke
Die rote 3 Kronen-Marke (26x 29)auf eindeutig gefasertem Papier (österreichische Urmarkennr.Mi.1Nr.209II = Tschechoslowakei / Mi.1 Nr.60) wird im Michel mit einer Zähnung von 12 ½ angegben. Die hier abgebildete Marke aber hat definitiv eine 13er Zähnung.
Kennt jemand diese 13er Zähnungsvariante oder Literatur in der eine solche beschrieben wird?
(Faserpapier: Ich definieren übrigens: gefasertes Papier = mit fremdfarbigen Seidenfadenschlüssen;
dagegen:
Faserpapier= grob gefaserte Papiersorten mit oder ohne fremdfarbigen Seidenfadeneinschlüssen.
Stimmt das so? Bin in diesem Punkt definitionsunsicher!!!)
2. Fragenkomplex : 5 Kronen Marke
Des Weiteren gibt mir die unten gezeigte 4 Kronen Marke erhebliche Rätsel auf:
Auch sie weist ein 13er Zähnung statt einer 12 ½ Zähnung auf.
Dazu kurz im Ausschlussverfahren:
- Eine Mi.Nr. Tsch.53 I/Ö 202 I dürfte es nicht sein, da sie m.E., nicht olivgrün ist. (Siehe: Farbvergleich: von oben nach unten und links nach rechts, lt. Michel 1: Oliv, opalgrün, (unten) gelblichgrün, 5 Kronen (vermutlich: dunkelgelbich grün, (smaragd)grün)
- Eine Mi.1 Nr. 57I/Ö206 I müsste es eigentlich wegen der Farbe (dunkelgelblichgrün) sein, aber hier passt die Zähnung nicht und die Papierart (denn sie ist auf nicht auf herkömmlichem weissen und geglättetem Papier gedruckt).
- Die seltene und extrem teuere Mi 1.Nr. Tsch.61 / Ö 210, dürfte es nicht sein, da es sich hierbei mit hoher Wahrscheinlichkeit um kein gefasertes Papier (mit farblichen Seidenfäden Einschlüssen) handelt, wie bei der roten 3 Kronen Marke; es liegt bestenfalls eine Art festeres dichtes (Faser?)-papier ohne Einschlüsse vor, wobei es mir für Faserpapier etwas zu fest (Steifigkeit) erscheint.
Das Papier der 4 Kronen Marke kann aber auch keineswegs einfach mit den herkömmlichen Papieren meiner vielen anderen Marken (Beispiel: der 15 Heller und 1 Kronen Marke) verglichen und gleichgesetzt werden, wie man auch auf dem Scan sehen kann. Dabei ist es, wie schon erwähnt, taktil und optisch aber auch nicht vergleichbar mit dem Faserpapier der abgebildeten roten 3 Kronen Marke, die Seidenfäden erkennen lässt und im Umgang viel „weicher“ wirkt. In jedem Fall erscheint das Papier der 4 Kronen Marke zumindest ungewöhnlich und der Beschäftigung wert.
Noch ungewöhnlicher wird es zudem, wenn man die Farbe des Papiers betrachtet, auf dem die 4 Kronen Marke gedruckt wurde.
Denn was bei der Einzelbetrachtung zunächst kaum auffällt, wird im Vergleich mit anderen Marken sichtbar: Sie ist dunkler. D.h. ihr Papier ist getönter als das übliche weiße bzw. gelblich gealterte Papier.
Das Papier der 4 Kronen-Marke hat sehr hellen, aber deutlichen, durchgängigen Blaustich bzw. unter Tageslicht könnte man auch für Graustich plädieren, was eine individuelle Verfärbung m.E. eindeutig auschliesst. Allein für sich gestellt wirkt sie fast weiss - ohne Vergleichsmarken. Der Gummi ist erhalten, was die Verfärbung durch ein Wasserbad beim Ablösen ausschliesst. Es muss also das Papier sein.
Ist das nun billiges aufgrund von Kriegsrationalisierung verwendetes Papier, (was ich nicht glauben kann bei einem so hohen Wert) oder ein anderweitiges hochwertiges grob strukturiertes farbliches Papier, das man hier verwendet hat? In der Konsistenz jedenfalls ist es hochwertig, hat nie Schatten geschlagen und ist auch nicht stelllenweise ausgebleicht und ist bei aller Festigkeit dabei ziemlich dünn. (Siehe Foto der Rückseite.)
An seinen Graublau-Ton schließt sich nun die Frage an: Kann es sein, dass es es durch seine Eigenfarbe die Farbe des Aufdrucks verfälscht? So dass die aufgedruckte Frabe vielleicht doch gelblichgrün ist und nur durch die dunklere blau-graue Papierart dunkler ausfällt. Auch wenn ich es mir das nicht recht vorstellen kann. Denn das Papier wirkt sehr farbecht und die aufgedruckten Farben sehr authentisch.
Also:
Kennt jemand dieses Papier, oder diese Zähnungs-Varianten der Marken?
Sind die anderen überdruckten 4 Kronen Marken ähnlich beschaffen? (Ich habe keine zum Vergleich!)
Welche Mi. Nr. trifft nun zu?
Gibt es Literatur in der diese Phänomene beschrieben und begründet werden?
Für Eure Meinung wäre ich dankbar.
Mit besten Grüßen