Diesen Brief habe ich heute erhalten und möchte ihn vorstellen. Gekauft habe ich ihn nur wegen des schönen Stempelabschlags „NEUSTRELITZ 21. MAI. 1842.“
Wenn ich es richtig lese ist er gerichtet an „Unsere Consistorial-Commision des Fürstentums Ratzeburg – Schoenberg H(erzogliche) S(ache) hierbei Acten.
Das Fürstentum Ratzeburg war der viel kleinere der beiden Strelitzer Landesteile und lag südöstlich von Lübeck.
Insgesamt gibt es keine 30 verschiedenen Me-Strelitz Stempel in gerade einmal 14 Postorten. Alle diese Stempel sind nicht gerade häufig.
Auf der Rückseite des Briefs befindet sich ein Papiersiegel Herzog Georgs
(Georg Friedrich Karl Joseph, Großherzog von Mecklenburg -Strelitz), der von 1816 bis 1860 Großherzog von Mecklenburg in diesem beschränkt autonomen Teilgebiet war.
In der heutigen Betrachtungsweise gilt Georg durchaus als ambivalente Persönlichkeit. Zahlreiche Reformen gehören einerseits zu seinen Verdiensten – z.B. wurde das Schulwesen verbessert.
Politisch verfogte er allerdings eher reaktionäre Ziele. Jegliche liberale Entwicklungen wurden in seiner Regierungszeit verhindert und zurückgefahren.
Mecklenburg stand am Ende seiner Regierungszeit fast immer noch auf der Stufe eines spätfeudalen Ständestaats.
Der Verkäufer hatte dieses sehr schöne und sauber erhaltene Siegel nicht erwähnt. Auch ein zumindest teilweise vorhandener Briefinhalt wurde nicht beschrieben. Leider scheint der Brief im Innern – vielleicht wegen einer unsauberen Trennung – schon einmal restauriert und geklebt. Ein kleiner Einblick ist mir gelungen, aber mit „Gewalt“ möchte ich ihn doch nicht auseinander pflücken.
Immerhin freue ich mich sehr über diesen ursprünglich nur wegen des Stempels gekauften Briefs.
Gruß carolinus