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"Fabrikate" der russischen Übergangszeit

  • northstar
  • 6. Juni 2008 um 13:09
  • northstar
    erfahrenes Mitglied
    Beiträge
    669
    Geschlecht
    Männlich
    • 6. Juni 2008 um 13:09
    • #1

    Ich stelle hier zwei Belege aus der russischen „Übergangszeit“ (erste Hälfte der 1990er Jahre) vor.

    Diese Zeit war u.a. durch hohe Inflation und dadurch verursachten zeitweiligen Wertzeichenmangel gekennzeichnet. Es kam dadurch zu Mischfrankaturen, Provisorien etc., offiziell wie geduldet oder eben auch fabriziert. Bei den Bezeichnungen von Städten, Staaten und Organisationen gab es vielerlei Umbenennungen, so daß es auf einem Beleg paralell zwei Länder- oder Ortsbezeichnungen geben kann (z.B. „Sankt-Peterburg“ und „Leningrad“).

    Die vorgestellten Belege habe ich 1993 oder 1994 mit einer Reihe anderer Belege von einem Petersburger Sammler erworben. Nunmehr bin ich dabei, das Kapitel „Belege der Übergangszeit mit Schwerpunkt St. Petersburg“ aufzuarbeiten. Neben echten Bedarfsbriefen und philatelistisch angehauchten, aber echt gelaufenen Belegen gibt es auch einige zweifelhafte Kuverts. Zu diesen gehören die folgenden:

    1. Brief von St. Petersburg-11 nach D-4408 Dülmen 6
    2. Brief von St. Petersburg-81 nach LV-228304 Laubere

    Absender ist jeweils ein Herr S. Beide Briefe erscheinen noch originalverschlossen, sind ohne Inhalt und machen trotz der nicht unerheblichen Laufzeiten einen relativ frischen Eindruck

    Frankatur: Die Briefe sind jeweils mit insgesamt 120 Rbl. frankiert, was nach den mir vorliegenden Tarifen 10 Rbl. zu wenig ist (Auslandsbrief bis 20 g, Landbeförderung = 70 Rbl. + Einschreibgebühr 60 Rbl).

    Brief 1: Ganzsache der Post der UdSSR zu 4 kop. plus Ergänzungsfrankatur: 6 kop. Dauerserie UdSSR; diverse Dauerserien- und Sondermarken Rußland, ausgegeben 1992; Wertstempelzudruck des Hauptpostamtes 190000 St. Petersburg, ausgeschnitten von einem Ganzsachenumschlag (soweit ich weiß, war die Verwendung von Ausschnitten zulässig, jedoch hätte sich der Normalbürger aufgrund des geringen Wertes eher kaum die Mühe gemacht, zudem hätten Gelegenheitsversender bei der damals herrschenden Inflation evtl. auch Schwierigkeiten gehabt, die Wertangabe richtig zu deuten, ob es sich hier um Kopeken oder um Rubel handelt)

    Brief 2: Ganzsache der Post Rußlands zu 30 kop. plus Ergänzungsfrankatur durch Wertstempelzudruck des Hauptpostamtes 190000 St. Petersburg von 120 kop sowie Taxe percue-Label mit handschriftlichem Eintrag des Wertes (118,50 Rbl.) und des Gewichts (20g). (Hinsichtlich dieses Labels besteht bei mir noch Recherchebedarf, kann mich auf Anhieb an kein vergleichbares Exemplar entsinnen.)

    Stempel:
    Brief 1: Tagesstempel Abgang: Leningrad D-11, b, Landesbezeichnung SSSR, 17.05.93 Tagesstempel Ankunft: 4408 Dülmen 6, a, 18.06.93 Die Laufzeit von einem Monat war für einen Brief nach Deutschland nichts ungewöhnliches. Ankunftsstempel auf Einschreibebriefen sind seit 1956 bei der Bundespost/Deutschen Post AG nicht mehr vorgesehen

    Brief 2: Tagesstempel Abgang: Leningrad L-81, ž, Landesbezeichnung SSSR, 22.03.93 Tagesstempel Ankunft: Laubere Latv., a, 04..04.93 (aptiert: Landesbezeichnung SSSR und SSR nach Latv.)
    Die Laufzeit von ca. zwei Wochen war für einen Brief nach Lettland nichts ungewöhnliches. Der Ankunftsstempel Laubere kommt auch auf einigen weiteren, philatelistisch beeinflußten Belegen vor.

    Brief 1 und 2
    Kastenstempel „Recommandé“ Einschreibstempel „Leningrad“, handschriftlich eingetragen sind Postamt und lfde. Nr. (dieses Verfahren war/ist nicht unüblich). Beide Stempel erscheinen ziemlich neu. Wo beim „Recommandé“-Stempel ein Ersatz selbst in Zeiten knapper Resourcen nicht ausgeschlossen werden kann, erscheint der neue Einschreibstempel „Leningrad“ höchst suspekt, da zwar derartige Stempel mit der alten Bezeichnung noch „aufgebraucht“ wurden, aber knapp 2 Jahre nach Umbenennung der Stadt kaum ein neuer Stempel mit alter Bezeichnung angeschafft worden wäre.

    Wenn man jetzt beide Belege nebeneinander legt, ist sofort augenfällig, das die Abschläge der Kastenstempel „Recommandé“ und Einschreibstempel „Leningrad“ absolut identisch sind und jeweils identisch positioniert wurden, obwohl es sich um zwei verschiedene Abgangspostämter handelt und die Aufgabedaten ca. zwei Monate auseinanderliegen. Hier liegt der Verdacht nahe, daß diese Stempel
    - privat angefertigt wurden oder
    - privat verwendet wurden, sofern aus Postbeständen oder
    - von Postmitarbeitern aus Gefälligkeit für die Fabrikation von Belegen verwendet wurden

    Bleibt noch die Rolle der „Ankunftsstempelaubringer“ zu klären. Vermutung: Die beiden Belege sind evtl. gar nicht in Postsäcken, sondern in Koffern oder Reisetaschen nach Deutschland bzw. Lettland gereist, dort „vervollständigt“ worden und wieder zurück nach Petersburg gebracht worden, da sie für den russischen Sammlermarkt fabriziert wurden. Damit der Beleg nach Deutschland auch „vollständig“ aussieht, wurde ihm ein Ankunftstempel verpasst. Es erscheint nicht unwahrscheinlich, daß ein Mitarbeiter des Postamtes im kleinen lettischen Ort Laubere für eine Gefälligkeit gewonnen werden konnte. Und anscheinend stand ein deutscher Postler in Dülmen seinem lettischen Kollegen nicht nach.

    Bilder

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    Libertatem quam peperere maiores digne studeat servare posteritas.

    Einmal editiert, zuletzt von northstar (6. Juni 2008 um 19:38)

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